Ein Geschenk für die Fans
Die NBA Finals 2009 zwischen den Los Angeles Lakers und den Orlando Magic waren nicht nur spannend und mitreißend, sondern vor allem auch ein Augenschmaus für jeden Basketball-Liebhaber. Denn sie brachten uns vor allem eines: schöne, schnelle und offensiv ausgerichtete Spiele, für die sich auch in Deutschland das Aufstehen oder Wachbleiben gelohnt hat!

Posted by Timo Böckenhüser on Juni 12, 2009

Hall-of-Fame-Coach Chuck Daly, der am 9. Mai 2009 im Alter von 78 Jahren verstorben ist, hat dem Basketball und der NBA viel gegeben. Unvergessen und legendär ist der Auftritt des ersten und einzig wahren US-Dream-Teams bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona. Der Trainer, der im gesamten Turnier nicht eine Auszeit nahm, war Chuck Daly. Insgesamt 19 Jahre coachte er in der NBA (1981-1999), 1989 und 1990 führte er die legendären und als „Bad Boys“ gefürchteten Detroit Pistons zu „back-to-back“-Titeln. Man kann sagen, Daly hob Defense-Basketball in eine andere Dimension und machte ihn wieder richtig populär. Und die NBA aufgrund dessen für die Fans zuweilen langweilig, unansehnlich und dreckig. Jedenfalls, wenn man kein Taktik- und Verteidigungs-Freund war. Die Finals 2009 waren genau das Gegenteil. Schnell, offensiv-orientiert und spektakulär. Atem beraubende und artistische Layups und Würfe von Kobe. Dunks, bei denen man Angst um das Wohlergehen der Korbanlage haben musste von Dwight „Superman“ Howard. Schönen „pass-first“-Ball der Magic und vor allem KEINE hässlichen Fouls, Freiwurf-Festivals und Low-Scoring-Games. Die NBA Finals 2009 – so schön kann Basketball aus der National Basketball Association sein!

Es lebe Offensiv-Basketball!

Nichts ist schöner als ein herrliches „Swish“, wenn die rote Lederkugel durch das Netz zischt. Das haben uns sowohl die Lakers mit Scoring-Maschine und Finals-MVP Kobe Bryant (32,4 Punkte, 7,6 Assists, 5,6 Rebounds), als auch die Orlando Magic mit ihrem Teambasketball und „Dreierregen“ in den Playoffs eindrucksvoll gezeigt. Während Kobe und Co. in der Postseason im Schnitt 102,5 Punkte auflegten, kamen die Magic immerhin noch auf 97,4 Zähler pro Partie, wobei die Finals (92,5 Punkte) ihren Schnitt ein wenig runter zogen.

Und weil es schön ist, hier noch ein paar mehr Finals-Zahlen und –Rekorde für alle Statistik-Freaks:
- In Spiel eins trumpft Kobe Bryant groß auf, markiert 40 Punkte, acht Rebounds und acht Assists. Mit Jerry West (1969 42 Punkte, 13 Rebounds, zwölf Assists gegen die Celtics), Michael Jordan (1993 42 Zähler, zwölf Boards, neun Assists gegen die Suns) und Shaquille O’Neal (2002 40 Punkte, zwölf Rebounds, acht Assists gegen die Nets) hatten zuvor erst drei Spieler in der NBA-Geschichte ein „40-8-8“-Game in den Finals abgeliefert!
- In Spiel drei stellten die Magic bei ihrem 108:104-Triumph mit 75,0 Prozent Ttrefferquote in der ersten Halbzeit und 62,5 Prozent über die gesamte Begegnung zwei neue NBA-Finals-Rekorde auf. Dazu muss man anmerken, dass auch die Lakers kein eiskaltes Händchen hatten und immerhin 51,3 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld versenkten!
- Kobe Bryant beglückte uns zudem in Spiel drei mit einer echten Rarität: Kurz vor dem Ende des ersten Viertels netzte „KB24“ einen Dreier mit Foul ein. Es war erst das elfte „Vier-Punkt-Spiel“ in der NBA-Finals-Historie.
- Im vierten Duell stellte Dwight Howard seine „Superman-Skills“ eindrucksvoll unter Beweis und feierte seine ganz persönliche Block-Party. Neun Würfe der Lakers schickte der Big Man der Magic zurück zum Absender und stellte damit einen NBA-Finals-Rekord auf. Mit 16 Punkten, 21 Rebounds und neun Blocks fehlte ihm zudem nur einer zu einem „Triple-Double“. Übrigens: In den 2008er und 2009er Playoffs verbuchte Howard insgesamt sieben Spiele mit mindestens 20 Rebounds. Alle anderen NBA-Akteure kommen ZUSAMMEN nur auf vier (Carlos Boozer und Tim Duncan jeweils zwei).
- Insgesamt scorten zehn Spieler, Rashard Lewis, Hedo Turkoglu, Dwight Howard, Mickael Pietrus und Rafer Alston für die Magic und Kobe, Pau Gasol, Lamar Odom, Trevor Ariza und Derek Fisher auf Seiten der Lakers zweistellig in den Finals.
- Die Magic stellten mit insgesamt 201 Dreiern in ihren 24 Playoff-Spielen einen neuen NBA-Postseason-Rekord auf.
- Die Lakers holten bei ihrer 30 Finals-Teilnahme ihren 15 Titel, womit sie die zweiterfolgreichste Franchise hinter Boston sind (17 Championships).

Spannender als erwartet

Doch nicht nur schönen, sondern auch spannenden Basketball haben uns die Herren Bryant, Lewis und Co. geboten. Denn die Serie zwischen dem großen Favoriten aus L.A. und dem Underdog aus Orlando war weitaus knapper als viele erwartet hatten und das Endergebnis von 4:1 ausdrückt. Lediglich die Partien eins (100:75) und fünf wurden mit mehr als acht Punkten Unterschied entschieden, dazu gab es gleich zwei Begegnungen, die in die Overtime gingen. Insgesamt muss man also sagen, dass die Finals 2009 Werbung für den NBA-Basketball waren. Und wir uns schon jetzt auf die neue Saison freuen dürfen.

Tribute to Phil

Natürlich darf auch einer der Herren, denen wir den schönen Basketball in den Finals zu verdanken haben, an dieser Stelle nicht zu kurz kommen. Zumal er in den NBA Finals 2009 einmal mehr Geschichte geschrieben hat. Denn für Hall-of-Fame-Trainer Phil Jackson war die Meisterschaft die insgesamt zehnte Championship (sechs mit den Chicago Bulls und nun vier mit L.A.) seiner Coaching-Karriere. Damit zog „Jax“ an der ebenfalls kürzlich verstorbenen Celtics-Legende Red Auerbach (neun Titel) vorbei und ist nun alleiniger Rekordmeister unter den NBA-Trainern. Respekt und Glückwunsch. Kobe Bryant schloss sich da direkt an: „Es ist toll, dass wir Phil seine zehnte Meisterschaft schenken konnten“, so der 30-jährige Lakers-Star. „Er ist der beste Trainer der Welt!“ Und seine Lakers sind nun (wieder einmal) die beste Basketball-Mannschaft der Welt. Na, das passt doch!

Phil Jackson
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Dwight Howard
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Rashard Lewis
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