Magic fordern Lakers heraus
Es ist angerichtet: In den diesjährigen NBA Finals stehen sich die Los Angeles Lakers, angeführt von Kobe Bryant, und die Orlando Magic mit ihrem Power-Center Dwight Howard gegenüber. In unseren NBA Snapshots vergleichen wir die beiden Finalisten.

Posted by Emrah Kilic on Juni 2, 2009

Auch ohne das von vielen erhoffte Superstar-Duell zwischen LeBron James und Kobe Bryant werden die NBA Finals mit Sicherheit wieder Spannung und Dramatik pur bieten. Während die L.A. Lakers bereits letztes Jahr in den NBA-Finals standen, haben es die Orlando Magic das erste Mal seit 1995 wieder so weit geschafft (damals noch mit Shaquille O’Neal und Penny Hardaway).

Auf dem Papier mögen die Lakers, immerhin das beste Team der Western Conference, vielleicht der haushohe Favorit sein, doch die Kalifornier sollten nicht den Fehler begehen, Orlando zu unterschätzen. Schließlich haben die Magic in den beiden Runden zuvor den amtierenden Champion Boston Celtics und den vermeintlichen Top-Favoriten Cleveland Cavaliers ausgeschaltet.

„Letztes Jahr haben wir in den Finals gegen Boston verloren“, erinnert sich Lakers-Forward Pau Gasol, „doch dieses Jahr wollen wir es besser machen und die Championship-Trophäre gewinnen. Wir spielen zurzeit unseren besten Basketball und haben in den Playoffs zueinander gefunden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es packen können.“

Dass die Magic gegen L.A. nicht chancenlos sein werden, haben sie im direkten Duell in der regulären Saison beweisen. Beide Spiele gewann Orlando, wenn auch sehr knapp (106:103 und 109:103). In beiden Partien führten die Lakers bereits mit zehn Punkten bevor die Magic im letzten Viertel den Spieß noch umdrehen konnten. Damals allerdings noch mit All Star Jameer Nelson, der entscheidenden Anteil am Erfolg seines Teams hatte, sich wenige Wochen später aber schwer an der Schulter verletzte und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den Finals fehlen wird.

Hier der direkte Vergleich:

Point Guard:
Derek Fisher – Rafer Alston

Fisher wird im August seinen 35. Geburtstag feiern und hat viel von seiner einstigen Klasse verloren. In den diesjährigen Playoffs trifft der Playmaker gerade einmal 35,6 Prozent seiner Würfe und dürfte somit die größte Schwäche in der Startformation der Lakers sein.

Allerdings: So sehr sich Fisher in der Offense auch zurück hält, so wenig Fehler begeht der Veteran auch. Nur 0,9 Ballverluste pro Spiel in der regulären Saison sind der Beweis dafür.

Rafer Alston hatte die Saison zwar bei den Houston Rockets begonnen, wurde im Februar allerdings zu den Orlando Magic getradet, nachdem Jameer Nelson wegen einer Schulterverletzung für unbestimmte Zeit ausfiel.

Alston hat im laufe seiner langjährigen NBA-Karriere zwar seine Streetball-Wurzeln ablegen können, ist aber trotzdem alles andere als ein klassischer Point Guard (nur 4,4 Assists). Alston kann zwar seinen eigenen Wurf kreieren, aber wie auch schon bei Fisher ist die Trefferquote alles andere als vorbildlich (nur 38,3 Prozent).

Shooting Guard:
Kobe Bryant – Courtney Lee

Der neben LeBron James beste Spieler der Liga ist auch in den diesjährigen Playoffs kaum zu stoppen: 29,3 Punkte und 5,3 Rebounds sprechen Bände, zumal Bryant auch als Leader glänzt und in den entscheidenden Situationen einer Partie immer noch Schippe drauflegen kann.

Der MVP der Saison 2007/08, der bereits zum sechsten Mal in den NBA-Finals steht, ist zweifellos der beste Spieler dieser Serie und für die Lakers der Schlüssel zum Erfolg.

Ausgerechnet ein Rookie soll Kobe stoppen, doch Lee spielt wie ein alter Hase, der auch vor namhaften Gegenspielern nicht zurück schreckt. Der Superstar der Lakers wird er trotzdem nicht bremsen können.

Small Forward: br /> Trevor Ariza – Hidayet Turkoglu

Während Trevor Ariza während der Regular Season meistens nur von der Bank kam, hat sich der Small Forward mittlerweile zur festen Stütze im Team von Coach Phil Jackson hochgearbeitet. Das liegt vor allem an der starken Defense des 23-Jährigen, der in den Playoffs knapp 30 Minuten pro Partie auf dem Feld steht. Mit 11,4 Punkten trägt Ariza auch im Angriff seinen Teil zum Erfolg bei und überzeugt dabei mit einer 50 prozentigen Trefferquote jenseits der Dreierlinie.

Auch Hidayet Turkoglu ist als guter Schütze bekannt, schwankte bei seinen Offense-Leistungen allerdings bisher sehr stark, so dass man bei dem türkischen Nationalspieler nie weiß, was man bekommt. Seine unbeständigen Wurfqouten gleicht der 2,08 Meter große Small Forward allerdings durch seine gute Spielübersicht aus. Viele Magic-Angriffe werden durch Turkoglu eingeleitet, der dabei die Rolle des Playmakers übernimmt, was für seine Variabilität spricht (5,1 Assists in den Playoffs).

Power Forward:
Pau Gasol – Rashard Lewis

Knapp 40 Minuten steht Pau Gasol in den diesjährigen Playoffs pro Spiel auf dem Parkett – ein Indiz dafür, wie wichtig der spanische Superstar für seine Mannschaft ist. Zumal der 2,13 Meter große Big Man nicht nur auf der Forward-Position zum Einsatz kommt, sondern auch als Center aushilft (siehe unten).

Mit 18,2 Punkten und 11,3 Rebounds ist Gasol hinter Bryant der zweitbeste und –wichtigste Lakers-Akteur. Wenn er seine Leistungen auch in den Finals auf konstanter Basis abrufen kann, dürfte Gasol wohl der X-Faktor in dieser Serie sein.

Während Gasol das Spiel in der Nähe des Bretts bevorzugt, gehört Rahsard Lewis eher zur modernen Variante der Power Forward, die auch gerne aus der Distanz abschließen. Wie gefährlich Lewis von der Dreierlinie ist, bewies er in den Conference-Finals gegen die Cavs, als er 15 seiner 31 Versuche im Ziel unterbrachte (48,4 Prozent).

Center:
Andrew Bynum – Dwight Howard

32:4 ging das Rebound-Duell in der regulären Saison zugunsten für Dwight Howard aus, was die Überlegenheit am Brett recht deutlich auf den Punkt bringt. Howard ist dank seiner Power und Athletik der beste Rebounder und Shotblocker der Liga und dürfte gegen den erst 22-jährigen Bynum nur wenig Probleme haben, zumal der Lakers-Center nach längerer Verletzungspause immer noch nicht zu seiner Top-Form gefunden hat.

Auch wenn Bynum bereits seit 2006 dem Lakers-Kader angehört, so sind es für ihn die ersten Finals, da er 2008 wegen einer Knieverletzung nur zuschauen konnte. In den diesjährigen Playoffs durfte er im Schnitt nur für 16,9 Minuten auf das Parkett, was bedeutet, dass es Howard auch mit Pau Gasol als direkten Gegenspieler zu tun bekommen wird.

Das wiederum könnte ein Vorteil für die Lakers sein, da Gasol den Magic-Center schnell in Foulprobleme bringen könnte. 5,3 Pfiffe kassierte Dwight Howard in den sechs Spielen gegen Cleveland, seine zurzeit wohl größte Schwäche (neben der schwachen Freiwurfuote).

Sixth Man:
Lamar Odom - Mickael Pietrus

Wenn Lamar Odom nicht so unkonstant wäre, hätte er schon mehrere All-Star-Nominierungen einheimsen können, so bleibt ihm bei den Lakers nur die Rolle als Edeljoker. Mit seinen Darbietungen in Spiel fünf gegen Utah (26 Punkte und 15 Rebounds) und Spiel sechs in Denver (20 Punkte, acht Rebounds) hat der vielseitige Forward jeedoch beweisen, dass er auch in wichtigen Partien seine Leistung abrufen kann.

Allein schon aufgrund der Tatsache, dass Pietrus sich vor allem um Kobe Bryant kümmern soll, sagt alles über seine enorme Wichtigkeit in dieser Serie aus. Schafft es der Franzose, Kobe aus dem Spiel zu nehmen, was natürlich so gut wie unmöglich ist, haben die Magic gute Karten, den Vorjahresfinalisten in Bedrängnis zu bringen. Es wird jedoch nicht einfach für den Shooting Guard, der sich in den Conference Finals bereits um LeBron James kümmern musste.

Bank:
Die Lakers-Bank glänzt vor allem durch Tiefe, mit 5,7 Punkten ist Shannon Brown hinter Lamar Odom der zweitbeste Benchscorer des Teams. Zweistellige Minutenwerte fallen auch auf Luke Walton, Jordan Farmar und Sasha Vujacic, die auch schon letztes Jahr in den Finals standen und so mit ihrer Erfahrung im Vergleich zu den Magic-Akteuren klar im Vorteil sind.

Bei den Orlando Magic kommt neben Pietrus nur sehr wenig von der Bank. Anthony Johnson sorgt dafür, dass Rafer Alston ab und zu eine Verschnaufpause bekommt, während der polnische Center Marcin Gortat immer dann in die Bresche springt, wenn Dwight Howard Foulprobleme hat.

Coach:
Kein Frage, mit neun gewonnenen Meisterschaften ist Phil Jackson zusammen mit Red Auerbach der erfolgreichste Trainer aller Zeiten. Seine Erfahrung ist Gold wert, jedoch gingen die beiden letzten Finals-Teilnahmen (2004, 2008) für den Trainerfuchs verloren.

Fast hätte es für Stan Van Gundy auch für eine Championship gereicht, doch mitten in der Saison 2005/06 wurde er von seinem Nachfolger Pat Riley aus dem Amt gedrängt, der daraufhin mit den Miami Heat den Titel gewann (4:2 gegen die Dallas Mavericks). Seit 2007/08 ist Van Gundy Headcoach der Orlando Magic.

Übrigens: Mit dem International League Pass (ilp.nba.com) könnt ihr die NBA Finals auch in Deutschland live verfolgen.

Das erste Spiel findet der in der Nacht von Donnerstag auf Freitag statt.

Dwight Howard
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Pau Gasol
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Rashard Lewis
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Phil Jackson
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