Rolf Hasbargen
In seiner Jugend eiferte Rolf Hasbargen seinen Idolen Jordan und Barkley nach und feilte auf der heimischen Einfahrt stundenlang akribisch an seinem Tomahawkdunk. Der 1,97 m große Bilderbuchathlet war auf dem besten Weg, als erster Ostfriese in die Geschichtsbücher der NBA einzugehen, doch Mädchen und Parties sorgten für eine folgenschwere Wende in seiner Basketball-Laufbahn. Heute residiert der Patchworkkarrierist (30) im Königreich des Basketballs und genießt das Spektakel NBA live auf dem heimischen Fernsehschirm oder auf der Tribüne als Teil der enthusiastischen Anhänger der Golden State Warriors. Seine Email ist: blogbasketball@gmail.com.

Rolf Hasbargen analysiert Spiel 1 der NBA Finals und findet dabei jede Menge lobende Worte für Kobe Bryant.

Riesenauftritt von Zwerg Grumpy
NBAE/Getty Images

‘Game over’ nach nur drei Vierteln

Bereits am Ende des dritten Viertels der ersten Begegnung des NBA-Finals zwischen den L.A. Lakers und den Orlando Magic erheben sich die berauschten Zuschauer im Staples Center von ihren Sitzen, um ihrem Topstar lautstark Respekt zu zollen - die Spieler in den gold-lila Jerseys nehmen derweil ihren MVP auf dem Weg zur Bank begeistert und siegesgewiss in Empfang.

Kobe Bryant hat wieder einmal mit einem spektakulären Auftritt das La-La-Land in kollektive Verzückung versetzt: Nachdem der Guard den Orlando Magic bereits in der ersten Hälfte 18 Punkte einschenkte, drehte er im dritten Viertel mächtig auf, erzielte 18 Punkte und sorgte fast im Alleingang für die vorentscheidende 82-58 Führung – zur Schlusssirene verzeichnete die ‘Black Mamba’ insgesamt 40 Zähler.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Geballte Fäuste, gefletschte Zähne, Feuer in den Augen – Bryant war von Kopf bis Fuß auf Siegen eingestellt.

Der 30-jährige ist am Donnerstag Abend mit einer unbedingten Entschlossenheit ans Werk gegangen, der die Spieler der Orlando Magic in keiner Phase des Spiels etwas entgegenzusetzen hatten.

“Ich will einfach unbedingt den Titel, das ist alles”, kommentierte Bryant im Anschluss an den deutlichen 100-75 Sieg. “Du investierst einfach alles, was in Dir steckt in das Spiel und deine Emotionen kommen dann halt so aus Dir raus.”

Jumpshots, Layups, Fadeaways, Täuschungsmanöver rechts wie links - in der Offensive vernaschte der Ausnahmekünstler die völlig überforderten Verteidiger Courtney Lee und Mickael Pietrus mit seinem breitgefächerten Repertoire.

Jetzt wird's eng
NBAE/Getty Images
In der Defensive half der unermüdliche Bryant darüberhinaus immer wieder dabei den 2,11 großen Dwight Howard unter dem Korb in die Zange zu nehmen. Zwei bis drei Spieler der Lakers umzingelten bei jedem Ballkontakt den Center der Orlando Magic – ein entnervter Howard schloß die Partie letztendlich mit lediglich 12 Punkten ab.

Die Distanzschützen der Magic konnten derweil ihre Freiräume und Howards Pässe aus der überbevölkerten Zone nicht in Zählbares umwandeln: Von 23 Wurfversuchen von Downtown fanden nur acht ihren Weg durch die Reuse - insgesamt enttäuschten Rashard Lewis & Co mit einer desolaten Trefferquote von 30 Prozent.

"So schlecht wie heute haben wir noch nie geworfen”, äußerte sich Dwight Howard nach der Partie. "Wir müssen einfach bei unserem nächsten Auftritt mit mehr Einsatz zur Sache gehen als heute Abend.”

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Nach seinem Riesenauftritt plauderte ein sichtlich gelöster Kobe in den Katakomben der Staples Arena über die enorme nervliche Anspannung der letzten Tage, die auch seinen Töchtern Natalia und Gianna keineswegs verborgen geblieben ist.

"Meine Kinder nennen mich Grumpy von ‘Schneewitchen und den sieben Zwergen’”, berichtet der All-Star über seine Imageprobleme im Hause Bryant. “In den letzten Tagen war ich zuhause ein Muffel.” Vielleicht solllte Daddy Kobe in der nächsten Märchenstunde lieber aus ‘Der Herr der Ringe’ vorlesen…

Posted by Rolf Hasbargen - Juni, 1 2009