Playoff Blog: Wie geht es weiter in Dallas?

André Voigt

Die Meinungen, die im Playoff Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.


Bitter. Sehr, sehr bitter. Drei kappe Spiele, entschieden durch zusammen gerade mal zehn Punkte. Eine Klatsche zu Hause in der dritten Partie. Das war die Serie der Dallas Mavericks gegen die Oklahoma City Thunder.

Das Team, welches 2011 das letzte Spiel der Saison gewann, fährt 2012 als erste Playoff-Mannschaft nach Hause.

Über die Gründe des Ausscheidens zu diskutieren, ist müßig. Dennoch muss das Geschehende eingeordnet werden.

Dallas hat einem absoluten Titelkandidaten vieles, wenn auch nicht alles, abverlangt. Die Thunder brauchten einen extrem schwierigen und am Ende glücklichen Treffer von Kevin Durant, um Spiel eins zu gewinnen. Die Serie wäre sehr anders gelaufen, wenn Dallas zum Auftakt gewonnen hätte.

Gleichzeitig plagten die Mavericks auch gegen OKC all die Probleme, die das Team die ganze Saison über daran hinderten, einen richtigen Lauf zu bekommen: das Versagen in der Crunch-Time, die stellenweise schwer zu erklärenden Defensivaussetzer, es fehlte an mentaler, aber auch physischer Härte.

Dass Dallas ausgerechnet in der ersten Runde auf die Thunder traf, war irgendwo Pech. Sicherlich hätten Nowitzki und Co. gegen die L.A. Clippers, Denver Nuggets und Utah Jazz besser ausgesehen, aber wen interessiert das?

Für die Mavs zählt seit Jahren nur der Titel. Es gibt keine Achtungserfolge. Ein Aus zum Auftakt schmerzt nicht mehr als ein 3-4 in den Conference Finals. 2011/12 ging für die Franchise schief, was schief gehen konnte: Nowitzkis Knie, der hektische Spielplan, natürlich Lamar Odom.

„Haken drunter. Nach vorne blicken“, muss die Devise in Texas lauten. Anders geht es ja nicht.

Fragt sich: Droht jetzt der große Absturz, da Jason Kidd und Jason Terry Free Agent werden? Entlässt die Franchise per Option Lamar Odom und Vince Carter aus deren Verträgen? Kommt jetzt der große Neuaufbau? Kann dieser gelingen, ohne in die tiefen der Mittelmäßigkeit zu stürzen?

Haben sich Mavs-Boss Mark Cuban und Personalchef Donnie Nelson in der Offseason 2011 verspekuliert?

Das Duo ließ Tyson Chandler, J.J. Barea, Caron Butler und DeShawn Stevenson ziehen, weil die Mavs 2012 den Platz unter dem Salary Cap schaffen wollten, den es braucht, um zwei Free Agents mit einem Maximalvertrag auszustatten.

Wer diese Spieler sein sollten? Dwight Howard und Deron Williams.

In Big D träumten die Macher von 3D. Dirk. Deron. Dwight.

Dazu wird es nicht kommen. Dwight Howards Entscheidung noch ein weiteres Jahr in Orlando zu bleiben, torpedierte diesen Plan so unerwartet wie eindrucksvoll. Die nötigen Spieler, um den Center per Trade aus Florida freizukaufen, haben die Mavericks nicht im Kader.

Bleibt Williams. Der Point Guard stammt aus Dallas, hat ein gutes Verhältnis zu Dirk Nowitzki. Doch warum sollte der Aufbau die New Jer … äh … Brooklyn Nets verlassen? Für was? Nur für die Chance, mit Dirk Nowitzki in der Heimat zu spielen? Schwer vorstellbar, dass er solch ein Heimweh verspürt. Es wird wohl einen anderen Hochkaräter brauchen, der mit ihm nach Dallas kommt.

Dirk Nowitzki sprach unlängst von einer Liste der „Big Fish“, also der großen Fische, die die Franchise habe. Damit sind natürlich die namhaften Spieler gemeint, die die Mavericks anwerben wollen, sobald die Transferzeit im Sommer beginnt.

Welche Namen auf dieser Liste neben Deron Williams stehen könnten? Das weiß außerhalb der Mavs niemand. Es dürften allerdings nicht nur Free Agents sein. Davon gibt es 2012 nicht genügend, die in das Anforderungsprofil von Dirk Nowitzki passen.

„Wenn du in dieser Liga ein Elite-Team sein willst, musst du zwei oder drei Spieler haben, die zu jeder Zeit im Angriff abgehen können“, sagte der Deutsche nach der Niederlage gegen die Thunder. „Wir brauchen ein paar Jungs, die vorne punkten können. Das ist ziemlich offensichtlich. Wir hatten noch nie Platz unter dem Salary Cap. Also entschied sich das Management dafür, es mit diesem Platz zu probieren. Wir müssen einfach warten, was sich daraus entwickelt. Im Moment wissen wir das nicht. Niemand weiß, was diesen oder nächsten Sommer passiert. Wer vertragsfrei ist und hier her kommen will.“

So bitter also das Ausscheiden der Mavs sein mag. Die wichtige Phase der Saison beginnt für die Mavericks erst jetzt …

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