Trade-Kandidaten … bald schon auf dem Sprung?

André Voigt

Die Meinungen, die im Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Die Saison 2012/13 beginnt erst am 31. Oktober, sicher. Schon jetzt dürften sich einige General Manager aber so ihre Gedanken in Sachen Trasfers machen. Proaktiv zu handeln, macht Sinn, wenn begehrte eigene Akteure im kommenden Sommer in die Vertragsfreiheit gehen. Warum bis zum vermeintlich bitteren Ende warten und dann mit leeren oder nur dürftig gefüllten Händen da stehen?

Die in der Folge genannten sechs Spieler sollten in den kommenden Wochen und Monaten mit einem gehörigen Maß an Magengrummeln auf das eigene Handydisplay starren, wenn dort die Nummer ihres General Managers erscheint … der Anruf könnte der Beginn eines ungewollt neuen Karriereabschnitts sein.

JOSE CALDERON
Point Guard, Raptors, 31 Jahre

Stats: 10,5 PPG, 8,8 APG, 3,0 RPG, 0,9 SPG

Calderon geht in sein letztes Vertragsjahr (Gehalt: 10,5 Millionen Dollar). Der 31-Jährige ist zwar noch immer ein vorzüglicher Floor General, der über einen exzellenten Wurf (2011/12: 37,1 3P% und 88,2 FT%) verfügt und den Ball sehr wenig verliert. Defensiv ist der Spanier jedoch mehr Matador als Stoppschild, in die gegnerische Zone dringt Calderon selbst nur selten bis nie ein.

Die Raptors planen eine Zukunft ohne den Iberer. Denn: Kyle Lowry wurde im Sommer nicht verpflichtet, um auf der Bank zu sitzen. Außerdem brachte das Team mit John Lucas III. einen Aufbau an Bord, der als Reservist ohne langes Vorglühen für Offensive sorgt.

Calderon ist also für wenig sportlichen Gegenwert zu haben und könnte einem Team helfen, das hinter ihm – im Gegensatz zu Toronto – einige blockbegabte Big Men aufstellen kann. Außerdem würde Calderon seinem neuen Arbeitgeber im Sommer 2013 finanziell helfen, wenn sein Kontrakt endet. Fragt sich nur: Welche Teams sind an einer Kurzmiete Calderons interessiert?

KEVIN MARTIN
Shooting Guard, Rockets, 29 Jahre

Stats: 17,1 PPG, 2,8 APG, 2,7 RPG, 0,7 SPG

Kevin Martin ist der am wenigsten gefeierte 20-Punkte-pro-Spiel-Scorer der vergangenen sechs Jahre. Seit 2006/07 legte er mindestens 19,8 Zähler pro Partie auf. 2010/11 erzielte der Shooting Guard 23,5 Punkte … ein besserer Wert als ihn diese Herren hier zu Stand brachten: Dirk Nowitzki (23,0), Dwight Howard (22,9), Blake Griffin (22,5), Russell Westbrook (21,9) und LaMarcus Aldridge (21,8). Martin weiß also, wo der Korb hängt, trifft von der Dreierlinie (Karriere: 37,7 3P%), zieht sogar Freiwürfe (Karriere: 6,6 pro Spiel).

Trotzdem steht der Topverdiener der Houston Rockets (12,4 Millionen Dollar) auf dem Trading Block. Die Gründe dafür? A) Der Swingman geht in sein letztes Vertragsjahr. B) Die Rockets wollen im Backcourt auf die Jugend und somit die Jeremys (Lin und Lamb) setzen. C) Coach Kevin McHale und Martin hatten 2011/12 so ihre Probleme.

Sollte Manager Daryl Morey einen Abnehmer finden, der einen Draftpick nach Texas schickt, kann Martin den Umzugsservice bestellen. Allerdings: K-Mart verdient ein recht hohes Salär. Für einen Contender, der Scoring sucht, könnte er Sinn machen, doch wie die Gehälter passend machen ohne einen eigenen Leistungsträger fortzuschicken?

TYREKE EVANS
Shooting Guard/Small Forward, Kings, 23 Jahre

Stats: 16,5 PPG, 4,6 RPG, 4,5 APG, 1,3 SPG

JIMMER FREDETTE
Shooting Guard/Point Guard, Kings, 23 Jahre

Stats: 7,6 PPG, 1,8 APG, 38,6 FG%, 36,1 3P%

Für die Kings muss die Saison 2012/13 Erkenntnisse und Entscheidungen bringen. Welche der zuletzt hoch gedrafteten Youngster sollen die Zukunft der Franchise sein, wer lieber für besser passende Teile eingetauscht werden?

Evans kam einst als Point Guard in die Liga, erzielte als Rookie 20,1 Punkte und 5,8 Assists. Und dann? Fielen die Werte bis zu seinem dritten NBA-Jahr auf 16,5 und 4,5. Vergangene Saison sahen auch die Kings ein, was der Rest der Basketballwelt schon lange realisiert hatte: Ein Aufbau ist dieser Tyreke Evans nicht! Der Swingman findet seinen Weg zum Korb, dank des exzellenten ersten Schrittes, kann dort hochprozentig abschließen. Werfen? 20,2 3P%! Noch mal: 20,2 3P%. Es gibt NBA-Maskottchen, die in der Halbzeit hochprozentiger von der Mittellinie einnetzen …

Fredettes Rookie-Saison bestätigte so ziemlich alle Zweifel an seiner NBA-Tauglichkeit. Defensiv wurde er ohne Unterlass bloß gestellt, offensiv zeigte sich, dass er in Sachen Athletik eine Menge Defizite mit sich herum schleppt, die der Ex-NCAA-Star nicht durch Basketballschläue kompensieren kann. Der Dreier fiel mittelmäßig gut (36,1 3P%), in Sachen Drive ging nichts. Kein gutes Zeugnis für einen vermeintlichen Wunderschützen.

Beide müssen beweisen, dass sie in der Offseason ihre Schwachstellen aufgepolstert haben. Vor allem Evans … Er wird restricted Free Agent, wenn die Kings im kommenden Sommer nicht um seine Dienste mitbieten wollen, sollten sie ihn besser jetzt feilbieten und sich einen Gegenwert sichern. Finanziell ist ein Deal recht leicht zu realisieren: Evans bekommt 2012/13 annehmbare 5,3 Millionen Dollar überwiesen. Fredette ist im zweiten Jahr seines Rookie-Deals, verdient moderate 2,3 Millionen Dollar. Sollte Letzterer hinter Isaiah Thomas und Aaron Brooks keine Spielzeit bekommen, wird er angeboten. Nur: Während Evans Interesse wecken dürfte, ist Fredette schwer vermittelbar, wenn er keine positive Tendenz zeigt.

PAUL MILLSAP
Power Forward, Jazz, 27 Jahre

Stats: 16,6 PPG, 8,8 RPG, 0,8 BPG, 49,5 FG%

AL JEFFERSON
Power Forward/Center, Jazz, 27 Jahre

Stats: 19,2 PPG, 9,6 RPG, 1,7 BPG, 49,2 FG%

Millsap und Jefferson sind im besten Basketballeralter und hochproduktiv. Warum sollten die Jazz also überhaupt mit dem Gedanken spielen, einen der beiden Big Men zur Konkurrenz zu schicken?

Dafür gibt es zwei Gründe. Da wäre zum Einen die Tatsache, dass mit Derrick Favors (21 Jahre) und Enes Kanter (20) zwei Youngster auf den großen Positionen bereit stehen, die die „Alten“ beerben sollen und Spielzeit brauchen, um sich zu entwickeln. Zum Anderen werden Millsap und Jefferson im Juli 2013 Free Agent – beide zu halten ist für den kleinsten NBA-Markt finanziell nicht zu stemmen. Wen also gehen lassen? Und welchen Spielertyp dafür ins Team holen? Das Jazz-Management steht vor einer mehr als schwierigen Entscheidung.

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