Thunder vs. Heat – der Scouting Report

André Voigt

Die Meinungen, die im Playoff Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Es ist soweit, die NBA Finals 2012 sind da. Vergessen ist der Lockout. Die Freude auf ein Matchup für die Ewigkeit überwiegt.

Thunder gegen Heat. Oklahoma City gegen Miami. „Teambuilding via Draft“ gegen „The Decision“. Kevin Durant vs. LeBron James.

Kein Wunder, dass die Basketballwelt auf diese Finalserie brennt.

Doch was ist auf dem Feld, von diesen Finals zu erwarten? Wo wird auf dem Parkett entschieden, wer 2012 die „Larry O’Brien“-Trophy in die Höhe recken darf?

Um diese Frage zu beantworten, gilt es … einige Fragen zu beantworten.

Wie fit ist Chris Bosh?

Die Miami Heat haben einen beschwerlichen Weg in diese Finals hinter sich. Gegen die Pacers und Celtics tat sich Miami ohne den lange verletzten Chris Bosh schwer. Coach Erik Spoelstra musste gegen Indiana den eigenen Gameplan nach dem Ausfall des Power Forwards komplett umstellen.

Vor Spiel eins steht die Frage im Raum, ob Bosh startet oder von der Bank kommt.

Wahrscheinlich wird Spoelstra seinen drittbesten Spieler nicht beginnen lassen und dann so wechseln, dass er Bosh vor den TV-Auszeiten extra Ruhepausen gibt, um ihn in der entscheidende Phase am Schluss bringen zu können. Spielzeit-Management wird bei Bosh wichtig sein, er ist konditionell noch nicht bei 100 Prozent.

Er ist der wichtigste Spieler der Heat in diesen Finals. Ohne einen Chris Bosh auf hohem Niveau hat Miami gegen diese Thunder keine Chance. Er muss für Gefahr aus der Mitteldistanz, den einen oder anderen Korb am Brett und vor allem Rebounds sorgen.

Wer deckt wen?

Die Vorstellung, dass Durant und James sich über den Großteil der Partie decken, ist falsch. Miami verfügt mit Shane Battier über einen erstklassigen Verteidiger, der Durant für jeden seiner Würfe hart arbeiten lässt. Umgekehrt wissen die Thunder Thabo Sefolosha in ihren Reihen, der gegen James effektiv ist.

Natürlich werden die Stars ab und an gegeneinander zu Werke gehen, aber eben nicht konstant über mehrere Minuten hinweg.

Zudem dürfte vor allem Scott Brooks ganz genau beobachtet haben, wie die Dallas Mavericks 2011 und auch die Celtics in den Eastern Conference Finals 2012 gegen die Heat erfolgreich waren.

Zwar lässt sich nicht einfach so in den Finals eine Zonenverteidigung einstudieren, aber die Thunder werden eine eigene Variante im Gepäck haben müssen. Denn: Gegen diese Art der Verteidigungsform, die im Idealfall die Wege zum Korb dicht macht und Distanzwürfe zwingt, haben die Heat die meisten Probleme.

Außerdem würde eine effektive Raumdeckung es Brooks erlauben, mit Kendrick Perkins und Serge Ibaka zu spielen und damit den Rebound zu dominieren.

Wer hat die bessere Crunchtime-Five?

In dieser Serie wird es viel auf die Effektivität in den Crunchtime ankommen. Eine Tatsache, die den LeBron-James-Kritikern das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Verkörpert er für sie doch das personifizierte Versagen im großen Moment.

Doch wie sehen die Aufstellungen der Coaches aus, die sie in den Schlussminuten auf das Feld schicken? Welchen Lineups vertrauen sie, wenn das Spiel entschieden wird? Welche Fünf ist die bessere?

So dürften die Crunchtime-Fives beider Teams aussehen:

ThunderPos.Heat
R. WestbrookPGD. Wade
T. SefoloshaSGM. Miller
J. HardenSFL. James
K. DurantPFS. Battier
S. IbakaCC. Bosh

Sefolosha ist als Verteidiger, der den Dreier aus der Ecke trifft unverzichtbar. Er kann auch am Ende James das Leben schwer machen. Umgekehrt würde sich James defensiv mit Wade um Harden oder Westbrook kümmern. Miller, der eh nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, würde Sefolosha decken, während Battier bei Durant und Bosh natürlich bei Ibaka bleibt.

Die Vorteile bei diesen Aufstellungen liegen leicht bei den Thunder.

Sie verfügen mit Westbrook Harden und Durant über drei Ballhandler, die auch gegen hohen Druck zum Korb gehen können. Bei den Heat hängt alles von James und Wade ab, während Bosh es mit Ibaka zu tun bekommt, der ihm enorme Probleme bereitet.

Regiert Smallball diese Serie?

Mit Sicherheit wird es eine Menge Aufstellungen geben, bei denen Durant oder James auf Power Forward auflaufen. Es werden vielfach vier Außenspieler an der Dreierlinie stehen. Einer von ihnen wird dann das Pick-and-Roll mit dem einzigen echten Big Man im Team laufen, während sich der Rest so bewegt, dass sie an der Dreierlinie anspielbar sind.

Schaffen es die Thunder jedoch, eine Zone zu etablieren, könnten sie mit Ibaka und Kendrick Perkins spielen, was ihnen erlaubt, den Rebound zu dominieren und das Mismatch am Brett zu attackieren – ganz abgesehen von den granitharten Blocks, die Perk im Angriff setzt und so Durant frei spielt.

Wer sind die X-Faktoren?

Diese Wahl mag überraschen: Scott Brooks und Erik Spoelstra.

Diese Serie wird viel darüber aussagen, wie gut die beiden Coaches ihren Job machen. Spoelstra war 2011 machtlos, als ihn Mavs-Trainer Rick Carlisle taktisch vorführte. Brooks eilte bis zu diesen Playoffs der Ruf voraus, nicht der innovativste Übungsleiter zu sein.

In dieser Finalserie müssen beide einen Weg finden, dem anderen das eigene Spiel aufzuzwingen. Brooks muss defensiv James kontrollieren, Spoelstra Bosh wieder voll in die Mannschaft integrieren und einen Weg finden, die Vorteile der Thunder in der zweiten Fünf zu egalisieren.

Fazit

OKC geht voller Selbstbewusstsein in die Finals und ist dank einiger zusätzlicher freier Tage wohl präpariert. Die Thunder stellen mit Durant, Westbrook und Harden drei exzellente Ballhandler und Scorer auf, die perfekt von den Rollenspielern ergänzt werden. Bei den Heat gibt es hinter James und Wade einige Fragezeichen. Wie fit ist Bosh? Was kann Miami von Miller erwarten?

Prognose: Thunder – Heat 4-2

SOCIAL MEDIA