Eastern Conference Semis Scouting Report: Heat vs. Pacers

André Voigt

Die Meinungen, die im Playoff Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Wer die Pacers im Vorfeld dieser Serie erlebt, könnte meinen, dass da ein junges, freches, aufstrebendes Team schon im Vorfeld gegen den haushohen Favoriten mit einer Menge Selbstbewusstsein den Mund aufreißt.

„Bei jedem Drive zum Korb, versuchen die Heat nicht, an den Ball zu kommen, sondern schieben sich in den Weg des Dribblers. Oft fallen sie dann hin, bevor es überhaupt einen Kontakt gibt.“, erklärte etwa Pacers-Coach Frank Vogel und fügte an. „Die Heat sind eines der größten ‚flopping Teams’ der NBA.“ Harter Tobak, sind doch vor allem die Trainer meist darauf bedacht, dem Gegner keinen Anlass zur Extramotivation zu geben.

Doch damit nicht genug …

„Wir haben dieses Team nicht auf die leichte Art und Weise aufgebaut“, schoss auch Center Roy Hibbert eine Wort-Salve in Richtung South Beach. „Wir haben nicht ein paar Superstars unter Vertrag genommen.“

Wie gesagt, beide Aussagen lassen darauf schließen, dass da jemand die amtierenden Champions der Eastern Conference entthronen will.

Nun, dem ist nicht ganz so …

Die Pacers wissen, dass sie nicht auf Augenhöhe mit den Heat sind, wie schwer diese Aufgabe gegen die Heat sein wird. Vogel gab bereits im Vorfeld der Serie – nach guter alter Phil-Jackson-Manier, der diese Taktik über Jahre anwendete – den Schiedsrichtern einen kleinen Hinweis, worauf sie doch bitte zu achten haben in dieser Serie.

Hibberts Aussage soll den Druck auf Miami erhöhen, immerhin spielt hier ja das Team der Superstars aus der Glamour-Stadt gegen die No-Names aus dem Bundesstaat mit den meisten Maisfeld-Labyrinthen der USA.

Beide wissen, dass ein Sieg gegen die Heat extrem schwer einzufahren sein wird. Indiana ist klarer Außenseiter, mehr noch als 2011 als die Pacers als an Nummer acht gesetztes Team gegen die Chicago Bulls ran mussten.

Damals gelang es den Pacers grandios, Derrick Rose die Wege zum Korb zu versperren, die der MVP 2011 so gerne nahm. Die sehr berechenbare Offensive der Bulls konnten die Pacers kontern und die Serie eng gestalten.

Miami kommt jedoch mit drei Scorern, die jederzeit 20 bis 25 Zähler auflegen können sowie einer Batterie Distanzschützen. Mario Chalmers (41,7 3P%) und Mike Miller (39,3) bestrafen jegliches Doppeln gern und oft – zusammen nahmen sie gegen die Knicks in Runde eins 10,4 Dreier pro Spiel!

Auch kann Indiana die beiden augenscheinlichen Schwachstellen der Heat auf Point Guard sowie Center nur bedingt attackieren. Sicherlich ist Hibbert der mit Abstand beste Center der Serie. Nur dominierte der 2,18 Meter große Pivot gegen die Magic und seinen zwölf Zentimeter kleineren Gegenspieler Glen Davis nicht gerade …

  • Hibberts Statistiken? 11,0 PPG, 10,8 RPG, 53,5 FG%, 3,8 BPG, 2,2 TPG
  • Davis’ Zahlen? 19,0 PPG, 9,2 RPG, 43,8 FG%, 1,2 BPG, 1,8 TPG

Schwer zu glauben, dass Hibbert gegen die mit Sicherheit viel Spielzeit bekommenden kleinen Aufstellungen der Heat effektiv sein kann.

Chris Bosh (Update: Bosh hat Bauchmuskelzerrung) oder aber auch Udonis Haslem werden dann die Fünf spielen und den Big Man mit ihrer Fähigkeit den Distanzwurf zu treffen vom Korb weg ziehen. Offensiv fehlen Hibbert noch die Mittel, um gegen kleinere Gegenspieler oder doppelnde Teams zu dominieren. Das müsste er aber, damit die Pacers eine Chance haben.

Auf Point Guard sieht es bei George Hill und Darren Collison ähnlich aus. Beide werden nicht in der Lage zu sein, ihre Matchups mit Mario Chalmers entscheidend zu gewinnen. Das wäre aber bitter nötig, um offensiv Danny Granger und Paul George zu entlasten.

Die beiden Flügel werden es mit LeBron James und Dwyane Wade zu tun bekommen, was ihre, schon gegen Orlando begrenzte offensive Effektivität – Granger traf 41,2 Prozent aus dem Feld, George 41,9 –, weiter reduzieren dürfte. Das Duo wird eine Menge Energie am defensiven Ende investieren müssen, um die beiden Superstars zu halten. Energie, die im Angriff fehlt.

Allerdings gibt es Hoffnung für Indiana. Die Riege der Big Men wird hinter Hibbert von David West, Tyler Hansbrough und Louis Amundson komplettiert. Diese Gruppe ist tiefer und physischer als ihr Gegenpart bei den Heat.

Wenn es dem Pacers-Quartett gelingt, an den Bretten nicht nur zu punkten, sondern auch die Rebound-Vorherrschaft zu gewinnen, wenn die Pacers nah am Brett abschließen und so die Chance auf die nicht zu verteidigenden Fastbreaks der Heat minimieren, steigen ihre Chancen.

Außerdem muss Indiana die Dreier treffen. Die Heat bekommen Probleme, wenn Teams lange Rotationen zwingen. Bedeutet: Wenn Miami zum Beispiel am Zonenrand doppelt, muss der Ball schnell auf die andere Seite zu einem Dreierschützen wandern, der entweder abschließt oder erneut penetriert und so seinen Verteidiger schlägt.

Das Problem hierbei: Indiana traf als Team nur 31,9 Prozent von der Dreierlinie gegen die Magic – eine Truppe voller Verteidigungsallergiker. Vor allem Paul George war eiskalt in der Auftaktserie und versenkte miese 11,8 Prozent. Er muss gegen Miami seinen Wurf wiederfinden, an seine 38,5 Prozent Dreierquote aus der regulären Saison heran kommen.

Fazit: Für die Indiana Pacers muss eine Menge richtig laufen, um gegen die Miami Heat erfolgreich zu sein. Davon ist nicht auszugehen. Auch fehlt dem Team von Frank Vogel ein Star, der Partien übernehmen und seine Mitspieler entscheiden besser macht.

Die Heat auf der anderen Seite können gegen Indiana mit kleinen Aufstellungen Mismatches erzwingen, die Indiana nicht kontern kann. Wenn LeBron James den Ball als Power Forward bringt, gibt es bei Indiana keine adäquate Gegenmaßnahme.

Außerdem hatte die Defensive Miami und damit Coach Erik Spoelstra genügend Zeit, sich defensiv auf ein Pacers-Team einzustellen, das gegen Orlando minus Dwight Howard in fünf Spielen nur 94,6 Punkte auflegte.

Prognose: Miami – Indiana 4-1

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