Playoff Blog: Tebowing und die Parallelen der Knicks


André Voigt

Die Meinungen, die im Playoff Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Paul Tebow

Und dann ging Paul Pierce auf’s Knie …

Es ist eine Aktion, die eigentlich aus dem American Football stammt. Wenn ein Spiel gewonnen ist und nur noch die letzten Sekunden von der Uhr ticken sollen, stellt der Quarterback nach dem Erhalt des Ledereis ein Knie auf den Boden, als wolle er den riesigen Hintern seines Centers ehelichen.

Mit Spektakel hat das nichts zu tun …

Tim Tebow ist auch Quarterback. 2011/12 war ein Denver Bronco, ab der kommenden Saison ist er ein New York Jet.

Was das mit Paul Pierce zu tun hat?

Als der Small Forward der Celtics vergangene Nacht im Mittelkreis kniete, eine Faust an die eigene Stirn gelegt, imitierte er Tebow. Pierce „tebowte“, so der Fachbegriff für die Geste, die der streng gläubige Quarterback immer dann einnimmt, wenn er zum Gebet in sich geht.

Der Grund? Pierce hatte gerade mit 36 Punkten plus 14 Rebounds die Celtics ohne Ray Allen sowie ohne Rajon Rondo zum Sieg gehievt.

Nun ist Paul Pierce nicht unbedingt als Kirchengänger bekannt – griff er doch 2008 in einer hart umkämpften Serie gegen die Hawks zu einem anderen Kaliber der Zeichensprache.

Damals schickte er Handzeichen in die Richtung von Hawks-Big-Man Al Horford, die in Pierces Heimatstadt Los Angeles von Jugendgruppen benutzt werden, die öfter mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten …

Dieses Mal also das stille Gebet, ein Moment des In-Sich-Gehens, ein wahrer Fortschritt … oder etwa ein clever verpackter Diss in Richtung Atlanta Hawks und den Fans in der Philips Arena?

„In solchen Momenten willst du einfach Gott danken, dass er dich in diese Situationen bringt, in denen du deinem Team so helfen kannst“, sagte Pierce später auf die Szene angesprochen. „Aber das war nicht geplant. Die Idee kam mir einfach so.“

Man kann trotz dieses Zitate von Letzterem ausgehen und das ist auch gut so. Diese Serie wird allen Basketballfans noch eine Menge Freude machen. Vor allem, wenn Rajon Rondo für Spiel drei zurückkehrt, die Hawks auf Revanche sinnen und Josh Smiths Knieverletzung ihn nicht zwingen sollte länger auszusetzen.

Für letzteres hat Paul Pierce sicherlich nicht gebetet. Vielleicht sollten dies in den kommenden Tagen die Hawks tun … am besten im Mittelkreis der Celtics.

Die gute, alte Knickszeit

Moment … Lockout-Saison … Niedriger Setzplatz … Superstar verletzt … Gab es das nicht schon mal bei den Knicks?

Klar, 1999! Damals wurden ja – nach einem noch längeren Lockout als 2011 – nur 50 Spiele absolviert.

Damals erreichten die New York Knicks die Finals gegen die San Antonio Spurs. Das Team war auf dem achten Setzplatz in die Ost-Playoffs gestartet. Mit Patrick Ewing verlor es einen Star-Big-Man nach elf Spielen der Postseason. Ansonsten fanden sich im Kader fast ausschließlich anderswo aussortierte Profis.

Latrell Sprewell war nach seiner Würgeattacke gegen Coach P.J. Carlesimo in Golden State gesperrt und dann verschifft worden. Larry Johnson spielte – aufgrund eines Rückenleidens – wie seine eigene Oma und nicht mehr wie Grandma Johnson. Marcus Camby galt als oft verletzte Draft-Pleite, an die die Toronto Raptors den zweiten Pick der Draft 1996 verschwendet hatten. Charlie Ward war ein besserer NCAA-Quarterback als NBA-Point-Guard …

Und trotzdem fightete sich diese Truppe unter der Defense-First-Führung Jeff Van Gundys über die Miami Heat, Atlanta Hawks und Indiana Pacers bis in die Finals, wo sie in fünf Spielen gegen die Twin-Towers David Robinson/Tim Duncan unterging.

Moment … Heat, Pacers, Hawks, Spurs? Diesen Weg könnten die Knicks doch auch 2012 gehen? Konzentriert sich Mike Woodson nicht auch auf die Defense? Ist Tyson Chandler nicht auch ein Defensivcenter, der an zweiter Stelle gedrafted wurde und als oft verletzter Fehler galt? Durchlebte Carmelo Anthony nicht auch einige Skandale, bevor er zu den Knicks kam? Spielten die Knicks 1999 nicht ohne Ewing besser, genau wie die aktuelle Version während der Abwesenheit Stoudemires in der regulären Saison?

Es wäre zu schön, wenn sich die Geschichte wiederholen könnte, doch so wirklich daran glauben dürfte wohl nicht einmal die optimistischten Knicks-Fans … auch wenn die Parallelen vorhanden sind.

Amar’e und der Feuerlöscher …

Und dann war da noch das … http://h9.abload.de/img/untitled-1l7y7l.gif.

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