Muchas gracias, Ricky!

Ein halbes Leben dauert Mikes Affäre nun mit der NBA. In Barcelona verknallte er sich 1992 Hals über Kopf, verfolgte sie darauf wie ein Liebestrunkener und schwor ihr schließlich 1999 vor dem Madison Square Garden ewige Treue – und das obwohl sie ihm aufgrund eines falschen Schwarzmarkt-Tickets nicht das erste Date gewährte! Vergeben, vergessen und nachgeholt: Heute lebt und arbeitet Mike als Journalist in Hamburg. Fragen, Kritik, Proteste? Gern! E-Mail: thegameofbasketball@web.de | Liem Archiv

Von katalanischen Super-Rookies, arbeitssuchenden Agenten und Härtefällen bei Team USA: Unser Blogger Mike Liem stellt sechs Storylines aus der noch jungen NBA-Saison vor.

Sensationell!
Ricky Rubio
Prince, MacGyver, Jesse 'The Body' Ventura und nun Ricky Rubio: Minnesotas neuester Stolz schüttelt mit einer sensationellen Konstanz und fast schon Magic-Johnsonesquen Lässigkeit Pässe aus seinen Armen, sieht das Spielfeld, verteidigt überraschend gut, trifft weitaus mehr Würfe als ich es ihm zugetraut hatte. Mehr noch: Der Rookie macht seine Mitspieler besser (das ultimative Kompliment für einen Aufbauspieler!) und bleibt cool, wenn es um die Wurst geht. Nicht ohne Grund steht er in der Statistik der 4th-Quarter-Minutes ligaweit ganz weit vorn.

Es scheint, dass dem verantwortungsbewussten 21-Jährigen das hohe Timberwolves-Tempo und der individuellere Pick'n'Roll-Stil der NBA besser liegt als das FIBA-Spiel in Europa. Dank dem Katalanen (und Coach Rick Adelman) sind die Grauwölfe, um es auf amerikanisch auszudrücken, wieder extremely fun to watch.

Maßlos?
Kobe Bryant
Keine Überraschung in dieser Kategorie: Die Schwarze Mamba, immer noch einer der besten Spieler der Liga, führt mit stolzen 24,5 Wurfversuchen pro Spiel (WVpS) die Rangliste einsam an.

Bryants Schussfreudigkeit – vier Würfe mehr als zum Vorjahr, vier Würfe mehr als der erste Verfolger und mehr als zehn Würfe mehr als Pau Gasol oder Andrew Bynum – lassen bei so manchen Beobachter schon Erinnerungen an die Saison 2005-2006 (unglaubliche 27 WVpS) wach werden, als er seine Lakers (inklusive Chris Mihm, Smush Parker, Brian Cook und Kwame Brown allerdings) im Alleingang in die erste Runde der Playoffs führte, um dort unter bizarren Umständen gegen die Phoenix Suns auszuscheiden.

Auf den Plätzen: Carmelo (20,6 WVpS), Monta Ellis (20,4), LeBron (19,5) und LaMarcus Aldridge (19,3). Auffallend: In den Top 10 der wurffreudigsten Spieler knacken nur Bron Bron (56,3%) und Blake Griffin (50,9%) die 50-Prozent-Schallmauer bei der Zielgenauigkeit. Und: die unterirdischen Trefferquoten von Monta (41,6%), der sich allerdings als Passgeber stark verbessert hat, und Melo (41,2%), der vielleicht mit einem vom New Yorker Rampenlicht „elektrifizierten“ Baron Davis bald einen echten Vorbereiter an seiner Seite hat.

Tief...
Denver Nuggets
66 Spiele in 126 Tagen: Für die laufende Monstersaison ist kein Team besser gerüstet als Denver – und das liegt nicht nur am gesunden Höhenklima in den Rocky Mountains. Denn obgleich man Wilson Chandler, Kenyon Martin und J.R. Smith nach China ziehen lassen musste (früheste mögliche Rückkehr im März!), verfügen die Nuggets (derzeitige Bilanz: 10:5, Durchschnittsalter: 27,16 Jahre) über nicht weniger als zwölf Akteure, die allesamt für die Rotation in Frage kommen. So viel zum Thema Ressourcen und Flexibilität. Spielzeit-Jongleur George Karl ist happy über seinen ausgeglichenen Monsterkader: „We're big, we're fast, we're small".

Mustergültig!
Delonte West
Die größten Lichtblicke beim Meister aus Texas? Mal schauen: Guard Rodrigue Beaubois (23) knüpft langsam an alte Supertalent-Zeiten an, der Center Ian Mahinmi (25) hat sich zu einer konstanten Energiequelle für das älteste Team der Liga gemausert und der ungeheuerliche Masterplan (Dwight Howard, Deron Williams und Dirk Nowitzki 2012/2013 in Dallas!) scheint zumindest keine abstruse Fantasie mehr. So richtig ins Schwärmen komme ich allerdings bei Neuzugang Delonte West.

Vor wenigen Wochen arbeitete der Typ noch beim Möbelhaus Regency Furniture, um sich „über Wasser zu halten während des Lockout“, jetzt zählt er zu den Leistungsträgern der Mavs. Ich habe es schon mal gesagt: I Love This Guy! Ein sympathisch-verrückter Krieger, Kämpfer und Antreiber mit gutem Basketball-IQ, der sich schnell als verlässlicher Führungsspieler etabliert hat – und das alles für ein vergleichsweise mickriges Jahressalär von 854,389 US-Dollar.

Kaltgestellt?
Gilbert Arenas
Albert Schweitzer sagte einmal: „Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat.“ Ob sich Gilbert Arenas, vor wenigen Jahren noch als dynamischer Scorer, Ulknudel, Gym Rat und Super-Blogger Liebling der Fans, mit diesem Zitat identifizieren kann? Seitdem die Orlando Magic dem dreimaligen Allstar via Amnesty Clause 62 Millionen US-Dollar in die Hand drückten, um nach 54 enttäuschenden Spielen als Backup-Point-Guard (8 Punkte, 34 Prozent Trefferquote im Schnitt) aus Mickeys und Dwight’s Königreich zu verschwinden, hat sich anscheinend noch kein Team bei Agent 0 zwecks Wiederbeschäftigung gemeldet.

Klar, diverse Knieoperationen, das Pistolentheater in Washington und die entmutigenden Auftritte in Orlando gehören sicherlich nicht zu den besten Verkaufsargumenten in seinem Bewerbungsschreiben, aber wenn Gilbert gesund und willig sein sollte, dann kann er für ein kleines Taschengeld dem einen oder anderen Playoff-Team (think Lakers!) doch noch behilflich sein ... oder ist es das etwa schon gewesen?

Bärenstark!!!
Team USA
Keine guten Nachrichten für den Rest der Welt: Was folgt, ist das vorläufige, 20-köpfige Aufgebot des USA-Basketball-Teams für die Olympischen Spiele in London vom 28. Juli bis 12. August 2012. Die endgültige Auswahl für das Turnier soll nach der NBA-Saison getroffen werden, viel Spaß dabei. Zwölf Plätze gilt es zu besetzen. Hier meine Favoriten, die drei Spieler mit Sternchen (*) sind Härtefälle, die ich nur schweren Herzens aus dem Kader werfen konnte.

Guards

  • Chris Paul (1)
  • Dwyane Wade (2)
  • Derrick Rose (3)
  • Kobe Bryant (4)
  • Deron Williams (5)
  • Russell Westbrook (*)
  • Chauncey Billups
  • Eric Gordon

Forwards

  • LeBron James (6)
  • Kevin Durant (7)
  • Kevin Love (8)
  • Carmelo Anthony (9)
  • Blake Griffin (10)
  • Chris Bosh (11)
  • Andre Iguodala (*)
  • LaMarcus Aldridge
  • Rudy Gay
  • Lamar Odom

Center

  • Dwight Howard (12)
  • Tyson Chandler (*)

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