Dialing Long-Distance: Der Check vor Spiel 1

Gespräche zwischen Berlin und New York: NBA.DE-Blogger David Digili und NBA.COM-Redakteur Kevin Scheitrum diskutieren hier regelmäßig die wichtigsten Fragen rund um die NBA.
Es ist angerichtet für den Auftakt der NBA-Finals 2012. Miami gegen Oklahoma City. Unsere Experten David und Kevin analysieren Position für Position. Warum wird Mario Chalmers Russell Westbrook Probleme bereiten? Kann Thabo Sefolosha gegen Dwyane Wade etwas ausrichten? Und wer hat im großen Duell LeBron-KD die Nase vorn?

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Kevin Scheitrum, NBA International Redakteur

So, hier sind wir nun, Dave. Nach einer Saison, die schon fast ins Wasser gefallen wäre, haben wir ein Finals-Matchup, das viele schon in dem Moment vorhergesagt haben, als die Spiele 2011 vorüber waren. Zwei Offensivmaschinen. Die zwei wohl besten „Big 3" der Liga. Der Scoring-Champ (Kevin Durant) gegen den MVP (LeBron James) - zum ersten Mal seit 1997, als MJ und die Bulls im Finale auf die Utah Jazz und den „Mailman" trafen. Und irgendwie scheint heute jeder zu sagen: „Die Thunder packen es dieses Jahr!"

Aber lass es uns doch mal genauer betrachten: Sicher haben die Thunder die tiefere Bank, aber sind sie wirklich Position für Position besser als Miami?
David Digili, NBA.de Blogger


1997 - das waren Zeiten. Schönere Basketballschuhe, Jordan ERFOLGREICH auf dem Court und nicht ERFOLGLOS im Front Office eines skurillen Teams...aber ich schweife ab. Also, zurück im Heute: Miami gegen OKC ist auch das Duell eines beträchtlichen Teils des Team USA - hier LeBron, Dwyane Wade und Chris Bosh, da Durant, Russell Westbrook und James Harden (der ja eventuell auch mit dabei ist bei den Spielen in London).

Position für Position ist es doch einfach ein echter Leckerbissen. Schon auf der 1: Mario Chalmers gegen Russell Westbrook. Klare Sache für Westbrook, oder? Von wegen: Offensiv ist der Athlet mit der „0" auf dem Trikot sicher einer der besten Spieler der Liga. Doch Chalmers hat auch gegen Boston gezeigt, dass er ein verdammt gemeiner Verteidiger sein kann, hartnäckig, schwer zu spielen, unnachgiebig. Ständig scheint er eine Hand in einem Pass zu haben, er provoziert Turnovers, macht sehr wenig falsch - und kann in entscheidenden Momenten auch in der Offense Akzente setzen. Chalmers war einer der Schlüssel zum Sieg der Heat in Spiel 7 gegen Boston.

Westbrook ist natürlich ein spektakulärer Spieler, sorgt für Highlights, kann alles, zieht mit Elan zum Korb wie kein anderer - aber er neigt auch zu einfachen Ballverlusten und überdreht oft, wenn es mal nicht so läuft (3,3 Turnovers pro Spiel und 37,8% aus dem Feld gegen San Antonio). Da wäre oft dann ein Pass besser als ein erzwungener Wurf. Ein "Beißer" wie Chalmers kann ihn durchaus vor große Probleme stellen. Ich sage aber trotzdem: Vorteil für Westbrook - das Matchup wird er aber nicht so deutlich dominieren, wie es jetzt alle erwarten! So, jetzt bist Du aber dran!
Kevin

Ein LEICHTER Vorteil nur für Westbrook also? Im Vergleich mit MARIO CHALMERS? Ach komm, Dave, das kannst Du doch nicht ernst meinen. Klar, es sieht immer wieder mal so aus, als würde Westbrook seine Mitspieler etwas vergessen (was man von Mario ja aus guten Gründen nicht sagen kann), aber er kann dafür auch ein Spiel an sich reißen wie kaum ein anderer in der NBA - und das schließt seinen Teamkollegen, einen gewissen „NBA-Scoring-Champ" mit ein.

Klar bringt er sich selbst hin und wieder mal in Schwierigkeiten, und das würde in den Finals zu leichten Punkten für die Heat führen - besonders, wenn er den Ball beim Zug zum Korb verliert. Aber nach all der Kritik an seinem Mangel an spielerischer Reife hat Westbrook in dieser Saison gezeigt, dass er dazugelernt hat. Und gerade deswegen, gerade, weil er so gefährlich ist, werden die Heat eben nicht viele Verteidiger auf KD abstellen.

Chalmers ist einfach unglaublich solide. Wie Du schon gesagt hast, ist er ein sehr guter Verteidiger und ein fähiger Ballverteiler. Dazu hat er auch noch dieses besondere Händchen für wichtige Dreier (ich erinnere an seinen Treffer am College für Kansas 2008). Dann aber wieder waren die Heat statistisch gesehen besser, wenn er auf der Bank saß. Also, für mich ist das eine ganz klare Angelegenheit für den besten Scorer unter den Point Guards der NBA.

Und was ist mit der „2"?
David

Oh, versteh mich nicht falsch, ich will Westbrook auf keinen Fall die Klasse absprechen, gerade offensiv. Er ist nicht umsonst im Team USA. Ob er wirklich so viel dazugelernt aus den letzten Playoffs, das muss er aber jetzt zeigen - wann sonst? Und ist es nicht auch in Deiner Erinnerung so, dass die spielentscheidenden Würfe bei OKC meistens eher KD oder James Harden genommen haben?

Also nun zur 2: Dwyane Wade gegen Thabo Sefolosha. Thabo hat mich sehr überrascht in diesen Playoffs. Er kann scoren, wie er in Spiel 2 der Serie gegen San Antonio gezeigt hat (19 Punkte, 4 Dreier). Dafür brauchen die Thunder ihn aber nicht. Der Schweizer soll KD und Westbrook in erster Linie den Rücken freihalten, dazwischengehen, Offensivfouls aufnehmen, die vielen kleinen Dinge tun, die so wichtig sind für ein Team. Dass er sich so etabliert hat in der Liga, zeigt, dass er genau das kann.

D-Wade ist ein sehr, sehr undankbarer Gegenspieler in diesen Playoffs. Erst trifft er gegen die Pacers so gut wie nichts (2 von 13 Würfen, 5 Punkte beim 75:94 in Spiel 3), dann schenkt er ihnen im nächsten Spiel 30 Zähler ein, trifft 13 Würfe bei 23 Versuchen. Wade hat sich seine Kräfte offenbar gut eingeteilt - und war immer dann da, wenn er wirklich gebraucht wurde (siehe Spiel 7 gegen die Celtics - 8 Punkte im Schlussviertel, dazu Rebounds und Steals). Ein Spieler seines Kalibers kann nie ganz ausgeschaltet werden - zieht er zum Korb, ist es unmöglich. Ich sage: Wade wird es in diesen Finals noch mal allen zeigen wollen.
Kevin

Ich glaube, jeder möchte einfach noch mal - nach einer Achterbahnfahrt in der bisherigen Postseason - Anzeichen der Form sehen, die Wade in den Finals 2006 gezeigt hat. Diese unglaubliche „Mike-für-eine-Nacht"-Spielweise, die ihn vom vielversprechenden Talent (und Shaq-Sidekick) in die NBA-Elite katapultiert hat. Und möglicherweise funktioniert das ja, genau so, wie es funktioniert hat, als ihn jeder während der Pacers kritisiert hat.

Es wird aber NICHT funktionieren, wenn Sefolosha da ein Wörtchen mitzureden hat. „KD gegen LBJ" mag das populärste Matchup der Serie sein - und vielleicht sogar der letzten zehn Jahre in der gesamten NBA, aber dieses hier finde ich viel interessanter. Vor allem, weil Thunder-Coach Scott Brooks Sefolosha nicht sofort auf die Spurs-Guards losließ, sah San Antonio schon wie der sichere Sieger aus in den Conference Finals. Aber als er es tat, und Sefolosha Tony Parker UND Manu Ginobili an der 3er-Linie festnagelte, da begann die Serie, sich zu drehen.

Also, Du kannst mir glauben: Sefolosha KANN Dwyane Wade bremsen (wenn nicht sogar ganz aus dem Spiel nehmen). Okay, D-Wades letzte Spiele haben die ganzen Diskussionen über mögliche Verletzungen zum Erliegen gebracht - aber nicht zum Verstummen. Gegen einen langen, schnellen Verteidiger wie Sefolosha wird er so gefordert sein wie noch nie in den Playoffs 2012.

Dieses „Offensiv-Feuerwerk" von Sefolosha, das Du angesprochen hast, das mag für ihn zwar ungewöhnlich gewesen sein, aber seine Scoring-Qualitäten sind auf keinen Fall zu unterschätzen. Wenn Westbrook zum Korb zieht und die Thunder den Ball zu Ibaka oder Collison bekommen, wird der Schweizer schon auf die Alpen klettern müssen, um noch mehr „open looks" zu bekommen.
David

Tony Parker und Manu Ginobili in allen Ehren, aber Wade ist für mich einfach noch mal eine ganz andere Hausnummer. Sefolosha wird in jeder Spielsekunde an ihm kleben müssen, bei jedem Wurf MINDESTENS eine Hand in seinem Gesicht haben müssen, ihn am Drive zum Korb hindern - und dann auch noch hoffen, dass er einen schlechten Tag hat. (Mal abgesehen davon wird es vereinzelt wohl auch zum Matchup Wade-Westbrook kommen, wenn Harden auf dem Feld steht und - wie schon öfters - den Ball nach vorne bringt).

Du hast es ja schon angesprochen: Das Matchup, auf das alle warten - LeBron James gegen Kevin Durant. Was für ein Aufeinandertreffen. Zwei Forwards mit Schnelligkeit und Athletik, der eine (LeBron) kommt über Kraft, der andere (KD) über Finesse. Beide mit tödlichem Jumper, beide mit der Fähigkeit, ein Spiel auch mit einem Block, einem Rebound, einem Pass zu entscheiden. Ein Matchup, das - so, wie es jetzt aussieht - DAS Matchup der nächsten Jahre sein wird. Eins ist klar: Die Finals werden NICHT in diesem Duell entschieden - dafür sind beide einfach zu gut, als dass einer den anderen aus dem Spiel nehmen könnte.

Doch gerade Durant wird sich darauf einstellen müssen, auf einen LeBron James zu treffen, der wohl noch nie zuvor in seiner Karriere so fokussiert, so konzentriert war, mit solcher Ernsthaftigkeit und Aggressivität agiert hat. Dieses unglaubliche 45-15-5-Spiel? Schau Dir mal die Mimik des „King" über die gesamte Spieldauer an: Da hat einer endlich verstanden, worum es geht, was von ihm erwartet wird. Ich habe LeBron nach den letztjährigen Finals sehr kritisiert, bemängelt, dass von ihm in den entscheidenden Momenten mehr zu sehen sein muss. Er scheint sich an meine Worte erinnert zu haben. Okay, das ist jetzt mein persönliches Wunschdenken, der Punkt ist aber: Der LeBron 2012 ist präsent, in jeder Phase des Spiels, er reißt ein Spiel an sich, er WILL es entscheiden.
Kevin

Wir müssen dabei auch noch anmerken, dass Sefolosha wahrscheinlich öfter auch mal LeBron übernehmen wird. Aber natürlich bleibt gerade Ihr nicht bis 5 Uhr morgens wach, um Thabo Sefolosha gegen LeBron James zu sehen.

Was wir hier vor uns haben, ist ein Finals-Matchup, das so gut - und spannend, und vielversprechend, und bedeutend - wie nur ganz wenige in den letzten Jahren. Ein Matchup zwischen einem Spieler, der seit seinem NBA-Debüt die Krone des „King" trägt, und einem Spieler, der - ohne Übertreibung - die Zukunft der Liga genannt wird. Und beide verstehen verdammt genau, dass diese vier (oder mehr) Spiele ihren Ruf, ihre Karrieren für absehbare Zeit definieren werden.

Gerade deswegen sollten wir uns auf ganz besondere Momente des „Königs" vorbereiten. Schon in den bisherigen Playoffs hat er einige der großartigsten individuellen Leistungen der NBA-Geschichte vollbracht - aber gerade in Erinnerung an die letztjährigen Finals und der ganzen Medienschelte, die er danach (und davor eigentlich auch) durchmachen musste, steht er in der eigenen Pflicht, genau die gleiche Intensität in den Finals an den Tag zu legen, die er auch gegen Boston gezeigt hat. Momentan ist er noch immer ein kompletterer Spieler als Durant - er kann KD verteidigen, aber ob das auf der Gegenseite auch der Fall ist, da bin ich mir nicht so sicher (nur zum Beweis: So viel besser ist Durant, wenn James auf der Bank sitzt).

Für Durant spricht aber diese unglaubliche Coolness in der Crunchtime, diese Fähigkeit, gerade dann seine Würfe zu treffen, ob aus dem Feld oder von der Linie. LeBron hatte da in dieser Postseason immer wieder mal Schwierigkeiten. Durant war bisher immer in den Momenten am besten, in denen es um alles ging, in diesen letzten Minuten eines Spiels. Für den Rest eines Spiels liegt sein "Net Rating" (also das Verhältnis von erzielten und kassierten Punkten der Thunder pro 100 Minuten) gerade mal bei +8. In „Clutch"-Momenten, wo er 60% aus dem Feld trifft? Da macht er OKC um 25,5 Zähler besser. Also: Wenn es in der Crunchtime eine enge Angelegenheit ist, gerade da arbeitet KD dann an seiner Legende.
David

Das sind alles natürlich großartige Statistiken und ein weiteres Indiz dafür, wie gut dieser Kevin Durant einfach ist. Die Frage „Um wen würdest Du eher ein Team aufbauen? Durant oder James?" wird Basketball-Fans über Jahre so beschäftigen wie vielleicht seit der großen Zeit von „Magic" und Larry Bird nicht mehr. Ob es irgendwann eine entscheidende Antwort geben kann?

Aber LeBron ist einfach (noch) der komplettere Spieler, der körperlich stärkere - und vor allem: der bessere Verteidiger (auch wenn KD dort durchaus Fortschritte gemacht hat). Trotz aller herausragender Qualitäten von Kevin Durant - offensiv stehen er, LeBron und Kobe über allen anderen - denke ich, dass gerade diese größere Vielseitigkeit den Ausschlag geben kann. Ich sage: Vorteil „King James", gerade in seiner momentanen Form. JA, okay, natürlich ist auch die „35" der Thunder in bestechender Verfassung, er wird scoren wollen wie ein Verrückter, er wird seine zahlreichen Momente haben.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass KD erst 23 Jahre alt ist - und schon so unglaublich gut. Diese Reife, diese Abgeklärtheit, diese Fähigkeit, Spiele zu entscheiden, in so einem jungen Alter - einmalig. Und er konnte nach dieser Regular Season schon seinen dritten Scoring-Titel feiern. Aber LeBron will es in diesem Jahr einfach wissen. Er ist seinem OKC-Gegenpart einfach einen Hauch, einen Millimeter, diesen entscheidenden kleinen Schritt voraus.

So, jetzt will ich aber mal Deine Meinung hören (und vielleicht mal ohne Statistiken): Die „4" - Chris Bosh gegen Serge Ibaka. Offensivkönner gegen Defense-As - auf den ersten Blick. Aber da steckt noch mehr dahinter, oder?
Kevin

Oh ja, BESTIMMT hast Du Recht - Statistiken können uns ÜBERHAUPT nicht sagen, wie effektiv ein Spieler auf dem Court ist. Lass uns doch einfach mal nur unsere Augen benutzen und mit Begriffen wie „Siegeswille" um uns schmeißen.

Und übrigens: Anscheinend wird Bosh in Spiel 1 von der Bank kommen (Coach Erik Spoelstra will noch nichts Genaues sagen) - dann hätten wir ein Duell zwischen Udonis Haslem und Ibaka. Das wäre ein Matchup, das so einseitig zugunsten von Ibaka ausgehen würde (auch wenn Haslem durchaus ein Händchen für wichtige Würfe hat), dass wir wohl doch lieber über die Paarung Bosh-Ibaka sprechen.

Es ist schon beeindruckend, wie sich die öffentliche Wahrnehmung von Chris Bosh in den letzten drei Wochen geändert hat. Nach knapp zwei Jahren voller „Two-and-a-half-Men"-Witzen, haben seine anfängliche Verletzungspause - dazu die Schwierigkeiten der Heat - und letztendlich seine triumphale Rückkehr gezeigt, wie wichtig er für dieses Team eigentlich ist. Seine Fähigkeit, von Außen zu treffen, macht ihn zu einem immens wichtigen Bestandteil der Heat-Offense - so sind die Big Men der Thunder gezwungen, aus der Zone herauszukommen. Und auch wenn Bosh nicht einmal ansatzweise so ein guter Verteidiger wie Ibaka (immerhin der beste Shotblocker der Liga) ist, spielt er doch auch eine wesentliche Rolle für die Inside-Präsenz der Heat - was in den ersten Spielen der Serie gegen Boston eben gefehlt hat.

Ibaka wiederum scheint im Minutentakt Fortschritte zu machen. Okay, er liegt offensiv immer noch weit hinter „CB4" zurück - aber mittlerweile ist er doch schon so weit, dass er ein Faktor sein KANN. Beispiel? Sein perfektes Spiel in den Western Conference Finals. Zähle dann noch seine unübertroffene Fähigkeit, Würfe zu blocken, dazu, und Du hast einen echten zukünftigen Star. Aber da ist er eben noch nicht angekommen. Ich sage: Ist Bosh WIRKLICH fit, geht das Matchup an den Heat-Forward.
David

Hey, ich habe nichts gegen Statistiken - ich habs nur nicht so mit ellenlangen Zahlenkolonnen. Aber zurück zum Thema: Boshs große Stärke ist nicht nur seine Treffsicherheit von Außen, sondern auch seine Schnelligkeit. Kann er das fortsetzen, was er besonders in Spiel 7 gegen Boston angedeutet hat, wird Ibaka eine Menge zu tun haben. Ich ziehe da Parallelen zu den letztjährigen Conference Finals gegen Dallas, als ihn Dirk Nowitzki allzu oft wie einen Anfänger aussehen ließ. Bosh ist ein ähnlicher Spielertyp (nicht umsonst nennt er Dirk als eines seiner Vorbilder), ist dazu vielleicht noch stärker im Offensiv-Rebound.

Mit ihm haben die Heat eine weitere wirkliche Waffe, sollte es bei LeBron oder Wade doch mal nicht so laufen, wie erwartet. Ibaka ist zwar ein echter Defensiv-Profi, aber insgesamt ist sein Game einfach noch nicht ausgereift genug. Ob er gerade jetzt den einen weiteren Schritt nach vorne macht? Dieses Matchup könnte das Zünglein an der Waage spielen - vor allem, wenn doch Udonis Haslem mehr Einsatzzeit auf Seiten der Heat bekommt. Mit Ibakas Athletik kann das Arbeitstier nicht mithalten.

Und schon sind wir auf der „5" angekommen. Noch ist gar nicht klar, wer bei Miami überhaupt als Center auflaufen wird - in Spiel 7 gegen Boston war es Haslem, auch davor hat er mehr Einsatzzeit gesehen. Etatmäßig wäre es das Duell Joel Anthony (oder Udonis Haslem oder Shane Battier) gegen Kendrick Perkins. Eins ist schon mal klar: Offensiv dürfen wir von diesem Matchup nicht wirklich viel erwarten. Gerade Anthony ist absolut kein Faktor im Angriffspiel der Heat. Er macht - wie Perkins auf der anderen Seite - die vielen kleinen Dinge, ist an vielen Würfen mit den Fingerspitzen dran, nimmt Offensivfouls auf.

Aber Perkins ist einfach eine Klasse besser, er reboundet stark, ist ein überdurchschnittlicher Shotblocker - und kann es auch offensiv (15 Punkte in Spiel 4 gegen San Antonio). Zwar gerät er oft schnell in Foultrouble, aber mit seinem Einsatz und seiner Aggressivität reißt er die Thunder mit, er verkörpert die Härte, die Durant und Westbrook in ihrem Rücken als Absicherung brauchen. Kurz gesagt: Perkins wird Anthony ordentlich durch die Zone schieben.
Kevin

Genau wie im American Football wird in dieser Serie vieles auf die „Trenches" ankommen, wie wir das nennen - die Spieler im Zentrum. So haben die Thunder die Spurs niedergerungen - Nick Collison, Ibaka und Perkins haben im Duell mit Duncan, Splitter und Blair dagegengehalten - und so haben die Heat (nach der Bosh-Rückkehr) das Aus gegen KG und die Celtics verhindert.

Und wenn es wirklich auf das Duell Perkins - Haslem hinausläuft, ist es eine klare Angelegenheit für Perk. Sollte es aber gegen Shane Battier gehen (Anthony - wie Du schon gesagt hast - wird es eher nicht sein, nachdem er im Schnitt nur 10 Minuten gegen Boston auf dem Feld stand), dann ist es eine ganz andere Geschichte. Wenn die Heat mit einer kleinen Line-up spielen, muss Perkins Battier die ganze Zeit hinterherrennen - das kann er einfach nicht. Der Thunder-Center ist einer der besten der Liga, wenn es darum geht, den gegnerischen Center aus dem Spiel zu nehmen. Natürlich geht das auf Kosten der eigenen Offense. In direkter Korbnähe kann er punkten, aber er hat noch immer keine Post Moves - und das ist noch untertrieben. Unser Kollege Couper Moorhead hat schon ausführlich darüber geschrieben: Die Heat wurden schon die ganze Zeit als zu schwach im Inside Game kritisiert - also warum nicht gleich quasi ohne Center spielen? Battier könnte die Antwort darauf sein.

Ist also eine schwierige Sache mit der Center-Frage, deswegen: Lass uns doch über die Bank beider Teams sprechen. Auf der einen Seite haben wir OKC, das mit den Spurs gerade das Team mit der wohl besten Ersatzbank der Liga besiegt hat. In Spiel 5 zum Beispiel hieß das: Jeden Spieler einsetzen. In Spiel 6 dann wurden nur drei Bankakteure gebracht (Collison, Derek Fisher und James Harden - der eigentlich auch als Starter durchgehen könnte). Auf der anderen Seite ist Miami ein Team mit zahlreichen Stärken, aber keinem echten Star von der Bank (außer, Bosh kommt von dort).

Ich muss hier sagen: Die Thunder sind im Vorteil. Die Bank der Heat ist voll von Spielern mit genau EINER echten Stärke: Joel Anthony kann rebounden. Mike Miller und James Jones können Dreier treffen. Juwan Howard kann LeBon den Rücken freihalten. Aber wenn die Heat gewinnen wollen, kommt es eben auch auf die Six-Man-Rotation an.

Bei den Thunder kann Fisher zum echten „Deus ex machina", zum echten Problemlöser werden - wenn er denn das sichere Händchen bewahren kann, das er in Spiel 6 gegen die Spurs hatte. Er wird zwar Schwierigkeiten haben, irgendeinen der Heat-Akteure zu verteidigen (was seine Minuten sehr einschränken dürfte), aber wenn die „kleinen" Heat ins Inside Game müssen, wird er viele, viele offene Würfe bekommen.

Collison ist unter dem Korb ein Könner und wäre wohl das idealere Matchup für Battier. Und Harden ist einfach großartig, da muss gar nicht mehr viel gesagt werden. Dann gibt es auch noch einige richtige Big Men (Nazr Mohammed, Cole Aldrich, Lazar Hayward), die Oklahomas Stärke im Frontcourt noch mal unterstreichen. Daequan Cook kann dazu immer wieder mal einen Dreier versenken.
David

Auch ich sehe die Thunder-Bank vorne. Klar hat Coach Scott Brooks deutlich mehr Spieler von gehobenem Format zur Verfügung, klar sind die Ersatzleute der Heat Rollenspieler. Aber ist das so groß anders bei OKC? Es ist vor allem James Harden, der hier den Ausschlag gibt. Er ist es, der nicht nur auf einen Rebound oder einen offenen Wurf von Außen wartet, sondern sofort in allen Belangen zu einem echten Faktor im Spiel wird. Er ist es, der mit Steals, Dunks, Drives zum Korb und auch Dreiern das eigene Team wachrüttelt. Der oft an der Linie steht (ist Harden auf dem Parkett, kommen 36% aller Thunder-Freiwürfe von ihm - und JA, jetzt habe ich auch mal eine Statistik gebracht). Es kommt mir immer merkwürdig vor, den Guard der Thunder als „Bankspieler" zu bezeichnen, so wichtig, wie er für das Team ist.

Natürlich füllen auch Miamis Ersatzleute ihre Rolle perfekt aus - Miller und Jones nutzen jeden offenen Dreier. Auch wenn es für beide bisher nicht wirklich optimal lief in den Playoffs (37,5% Dreierquote für Miller, nur 28% für Jones) - so eine Serie geht immer vorbei, und dann sitzen die Würfe plötzlich wieder. Die Bank der Heat ist nicht zu unterschätzen, aber trotzdem wird sie mit der der Thunder nicht mithalten können.

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