In der Warteschleife

Der Countdown läuft. Alle 30 NBA-Teams befinden sich in der Vorbereitung, die Preseason nimmt Fahrt auf. Jetzt wird überall in der Liga die Grundlage für die kommende Spielzeit gelegt.

Coaches jagen ihre Schutzbefohlenen durch Konditionseinheiten aus der Sportlerhölle, vermitteln ihren Akteuren aber auch die Philosophien hinter der Offen- und Defensive. Automatismen werden verinnerlicht, aus denen dann ab dem 30. Oktober Siege entspringen sollen.

Wer jetzt nicht in der Lage ist, an den Trainingseinheiten teilzunehmen, der verpasst eine Menge und holt im Laufe der Saison den Rest des Teams nur schwerlich ein …

Doch was sollen erst die NBA-Profis sagen, die in diesen Tagen nicht im Kader eines der 30 Teams stehen?

Sie sprechen täglich mit ihren Agenten, warten auf den einen Anruf ihres Vermittlers, der sie in das nächste Flugzeug steigen lässt, wenn sich irgendwo per Verletzung oder Trade eine Lücke auftut, die sie besetzen sollen. Sie trainieren für eine Chance, die sich vielleicht gar nicht präsentiert.

Wer in der besten Basketballliga der Welt keine Stelle mehr angeboten bekommt, der kann immer noch in der FIBA-Welt auf Korbjagd gehen, wenn der Vorruhestand keine Option ist. Doch wann diese Entscheidung treffen?

Über genau diese Sachlage müssen sich in diesem Herbst eine Menge großer Namen so ihre Gedanken machen. Welche? Diese hier …

Derek Fisher, Point Guard, 38 Jahre
Wirklich? Niemand ist an den Diensten eines intelligenten Aufbauspielers mit 37,5 Prozent Dreierquote in den Playoffs 2012 interessiert? Niemand will sich einen fünffachen NBA-Champion als Mentor für die Jugend in den eigenen Kader holen? Bisher nicht. Natürlich: Defensiv hat Fisher seine besten (und die so mittelschlechten) Tage hinter sich, aber irgendwo dürfte der Vorzeigeprofi noch seine Chance bekommen.

Gilbert Arenas, Point Guard, 30 Jahre
Der Anti-Fisher. Dass Arenas keinen Job bekommt, ist nicht weiter verwunderlich. Es sind ja nicht nur die Knieprobleme, die dem einstigen Edelscorer den Antritt raubten, sondern die anderen Problemchen, die Arenas so mit sich herumschleppt. Warum einen Ex-Star in die eigene Mannschaft holen, der die Teamchemie vergiftet, weil er vielleicht eine größere Rolle will? Wieso riskieren, dass es zu Zwischenfällen abseits des Feldes kommt? Wenn Arenas noch Agent Zero wäre, anstatt einer (mittlerweile) basketballerischen Null, würde er sofort einen Club finden – Leistung überschminkt charakterliche Probleme. Arenas ist aber einfach nicht mehr auf dem Level, dass sich eine Franchise ihn antut. Aber: China ist immer Reise wert …

Allen Iverson, Point Guard, 37 Jahre
All das, was für Arenas gilt, gilt auch für Iverson. Die Leistungen auf dem Feld, wiegen schon lange nicht mehr das Risiko auf, das seine Verpflichtung birgt. Da mag AI noch so oft beteuern, dass er jede Rolle in der NBA spielen würde – AI bleibt AI. Er war einer der spektakulärsten Scorer der Ligageschichte, doch gegen Vater Zeit hat er das Eins-gegen-eins verloren – wie bisher jeder vor ihm. Vielleicht sollte er mal mit seinem alten Freund Stephon Marbury sprechen … von dem steht jetzt eine Statue in Peking.

Leandro Barbosa, Shooting Guard, 29 Jahre
Hat sich der Brasilianer in Sachen Gehaltsvorstellungen verzockt? Anders ist es kaum zu erklären, warum er bisher keinen neuen NBA-Club gefunden hat. Vor einigen Wochen erklärte Barbosa, dass die Los Angeles Lakers, Brooklyn Nets und sein ehemaliges Team in Phoenix Interesse hätten. Er erklärte sogar, für das Veteranenminimum spielen zu wollen. Angebissen hat niemand. Dabei hat Barbosa im Angriff durchaus seine Qualitäten. Als Scorer von der Bank sorgt er für Gefahr von außen, geht sogar zum Korb. Defensiv steht er ebenfalls seinen Mann. Der Brasilianer sollte sich also fit halten, er ist nur eine Verletzung eines Kollegen von einem neuen Kontrakt entfernt.

Tracy McGrady, Shooting Guard, 33 Jahre
Richtig gelesen: T-Mac ist erst 33 Jahre alt! Trotzdem spielte er bereits 15 NBA-Saisons, nachdem er 1997 direkt von der Highschool zu den Profis gesprungen war. In diesen Jahren machten immer wieder der Rücken und die Knie Probleme, so dass McGradys Alter eigentlich in Hundejahren gerechnet werden muss. Ein Scorer, der eigentlich immer auf die eigene Athletik setzte, diese aber nicht mehr besitzt, hat es schwer in der NBA. Für ihn ist es Zeit, in die Rente zu gehen, der Körper sendet seit Jahren schrille Alarmsignale.

Michael Redd, Shooting Guard, 33 Jahre
Auch Redds Knie haben einiges mitgemacht. 2011/12 bekam ihn der Physiostab der Suns zwar insofern hin, dass Redd in 51 Partien spielen konnte, der einmalige All Star fand aber nie seinen einst so sicheren Dreier (31,8 3P%). Ohne diesen Distanzschuss ist der Swingman recht wertlos, seine einzige Daseinsberechtigung in der NBA wäredie Rolle als Dreierspezialist. Die Rente ist die richtige Entscheidung.

Josh Howard, Small Forward, 32 Jahre
Auch bei Howard kommen einige Dinge zusammen, die den einfachen All Star (Danke Dirk …) schwer vermittelbar machen. Der überstandene Kreuzbandriss allein wäre kaum Grund, ihn auszusortieren, aber die Vorfälle abseits des Parketts machen ihn nur schwer tragbar und für das Ausland (lies: China) ist sein Name nicht groß genug.

Kenyon Martin, Power Forward, 34 Jahre
Martin spielt eigentlich die ideale Position, um auch im hohen Basketballeralter einen NBA-Job zu ergattern. Denn: Verteidigende Big Men sind immer gefragt. Selbst 2011/12 lieferte K-Mart noch 1,0 Blocks pro Partie und dass der Ex-Clipper vor körperlichen Konfrontationen am Zonenrand nicht zurückschreckt, ist ebenfalls verbrieft. Er sollte noch seine Chance bekommen und einige Wochen oder Monate Pause tun den Knochen auch ganz gut.

Chris Andersen, Center, 34 Jahre
Was für K-Mart gilt, gilt auch für Chris Andersen. Der Birdman ist noch immer ein Shotblocker, der von der Bank Rebounds und Blocks liefert. Allerdings ist der Ex-Nugget nicht der pflegeleichteste Charakter. Dass das FBI im vergangenen Mai sein Haus durchsuchte – zu einer Anklage kam es nie –, scheint potenzielle Arbeitgeber abzuschrecken.

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