Heulsusen, Bartträger und Spaßbremsen

Die Meinungen, die im Blog geäußert werden, geben lediglich Mike Liems persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. || MIKE LIEM BLOG-ARCHIV

Derrick mag nicht tanzen

Eine der lustigsten Szenen des Allstar-Games spielte sich bereits vor dem Anpfiff ab. Bei der Spielervorstellung der Starting 5 aus dem Osten tanzten LeBron James und Dwight, aber auch Carmelo Anthony und Dwayne Wade mit breitem Grinsen aus dem Nebelblitzlichtgewitter auf die Bühne. Nur Derrick Rose stand während der kurzen Show-Einlage reglos mit versteinerter Miene einsam an der Seite und wirkte dabei wie ein verlorener Chorknabe bei einem Besäufnis. Einmal guckt er unwohl an die Hallendecke, und man kann förmlich seine Gedanken lesen: Wann ist dieser Auftritt endlich vorbei, wann beginnt endlich das Spiel?

Rose, die Spaßbremse? „Ich kann tanzen“, verteidigte sich der MVP im Nachhinein. „Aber es gibt dafür eine richtige Zeit und einen richtigen Ort. Es war einfach nicht der richtige Moment.“

Rondo’s Ich-zeig-es-euch-Mentalität
18 Punkte, 17 Rebounds, 20 Vorlagen.

Warum Bostons General Manager Danny Ainge seit Jahren immer mal wieder Rajon Rondo ruchlos auf den NBA-Wechselmarkt wirft und so das Selbstverständnis eines 26-jährigen Ausnahmespielers erschüttert ... erklärt es mir bitte. Okay, der Junge ist mürrisch, zart besaitet und kann nicht werfen, aber dafür zählt er mit Sicherheit zu den fünf besten Spielmachern in der NBA. Und: Es ist doch nicht so, dass der 26-Jährige seine Defizite nicht noch ausmerzen kann.

Verbranntes Geld
Nein, es geht nicht um das Buch zur Finanzkrise, sondern um ein Trauerspiel in North Carolina. Dort blicken die MJ-geführten Charlotte Bobcats auf eine Bilanz von vier Siegen und 31 Niederlagen. Nehmen wir als grelles Beispiel für den andauernden Absturz Neuzugang und Black-Hole-Forward Corey Maggette: Der selbsternannte „NBA-Superstar“ (siehe seine Website) nimmt auf einer shots-per-minute-Basis mehr Würfe denn je, trifft aber nur knapp 38 Prozent davon. Dazu kommen in 28 Minuten Spielzeit exakt 1 Assist, 2 Ballverluste und keinerlei Defensivbemühen. Für dieses schmissige Leistungspaket erhält der 32-Jährige in diesem Jahr 10,3 und im nächsten Jahr 10,9 Millionen US-Dollar. Ugh.

Zu negativ? Hier ein wahrhaft surreales Paradebeispiel der Künste vom Go-to-Scorer der Bobcats.

Die Leiden des armen Christopher Bosh
Für einen muskelbepackten Profiathleten gibt es kaum eine üblere Beschimpfung als „Softie“. Leistungssportler, das sind harte und tollkühne Gladiatoren, keine Weicheier oder Jammerlappen. In dieser Hinsicht haben es manche NBA-Spieler wirklich nicht leicht. Da sind die Importe wie Dirk, Pau, Yao, Darko oder Andrea, aber auch ein paar Amis wie Vince, Kwame oder Glen, die es einfach nicht schaffen – trotz des einen oder anderen Rings oder krachenden Dunkings–, ihr leidiges Softie-Image abzustreifen. Aktuellstes Beispiel: Chris Bosh.

Der 2,11 Meter große Finesse-Power-Forward von den Miami Heat wurde erst kürzlich von Rap-Sirene und Allstar-Performerin Nicki Minaj als Heulsuse diskreditiert: Ihr Track „Roman Reloaded” enthält einen Vers, in dem sie Bosh für seine Tränen nach der Finalniederlage gegen die Mavs disst.

Es ist nicht der erste Angriff auf Bosh’s Männlichkeit. 2009 nannte ihn Shaq, damals noch bei den Phoenix Suns, den „RuPaul of big men“. (RuPaul arbeitet als Dragqueen.) Selbst der brave Musterschüler Kevin Durant hält Bosh nicht für einen Hochstapler („There’s a lot of fake tough guys in this league and he’s one of them.”) Und bestimmt nicht zuträglich war Bosh Geständnis, dass er eine Videokassette von „The Bodyguard“ (RIP, Whitney) besitzt und die Schmonzette „ungefähr 50.000 Mal“ gesehen hat (Kein Scherz!).

Das alles sind natürlich nur Sprüche und blanker Unsinn, weil jemand, der es in die NBA geschafft hat, meiner Meinung nach, per se nicht soft sein kann. Zudem sollten auch Leistungssportler weinen dürfen, es sind ja auch nur Menschen wie Du und ich. Mehr noch: Ein paar Schluchzer und Tränen in der Umkleidekabine können durchaus eine sehr kathartische Wirkung haben.

Was muss Bosh also tun, um sein Softie-Image ein für allemal abzustreifen? Hier der Masterplan:

1. Aufhören zu schauspielern. Denn was die Amis als „Flopping“ bezeichnen, nennen wir „Schauspielerei“. Und Bosh kann Oscar-reif schauspielern.

2. Bosh hat Kevin Garnett stets als sein Vorbild auf dem Court bezeichnet. Dann sollte er auch so spielen: tough. Denn niemand bei klarem Verstand würde KG einen Softie bezeichnen. Das Potential dafür ist da, siehe letztes Jahr im Finale als Bosh mit einem zugeschwollenen Auge einen inspirierenden Rocky-Balboa-Auftritt absolvierte.

3. Den Ring gewinnen. Das hilft immer.


Aus der Welt der Zahlen (Teil II)

# Hack-A-Blake? Lob-City’s Frontcourt hat ein Freiwurfproblem. Und nein, Alley oops von der Freiwurflinie sind keine Lösung.

  • Blake Griffin (55%)
  • Reggie Evans (50%)
  • DeAndreJordan (47%)
  • Kenyon Martin (44%)

# Be like Mike Für nur 29 Millionen US-Dollar steht jetzt MJ’s suburbanes Heim in Chicago zum Verkauf. Für alle Interessierten: 17068 Quadratmeter Fläche, neun Schlafzimmer, 15 Badezimmer, fünf Kamine, drei Garagen, ein Tennisplatz, eine Badelandschaft, ein NBA-Court, und am Eingangstor prangt die 23.

# In Downtown zu Hause LeBron James ist ein Alleskönner. Steve Novak ist ein Spezialist. Laut dem Elias Sports Bureau kommen in dieser Saison über 81 Prozent aller Novak-Würfe aus dem Dreipunkteland. Anders ausgedrückt: Der Knickerbocker hat 161 Mal auf den Korb geworfen – 130 Mal stand der 2,08-Meter-Scharfschütze dabei hinter der 7,23- Meter-Linie. Nur Jason Kidd, der vor drei Jahren das letzte Mal in der gegnerischen Zone gesehen wurde, fühlt sich noch wohler in Downtown – Dallas Altmeister (31 Prozent) ist bei weitem aber nicht so zielsicher wie Novakaine (48 Prozent).

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