Halbzeit

Halbzeit
Hat da wer an der Uhr gedreht? Zur Halbzeit der NBA-Saison macht sich unser Blogger Mike Liem allerlei Gedanken – vom Linsanity-Phänomen über die Field-Goal-Defense der Mavs bis zu seinem ganz persönlichen Dream Team.

Filmriss
Ach ja, Linsanity. In ihrem fast schon hysterischen Wortspielwettbewerb hat die Presse schon die bescheuertsten Schlagzeilen herausgehauen: „Lincredible!”, „Amasian!”, „Linternational Love“. Jetzt aber hat eine Überschrift einem Redakteur den Kopf gekostet. Nach der ersten Schlappe der Knicks nach sieben Siegen in Folge (inklusive neun Ballverlusten vom taiwanisch-amerikanischen Überflieger) machte das mobile Onlineportal von ESPN mit einem Jeremy-Lin-Bild auf und titelte ein paar Stunden lang „Chink in the armor“. Übersetzt: „Riss in der Rüstung“ oder „Kratzer im Lack“. Einziges Problem bei dieser Redewendung: „Chink“ ist ein doppeldeutiges Wort, das auch „Schlitzauge“ bedeuten kann, ein uraltes Stereotyp für Chinesen und eine absolut inakzeptable Formulierung.

Ob das dem Redakteur bewusst war ... ich denke schon. Vielleicht war er einfach nur dumm. Wie auch immer: Er wurde gefeuert. Und ESPN hat sich bei der (aufgebrachten) asiatisch-amerikanischen Gemeinde, für die Jeremy Lin längst zu einem Symbol geworden ist, entschuldigt...

PS: Das Phänomen Linsanity in all seinen Facetten – auf und abseits vom Madison Square Garden – verdient eigentlich/natürlich einen eigenen Post. (Fortsetzung folgt.)

Die Suns sind Steve Nash
Apropos Phänomen: Zeit für die nächste Ausgabe meiner unendlichen Steve-Nash-Tribut-Serie! Es war das Jahr 2004 als Mavs-Boss Mark Cuban an der NBA-Haltbarkeit von Free Agent Nashie zweifelte und ihn in die Wüste ziehen ließ.

Sieben Jahre und zwei MVP’s später: 30 produktive Minuten pro Spiel. 11 Vorlagen auf dem Silbertablett. 55 Prozent Trefferquote aus dem Feld, fast 42 Prozent von Downtown. Derzeit assistiert der Kanadier bei über 58 Prozent aller Suns-Körbe – das sind historische John-Stockton-Dimensionen! Und das mit 38 Lenzen. Bewundernswert. Ein echter Nashie eben.

PS I: Eine Verneigung auch vor den anderen grauen NBA-Panthern für ihre überaus respektablen Leistungen im hohen Alter: Grant Hill (39), Kurt Thomas (39) und J-Kidd (38).

PS II: „Ich würde mich in eine schwierige Position begeben, wenn ich einen Wechsel fordern würde. Dafür bin ich schon zu lange ein Teil dieser Gemeinde“, entgegnet Nash allen Trade-Gerüchten. Und: „Ich werde meine Kollegen nicht fallen lassen.“ Ich denke, er spielt das Jahr zu Ende mit den im NBA-Niemandsland herumdümpelnden Suns – neben Nashie und dem polnischen Pick-and-roll-Partner Marcin Gortat gibt es kaum Sonnenschein in Arizona – und wechselt dann hoffentlich zu einem Titelanwärter. Wer glaubt, Nashie sei dafür nicht mehr fit oder gut genug, ...

Tweet of the First Half
Stephen Jackson, Ex-Champion, Ex-Nowitzki-Stopper und nun in Diensten der Milwaukee Bucks, möchte, dass sich nur noch ein erlauchter Kreis von Twitterern bei ihm meldet.

„If u not a real fan of mine or if u dont make 9mil per yr. or have more than 500 followers. Dont tweet me."

Captain Jack – launisch wie eh und je – versauert gerade auf Coach Scotty Skiles eiskalten Bank, daher wohl der Missmut.

Das Ende des Rodeo Road Trips

Für alle Texas-Fremde: Jedes Jahr im Februar wird die Heimat der Spurs, das AT&T Center, für drei Wochen von der San Antonio Stock Show & Rodeo belegt. Und wenn die Cowboys „Heehaw!“ rufen, bleibt den Spurs nichts anderes übrig als auf Geschäftsreise zu gehen.

Nur gut, dass Greg Popovich weiß, dass die Meisterschaft nicht in der regulären Saison gewonnen wird. Darum hatte sich Coach Pop auch dazu entschlossen, Tony Parker und Tim Duncan im letzten Spiel des berühmt-berüchtigten Rodeo Road Trips eine Pause zu gönnen – und opferte somit die Siegesserie von elf Spielen für eine rosigere Zukunft in den Playoffs. Nicht nur das: Bei der Präsentation der Starting 5 vor der Portland-Partie witzelte Weinliebhaber Pop kokettierend gegenüber Reportern: „What’s our rookie’s name, the guy we drafted? Kawhi? Kawhi Leonard at 3.“

Endergebnis? 97 zu 137. Schade für die Zuschauer, weise von Pop.

Raketenwissenschaft
Al Horford, Andrew Bogut, Andrea Bargnani, Anderson Varejao, Andray Blatche? Verletzt! Gallinari und Ginobili? Angeschlagen! Boston? Uralt! Anders gesagt: Die verkürzte NBA-Saison (66 Spiele in 126 Tagen) fordert ihren Zoll. Die – wie immer sehr innovationsfreudigen – Houston Rockets versuchen sich darauf einzustellen. Hier eine Aufzählung ihrer Rekonvaleszenzmaßnahmen aufgrund des wahnsinnigen Spielplans – von denen einige nicht näher erklärt werden können, weil sie von den Texanern als geheim eingestuft wurden:

  • Kürzeres Training (, insbesondere für Stammspieler)
  • Verändertes Gewichttraining und Stretch-Programm
  • Anwerbung von Massagetherapeuten und einem Doktor, der sich auf Muscle-Release-Techniken spezialisiert hat
  • Anschaffung einer Cryosauna, die den Effekt eines intensiven Eisbads nachahmt
  • Umstellung der Ernährung und der Kleidung auf Flügen (!)

„Alles, was wir tun, ist auf Erholung ausgerichtet. Alles", sagt Athletiktrainer Keith Jones. „Wir haben unsere ganze Routine für diesen komprimierten Zeitplan geändert.“

Das wahre Dream Team
In meinem vorletzten Beitrag hatte ich versucht, die NBA-Auswahl für die Olympischen Spiele 2012 vorherzusehen. Was für ein Denkfehler! Nun präsentiere ich meine völlig subjektive Wunsch-Zwölf für London. Einspruch? Nicht stattgegeben!

  1. Chris Paul (bester Spielmacher in der NBA. Leadership.)
  2. Derrick Rose (spektakulärster Spielmacher in der NBA. Athletik.)
  3. Kobayne Wadant (bester Shooting Guard in der NBA. Scoring.)
  4. Ray Allen (Dreier. Klasse. Seriosität. Erfahrung.)
  5. James Harden (Kreativität. Enthusiasmus. Spaß. Teamplay.)
  6. Le Bron James (Bester Spieler der NBA/Welt.)
  7. Kevin Durant (Punkte aus allen Lagen.)
  8. Iggy (Pippen-Gene. Stopper. Teamplay. Dunks.)
  9. Kevin Love (Rebounds. Dreier.)
  10. DeMarcus Cousins (Mentor-Bedarf. 122 Kilogramm Masse.)
  11. Tim Duncan (Klasse. Weisheit. Mannschaftsgeist. Vielseitigkeit.)
  12. Dwight Howard (Rebounds. Dunks. Blocks. Muskeln.)

Es tut mir leid, aber alle dürfen nicht mit...

  • Blake Griffin (Flugeinlagen.)
  • Z-Bo (Gangster-Attitude. Wühler unterm Korb.)
  • Russell Westbrook (Explosivität. Fast-Break-Dunks. Athletik.)
  • Deron Williams (Playmaking & Shooting.)
  • KG (Intensität. Trash Talk. Defense. Erfahrung. Spaß.)
  • Greg Monroe (Jugend. Vielseitigkeit. Mentor-Bedarf.)

Beaubois-Watch: Ein Rookie mit 108 Spielen
Von seinen Mitspielern wird die französische Versuchung immer noch als Grünschnabel behandelt. Das liegt laut Jason Terry daran, dass der junge Hybrid-Guard (23) in seinem dritten NBA-Jahr noch keine qualitativ hochwertige 82-Spiele-Saison gewuppt hat. Also heißt es für den J-Kidd-Nachfolger (?) mit dem Tony-Parker-Potential weiterhin Kofferschleppen und Hähnchenflügel-im-Flieger-holen, womit er angeblich kein Problem hat. Ein Problem ist dagegen seine Formkurve: Seit seiner kurzen Sturm-und-Drang-Phase zu Anfang der Saison sitzt Roddy wieder ganz am Ende der Mavs-Bank... Spox titelt schon: „Dallas bietet Toptalent zum Trade an“. Beaubois weiß: Es läuft nicht gut, aber es gibt noch wichtigeres. Vor kurzem ist sein Vater unerwartet gestorben, zurzeit weilt er darum in seiner Heimat, der Karibikinsel Guadeloupe. Ne baisse pas les bras, Rodrigue!

Aus der Welt der Zahlen
# Trio Infernale

Noch ein Meilenstein für den Blonden: Nowitzki ist der dritte Spieler in der NBA-Geschichte mit 1000 Blocks und 1000 Dreiern. Die anderen Zwo? Clifford „Uncle Cliffy“ Robinson und Neu-Laker Rasheeeeeeeed Wallace.

# Tyson Who?

Man mag es kaum glauben, aber die Team-Defense der Dallas Mavericks führt dazu, dass ihr Gegner nur 41,5 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld trifft. Auf den Plätzen: Celtics, Lakers, 76ers, Thunder, Heat und Bulls.

# Treuepunkte

Laut den NBA-Nerds vom Elias Sports Bureau haben nur neun Spieler mehr Punkte für ein Team erzielt als ... genau, der Nowitzki schon wieder.

  1. Karl Malone (36,374)
  2. Michael Jordan (29,277)
  3. Kobe Bryant (28,834)
  4. Hakeem Olajuwon (26,511)
  5. John Havlicek (26,395)
  6. Reggie Miller (25,279)
  7. Jerry West (25,192)
  8. Kareem Abdul-Jabbar (24,176)
  9. Patrick Ewing (23,665)
  10. Dirk (23,379)

# 100!!!

Hoch die Tassen: Am 2. März feiert Wilt Chamberlain's legendäres 100-Punkte-Spiel seinen 50. Geburtstag. Der 2,16 Meter große Center, damals noch in Diensten der Philadelphia Warriors, brauchte für die Rekordmarke 48 Minuten, 36 von 63 Würfe und 28 von 32 Freiwürfe. Endergebnis: Philadelphia Warriors 169, New York Knicks 147.

Anfangs war Chamberlain (RIP, 1936-1999) der Rekord ein wenig peinlich – der sensible Riese wollte eben nicht als schussgeiler Egomane in die Geschichte eingehen („Wenn du so viele Würfe auf dem Freiplatz nimmst, will dich niemand mehr auf seiner Seite haben.“). Im Alter zeigte er sich milder.

# Die Slam-Dunk-Charts

  1. Blake Griffin - Power Forward (93)
  2. Dwight Howard - Center (83)
  3. Tyson Chandler - Center (76)
  4. JaVale McGee - Center (76)
  5. DeAndre Jordan - Center (71)
  6. LeBron James - Small Forward (64)
  7. Rudy Gay - Small Forward (62)
  8. Andrew Bynum - Center (62)
  9. Kevin Durant - Small Forward (52)
  10. Kris Humphries - Power Forward (50)

(Stand: 27.2.2012)

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