NBA Finals 2012: Thunder 1, Heat 1

André Voigt

27:15. So lautete das Ergebnis des ersten Viertels des zweiten Spiels der NBA Finals 2012. Die Miami Heat hatten sich in einem Durchgang, in dem für die Hausherren der Oklahoma City Thunder offensiv wenig bis gar nichts zusammen lief, eine 12-Punkte-Führung erspielt. Es war ein Vorsprung, der sogar höher hätte ausfallen können. „Wir können zu Beginn nicht mit 2:18 zurück liegen“, zeigte sich Kevin Durant über die Leistung seines Teams in den Anfangsminuten enttäuscht. „Das müssen wir korrigieren!“

Die Thunder gingen in den restlichen 36 Minuten nicht einmal in Führung. Allerdings wurde es trotzdem knapp. 37,5 Sekunden vor Ende verkürzte Kevin Durant per Dreier nach einem Ballverlust von Dwyane Wade auf 96:98. So nah war OKC seit dem ersten Sprungball nicht mehr an den Heat dran gewesen.

Dabei hatte das Team von Scott Brooks die restlichen drei Viertel nicht verloren. 28:28, 24:23 und 29:22 hieß es aus der Sicht der Thunder, doch die Aufholjagd – von einer frenetischen Menge lauthals begleitet – verpuffte als Kevin Durant 9,9 Sekunden vor der finalen Sirene aus kurzer Entfernung das Ziel verfehlte.

Die Wiederholung zeigte beim Wurf Kontakt zwischen Durant und seinem Bewacher LeBron James, doch die Pfeife der Unparteiischen blieb stumm – genau wie zuvor bei einer Aktion des Thunder-Stars, der zu dieser Zeit bereits fünf Fouls auf seinem Konto hatte, gegen Shane Battier.

Nichtsdestotrotz war es ein verdienter Sieg der Miami Heat, die sich von Beginn an höchst konzentriert präsentierten. LeBron James zeigte früh, dass er sich an diesem Abend nicht damit begnügen würde lange Sprungwürfe zu nehmen. Immer wieder zog er gegen seine Verteidiger mit aller Wucht zum Korb oder nahm den in diesen Situationen fast schon hilflos wirkenden Kevin Durant in den Lowpost. „Es geht darum aggressiv zu sein und das zu nehmen, was die Defense dir gibt“, erklärte James. „Wenn ich, wie heute, zwölf Freiwürfe bekomme, dann weiß ich, dass ich zum Korb gegangen bin. Das hilft unserem Team.“

Auch Dwyane Wade präsentierte sich in Galaform. Nach seinem durchwachsenen Auftritt in Spiel eins, konnte Wade schon zweieinhalb Stunden vor Beginn der Partie voll schwitzend beim Wurftraining in der Arena bewundert werden. Zu diesem Zeitpunkt war ansonsten, kein Spieler der Heat auf dem Parkett zu finden …

Die Extraarbeit zahlte sich aus. Der 30-Jährige traf zehn seiner 20 Würfe, versuchte keinen einzigen Dreier, stellte die Thunder-Defensive gerade vor der Pause mit seinen Drives vor riesige Probleme.

Immer wieder wechselte er sich mit LeBron James (siehe unten) ab und ließ die Defense der Thunder fragend zurück. „Wir haben den Ball gut geteilt und waren trotzdem beide aggressiv“, analysierte Wade. „In Spiel eins war ich für meine Begriffe zu passiv. Heute waren wir beide aggressiv und machten einige wichtige Körbe in den letzten Minuten.“

Ebenfalls stark verbessert: Chris Bosh. Der Power Forward startete zum ersten Mal seit seiner Rückkehr von einer Bauchmuskelverletzung – Coach Erik Spoelstra hatte diese Maßnahme bis zum letzten Moment geheim gehalten. Bosh bestätigte seinen Trainer mit je zehn Punkten und Rebounds in den ersten 24 Minuten. „Ich wollte einfach aggressiv ins Spiel gehen“, wählte auch Bosh das Wort des Abends, um die eigene Einstellung zu beschreiben. „Ich wollte einfach sicher gehen, dass ich sofort gut verteidige und im Angriff an den richtigen Stellen stehe, alles andere würde dann von alleine laufen.“ Das tat es … Insgesamt kam Bosh auf 16 Zähler, 15 Abpraller und 2 Blocks.

Auf der anderen Seite zeigten sich James Harden (21 Punkte) und Serge Ibaka (7 Punkte, 4 Rebounds, 5 Blocks) stark verbessert gegenüber der ersten Partie. Vor allem Harden war es, der mit 17 Punkten in der ersten Halbzeit und unzähligen intelligenten Drives Miami Rätsel aufgab. Ohne die Ruhe und Stabilität die der Bärtige OKC gab, wären die Gastgeber wohl im zweiten Viertel regelrecht unter gegangen.

Selbiges ließ sich über Russell Westbrook nicht sagen.

Der Point Guard spielte eine katastrophale erste Hälfte, in der er nur zwei seiner zehn Wurfversuche traf und den Fluss der Thunder-Offensive immer wieder stoppte. „Ich denke, ich habe mein Spiel gespielt“, sah Westbrook den Fehler nicht bei sich. „Ich bekam einige einfache Würfe, die ich normalerweise treffe. Leider fielen diese Korbleger heute nicht.“ Zwar unterliefen Westbrook erneut nur zwei Ballverluste, seiner Rolle als Taktgeber des Angriffs wurde der 23-Jährige indes in keinster Weise gerecht.

Immer wieder nahm er entweder lange Würfe aus dem Dribbling oder er begab sich ins Herz der Defensive Miamis, um dort extrem schwierige Versuche zu wagen. Oftmals übersah er gleichzeitig die in den Ecken des Halbfeldes frei stehenden Schützen der Thunder wie Durant, Harden, Thabo Sefolosha oder Derek Fisher.

Westbrook fing sich zwar nach der Pause, legte mit 18 Punkten (8/16 Würfe), sechs Rebounds und vier Assists auch gute Zahlen auf, schlechte Entscheidungen traf er aber auch weiterhin.

Miami unterliefen zwar auch immer wieder defensive Fehler – OKC schoss 52,6 Prozent aus dem Feld in der zweiten Hälfte –, immerhin bekamen die Heat aber den Schnellangriff des Gegners in den Griff (nur elf Fastbreak-Punkte, davon keiner in der ersten Halbzeit).

Am Ende waren James, Wade, Bosh und Co. in Spiel zwei die Mannschaft, die weniger Fehler beging. Vor allem im ersten Viertel …

MVP

LeBron James – 32 Punkte, 8 Rebounds, 5 Assists, 10/22 Würfe, 12/12 Freiwürfen

Auch wenn er im vierten Viertel nicht punktetechnisch explodierte, wie sein Gegenüber Kevin Durant, der im Schlussdurchgang 16 Zähler auflegte, James kontrollierte die Partie über fast die gesamte Spielzeit. Kein Akteur stand länger auf dem Feld, James ging früh in die Zone, entweder nach einem Post-Up oder dem Drive und kümmerte sich defensiv öfter um Kevin Durant als noch in der Auftaktpartie.

Held im Schatten

Shane Battier – 17 Punkte, 5/7 Dreier

Battier war erneut extrem heiß von der Dreierlinie. Sein Wurf von Downtown mit Brett kurz vor Schluss war vielleicht der wichtigste (und glücklichste) Schuss seiner Karriere. In den beiden Spielen traf Battier neun seiner 16 Dreier (69,2 3P%). Außerdem ist er defensiv immer da, wo er stehen muss – wie beim Charge, dass er Kevin Durant anhing – und der einzig offensiv brauchbare Rollenspieler der Heat.

Das vierte Viertel

Wie agierten die Stars beider Teams im vierten Viertel? Wir schauen in jeder Partie – es sei denn, es gib einen ganz klaren Kantersieg – auf die Statistiken in den letzten zwölf Minuten.

LeBron JamesStatKevin Durant
6Punkte16
1/4Würfe5/9
0/1Dreier3/4
4/4Freiwürfe3/4
3Rebounds1
2Assists1
9:35Minuten12:00

Dwyane Wade StatRussell Westbrook
7Punkte9
3/4Würfe4/8
0/0Dreier0/2
1/2Freiwürfe1/1
1Rebounds4
1Assists2
12:00Minuten12:00

SOCIAL MEDIA