'One Hell of a Coach'

David Digili

Die Meinungen, die im Blog geäußert werden, geben lediglich David Digilis persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Das größte Lob gab es vom „König" höchstpersönlich: „He must be one hell of a coach", sagte LeBron James noch auf dem Court nach dem entscheidenden 101:88 in Spiel 7 der Eastern Conference Finals. "Er muss einfach ein außergewöhnlicher Trainer sein" – „er", das ist Doc Rivers, Headcoach der Boston Celtics.

Der Rekordchampion hat die Serie zwar 3:4 verloren - aber dafür enormen Respekt des Gegners gewonnen (diese Eigenschaft hatten Bron, Dwyane und Co. ja nun nicht immer). Die lange Umarmung der Nummer 6 der Heat für Rivers steht sinnbildlich für die Anerkennung, die dem Coach und den ganzen Boston Celtics zuteil wird: „Ihr seid unser härtester Gegner, Ihr habt uns einen tollen Kampf geliefert."

Und Doc Rivers ist der Schlüssel, der Künstler, der sein Meisterstück wie ein Kunstwerk über Jahre perfektioniert hat. Mit Kevin Garnett und Ray Allen holten er und das Celtics-Management 2007 die perfekten Spieler für das Celtics-Konzept - und die perfekten Ergänzungen zu Paul Pierce.

Große Ziele, keine Erfolge

So viele Versuche mit mehreren Topstars in einem Team hat es schon gegeben, so viele davon haben in kleinerem oder größerem Maße enttäuscht: Die Houston Rockets Ende der 90er mit Hakeem Olajuwon, Clyde Drexler und Charles Barkley. Die Portland Trail Blazers um die Jahrtausendwende mit gefühlt jedem Hochkaräter, der nicht bei „drei" auf dem Baum war. Die Lakers mit Shaq, Kobe, Gary Payton und Karl Malone. Die Knicks 2012. Auch die Dallas Mavericks haben Jahre gebraucht, bis sie endlich das Team zusammengestellt hatten, das den Titel holen konnte.

Welches Team kommt also sofort in den Sinn, wenn es um erfolgreiche Star-Ensembles der letzten Jahre geht, die sofort funktioniert haben (mal abgesehen von den Chicago Bulls 1995/96 - MJ, Pip und Dennis Rodman stehen einfach über allen)? Genau: Boston - Meister 2007/08, dazu eine weitere Finals-Teilnahme und immer mindestens das Conference-Halbfinale.

Verdienst außergewöhnlicher Spieler wie KG, Allen und Pierce. Die sich ins Team einfügen, als Mitspieler, nicht als Stars. Und eines Trainers wie Doc Rivers, der seinem Trio (notgedrungen) einen unerfahrenen Point Guard namens Rajon Rondo an die Seite stellte, der sich zu einem der besten Allrounder und klassischen Aufbauspieler der letzten Jahre entwickelt hat.

Diskutieren, kritisieren, loben

Wie viele andere Coaches, wie viele andere Führungsetagen hätten so beständig auf einen kleinen Point Guard aus Kentucky gesetzt und nicht eher zeitnah einen Veteranen geholt, nur, um auf Nummer sicher zu gehen? Rivers ist ein Players Coach, einer, der diskutiert, kritisiert, aber auch Beifall spendet. Wo es in Miami anfangs oft schien, als würden Wade und Co. auf dem Parkett ihr eigenes Ding machen und sich von Trainer Erik Spoelstra dabei eher ungern stören lassen, so ganz anders ist es seit Jahren in Boston.

Hier wissen die Spieler, was sie an ihrem Mann an der Seite haben, und der weiß, was er an seinen Akteuren auf dem Feld hat. Ähnlich wie in Chicago übrigens, wo Tom Thibodeau die Geschicke der Bulls an der Seitenlinie lenkt – der Coach mit der stets heiseren Stimme kam aus…richtig: Boston!

Nicht ohne Grund fühlt sich Memphis-Guard Tony Allen immer noch „im Herzen als Celtic“, nicht ohne Grund stagniert die Karriere von Glen Davis nach seinem Trade nach Orlando, nicht ohne Grund hat Neuzugang Brandon Bass im Gegenzug in den Playoffs überraschend groß aufgespielt. Und nicht ohne Grund schockte der Trade von Center Kendrick Perkins nach Oklahoma City das ganze Team – man nimmt einem mühsam und detailverliebt zusammengesetzten Puzzle nicht einfach ein Teil wieder weg. „Die Theorie, dass die NBA eine Liga der Einzelspieler ist, haben wir endgültig widerlegt. Es geht ums Team“, erklärte der 50-jährige Rivers auf der Post-Game-PK. „Und ich weiß nicht, ob ich jemals schon so ein großartiges Team hatte.“

Ungewisse Zukunft

Genau jenes Team muss sich nun nämlich eventuell neu formieren – KG und Allen sind nach der Saison Unrestricted Free Agents, General Manager Danny Ainge wird schon jetzt schlaflose Nächte zubringen. Soll es noch ein „Run“ sein? Oder ein Neustart?

Nicht jeder mag die Boston Celtics, aber das Basketballherz eines Kenners muss doch höherschlagen bei diesem Teamgeist – und sich insgeheim trotz aller anderen Anzeichen wünschen, dass die Mannschaft zusammenbleibt.

Allein schon für den „hell of a coach“…

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