Statistiken


NBA Europe Live:
Dirk Nowitzki Karriere in Zahlen


Dirk Nowitzki. Basketball in Deutschland ist ohne ihn irgendwie nicht mehr denkbar. Dabei kannten ihn, als er 1999 in die NBA kam, nur die wenigsten. Kein Wunder. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, der große Basketballboom nach Olympia 1992 und dem EM-Titel 1993 war verebbt.

Vom Nike Hoop Summit und Dirks phänomenalem Auftritt dort, seinen 33 Punkten, 14 Rebounds und dem MVP-Award bekam zu Hause niemand etwas mit.

14 Jahre gingen seither ins Land, in denen aus einem dünnen blonden Jüngelchen mit Fönfrisur einer der größten Sportweltstars wurde, die Deutschland in seiner Geschichte hervorgebracht hat.

In diesen 14 Jahren ist eine Menge passiert. NBA-Finals wurden verloren und gewonnen. Nowitzki war einer der zehn besten Spieler der Welt, gewann FIBA-Medaillen, wurde zum Abo-All-Star, sogar zum MVP der NBA.

Doch wie hat sich Dirk Nowitzki über die Jahre verändert? Wie unterscheidet sich der junge Nowitzki von dem späten? Tut er das überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, setzten wir uns an den nimmermüde fließenden Zahlenfluss, der aus nba.com/stats entspringt und begannen nach Nuggets der Erkenntnis zu schürfen.


KULTURSCHOCK

Als Dirk Nowitzki 1999 nach dem Lockout in der NBA ankam, traf der beste Basketballer Deutschlands im ersten Spiel der Saison auf einen überwältigten 20-Jährigen. Detlef Schrempf hatte zu diesem Zeitpunkt bereits fast alles gesehen (in der Folgesaison sollte Det The Threat zu den Trail Blazers wechseln, erst danach hatte er alles gesehen), für Dirk Nowitzki war das alles ein bisschen zu viel. Auch weil er ohne ein echtes Trainingslager in die Saison gehen musste.

Abseits des Courts der Reunion Arena in Dallas traf ihn das, was die Amerikaner so liebevoll „Culture Shock“ nennen mit voller Härte. Nowitzki musste von jetzt auf gleich lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. In einem fremden Land. Erstmals weit entfernt von der Familie. Ausgestattet nur mit Schulenglisch.

Auf dem Feld sah es ganz ähnlich aus. Nichts war zu sehen von einem kommenden „Rookie of the Year“ – als diesen hatte ihn sein damaliger Coach Don Nelson im Vorfeld bezeichnet. Nowitzki spielte als Power Forward im Angriff nicht am Brett, sondern wich immer wieder in die Mitteldistanz oder an die Dreierlinie aus. Sein sonst so sicherer Wurf fiel nicht, die Power und das Selbstvertrauen per Drive zu punkten fehlten. Defensiv wurde Nowitzki von den Kontrahenten nach Belieben zur Seite geschoben.

Trotzdem war seine Rookie-Saison nicht die Vollkatastrophe, als die sie gern gesehen wird. Nowitzki gewöhnte sich über die Monate an die rauere, schnellere Gangart in der NBA. Das zeigen die sogenannten „Split“-Statistiken aus seiner Debütsaison:

1998/99MPGFG%3P%FT%RPGAPGPPG
Februar18,931,623,578,83,70,96,6
März12,741,616,079,31,90,65,7
April29,448,126,176,95,11,612,1
Mai26,334,40,071,43,01,010,7

Natürlich schreien selbst die Zahlen aus dem April 1999 nicht nach dem Titel des Rookies des Jahres, aber sie sind annehmbar – auch wenn der Dreier zu keinem Zeitpunkt wirklich verlässlich fiel.

Diese erste, nur 50 Partien lange Spielzeit, sollte jedoch die einzige sein, in der ein überforderter Dirk Nowitzki zu sehen war. Sie ist ein Ausreißer. Danach ging es steil bergauf.


GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN

Nach seiner ersten Saison wusste Holger Geschwindner, woran er mit seinem Schützling würde arbeiten müssen – eigentlich wusste er es schon die ganze Zeit. Früh hatte der Ex-Nationalspieler einen Stufenplan für Nowitzki erstellt, der Teilstück für Teilstück abgearbeitet wurde.

Bereits in seiner zweiten NBA-Saison schoss Nowitzki mehr als annehmbare Quoten. Vor allem aus dem Pick-and-Pop mit Point Guard Steve Nash oder Teamleader Michael Finley konnte er immer wieder seinen Sprungwurf setzen. In den Lowpost zog es ihn in diesen Jahren zwar noch nicht, aber das war im sehr offenen Angriffssystem Don Nelsons auch nicht unbedingt vorgesehen.

Ab der Saison 1999/00 etabliert sich der Deutsche kontinuierlich in der NBA. Das belegen auch die sogenannten Advanced Stats. Egal, ob es um sein Player Efficiency Rating (PER), die Defensive- oder Gesamtreboundrate (DRB% und TRB%) geht: Nowitzki verbessert sich zum Teil sprunghaft. Gleiches gilt für seine Turnoverrate (TOV%) und das True Shooting (TS%). Auch bei der Assistrate ging es voran (AST%).

SaisonPERTS%ORB%DRB%TRB%AST%TOV%USG%
1998/9912,849,14,814,39,58,415,722,3
1999/0017,556,43,815,69,710,910,021,2
2000/0122,860,14,422,113,59,49,523,8
2001/0224,159,94,724,014,510,88,925,5
2002/0325,658,12,925,114,013,38,127,4
2003/0422,556,13,322,212,511,38,324,5

Die steigende Usage Rate zeigt, dass Nowitzki in diesen Jahren immer mehr Ballbesitze seiner Mavs beeinflusst und gleichzeitig immer effizienter wird. Er ist in der NBA angekommen, fühlt sich wohl und kann nun sein Leistungspotenzial Jahr für Jahr mehr realisieren.

Doch dann kommt die Saison 2003/04 …

Die Mavericks verpflichten für diese Spielzeit mit Antawn Jamison und Antoine Walker zwei Power Forwards auf All-Star-Level. Nowitzki muss öfter auf die Fünf ausweichen. Vor allem der wenig effiziente Walker (15,8 PER) wirbelt die Hierarchie auf dem Feld durcheinander.

Anstatt auf Nowitzki als Alphatier zu setzen, geben Coach Nelson und Besitzer Mark Cuban die Verantwortung an Spieler weiter, die nicht auf dem Level des Deutschen sind. Die statistische Entwicklung Nowitzkis (22,5 PER) erfährt ein vorläufiges Ende.


DER BESTE NOWITZKI ALLER ZEITEN

Im Folgejahr geschehen dann jedoch zwei Dinge, die die beste Zeit Nowitzkis in der NBA einleiten. Das Walker-Jamison-Experiment wird beendet und Avery Johnson beerbt den nach 64 Spielen zurücktretenden Don Nelson.

Der neue Übungsleiter mag in seiner aktiven Zeit ein Point Guard gewesen sein, trotzdem nimmt er seinen Superstar in die Pflicht sich öfter am Zonenrand aufzuhalten. Die Mavericks würden nur Meister werden können, wenn Nowitzki dort punkten könne, bläut „The Little General“ ihm immer wieder ein. Auch defensiv fordert er den Deutschen immer mehr.

Unter Johnson wird Nowitzki zum besten Spieler, der er sein kann … statistisch gesehen. Drei Saison lang agiert Nowitzki auf MVP-Niveau, entdeckt sogar die eigenen Fähigkeiten als Passgeber. 2006 erreichen die Mavs die Finals.

SaisonPERTS%ORB%DRB%TRB%AST%TOV%USG%
2004/0526,157,83,624,014,014,39,128,7
2005/0628,158,94,623,414,214,77,930,0
2006/0727,660,55,323,914,817,89,528,9

Zwei Dinge werden indes in der Finalniederlage gegen Miami 2006 und dem 2007 folgenden Erstrundenkollaps gegen die Golden State Warriors deutlich: Zum Einen sind diese Mavs nicht in der Lage, die eigene Leistung zu steigern, wenn sie der Gegner darauf konzentriert Nowitzki zu stoppen – ihm fehlt ein wirklicher All Star an seiner Seite. Zum Anderen fehlt Nowitzki – aller Fortschritte im Lowpost zum Trotz – noch immer diese gewisse Kaltschnäuzigkeit, um die wichtigen, harten Punkte in den entscheidenden Phasen Ende einer Partie zu machen.


HERBST DER KARRIERE

2007/08 beginnt der Herbst der Karriere der Dirk N. aus W. Korrektur: Es beginnt der GOLDENE Herbst. Natürlich ist Nowitzki noch immer auf absolutem Top-Niveau, die Werte beginnen indes, langsam aber sicher zu fallen. Gleichzeitig versteht es der jetzt 29-Jährige, sich während der regulären Spielzeit besser zurückzunehmen.

SaisonPERTS%ORB%DRB%TRB%AST%TOV%USG%
2007/0824,658,54,122,813,817,89,328,8
2008/0923,156,43,322,112,812,17,830,3
2009/1022,957,83,120,111,713,07,828,8
2010/1123,461,22,420,812,014,29,128,2
2011/1221,756,42,520,011,312,69,029,2

Die Entwicklung Nowitzkis ist allerdings noch nicht zu Ende. Noch immer arbeitet er Sommer für Sommer mit Geschwindner an den eigenen Skills. Natürlich kommen an diesem Punkt seiner Laufbahn keine großartig neuen Fertigkeiten dazu, es sind die Nuancen, die für ihn den Unterschied machen. Der Status Quo soll möglichst gehalten werden.

Der Hakenwurf – über Jahre trainiert – kommt in der NBA jetzt immer sicherer. Aus seinem Fadeaway im Lowpost wird mit ein paar Modifikationen der „Flamingo Shot“.

Gleichzeitig gruppiert sein Team um ihn einen Kader voller Distanzschützen und hartgesottener Verteidiger, die nicht nur die Räume nutzen können, die Nowitzki schafft, sondern umgekehrt auch ihm helfen. Obwohl seine Usage Rate konstant hoch bleibt, ist er nicht mehr der offensive Alleinunterhalter. Gleichzeitig weiß jeder, wer in den entscheidenden Situationen den Ball bekommt …

In den Playoffs 2011 liefert Nowitzki Clutch-Stats vom Allerfeinsten … Egal, ob noch fünf Minuten zu spielen waren und die Mavs mit fünf oder weniger Punkten hinten lagen … Egal ob Dallas oder der Gegner in den letzten 30 Sekunden mit drei oder weniger Punkten in Front lag … Nowitzki war in den Playoffs extrem zuverlässig zur Stelle.

Letzte 5 MIN <= 5 PTS
SaisonGPWLFGMFGAFG%3PM3PA3PT%FTMFTAFT%
2010-111275132065,03475,0202195,2

Letzte 3 MIN <= 5 PTS
SaisonGPWLFGMFGAFG%3PM3PA3PT%FTMFTAFT%
2010-111064111573,32366,77887,5

Letzte 1 MIN <= 5 PTS
SaisonGPWLFGMFGAFG%3PM3PA3PT%FTMFTAFT%
2010-117344580,011100,05683,3

Letzte 30 SEC <= 3 PTS
SaisonGPWLFGMFGAFG%3PM3PA3PT%FTMFTAFT%
2010-116332366,711100,044100,0

Letzte 10 SEC <= 3 PTS
SaisonGPWLFGMFGAFG%3PM3PA3PT%FTMFTAFT%
2010-116331250,00022100,0


DIE GEGENWART UND DAS ENDE

Bald wird die Karriere Dirk Nowitzkis zu Ende sein. Bis 2014 hat er noch Vertrag in Dallas, ob es danach weiter geht … diese Entscheidung hält sich Nowitzki offen. In der Vergangenheit hat er immer wieder betont, dass ihm Basketball Spaß machen muss, um weiterzuspielen.

Momentan hat Dirk Nowitzki Spaß. Oder besser: Er hat ihn wider. Nach der verkorksten Lockout-Saison, in die er unfit und mit Knieproblemen ging, weil er sich für Deutschland bei der EM in Litauen geopfert hatte, ist das Feuer wieder zurück.

Auch mit 34 Jahren dürfte Dirk Nowitzki in den kommenden beiden Saisons noch auf All-Star-Niveau agieren. Sein Spiel basiert eben nicht auf der Athletik oder purer Kraft.

Er besitzt die Grundfertigkeiten des Spiels, hat einen nicht zu blockenden Wurf im Arsenal und ist gesund. Warum also nicht noch einmal angreifen?

Ob es noch mal für Heldentaten in den Playoffs reicht? Diese Frage kann kein NBA-Spieler allein beantworten. Dirk Nowitzki wird jedoch auch weiterhin Dirk Nowitzki sein. Bis zum Ende halt. Doch daran sollten wir nicht denken.

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