Das "Gehirn" arbeitet auf Hochtouren

David Digili

Die Meinungen, die im Blog geäußert werden, geben lediglich David Digilis persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Fünf.

Fünf Spiele, die gewonnen wurden.

Fünf Partien, in denen ein Spieler den Unterschied gemacht hat.

Fünf Triple Doubles.

Fünf Mal der Beweis der Extraklasse von Rajon Rondo.

"Dieser Point Guard soll den 'Big 3' zuarbeiten?" hieß es, als im Spätsommer 2007 Ray Allen und Kevin Garnett zu den Boston Celtics kamen, um mit Paul Pierce endlich wieder einen Meistertitel nach "Beantown" zu holen - und Rajon Rondo sollte die Rolle des Ball-Lieferanten übernehmen. Ein Schwachpunkt sei er. Dem Druck nicht gewachsen.

Heute, knapp fünf Jahre später, ist der mittlerweile 26-Jährige der beste klassische Aufbauspieler der Liga - und das Gefüge innerhalb der Celtics hat sich geändert. Jetzt sind es nicht mehr Pierce, Garnett und Allen, von denen das Wohl der traditionsreichen Franchise abhängt. Heute lastet die Verantwortung einzig und allein auf den schmalen Schultern eines 1,85 Meter großen Jungen aus Kentucky.

"A Coaches' Porn" nannte Celtics-Trainer Doc Rivers seinen Spielmacher in einer, nun, etwas eigenen Wortwahl - auch wenn es klar war, was er meint. Rondo lenkt das Spiel, er sieht Lücken und Passoptionen wie kein anderer. Und ist derzeit der vielseitigste "Einser" der Liga.

Fünf.

Fünf Mal bereits stand am Ende ein Triple Double für Rondo im Boxscore, so viele wie bei keinem anderen NBA-Spieler in diesem Jahr. Das Wichtigste wohl am 1. April - und es war mit Sicherheit kein Scherz! Im Duell mit den Miami Heat untermauerte der kleine Aufbauspieler seine Fähigkeiten, hat gepasst, gereboundet - und gescort. Das Resultat: 91:72 für Boston. Er kann also, wenn er will. Denn gerade seine eigene Schwäche im Abschluss mag wohl den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Rondo nicht unter den Kandidaten für das Team USA bei Olympia ist. Distanzwurf? Nicht vorhanden. Sicherheit von der Linie? Ich sage nur: Shaqsche Ausmaße.

Trotzdem ist der Celtics-Guard die wichtigste Angriffsoption des Teams, wenn er den Korb attackiert - und zeigte das gegen Miami. "Wir haben ihm gesagt, dass wir ihn heute als Scorer brauchen. Nicht als Playmaker, sondern als Scorer. Und von Beginn an hat er das Spiel bestimmt. Er war einfach fantastisch." 16 Punkte, 11 Rebounds und 14 Assists.

Der fünfte Sieg beim fünften Triple Double.

Paul Pierce mag das Herz der Celtics sein, Rondo ist das Gehirn. In einem Team, dessen Bank in den letzten Jahren immer weiter ausgedünnt wurde, muss er es auch in den Playoffs schaffen, Spieler wie Greg Stiemsma, Brandon Bass oder Keyon Dooling wie echte Stars aussehen zu lassen. Glen Davis, Nate Robinson, Eddie House, Tony Allen, James Posey - die Liste hochkarätiger Bankspieler ist lang in Boston. Wer hätte gedacht, dass auch nach deren Abgang die Celtics unter der Liga-Elite sind? Nicht umsonst vermisst Center Kendrick Perkins Rondos Pässe in Oklahoma City - und "Perk" spielt dort immerhin mit einem gewissen Russell Westbrook zusammen.

Mit seiner Schnelligkeit, seinem Offensivdrang stellt er selbst Teams wie Chicago und Miami vor Probleme. Der Schwachpunkt ist längst zum Trumpf geworden im Kampf gegen LeBron, D-Rose und Co.

Auch wenns in den Playoffs vielleicht nicht gleich fünf Triple Doubles werden...

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