Das bringt uns die neue Saison

Von David Digili | Archiv

Die Meinungen, die im Blog geäußert werden, geben lediglich David Digilis persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Endlich!

Die Zeit nach den Finals schien lang.

Von einem Olympischen Basketball-Turnier etwas verkürzt (und versüßt).

Von Trade-Gerüchten, spektakulären Wechseln und Umzügen etwas angenehmer gestaltet.

Von Summer-League-Turnieren und Preseason-Spielen abgeschlossen.

Vier Monate überstanden

Die NBA-Saison 2012/13 steht vor der Tür - und ich erwarte nicht weniger als eine der interessantesten und spannendsten Spielzeiten der letzten Jahre. Warum? Hier eine kleine, schnelle Auswahl:
Showtime in L.A.

Steve Nash-Kobe Bryant-Pau-Gasol-Dwight Howard - das West-Gegenstück zu den "Big 3" der Heat ist perfekt. Nicht nur innerhalb der "City of Angels" wird so der neue (und immer noch etwas ungewohnte) Konkurrenzkampf mit den Clippers angeheizt, auf dem Papier sind die Lakers ein Top-Titelkandidat. Zumindest, was die Starting Five angeht.

Sind es nicht schon unheimliche Parallelen zur Entstehungsgeschichte der großen Drei in Miami? 2010 LeBron und seine legendäre Rede von "I'm taking my talents to...", na, Ihr wisst schon, 2012 Dwight Howard und das monatelange Gezitter, Gemecker, Geschwurbel und Geschachere mit den Magic. 2010 ein Star, der Verstärkungen im Titelkampf fordert, 2012 ein zukünftiger Hall-of-Famer, der vielleicht einen letzten großen Angriff starten will. 2010 Pfeifkonzerte, Buhrufe und Neider in so ziemlicher jeder gegnerischen Halle, 2012 die Lakers als Überteam, wie gemacht für eine Wiederholung. 2010 Startprobleme, Sand im Getriebe und eine - gemessen an den eigenen Erwartungen - enttäuschende Saison der Heat, 2012 bei den Lakers...?

Die "Big 3" der Heat erstmals in der Rolle des Gejagten

Miami ist an der Spitze, darf sich "NBA Champion 2012" nennen - und damit beginnt ein neues Zeitalter für Team und Fans in Florida - LeBron, D-Wade, Chris Bosh und das ganze Team sind vom Jäger zum Gejagten geworden. Es bleibt abzuwarten, wie die Topstars damit umgehen. Selbstverständlich sollte man von Ausnahmekönnern wie "King James" und Wade erwarten können, dass sie gerade in der Rolle des Titelverteidigers aufgehen und zu neuen Bestleistungen ansetzen - das Ziel ist erreicht, jetzt soll der Erfolg erhalten werden.Was im ersten Jahr stotternd anfing, im zweiten Jahr gleich zum Titel führte, soll in Jahr drei perfektioniert werden. Und mit Ray Allen und Rashard Lewis stehen zwei neue Veterans bereit, die Top-Stars zu entlasten.

Die Wut der Thunder

Soooo knapp stand OKC letzte Saison vor dem ganz großen Wurf - und scheiterte am Ende doch deutlich an den Heat. Schafft das Team von Coach Scott Brooks in diesem Jahr den Sprung auf den Thron? Kevin Durant, Russel Westbrook und James Harden kommen mit zusätzlichem Selbstvertrauen aus dem Team USA und mit Olympia-Gold um den Hals, das Team ist zusammengeblieben und ist - entschuldigt die grauenhafte Phrase - "in der Breite (noch) tiefer geworden". Tja, wollte ich eigentlich schreiben - da macht mir das Thunder-Management einen Strich durch die Rechnung und tradet Harden für NICHTS (= der ständig verletzte Kevin Martin, Rookie Jeremy Lamb und ein paar Draft Picks) nach Houston. Wem das etwas bringt? Den Lakers. Das einzige Team, das ihnen WIRKLICH Konkurrenz hätte machen können, wurde nun seines Jokers beraubt. Was bleibt? Ungläubiges Kopfschütteln über das Thunder-Management.

Neue Rivalitäten

Newcomer Brooklyn gegen Traditionsteam Knicks. Ist der Big-Apple zu klein für beide? Der Hype um die Nets, ihre schicke neue Halle und ihren populären Mitbesitzer Jay-Z hat schon bizarre Formen angenommen (dazu in meinem nächsten Blog-Eintrag mehr) - aber wenn es ein Team gibt, das sich damit auskennt, sind es die ewig erfolgshungrigen Knicks. Schon zur Saisoneröffnung gibt es das direkte Duell zweier Teams, die so unterschiedlich und doch so ähnlich sind. Bleiben die Knicks das wahre Team des "Big Apple"? Oder werden die Nets die neue Nummer eins in der Stadt, die niemals schläft?

Junge Teams auf dem Sprung

Die 76ers, Brooklyn, Denver, die Timberwolves, Indiana, Memphis - die Liste der Teams, die so viel Potenzial haben, das sie nur abrufen müssen, ist lang. Wie funktioniert Andrew Bynum in Philadelphia, in einem hungrigen, mit Talenten gespickten Team, das dazu auch noch von einem mehr als erfahrenen Coach (Doug Collins) trainiert wird? Ich sage nur: Jrue Holiday, Jason Richardson, Evan Turner, Thad Young, Spencer Hawes, Lavoy Allen, Dorell Wright, Nick Young, dazu der Ex-Lakers-Big-Man...klingt nicht schlecht, oder? In den vergangenen Playoffs mussten die Chicago Bulls schon erfahren, was in den 76ers steckt - und jetzt wurde der Kader nochmals verstärkt. (Und ich habe natürlich nicht vergessen, dass die Bulls zusätzlich durch die Verletzung von Derrick Rose geschwächt waren!).

Gleiches gilt für Minnesota: Will Philly die starke Spielzeit 2011/12 bestätigen, so muss das Team aus dem Norden ebenfalls die letzten Feinabstimmungen vornehmen, um auf Dauer mithalten zu können. Das Duo aus Ricky Rubio und Kevin Love hat schon gezeigt, das es zu einem der besten One-Two-Punches der Liga werden kann (oder ist es das schon?), dazu ist die Supporting Cast besser als ihr Ruf - J.J. Barea, Derrick Williams, Andrei Kirilenko und Co. erfüllen ihren Job vielseitig und zuverlässig, und seit den guten Ansätzen im letzten Jahr ist auch über Minneapolis hinaus bekannt, was in der Mannschaft steckt.

Die Rookies

Klar, Anthony Davis schwebt dank seiner Olympia-Teilnahme immer noch ein Stückchen über dem Rest seines Jahrgangs - ob er den Erwartungen voll gerecht werden kann, wird sich zeigen, sein Talent steht außer Frage. Insgesamt ist dieser Jahrgang durchaus gesegnet mit Spielern, die in der "L" ihren Weg machen KÖNNEN und hoffentlich WERDEN: Damien Lillard überragte in der Summer League, wird den Trail Blazers noch viel Spaß machen mit seiner Schnelligkeit und Athletik. Warrior Harrison Barnes spielte solide wie ein Veteran, genau wie Washingtons Bradley Beal. Auch Thomas Robinson von den Kings, Second-Round-Pick Jae Crowder aus Dallas oder Milwaukees John Henson zeigten gute Ansätze.

Dazu kommen mit Jonas Valanciunas (Toronto) und Donatas Motiejunas (Houston) gleich zwei hochkarätige Youngster aus Litauen. In Boston kann sich der hoch gelobte, aber im Draft auf Positon 21 abgerutschte Jared Sullinger sicher sein, von den Besten zu lernen: Kevin Garnett, Paul Pierce, Rajon Rondo, dazu Neuzugang Jason Terry und Coach Doc Rivers - erstklassige Voraussetzungen. Guard Kendall Marshall wird sich in Phoenix wohl auf ordentliche Einsatzzeiten einstellen können, und bei den Rockets warten neben Motiejunas auch noch Jeremy Lamb, [UPDATE: Jeremy Lamb spielt jetzt natürlich in OKC, danke fürs Erinnern im ganzen Trubel, Clemens Thiem!] Terrence Jones und Royce White darauf, ihre Skills unter Beweis zu stellen.

Aber es gibt noch so viel mehr: Wie kommt Dirk nach seiner Verletzung zurück? Was reißen die Spurs in ihrem x-ten "letzten Run"? Was machen die Bulls, die noch länger auf ihren Heilsbringer Derrick Rose warten müssen? Wie lange braucht es, bis es in Orlando richtig kracht nach der desaströsen Offseason?

Bald wissen wir mehr.

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