All-in mit Steve Nash?

Die Meinungen, die im Playoff Blog geäußert werden, geben lediglich André Voigts persönliche Einschätzung wieder, nicht aber die Sichtweise von NBA.de, der NBA oder irgendeinem NBA-Team.

Steve Nash geht wahrscheinlich zu den L.A. Lakers. So lautet die Nachricht der Woche … natürlich mit Recht. Wenn ein zweifacher MVP zu einem Team mit Kobe Bryant und zwei Sevenfootern auf All-Star-Niveau wechselt, dann ist das gravierend.

Ein Jahr nach dem geplatzten Deal für Chris Paul hat General Manager Mitch Kupchak also wohl doch noch seinen Point Guard gefunden. Die Vorzeichen 2012 sind aber komplett andere als 2011.

Vor zwölf Monaten hätte die Franchise mit Sitz in El Segundo die eigene Zukunft, den Star für die Zeit nach Bryant gesichert. Nash? Die Verpflichtung des 38-Jährigen würde zeigen, dass die Lakers „all-in“ gehen, wie es im Poker heißt. Sie würden alle Chips in die Mitte des Tisches schieben, ihr Blatt zeigen und hoffen, dass es am Ende das höchste ist. Es zählt nur die Meisterschaft – nicht 2015 oder 2017, sondern JETZT!

Das wirft die Frage auf, ob ein Deal, der Nash für die Trade Exception*, die ihnen Lamar Odom 2011 einbrachte, sowie vier Draftpicks (zwei Erst- 2013 und 2015, zwei Zweitrundenpicks 2013 und 2014) die Lake Show wirklich zu ernsthaften Titelkandidaten macht?

Der Ist-Zustand

Die Rotation der Lakers sähe dann wie folgt aus:

Point Guard Steve Nash / Steve Blake
Shooting Guard Kobe Bryant / Andrew Goudelock
Small Forward Metta World Peace / (Devin Ebanks) / Christian Eyenga
Power Forward Pau Gasol / Josh McRoberts
Center Andrew Bynum / (Robert Sacre)

Bei Ebanks steht der Verbleib im Übrigen noch nicht fest, er ist restricted Free Agent und kann abgeworben werden. Rookie Robert Sacre hat noch keinen Vertrag erhalten.

Natürlich liest sich die Big Four der Lakers wie ein All-Star-Team, die Löcher auf der Bank und vor allem der Small-Forward-Position sind allerdings klar ersichtlich.

Metta World Peace ist auf der Drei nicht mehr die Lösung – vor allem nicht als Verteidiger gegen Kevin Durant, den er in den Playoffs nicht halten konnte. Der NBA-Topscorer legte gegen L.A. 26,8 Punkte bei Wurfquoten von 51,6 Prozent aus dem Feld plus 39,1 Prozent von der Dreierlinie auf. Die Lakers waren chancenlos gegen den Westmeister.

World Peaces Vertreter, Devin Ebanks, fehlt zum einen die Qualität, zum anderen der Dreier, den er braucht, um in diesem Team mehr Spielzeit zu finden.

Hinzu kommt das Loch hinter Gasol und Bynum. Natürlich kann der Spanier auch als Center effektiv spielen, nur wer ist dann der Backup auf der Vier? McRoberts spielte in den Playoffs 2,7 Minuten pro Partie, ist athletisch aber ansonsten nicht wirklich überdurchschnittlich begabt.

Der Soll-Zustand

In einer perfekten Welt nutzen die Lakers den Rest der Offseason, um auf den beiden Forward Positionen nachzubessern. Am besten mit Spielern der Gattung „Three-and-D“ und „Stretch-Four“. Bedeutet: L.A. braucht auf Small Forward einen Spieler der Kategorie Shane Battier, einen Verteidiger mit sicherem Dreier – immerhin dürften die Lakers bei einem Finals-Trip irgendwann auf Kevin Durant und/oder LeBron James treffen.

Außerdem braucht es einen Power Forward, der Platz am Brett schafft, wenn Gasol oder Bynum nicht auf dem Feld steht. Vierer, die von Downtown sicher sind – à la Ryan Anderson oder Steve Novak – machen das Leben für Nash aber auch Bynum und Bryant um einiges einfacher.

Die Welt ist allerdings weit davon entfernt, perfekt zu sein, vor allem die Finanzwelt in L.A. Die Lakers haben 2012/13 bereits Gehaltskosten von etwas mehr als 79 Millionen Dollar. In diese Summe nicht eingerechnet: die Saläre von Nash (wahrscheinlich um die 8,5 Millionen), Ebanks so er denn bleibt, Sacre und etwaige Neuverpflichtungen.

Wie geht es weiter?

Die Lakers zahlen die Luxussteuer. Somit steht ihnen nur die „Mini Midlevel Exception“ für Steuerzahler zu, um neue Profis für mehr Geld als das Minimalgehalt zu verpflichten. Diese Exception erlaubt es ihnen, Spieler mit drei Millionen Dollar Gehalt zu verpflichten. Ob es für diese Summe oder das Veteranenminimum die Akteure gibt, die die Lakers brauchen, um den Kader abzurunden?

Wahrscheinlich nicht …

Gibt es also doch noch einen weiteren Deal? Muss Pau Gasol gehen? Der Spanier verdient in der kommenden Saison 19,0 Millionen Dollar (2013/14 sind es 19,3). Mit diesem Gehalt kann er theoretisch zwei oder drei hilfreiche Spieler nach Hollywood bringen.

Einer davon müsste aber ein Power Forward gehobener Klasse sein. Die sind rar gesät.

Es bleibt also spannend bei den Lakers. Wenn sie mit diesem Blatt wirklich „all-in“ gehen wollen, wird es schwer am Ende den Pott mitzunehmen. Es sei denn sie haben noch ein As im Ärmel.

*Was eine Trade Exception ist? Wenn ein Team einen Spieler tradet, im Gegenzug aber weniger Gehalt an Bord nimmt, als dieser abgegebene Spieler bekommen hätte, gibt es die Trade Exception in Höhe der Differenz zwischen den beiden Gehältern (oder sogar das volle Gehalt, falls der Spieler etwa nur für Draftpicks abgegeben wurde). Diese Trade Exception kann dann dazu eingesetzt werden Spieler mit ähnlichem Gehalt zu holen. (hier gibt es noch mehr Infos: http://en.wikipedia.org/wiki/NBA_salary_cap)

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