Ein würdiger Champion

Posted by Johannes Berendt on Juni 19, 2009

Kobe Bryant hat die LA Lakers mit mannschaftsdienlichem Spiel zur Meisterschaft geführt. Die deutschen Experten loben die Entwicklung des Ausnahmespielers. Click and Roll Germany hat sich im Blätterwald umgeschaut.

Die Lakers sind Meister. In fünf Spielen haben sie die Orlando Magic besiegt. Für Kobe Bryant war es ein ganz besonderer Triumph. Das berichtet nicht nur Rod Ackermann in der NZZ:

„Dank ihrer Ausbeute von durchschnittlich 32,4 Punkten zum Most Valuable Player des NBA-Finals 2009 erkoren, hat die Lakers-Leitfigur auf der Ebene der in diesen Gefilden üppig wuchernden persönlichen Rivalitäten gleich zwei Siege errungen. Erstens löste sich Bryant endgültig aus dem mächtigen Schatten von Shaquille O'Neal, dem einstigen Teamgefährten, an dessen Seite er seine ersten drei Titel (2000, 2001, 2002) gewonnen hatte. Und zweitens schlug er dem seit Jahren als nächster Superstar der Liga aufgebauten, heuer indes schon früh aus den Play-offs eliminierten LeBron James (Cleveland Cavaliers) ein Schnippchen. Weil Bryant in den sieben Jahren seit dem letzten Titelgewinn zwei Finalniederlagen einstecken musste, 2004 gegen Detroit und 2008 gegen Boston, schmeckt die Revanche jetzt umso süßer, als er immer wieder dem Vorwurf zu begegnen hatte, ohne O'Neals Mithilfe nur halb so viel wert zu sein.“

Thomas Winkler schreibt in der taz: „Als es vollbracht war, als die Schatten der Vergangenheit endlich vertrieben waren, grinste Kobe Bryant selbstzufrieden. Im Moment des Triumphes war er wieder da, der alte Kobe, der Egomane. "Der große alte Affe ist runter von meinen Schultern", ließ er breit grinsend wissen. "Jetzt muss ich mir diesen idiotischen Vorwurf nicht mehr anhören.“

„Der große alte Affe heißt Shaquille O'Neal. Und der Vorwurf ist, dass Bryant nicht gewinnen kann ohne O'Neal, mit dem er von 2000 bis 2002 drei Titel nach Los Angeles geholt hatte. Bryant, so hieß es, sei nicht in der Lage, ein Team allein zum Titel zu führen. Diesen Vorwurf widerlegte er eindrucksvoll: Auch beim abschließenden 99:86-Sieg in Orlando war er wieder der überragende Spieler auf dem Parkett. Nach insgesamt vier Siegen und nur einer Niederlage gegen die Orlando Magic wurde der 30-Jährige zum besten Spieler der Finalserie gewählt.“

Johannes Korge (FIVE) macht bei Spiegel Online eine interessante Entdeckung: „Ironischerweise scheint sich die schier unmenschliche Belastung aus Olympischen Sommerspielen, regulärer Saison, den harten Playoffs im Westen und schließlich der Finalserie gegen die Magic als Segen zu erweisen. Erst die körperlichen Limitierungen und die Erkenntnis, dass selbst seine Kraft- und Talentreserven nicht unerschöpflich sind, ließen Bryant sein Potential maximieren. Durchschnittlich 32,4 Punkte pro Spiel in den Finals beeindrucken, viel mehr Beachtung verdient aber eine andere Zahl: 7,4 direkte Korbvorlagen verteilte er durchschnittlich an die Mitspieler, Indiz für ein gewandeltes Rollenverständnis. Wie schon Michael Jordan während seines ersten Comebacks 1995 bis 1998 musste Bryant verstehen, Energie zu konservieren und vor allem die Mannschaftskollegen einzubinden. "Er hat gelernt, ein Anführer zu sein. Dafür musste er jedoch erst einsehen, dass er nicht nur fordern darf, sondern auch geben muss", sagte Coach Jackson - mit nun zehn NBA-Titeln erfolgreichster Trainer der Ligageschichte.“

Und Ulrike von Bülow fügt in der Süddeutschen Zeitung hinzu: „Jetzt hat Kobe Bryant also seinen Titel, einen, den er den Lakers besorgt hat, weil er die Lakers von heute dominiert - sie sind seine Mannschaft. Doch dass die Lakers nun auch Meister sind, hat damit zu tun, dass ihr Superstar in den vergangenen zwei Jahren gewachsen ist - zu einem Mannschaftsspieler, neben dem auch andere sich entwickeln konnten. Kobe Bryant spielt seit 1996 für Los Angeles, er wurde als der nächste Michael Jordan gefeiert, und er hielt, was sein Talent versprach, jedenfalls spielerisch. Bryant glänzte wie kaum ein zweiter, aber lieber für sich als mit anderen. Als er im Mai 2007 wieder mal nicht Meister geworden war, nölte er: Die Mannschaft mache keine Fortschritte, der Manager sei ein Idiot, darum möge er, Kobe, bitte wechseln dürfen. Doch die Lakers falteten ihren Star zusammen: So, Kobe, nun schraubst du mal dein Ego zurück und spielst mit den Jungs. Mit dem Spanier Pau Gasol zum Beispiel, den die Lakers aus Memphis holten. Der Lockenkopf mit Zauselbärtchen ist ein grandioser Center, der ideal mit Bryant zusammenspielt - wie einst O"Neal, nur still und brav. Gasol sagt, er kenne seine Rolle: "Verteidige, spiele Pässe, sei ein Unterstützer." Plötzlich waren von Bryant nicht mehr nur herausragende Punkte zu sehen, sondern mannschaftsdienliche Vorlagen.“

Wie geht es weiter? Dazu Jürgen Kalwa bei American Arena:

„Trotz der beachtlichen Überlegenheit in der letzten Zeit (Finalteilnahme gegen Boston vor einem Jahr) sollte man nicht annehmen, dass die Lakers in der kommenden Saison wieder gewinnen. Der Trend der letzten Jahre spricht dagegen. Selbst in ihren Championzeiten so gute Teams wie die Detroit Pistons und die San Antonio Spurs schafften die Zugabe nicht. Im Westen ist Portland auf dem Sprung. Und im Osten wird sich Cleveland wieder zu Wort melden.“

SONSTIGES

Spox mit ein paar besonderen Awards, u. a.: „Charles-Barkley-Award für den Spruch des Jahres: Shaquille O'Neal auf die Vorwürfe Stan van Gundys, er sei ein Schwalbenkönig: "Ich bin vielleicht übertrieben gefallen, aber ein Schwalbenkönig bin ich sicher nicht. So kann man höchstens van Gundys Karriere als Trainer beschreiben. In den Playoffs wird er seine Spieler im Stich lassen, weil er der 'Master of Panic' ist. Ich weiß das, ich habe für ihn gespielt."

Hier geht es zu BASKET-TV.

Das Beste von den Lakers (fivemag.de).

Kobe Bryant
NBAE/Getty Images

Los Angeles Lakers
NBAE/Getty Images

Phil Jackson
NBAE/Getty Images

Shaquille O'Neal
NBAE/Getty Images