Brüder statt Untertanen – das Erfolgsgeheimnis der Cavs?

Posted by Johannes Berendt on Mai 22, 2009

Die Presse hat LeBron James und seine Cleveland Cavaliers mit Lob überschüttet – zumindest bis zu Beginn der Eastern Conference Finals. Click and Roll Germany berichtet über die Chancen der vier verbleibenden Teams im Kampf um den Titel.

Vor Spiel 1 der Eastern Conference Finals war die Stimmung in Cleveland noch gut. Die Experten überschlugen sich mit Lob – in den USA wie in Deutschland.

So schreibt Philipp Dornhegge bei Spox über den König und seine Brüder:

„LeBron James nicht nur der beste Basketballer auf diesem Planeten, sondern mit gerade einmal 24 Jahren auch einer der besten Leader im Sport. Anders als in L.A., wo viele Spieler unter der Schreckensherrschaft von Kobe Bryant leiden - der Einlauf, den sich Pau Gasol in Spiel sechs gegen Houston vor laufender Kamera abholte, war ein gutes Beispiel -, behandelt der King seinen Hofstaat wie Brüder. Nicht wie Untertanen. Es werden permanent Witze gemacht, das Team verbringt die Freizeit miteinander und selbst, wenn James im Spiel mal auf der Bank sitzt, ist er voll bei der Sache: Mit Anfeuerungsrufen von außen zeigt er seinen Mitspielern, dass er voll hinter ihnen steht. Bryant schaut sich die Spiele der Lakers in Ruhephasen meist teilnahmslos an. Dass James sein Team schon allein aufgrund seiner unglaublichen Präsenz besser macht, ist allen klar. Dass ihm dies auch in der Defense gelingt, ist in dieser Saison neu. Mit ungeheurer Intensität und Leidenschaft verteidigt er Abend für Abend den besten Spieler im gegnerischen Team.“

Marco Plein (Spiegel Online) sieht die Ursache für den Erfolg ebenfalls in der guten Stimmung.

„Manch kommen einem diese Cavaliers sogar vor wie ein großer Haufen Kindergartenkinder. Zuletzt ist das sogar ziemlich häufig der Fall. Dabei ist es eigentlich ganz egal, ob sie gerade ein Playoffspiel dominieren, ob sie trainieren, oder Interviews geben. Die Spieler dieser längst in die NBA-Oberklasse aufgestiegenen Mannschaft machen eigentlich meistens Blödsinn, toben herum, spielen Streiche - aus der Fußball-Bundesliga kennt man so etwas ja von Bayern-Star Franck Ribéry oder manchmal Lukas Podolski. In Cleveland hat dieses kindische Verspieltsein einen handfesten Hintergrund: Erfolg. "Wir zeigen gerne nach außen, was für eine vertraute Gruppe wir sind", sagt Small Forward James.“

Auch Spiegel-Kolumnist Gerhard Spörl mag die Cavs.

„Die Cavs sind die Mannschaft, für die sich ganz Amerika freuen würde, wenn sie schon jetzt den Titel gewinnt“, schreibt er in seinem großen Playoff-Bericht. „Sie sind jung und wild und möchten jeden Gegner niederwalzen. In dieser Romantik liegt ihre Schwäche. Egal ob sie gegen die Nuggets oder die Lakers ins Endspiel kommen: die alten Hasen, Phil Jackson oder George Karl, werden sich etwas ausdenken, um den Fluss des Spiels zu stoppen, um LeBron James zu isolieren, um seinen Jungs den Mut zu rauben.“

DAS ÜBERRASCHUNGSTEAM DER PLAYOFFS

Doch so weit ist es noch nicht. Erst einmal müssen die Orlando Magic aus dem Weg geräumt werden. Immerhin haben die sogleich das erste Spiel für sich entschieden. Joachim Mölter schreibt in der SZ über die Magic:

„Das Team aus Orlando ist die Überraschungsmannschaft der diesjährigen NBA-Playoffs. Niemand hatte sie unter den letzten Vier erwartet. Selbst nachdem sie in der ersten K.o.-Runde die höher eingeschätzten Philadelphia 76ers aus dem Rennen geworfen hatten, wurden sie gering geschätzt. "Es scheint egal zu sein, was Orlando leistet", schrieb die Zeitung Sports Illustrated: "Die Mannschaft wird den Eindruck nicht los, dass sie ihre Spiele nicht gewonnen, sondern dass das andere Team sie verloren hat."

SPANNUNG IM WESTEN

Auch im Westen geht es hoch her. BASKET-Blogger Christian Wawer hat die Serie zwischen den Lakers und Nuggets genau analysiert. Sein Fazit:

„Auch wenn die Lakers die schwächere Bank haben: Kobe und der oftmals überraschende Lamar Odom (heimlicher X-Faktor) werden es den Nuggets nicht leicht machen. Trotzdem lautet mein Tipp 4-2 Nuggets. Vor allem deshalb, weil die Lakers so unkonstanten Basketball spielen.“

SONSTIGES

Bei den Spielen im Staples Center drücken sich die Hollywood-Stars übrigens die Klinke in die Hands, wie die Bild-Zeitung berichtet.

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LeBron James
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Dwight Howard
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Kobe Bryant
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