Über die NBA wird nicht nur viel geredet, sondern auch immer mehr geschrieben. Grund genug für Click and Roll Germany, sich einmal genauer im Internet umzuschauen. Jede Woche wird Johannes Berendt die interessantesten deutschen Links und Artikel in heiterer Form präsentieren. Wer nicht genug über die NBA lesen kann, ist hier genau richtig.
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Von Himmelfahrtskommandos und Hoffnungsschimmern
Posted by Johannes Berendt on Nov 9, 2006 10:47 a.m. ET

Und wir dachten schon, das Timing im Sommer wäre schlecht gewesen.

Den Mavs bleibt aber auch gar nichts erspart. Nun haben sie sich den zweitschlechtesten Zeitpunkt ausgesucht, um vier Spiele in Folge zu verlieren. Schlimmer als im Juni gegen Miami kann freilich keine Niederlagenserie der Welt sein, doch ein verunglückter Saisonstart trägt nicht unbedingt zur Wiedergutmachung bei. Die traurige Bilanz der Mavs in den letzten fünf Monaten: acht Niederlagen, null Siege.

Woran könnte das liegen? Im großen FAZ-Interview bemüht sich Dirk Nowitzki um einen Erklärungsversuch.

„Ich glaube, alle Mannschaften spielen einfach jetzt besser gegen uns, sie sind motivierter. Es ist wie in der Fußball-Bundesliga, wenn Bayern München antritt. Da ist jeder noch mal eine Nummer angespannter, und man freut sich, wenn man den Favoriten schlägt. Deshalb wird es ein sehr schweres Jahr", mutmaßt er.

Der deutsche Nationalspieler macht keinen Hehl daraus, dass die Finalniederlage gegen die Heat "bis ans Ende meines Lebens im Kopf bleiben" wird.

"So richtig abhaken werde ich dieses Erlebnis wohl nie in meiner Karriere. Wir hatten eine Riesenmöglichkeit, uns die Trophäe zu holen, und waren so nah dran wie nie vorher. Das ist nach wie vor ein hartes Brot, daran werde ich auch weiterhin noch knabbern."

In Kreisen des DBB hat man hinter vorgehaltener Hand schon immer vermutet, dass Nowitzki aufgrund der WM in Asien und der damit verbundenen verminderten Regenerationszeit Anfang der Saison in ein "körperliches Loch" fallen könnte. Nur gut, dass er im September noch einmal abschalten konnte.

"Da konnte ich nach der WM in Japan noch einmal zwei, drei Wochen relaxen. Ich war daheim in Würzburg und habe mich von meiner Mutter verwöhnen lassen. Und es war auch unheimlich wichtig, dass ich vom Basketball einmal abschalten konnte."

MUSS DIRK WEG AUS DALLAS?

Nach nur drei Niederlagen fragt sich die Bild-Zeitung bereits, wo Nowitzki bessere Chancen auf einen Titel haben könnte. Spricht sie damit vielen Fans aus dem Herzen, die ebenfalls meinen, dass er "in Dallas alles alleine machen muss" und damit "überfordert“ zu sein scheint?

Thomas Winkler mahnt in der taz zu Geduld.

"Nach der zweiten Partie eine Krisensitzung einzuberufen, das wäre ungefähr dasselbe, als würde ein Fußballbundesligist bereits in der Halbzeitpause der allerersten Saisonbegegnung den Trainer feuern."

Die Medien in Dallas hätten derzeit ohnehin noch andere Sorgen, fügt er hinzu.

Schwacher Trost: Laut unserer Umfrage kann sich Dirk mit dem MVP-Titel trösten. 36 Prozent unserer Leser sehen ihn dieses Jahr vorne, gefolgt von LeBron James (26%) und Kobe Bryant (15%).

In der neuen Abstimmung könnt Ihr diese Woche die Saisonbilanz der Mavs tippen...

NEW YORK, NEW YORK - TRAUMJOB ODER HIMMELFAHRTSKOMMANDO?

Was könnte wohl die undankbarste Aufgabe sein, die es derzeit im US-Basketball gibt? Na klar, aus dem teuersten NBA-Team auch ein erfolgreiches zu machen, findet Chris Brand bei Spiegel Online. Viel Arbeit für Isiah Thomas.

"Nur ein paar Monate Zeit hat James Dolan, Besitzer der New York Knicks, seinem neuen Trainer dafür gegeben. Bis zum Ende der 82 Spiele umfassenden Vorrunde im April 2007 sollen die Knicks eine positive Bilanz aufweisen und im besten Fall in die Playoffs einziehen. Ansonsten, so tönte Dolan, könne Thomas seine Entlassungspapiere abholen. Der vermeintliche Traumjob droht für den Coach zu einem Himmelfahrtskommando zu werden."

Versprengte Solisten, Team Titanic und eine Schande für die Stadt - viel Lob hat das Traditionsteam in der vergangenen Spielzeit nicht bekommen. Will Dolan nach Larry Brown etwa auch Thomas "wegsanieren"?

"Längst spekulieren die New Yorker Medien, dass der Knicks-Besitzer die Nase voll haben von Thomas' fragwürdiger Erfolgsstrategie, teure Spieler anzuhäufen, die zwar individuell hochklassig, aber nicht teamfähig und dadurch auch nicht erfolgreich sind. Dolan habe Thomas ganz bewusst einen extrem kurzfristigen Erfolgplan vorgegeben, heißt es weiter, um auch ihn in Kürze entlassen und den gesamten Club von Grund auf sanieren zu können."

NUR DIE HARTEN KOMMEN IN DEN MADISON SQUARE GARDEN

Wir alle haben so unsere Erfahrungen mit passionierten Knicks-Fans gemacht. Haruka Gruber (Sport1) nutzt seinen ersten Blog-Eintrag bei nba.com/germany, um seine Begegnungen mit dieser leidensfähigen Spezies zu verarbeiten.

"Zynisch, fast schon distanziert kommentiert (Kollege und Knicks-Fan) Alex dann solche sportlichen und finanziellen Tiefschläge. Wirklich "geknickt" (was für ein Wortwitz) ist er aber nie. Motto: Nur die Harten kommen in den (Madison-Square)-Garten. Als Knicks-Fan weiß man eben, dass Emotionen fehl am Platz sind - sonst ist es einfach zu bitter."

Und weiter:

"Dann der Umschwung: Auf einmal, so vor drei Wochen, ging es los. Alex war kaum mehr zu bremsen. Knicks hier, Testspielerfolg da. Und immer wieder fiel ein Name: Renaldo Balkman. In der Preseason hätte er überzeugt, statt Draft-Bust wäre er einen Sleeper. Sein Schnitt in der Vorbereitung: 6,3 Punkte. Vielleicht wird man so schnell euphorisch, wenn man ein Anhänger der Knicks ist. Nach Scott Layden, Larry Brown und Eddy Curry klammert man sich an jeden Strohhalm."

Fortsetzung folgt...

NEUES VOM BLOG SQUAD

Unser hochdekoriertes Blog Squad hat die Sommerpause gut überstanden - mehr oder weniger. Pechvogel Owen Hargreaves vom FC Bayern München brach sich das Bein und verpasste so ein Treffen mit den Phoenix Suns und Steve Nash.

Uli Tangl muss nachts endlich nicht mehr schlafen, sondern kann wieder Premiere einschalten - nur, um sich dann maßlos über die Mavs zu ärgern.

"Nowitzki verballert seine Würfe, die Auszeiten, die Premiere mit banalen E-Mail-Antworten von anderen Bekloppten auf die dumme Frage des Tages ("Ist Dallas stärker als im letzten Jahr?") aufs Billigste füllt, tun körperlich weh, bei der Schlusssirene, die die persönliche Niederlage aller vier Protagonisten besiegelt, ist die Nacht endgültig versaut."

Emrah Kilic von BASKET prophezeit indes eine Saison der Überraschungen.

SONSTIGES

Bei Crossover-Online gibt es wieder den interessanten Wochenrückblick.

Die nba.com Fotogalerie.

S: Nicht vergessen, abzustimmen.

2006-07 ARCHIVE

Hat noch viel Arbeit vor sich: Dirk Nowitzki. NBAE/Getty Images

Zeit zum Grübeln: Avery Johnson. NBAE/
Getty Images

Harte Zeiten im Big Apple? NBAE/Getty Images

Ein Hoffnungsschimmer? Renaldo Balkman. NBAE/Getty Images