Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten ?sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs?könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben.

Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. Nba.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs.


Ulrich Tangl
Journalist
In Deutschland gibt es wohl nur wenige, die sich ähnlich leidenschaftlich mit Basketball beschäftigen wie Ulrich Tangl. Sei es beruflich (Sportredakteur bei Sonntag Aktuell), ehrenamtlich (Vereins-Geschäftsführer, Pressewart, Jugendwart, Schiedsrichter), nebenberuflich (Bezirks-Geschäftsführer), Trainer (www.kirchheim-knights.de), Vater (Sohn Samuel) oder Fan (Lakers und Mavs): Fast alles im Leben des 50-Jährigen dreht sich um die orange Pille. Aus allen legendären Arenen hat Uli schon über die NBA berichtet. Nicht einmal die Verpflichtung von Dirk Nowitzki konnte seine ewig währende Liebe zu den Los Angeles Lakers schmälern. Kennt man seine Begeisterung, verwundert es kaum, dass er immer noch nachts aufsteht, um sich die besten Spiele live auf Premiere anzuschauen.

Kein Bock mehr auf Blog

Das war’s also.

Die größte Überraschung in der Geschichte der NBA-Playoffs. Wie der Mann mit dem Haarteil, Marv Albert, nicht müde wurde zu betonen.

Der größte Versager in der Geschichte der NBA. Grausame 2:13 Würfe. Lächerliche acht Punkte. 0:6 Dreier. Drei Ballverluste.

Als es am meisten darauf ankam, setzte Dirk Nowitzki zum Sprung an und landete als Bettvorleger.

Was für ein MVP!

Man muss Mitleid haben. Aber man darf auch sauer sein. Das hier ist Profisport, da muss man einfach dann am besten sein, wenn es um die Wurst geht. Und nicht am schlechtesten.

Was ich hier an frustrierten Urteilen von mir gebe, ist mit absoluter Sicherheit gar nichts gegen die Welle der Häme, Empörung und Wut, die Dirk in den USA jetzt aushalten muss.

Sie werden ihn fertig machen, sie werden ihn in seine Einzelteile zerlegen, sie werden ihn auslachen. Sie werden nichts übriglassen.

Man muss befürchten, dass sich der bis zum Beginn der Playoffs beste Basketballer dieses Planeten von diesem Schock nie mehr erholt.

Vielleicht war ich ja schuld. Als gestern Abend Fred D. anrief, er wolle mal wieder zum nächtlichen NBA-Gucken vorbeikommen, hatte ich den Impuls, nein zu sagen. Noch nie (!), wenn Fred da war, hat „unser“ Team gewonnen.

Aber ich bin nicht abergläubisch. Vielleicht sollte ich es werden.

Und dann gibt auch noch meine elektrische Zahnbürste ihren Geist auf! Was für ein Morgen!

Natürlich muss man den Gegner Respekt zollen. Das muss man immer. Also: Die Golden State Warriors haben wirklich ganz toll gespielt.

Interessiert das irgendjemand irgendeinen Sch...dreck?

Das war’s auch mit meinem täglichen Blog. Ich hab’ jetzt keinen Bock mehr auf Blog. Mich kotzt alles an.

Wenn Kumpel Steve Nash das Finale erreicht, werde ich die NBA vielleicht wieder registrieren.

Vielleicht.

Playoff-Time. Das war’s.

Wann kommt die Liebe zum Spiel zurück?

Wann funktioniert meine Zahnbürste wieder?

Posted by Ulrich Tangl - May 4, 2007 9:30 am

Jetzt muss etwas im Lakersland passieren

7:26 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit. Das war’s also: Die Lakers sind raus.

Nicht die ganz große Überraschung, spannender als diese Playoff-Serie der Gurkentruppe dürfte die Offseason werden. Wer kommt, wer geht (außer Baby Parker), gibt es auch im Management Veränderungen? Weder Boss Jerry Buss noch Coach Phil Jackson werden sich so ein Gewürge wie die letzten drei Jahre noch einmal zumuten wollen.

Auch Manager Mitch Kupchak steht auf der Fragezeichen-Liste. Seit er den Job von Jerry West übernommen hat, geht es stetig bergab.

Kobe Bryant sieht das so:

„Verlieren ist immer hart. Und frustrierend. Extrem frustrierend.“

„Drei Jahre, und wir sind immer noch auf ground zero.“

„Macht irgendwas, aber macht es jetzt!“

Im fünften Spiel haben sich vor allem Kobe und Lamar Odom einigermaßen tapfer gewehrt, 31 Sekunden vor Schluss hatte Kobe einen einigermaßen freien Dreier, doch statt 113:116 steht es weiter 110:116, wie im letzten Jahr hat „Purple and gold“ nach der ersten Playoff-Runde Urlaub.

Kobe hatte 34 Punkte aus 33 Würfen, unsere Prognose, dass er mindestens 45 machen muss, damit ein Sieg gegen die Suns gelingt, hat sich wieder bestätigt.

Odom hatte 33 mit zwölf Würfen weniger, aber aller Lakers zusammen bringen es nur auf sieben Assists. Alleine Steve Nash hat zehn.

Wenn man nicht zusammenspielen will oder es einfach nicht kann, sollte man das Gezocke eigentlich nicht Basketball nennen.

Vielleicht hat die Triangle offense auch ausgedient.

Phil Jackson: „Unsere sieben Assists sagen etwas über die Suns-Defense, aber auch über unsere Unfähigkeit, den Ball zu bewegen.“

Wie gesagt: Jetzt wird es richtig spannend in Lala-Land. Große Veränderungen stehen bevor.

Und heute Nacht von 4:30 an die Erstaufführung von „Leben oder sterben in Oakland.“

In der Hauptrolle: Dirk Nowitzki.

Erst gegen Ende wird sich zeigen, ob das Drama eine Tragödie oder ein Thriller wird.

Das ist kein Hollywoodfilm, eher ein Off-off-off-Broadway-Theaterstück.

Das bedeutet: Man kann sich nicht sicher sein, ob der Held überlebt.

Playoff-Time: Wie geht es uns morgen früh um 7:26 Uhr?

Posted by Ulrich Tangl - May 3, 2007 9:15 am

Unser MVP: Von mies zu megastark

Was für eine Nacht! 3:21 Minuten vor Schluss waren die Dallas Mavericks mausetot, von den 21.041 Zuschauern im American Airlines Center waren ein paar Tausend gerade dabei, sich auf den Heimweg zu machen, meine Prognose von fünf Minuten früher schien sich dramatisch zu bestätigen: „Die Mavs verlieren das Ding mit zehn.“

Ein 11:1-Lauf in knapp vier Minuten hatte die Golden State Warriors auf 112:103 nach vorne gebracht, und wir alle drei Betröppelten bei mir zu Hause hatten ihre Freundschaft zu Dirk Nowitzki fast aufgekündigt.

„Der ist so mies!“ – „Der WMVPE: The worst MVP ever!“ –„Versagt!“

Dirk hatte 18 Punkte, 1:2 Würfe in der zweiten Halbzeit und eine Garantie: Wann immer er versuchte, viel zu spät einen Dreier zu stören, war der mit tödlicher Sicherheit drin.

Doch plötzlich geschahen zwei wundersame Dinge.

Die Warriors hörten auf zu spielen.

Dirk Nowitzki fing an.

Ein Blick auf NBA.com-Play-by-Play:

3:07
[DAL 106-112]
Nowitzki 3pt Shot: Made (21 PTS)
Assist: Harris (6 AST)
Barnes Layup Shot: Missed Block: Nowitzki (1 BLK) 2:18
2:06
[DAL 109-112]
Nowitzki 3pt Shot: Made (24 PTS)
Assist: Harris (7 AST)

Mit drei Aktionen in 61 Sekunden hatte unser Würzburger – ja, er war wieder “unser”! – so viele Dinge auf einmal getan.

Einen toten Maverick wie Lazarus wieder belebt.

Eine Franchise, eine ganze Stadt, ganz Basketball-Deutschland vor der Depression bewahrt.

Seinen Ruf gerettet.

Eine Legende kreiert.

Die New York Times: „Eine ganze Stadt fing schon an, sich zu schämen. Dann attackierte Nowitzki das Herz der Warriors.“

Die Los Angeles Times: „Etwas Lustiges passierte auf dem Weg zum legendären Versagen. Ausgerechnet der gefallene Star rettete die Mavericks.“

Der San Francisco Chronicle: „Die Warriors verloren ihren Zauber, und der viel geschmähte Star der Mavericks wurde endlich sichtbar.“

Die Dallas Morning News: „Wollt ihr immer noch seinen Kopf? Seid ihr immer noch sauer über sein passives – manche würden sogar sagen komatöses – Spiel? Dirk Nowitzki wird vielleicht nicht alle seine Kritiker beruhigt haben. Aber mit seinen zwölf der letzten 15 Punkte beruhigte er zumindest vorerst die Hoffnungen der Warriors über eine Erstrunden-Sensation.“

Nach den drei Heldentaten war die Nelson-Truppe wie gelähmt, Dirk traf noch sechs Freiwürfe, die ganze Halle schrie – und wusste nicht so genau, ob das jetzt Begeisterung war oder doch vor allem Erleichterung.

Jetzt also nach Oakland, es steht immer noch 2:3. Aber Avery Johnson meint, die Warriors würden nun 10.000 Pfund auf ihrem rechten Arm spüren, weil sie unbedingt gewinnen müssten. Die Million Kilos auf den Armen von Nowitzki sollten weg sein.

Es war nicht leicht, diese Übertragung von vier Uhr bis Viertel vor sieben zu überstehen – die Müdigkeit wird uns alle drei den ganzen Tag schmerzhaft begleiten. Um ein Haar wäre es die vorletzte mit emotionaler Beteiligung vor dem Ausscheiden der Lakers heute Nacht in Phoenix gewesen. Dirk hat uns noch einmal gerettet.

Wir haben ihn ja immer geliebt.

Playoff-Time: Es war alles schon fast vorbei.

Posted by Ulrich Tangl - May 2, 2007 9:50 am

Jetzt geht’s um die Wurscht

Hurra, mein erster richtiger Treffer! Cleveland haut Washington 4:0 raus, genau mein Tipp.

Okay, das war leicht. Bei unserem Playoff-Tippspiel mit ein paar Kollegen hatte Cleveland eine Weiterkomm-Quote von 100 Prozent. Die Wizards ohne ihre zwei Besten, Gilbert Arenas und Caron Butler, da konnte Vince Carters Ex-Tar-Heel-Buddy Antoine Jamison ganz alleine nichts ausrichten.

Alle Spiele waren knapp, echte Zweifel kamen aber nie auf. Die brenzligste Szene gab’s deshalb in Spiel zwei, als sich LeBron James den Knöchel verstauchte. War aber nix, tat nur ein bisschen weh, alle Fans des gesichtsältesten Jungstars dieser Welt konnten ihre Depression noch einmal verschieben.

Wie lange? Denn dass die Cavs Champ werden, glauben wohl nur sie. Wer sogar gegen die Reservetruppe aus Washington solche Probleme hat – James, Ilgauskas und Hughes mussten im vierten Spiel alle über 40 Minuten spielen, James saß gerade mal 109 Sekunden auf der Bank –, wird gegen die Nets in der zweiten Runde noch mehr bekommen.

Voraussichtlich unlösbare.

Dabei hängt es übrigens weniger von King James denn von Zydrunas Ilgauskas ab. 20 Punkte, 19 Rebounds letzte Nacht. So viel sollte er auch in der nächsten Runde das eine oder andere Mal abliefern. Gerade gegen die unter dem Korb nicht gerade riesigen Nets wird das der Schlüssel.

Den fünften Heimsieg gab’s bei der bisher heißesten Serie. Tracy McGrady griff sich in der ersten Hälfte mal an die Hüfte und musste zur Behandlung, kam zurück und schaffte für seine Rockets ein tolles Double-Double. 16 Assists, Karriere-Bestleistung – Schlafzimmeraugen-Tracy weiß, wann man so richtig Gas geben muss.

Mein Tipp war ja 4:3 für Houston (wenn McGradys Rücken hält…).

Fast durch sind die Spurs, sie landeten heute Morgen mit einem 3:1 im Gepäck wieder in Texas. Beide Spiele in der Höhe von Denver gewonnen, das sagt alles. Ich kann die Spurs nicht leiden, wegen Popovic, Carlesimo, ihrer Arroganz und dem River Walk, aber Big-Shot-Rob hat schon lange einen Platz in meinem Herzen. Man ahnt, seit wann. Sein gefühlter 35. Playoff-Big-Shot killte die Nuggets. Glückwunsch, Rob!

Heute Nacht gilt’s dann also. In meinem Hause hoffen alle zwei Insassen, dass die Serie der Mavs gegen die Warriors alsbald die der Rockets gegen die Jazz als heißeste der ersten Runde ablösen möge.

Hoffen und bangen.

Heute Nacht muss ein Sieg her. Ein klarer, der Baron Davis zeigt, dass er die echten Mavericks noch gar nicht erlebt hat in dieser Saison.

Der den Texanern zeigt, dass die 67 Siege kein Zufall waren.

Der so überzeugend ist, dass sich Don Nelson vor dem sechsten Spiel fürchtet und nicht Dirk Nowitzki.

Der den Ruf durch die Basketball-Welt hallen lässt: „The Mavs are back!“

Playoff-Time: Jetzt geht’s um die Wurscht! Noch nicht um die ganz große. Aber um eine ziemlich große – ohne die ich verhungern würde…

Posted by Ulrich Tangl - May 1, 2007 9:50 am

Ein Märchen von den Guten und den Bösen

Es waren einmal zwei Klubs, die standen im NBA-Finale. Die eigentlich bessere Mannschaft verlor, und beide Klubs hatten anschließend völlig unterschiedliche Ideen, wie man das Verlieren vermeiden bzw. den Triumph wiederholen könne, zumindest aber wieder dahin gelänge, wo man war: IM FINALE!

Die Strategien lauteten: „Laisser faire“ gegen „Jetzt erst recht!“

Die Truppe mit den Ringen an den Fingern ließ es extrem gemächlich angehen. Die alten Spieler sagten: Vergesst die regular season, das einzige, was zählt, sind die Playoffs. Wir müssen uns schonen, dass unser steinalter Aufbauspieler und unser ziemlich alter dicker Center im Juni noch genug Power haben, um diesen Coup zu wiederholen.

Also blamierten sie sich regelmäßig, trainierten und spielten gerade so hart, dass es in die Playoffs reichte. Von allen Seiten wurden sie kritisiert, zum Teil richtig nieder gemacht.

Aber im stillen Kämmerlein dachten sie immer: „Schimpft ihr nur, wir wissen es besser. Im Juni wird abgerechnet.“

Die Truppe mit dem Totalfrust und völlig ohne Ringe dagegen baute Wut auf. Die Spieler und der Coach wollten alles noch ein bisschen besser wie vorher machen, hängten sich noch mehr rein, trainierten wie besessen. Die Folge: Der sechstbeste Rekord aller Zeiten, und wenn man den Start von 0:4, als sie vom überharten Trainingscamp noch völlig platt waren, abzieht, vielleicht sogar der beste.

Jeden Tag, jede Nacht dachten die Spieler an dieses Finale zurück und puschten sich damit: „Das wird uns nicht noch einmal passieren!“

Es waren einmal zwei Klubs, die scheiterten fürchterlich.

Der eine, der mit der Laisser-faire-Strategie, dachte auch im April noch an den Juni und dass man ja jederzeit eine Schippe drauflegen könne. Übrig blieb nichts – außer Gelächter weltweit. Noch nie hat sich ein Champion dermaßen blamiert.

Kein einziges Spiel gewannen sie in der allerersten Runde der Playoffs, gegen ein gutes, aber nicht überragendes Team.

Der Klub mit der Jetzt-erst-recht-Strategie steht aber kaum besser da. Ausgerechnet, als es darauf ankam, waren die Batterien leer.

Vielleicht auch, weil sie ihre „Wir-geben-immer-alles“-Haltung am Ende der Saison aufgegeben hatten. Sie legten den Schalter auf halbe Kraft, und als sie ihn wieder auf Volllast umlegen wollten, war kein Schalter mehr da.

Das ehrliche Team, die Arbeiter, die alles geben wollten für den Erfolg anstatt abzuwarten, haben noch eine klitzekleine Chance. Noch steht es 1:3, drei Siege nacheinander sind möglich.

Aber das Aus droht.

Das Märchen droht schlecht auszugehen.

Es waren einmal zwei Klubs. Sie hießen Miami Heat und Dallas Mavericks.

Die einen waren die Bösen und die anderen die Guten.

Doch am Ende hatten beide verloren.

Es ist Playoff-Time. Das Leben ist nicht gerecht.

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 30 2007 9:15 am

Doppelt frühes Zittern

Einer ist schon weg, heute Abend der zweite?

Allerdings haben sich die Orlando Magic nach dem 0:4 gegen die Detroit Pistons absolut nichts vorzuwerfen. Das sieht auch Coach Brian Hill so: „Ich wusste, dass mein Team Charakter hat, und das haben sie in dieser Serie bewiesen. Sie haben so hart und so gut gespielt wie sie konnten – aber es war nicht gut genug.“

Pistons-Chef Flip Saunders war voll des Lobes: „Bei so einem jungen Team erlebst du es öfters, dass sie irgendwann genug haben. Bei Orlando war nichts davon zu spüren. Sie haben mich an mein Minnesota-Team erinnert, damals, im ersten Jahr von Kevin Garnett.“

Drei Minuten vor Schluss schnupperten die 17.451 Zuschauer in der Amway-Arena in Florida am ersten Sieg, doch die drei Super-Veteranen zeigten, was Erfahrung ausmacht: Chauncey Billups, Rip Hamilton und Chris Webber entschieden die Partie.

In der Saison 06/07 steht es damit 8:0 zwischen den Pistons und den Magic, und Billups hat genau erkannt, warum: „Bevor man etwas nicht selbst durchgemacht hat, weiß man nicht, was es bedeutet – das nennt man Erfahrung.“

Jetzt hat er erstmal Pause. Saunders: „Nicht mal in der Preseason hatten wir so viel Leerlauf. Da gab’s nach vier Tagen das erste Spiel. Diesmal muss er seine Truppe bis nach dem 5. Mai bei Laune halten. Aber die sind so abgezockt, das dürfte kein Problem werden.

Ebenfalls vor dem Aus steht Meister Miami. Doch unterschiedlicher könnten die Urteile nicht sein. Hier Orlando, jung, ehrgeizig, mit großer Zukunft, aber eben draußen. Dort Miami: alt, schlaff, satt, ohne Zukunft.

Mal sehen, ob es sie schon heute erwischt. Dass sie es nach dem 0:3 doch noch schaffen, ist unwahrscheinlich: Noch nie hat ein NBA-Team einen 0:3-Rückstand aufgeholt.

Dass ausgerechnet die Heat diese Geschichte umschreiben – keiner glaubt’s.

Ich werde mir das heute Abend auf Premiere genüsslich reinziehen. Hoffentlich bauen die Bulls keinen Mist.

Aber bei meinem Glück bisher in den Play-offs geht’s wahrscheinlich doch wieder ganz anders aus als ich hoffe.

Und morgen früh um halbfünf dann der Nagelbeißer: Dirk muss in Oakland gewinnen!

Es liegt an ihm, er muss es jetzt zur Not alleine reißen.

Nächste Woche wird er als MVP gepriesen. Es ist unvorstellbar, dass diese Ehre einem Urlauber zuteil wird…

Playoff-Time: in doppelter Hinsicht frühes Zittern – Morgens und schon in der ersten Runde…

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 29 2007 3:50 pm

Geschockt am frühen Samstagmorgen

Ein großes Plakat inmitten all der 20.000 gelben T-Shirts in der Oracle-Arena in Oakland („We believe“) hatte die Zeilen: „Let’s shock the world!“

Keine Ahnung, was die Welt macht – aber ich bin geschockt!

Geschockt vom lausigen Auftritt der Mavericks.

Geschockt von der Defense der Warriors.

Geschockt von der Passivität auf beiden Seiten von Dirk Nowitzki.

Geschockt von dem 1:2 in der ersten Runde der Playoffs des besten NBA-Teams gegen die Nummer acht der Western Conference.

Geschockt von den hilflosen Blicken, den weichen Knien und der fortschreitenden Lähmung des Dallas Mavericks.

Noch nie hat ein Team mit 65 Siegen oder mehr die erste Runde verloren. Die Mavs sind drauf und dran, Geschichte zu schreiben. Eine Geschichte, die nie und nimmer auf dem Plan von irgendjemand stand.

Außer von Don Nelson.

Als mich der Sohn heute Morgen um sechs zur zweiten Halbzeit auftragsgemäß weckte – mein Brötchengeber verlangt heute wie jeden Samstag meine konzentrierte Anwesenheit von 15 bis Null Uhr –, war ich verwirrt. Sechs Nächte Playoffs fordern ihren Tribut.

„Was tippst du?", fragte er. „Minus 20 gegen die Lakers“, brabbelte ich. „Hey, wach auf.“ Ich tat es und erfuhr schnell die ganze grausame Wahrheit. Minus 13 gegen Dallas, obwohl unser Dirk schon 16 Punkte gemacht hatte.

Dann live auf ESPN mit Bill Walton das Ganze als Schocktherapie, wobei mir nicht klar ist, was daran Therapie sein sollte.

Wer dachte, alle Mavs außer Dirk spielen katastrophal, das kann nur besser werden, musste erfahren: Jetzt spielte auch Dirk katastrophal.

Noch das Beste der Übertragung: Die berühmtesten Bartträger der NBA als Assoziation zu Al-Kaida-Mann Baron Davis: Kareem Abdul Jabbar, Walt Frazier und Bill Walton himself.

Der hat es durch diszipliniertes Training übrigens geschafft, dass seine Stimme nicht mehr ganz so penetrant danach klingt, als ob er eine Kartoffel in der Backentasche spazieren trüge.

Walton, jahrelang auf etwas unfaire Weise neben Charles Barkley der Spezial-Basher der Mavs, hatte diesmal Recht: Von Dirk Nowitzki muss mehr kommen!

Wo ist der Anführer, der Chef, der MVP?

Vier Punkte in der zweiten Halbzeit, fünf Fouls insgesamt, obwohl das nicht die Folge von zu viel Einsatz war.

Aber das ganze Team war furchtbar. Avery Johnson: „Wir hatten nicht die Leidenschaft, das Feuer, die Intensität oder die physische Präsenz, um dieses Spiel zu gewinnen.“

Der totale Offenbarungseid.

Die Warriors waren 13 lange Jahre nicht mehr in den Playoffs. Seit 1977 hatten sie keine 2:1-Führung mehr.

Dirk Nowitzki wurde 1978 geboren.

Und hat die Malaise analysiert: „Sie lassen mich nicht an den Ball da, wo ich ihn will. Sie überspielen mich auf der Post-Position. Sie lassen mich nicht in meine Komfortzone kommen.“

Hallo! Dirk! Überrascht dich das? Überrascht das deinen Coach?

Auf der anderen Bank sitzt Don Nelson. Der hat dich in die NBA gebracht und kennt dich als Basketballer besser als jeder andere Mensch auf diesem Planeten abgesehen von Holger Geschwindner.

Alle Mavs wirkten, „als ob ihre Sneakers am Boden festkleben würden“, wie Starkolumnist Tim Cowlishaw von den „Dallas Morning News“ erkannte.

Sein Kollege David Moore, der abwechselnd mit Eddie Sefko den sehr lesenwerten Mavs-Newsletter, wo viele gute Fragen der Fans kompetent und witzig beantwortet werden, betreut, hat einen NBA-Coach befragt, der seinen Namen lieber nicht nennen will, weil er zuviel Respekt vor Avery Johnson hat. Der kapiert überhaupt nicht, warum Johnson die Clippers bekämpft hat und die Warriors gewinnen ließ, mit der Folge, dass nun die Mavs 1:2 hinten liegen statt gegen LA 3:0 vorne.

„Warum um alles in der Welt hat er das getan? Die Mavericks hätten gegen die Clippers spielen sollen. Das wäre ein viel besseres Matchup gewesen.“

So weit sind wir also schon: Dem besten Team der Liga, das ausgerechnet jetzt seinen schlechtesten Basketball der Saison spielt, werden Ratschläge erteilt, gegen wen es weniger Angst haben müsste.

Playoff-time: Ich bin geschockt.

In ein paar Tagen sind womöglich meine beiden Teams raus.

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 28 2007 4:40 pm

Wandel, Wende, Wunder, Wiedergeburt

War das wieder nervig! Zuerst starten die Lakers wie im Schlafwagen, die Serie und die Saison ist beim 14:31 praktisch vorbei. Die Fans im Staples Center fangen an zu buhen.

Doch dann: Der große Wandel, die Wende, das Wunder, die Wiedergeburt.

Die Lakers merken, dass es bei den Playoffs um „effort“ geht.

Das Lexikon bietet reichlich Übersetzungen: Anstrengung, Arbeitsaufwand, Aufwand, Bemühung, Bestreben, Fleiß, Leistung, Mühe.

Kobe danach: „Nur darum ging es heute.“

Die Suns werden von der „menschlichen Natur“ (Steve Nash) übertölpelt – alles war zu einfach, das setzt sich in den Köpfen fest. Nochmal Nash: „Sie spielten hart, wir nicht.“

Dabei hätte es Kobes Gurkentruppe schon vorher wissen müssen. Phil Jackson predigte das schließlich seit dem grausamen zweiten Spiel: „Ein Mangel an Anstrengung ist absolut unverzeihlich!“

Also brauchten sie dieses 14:31, um aufzuwachen und zu merken, dass Playoffs sind, dass sie zu Hause spielen, dass der Urlaub droht und das sie jetzt mal langsam den Hintern hochbringen sollten.

Der Schlüssel: Volle Kanne in der Abwehr, totale Attacke im Angriff – ab Richtung Korb, Sprungwürfe verboten.

Das funktionierte sagenhaft bis ins vierte Viertel.

Und dann, ganz plötzlich, nach Kobes Dreier, die alten dummen Lakers: Vier stehen rum, Kobe dribbelt sich einen Knoten in die Beine, schießt dann selber oder gibt ab für einen Jumper von draußen.

Zudem setzt Jackson auf Smush Ich-bin-immer-noch-beleidigt Parker und Shammond Williams (zusammen 0:9 Würfe). Geht’s noch?

Der ganze tolle Plan der langen starken Phase: Ab in den Müll.

Null Attacke. Warum, Mister Jackson, warum nur?

Zum Glück machen die Suns außer dem Ausgleich nichts daraus, und dann trifft Kobe doch den einen oder anderen Wurf und darf an die Freiwurflinie, der überlebenswichtige Sieg wird gerettet.

Unsere Prognose – die Lakers können nur gewinnen, wenn Kobe 50 macht – wird nur knapp widerlegt, er hat am Ende 45.

Jackson, du alter Guru, wenn du das verzockt hättest, hätte ich dir jede Gefolgschaft für immer verweigert. Ich weiß, dass dich das kalt lässt, aber wir waren so sauer vor dem Schirm über so viel Dämlichkeit, wir wären fast durchgedreht.

Jetzt also Spiel vier in den weißen Trikots am Sonntag auf Premiere. Die Wetten stehen schlecht. Aber beim letzten Mittagsspiel haben die Suns sogar zu Hause krottenschlecht geballert, wenn die Lakers die Intensität von heute in der Defense noch einmal bringen können, haben sie eine Chance. Keine große, Phoenix ist viel besser als heute morgen, und die zweite Runde ist weiter fast unerreichbar weit weg für lila-gold.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Uns sicherlich später als das Vertrauen in den Guru mit den neun Ringen.

Playoff-Time: Alles ist möglich!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 27 2007 11:40 am

Der Terrorist mit dem Käse-Gehirn

Jetzt geht es lohos!

Don Nelson hatte wieder mal Recht: Die Chance, dieses zweite Spiel in Dallas auch noch zu gewinnen, war so groß wie vom Blitz getroffen zu werden.

Mich traf der Radiowecker, der sich irgendwie verstellt hatte und mich um 4:59 Uhr mit dem Buzzer statt mit einschmeichelnden Melodien weckte. Anschließend musste ich mich vorsichtig von der Zimmerdecke kratzen, war dafür aber hellwach.

Wie am Sonntag also zweite Halbzeit Mavs – Warriors. Wie am Sonntag (fast) Gleichstand. Aber als jetzt Baron Davis sein Gezocke anfängt, hat das gar nichts zu bedeuten. Die Defense der Warriors ist auf 75 Prozent zurückgefahren, die Trefferquote liegt Welten unter der im dritten Viertel am Sonntag, und die Spezialdisziplin der Gäste heißt Ballverlust.

Und die Mavs sind tatsächlich endlich in der Lage, sich zu konzentrieren. Jason Terry: „Beim ersten Spiel hatten wir irgendwie nicht dieses Playoff-Gefühl.“

Hatte ich es nicht vorausgesagt! Wer so die Regular Season beendet, bekommt Probleme, wieder in Fahrt zu kommen.

Aber jetzt wird alles gut. Die Mavs haben ihre Pleitenserie von fünf in den Playoffs beendet und die von sogar sechs gegen Golden State. Der letzte Sieg gegen den Angstgegner datierte schließlich vom 25. Januar 2006!

Dass der Dreier-Terrorist Baron Davis dann völlig durchknallte, war gar nicht mehr entscheidend. Ich behaupte: Er wollte sein zweites „T“.

Und ich spreche aus Erfahrung. Mein Schnitt an technischen Fouls in dieser Saison liegt schließlich bei 1,1.

Schande über mich, den Senioren-Rasheed-Wallace der Kreisliga.

Zurück zu Davis: Wer sich so provokant hinstellt und applaudiert, sogar die Warnung seines Coaches überhört – „Mach das nicht!“ – und immer weiter macht, der will entweder rausgeschmissen werden oder hat ein Gehirn aus Käse.

Dabei waren die letzten beiden Fouls von Davis so was von glasklar, dass es da gar keinen Grund für irgendeine Beschwerde gab.

Stephen Jackson schaffte es, diesen Schwachsinn noch zu übertrumpfen. Offensichtlich frustriert, dass trotz seiner 30 Punkte der Käse (!) gegessen war, und wohl auch frustriert von seinen acht Ballverlusten, maulte er viereinhalb Minuten vor Schluss nach einem ebenfalls „easy call“ gegen ihn so lange rum, bis auch er sein zweites „T“ bekam.

Doch damit nicht genug: Jackson lamentierte, schrie, brauchte ewig und gefühlte 1001 Worte, bis er endlich draußen war. Seine Teamkollege Matt Barnes versuchte, den Schallschwall mit den Händen und dann sogar mit dem Handtuch zu dämpfen.

Wohl vergeblich. Stephens Namensvetter Stu, der Regelwächter der NBA, wird sich das ganz genau mehrmals anschauen, eine Suspendierung ist möglich.

Don Nelson dazu: „Ich hab es schon vorher gesagt: Wir müssen noch viel lernen.“

Wer ihn im dritten und vierten Viertel auf der Bank sah, dem sprangen die Sorgen von Nellie praktisch an. Der Kiefer malmte, der Blick wurde immer ausdrucksloser – nicht gerade das Bild eines Mannes, der seinem Team Selbstvertrauen für das erste Playoff-Heimspiel seit 13 Jahren einflößen konnte.

Nein, die Sorgen der Mavs und vor allem meine sind dahin, Dallas ist zurück in der Spur, das geht jetzt flott mit 4:1. Schließlich kann auch Dirk Nowitzki noch viel besser spielen und wird das jetzt auch.

Apropos Spur: Die Spurs sind noch nicht zurück in der Spur. Wer zu Hause gegen die Nuggets mit 17 führt und dann am Ende noch in Gefahr gerät, kann sich, zumal bei einem 1:1, zumal vor dem Zwei-Spiele-Trip in die Höhe der Rocky-Mountains-Ausläufer, ganz und gar nicht sicher fühlen.

Man kann sich zwar nicht vorstellen, dass San Antonio an Denver scheitert, aber die Spurs sollten das für möglich halten – sonst wird es schmerzhafte Wirklichkeit.

Playoff-Time: Jetzt geht es erst richtig lohos!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 26 2007 10:40 am

Kobes größter Fehler

4:30 Uhr ist doch eigentlich eine wunderbare Zeit, um aufzustehen. Der ganze Tag liegt noch vor einem, die Vögelein beginnen zu zwitschern, sonst ist alles so beruhigend still und friedlich.

Man hätte heute Morgen nur nicht den Fehler machen dürfen, sich vor die Glotze zu hängen.

Denn da lief auf Premiere das zweite Spiel Suns – Lakers, und ich hätte es wissen müssen. Auf die abendliche Frage des Sohnes, was ich denken würde, hielt ich nur drei Finger hoch. Samuel verstand sofort: Minus dreißig für Kobe und den Rest.

Es wurden dann ja nur 28, und das einzige, was langweiliger war als die zweite Garbage-Hälfte, war das Interview mit unserem Dirk in der Pause. Mir persönlich hat er ja mal, es war vor drei Jahren, gesagt, dass das einzige, was ihn bei seinem Traumjob stören würde, die Interviews wären.

Es scheint sich nicht geändert zu haben.

Nach jeder Frage holt er Luft – um dann so wenig wie möglich Energie in die Antwort zu stecken. Mit Grabesstimme erläutert er in erstaunlich vielen Worten lauter Dinge, die wir alle schon wissen. Obwohl ich über den Inhalt dieses Mal ja wirklich nur bedingt Auskunft geben kann.

Ich bin in den geschätzten zehn Minuten dieses Geleiers gefühlte 23 Mal eingeschlafen.

Danach wurde endgültig klar, dass es nicht nur die Zeit für Garbage-Basketball war, sondern dass der ganze Lakers-Haufen Müll ist.

Vielleicht haben nicht Jerry Buss und Mitch Kupchak einen Fehler gemacht, als sie 2004 alles auf Kobe Bryant setzten. Vielleicht war es der größte Fehler von Kobe, bei dieser hilflosen Franchise zu bleiben.

Allerdings lautete die Alternative damals Clippers. Und Angestellter bei Donald Sterling zu sein kommt wohl gleich nach einem Mietvertrag in St. Quentin.

Der einzige Trost der Nacht: Samu sagte: „Hauptsache, Shaq fliegt raus!“

Stimmt nicht ganz: Hauptsache, Dirk fliegt nicht raus. Unser Würzburger wäre wohl suizidgefährdet, würde das gegen die Warriors schief gehen.

Aber es geht nicht schief.

Es kann gar nicht schief gehen.

Es darf einfach nicht schief gehen.

Sonst will ich von Premiere mein Geld zurück.

Dieser Morgen war sowieso nur etwas für Masochisten (oder Suns-Fans) und Premiere sollte allen Lakers-Fans, die mehr als 30 Jahre diesem Klub verfallen sind, ein Schmerzensgeld zahlen. Also mir.

Die Lakers haben jetzt ebenso fünf Playoff-Spiele nacheinander verloren (alle gegen die Suns) wie die Mavericks.

4:30 Uhr ist eine total bescheuerte Zeit, um aufzustehen. Da kann einfach nichts Gutes passieren. Vergesst das nervige Gezwitscher. Der Frieden ist eh trügerisch. Die Stille existiert nicht.

Man merkt: Müdigkeit und schlechte Laune sind eine ungute Kombination.

Playoff-Time, Tag vier, 7:58 Uhr. Und ich bin schon ziemlich am Ende.

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 25 2007 09:40 am

Der Magen von Howard und meine Kässpätzle

Das ist schon seltsam: Beide Spiele heute Nacht endeten 98:90 für das Heimteam. Kommt selten vor, so eine verrückte Dopplung.

Meine Tipps bei Detroit – Orlando und Houston – Utah scheinen ja hinzuhauen, meine Favoriten führen 2:0.

Detroit muss aber aufpassen. Zum einen haben die Pistons die letzten sechsmal, wenn sie eine Playoff-Serie 2:0 angeführt haben, das dritte Spiel verloren. Zum anderen war Dwight Howard heute Nacht krank (Magenbeschwerden), so dass Coach Brian Hill zugeben musste: „Er hatte heute gar nichts drauf!“

Mit einem gesunden Howard und den weiter so starken Veteranen Grant Hill und Hedo Turkoglu kann das in Orlando noch eine heiße Kiste werden. Das weiß auch Pistons-Coach Flip Saunders: „Das ist ein sehr junges, sehr talentiertes Basketball-Team, das nie aufgibt.“ Was Coach Hill auf seine Weise bestätigt: „Wir werden weiter anklopfen.“ Ich bleibe auf jeden Fall bei meinem 4:1-Tipp.

Highlight der Nacht war übrigens der Buzzer-Beater von Rasheed Wallace, der zweieinhalb Meter vor der Dreierlinie beim Stand von 85:78 den Ball von Rip Hamilton bekommt und ihn mehr Richtung Korb tippt als kontrolliert wirft – die Kugel knallt ans Brett und danach in den Korb. Zu bewundern natürlich auf nba.com.

Die Jazz haben Probleme. Wenn ihr bester Spieler Carlos Boozer 41 Punkte macht, zwölf Rebounds einsammelt und sechs Assists verteilt und es dann trotzdem nicht reicht, wie soll das dann überhaupt funktionieren? Boozer hat dabei ja 17 von 30 Würfen getroffen, also nicht wild geballert.

Tracy McGrady hat das schon eher versucht (9:29), aber 31 Punkte gemacht. Yao Ming warf auch 15 Mal daneben (9:24, 27 Punkte), zusammen machen die beiden aber offensichtlich, was sie wollen, vor allem in der crunch time.

Seit 2001 haben nur sechs Teams nach einem 0:2 eine Serie gewonnen. Allerdings sind die Rockets eines der Teams, die nach so einer Führung verloren haben. Wir erinnern uns: Es waren die Dallas Mavericks, die 2005 sogar zu Hause die ersten beiden Spiele verloren und am Ende in sieben gewannen.

Apropos Mavs, apropos Statistik: seit 1989 gab es 21 Playoff-Serien, bei denen ein Team zuvor alle Saisonspiele gegen das andere gewonnen hatte („sweep“). 20 Mal gewann dieses Team auch die Serie. In dieser Lage sind die Warriors gegen Dallas. Das kann einem Angst machen. Hoffentlich nicht den Mavs. Alle erwarten jetzt ein Monsterspiel von Dirk Nowitzki, sogar Don Nelson. Donnerstagmorgen unserer Zeit sollte das passieren.

Ich werde vor dem Rechner hängen. Und morgen früh um halbfünf vor der Glotze bei Premiere, wenn Kobe mit seiner Gurkentruppe erneut das Wunder in Phoenix versucht. Ich werde aufstehen. Auch wenn mir die verfluchten Kässpätzle nach dem Seniorenzocken gestern Abend den Nachtschlaf seit 3:15 geraubt haben. Mir geht’s heute wie Dwight Howard gestern: Ich hab’ absolut gar nichts drauf.

Egal. Durchhalten! Es ist Playoff-Time!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 24 2007 10:00 am

aWas für eine besch...... Nacht!

Da hat der schwäbische Skeptiker doch wieder mal Recht behalten! Aber wie ungern.

Ungern ist natürlich total untertrieben, dass mich diese letzte Nacht ankotzt, dürfte nachvollziehbar sein. Da freut man sich das ganze Wochenende auf die erste richtige Playoff-Nacht, und dann wird diese Nacht dermaßen ekelhaft, dass man kaum mehr schlafen kann vor lauter Würgereiz.

Zunächst der tolle Auftritt meiner Lakers – ganz genau 35 Minuten und 59 Sekunden lang. Dann, beim Stand von 77:71, feuert dieser verrückte Brasilianer, einer der wahnwitzigsten Egozocker, dem das keiner übel nimmt, einen Dreier aus der Einfahrt des Parkplatzes mit dem Buzzer ab, die Halle explodiert, den Lakers rutscht das Herz in die Hose und sie schaffen nur noch zehn Punkte im letzten Viertel.

Dabei waren die Suns sooooo schlecht. Das hat sogar der ausgewiesene Neurotiker Smush Parker erkannt: „Sie haben alles getan, um dieses Spiel abzugeben – und wir haben es nicht ausgenutzt.“ Ausgerechnet Parker, der wie ein schmollendes Kind Offense spielte und wie ein Mühlstein Defense. Vielen Dank dafür, ein perfekter Zeitpunkt, einen auf Trotz zu machen. Bitte, Mister Kupcak, schmeiß den Kerl schnell raus!

Aber die Story des Spiels war neben Barbosa, der anstatt Steve Nash den Suns Leben einhauchte, natürlich Kobe Bryant.

14:23 Würfe in den ersten drei Vierteln, 1:10 im letzten. Noch Fragen?

Was Kobe vor allem in der ersten Hälfte ablieferte, wäre erstaunlich gewesen. Wenn man es von diesem Weltwunder nicht erwarten würde. Noch erstaunlicher war eigentlich nur die Wurfquote der Gastgeber, die keinen See in Arizona getroffen hätten.

Vielleicht, weil es in der Wüste keinen gibt.

Doch nach Barbosas Explosion lief alles wie geplant, die Suns überrennen die Lakers, der Frust um kurz vor zwölf vor dem kleinen PC-Bildschirm hätte nicht größer sein können.

Was für ein Irrtum!

Als der Radiowecker um fünf eine schöne Melodie spielt, ist sofort klar, dass die Playoffs jetzt erst richtig losgehen. Weil der Sohn ja Schule hat und ich auch am Montag ein bisschen was schaffen muss, haben wir uns schweren Herzens dafür entschieden, uns auf Premiere nur die zweite Hälfte Mavs – Warriors zu geben.

Ich bin nicht übermäßig erstaunt, dass es 38:38 steht. Als dann Baron Davis fünf Angriffe nacheinander eins gegen fünf spielt, sagt der Experte in mir: „Das wird jetzt leichter für Dallas.“

Wie kann man nur so daneben liegen!

Baron fängt mit zwei Turnovern an und hört dann gar nicht mehr auf, die durchgedrehtesten Würfe zu treffen. Aus dem Mann mit dem Al-Kaida-Bart wird ein Dreier-Terrorist, der seine Bomben fast im Maschinengewehrtempo schmeißt.

Man verzeihe mir den martialischen Vergleich

Noch irrer: Das Team von Don Nelson (!) spielt Defense!

Je länger das Spiel dauert, desto hilfloser werden Dirk und Kollegen. An den hängen sich regelmäßig zwei bissige Warriors-Kettenhunde, und in der Schlussphase muss er sich wie Kobe Bryant zuvor fühlen: Alle erwarten Punkte von ihm, aber nichts fällt rein.

Zum zweiten Mal in einer einzigen Nacht schalten wir vor dem Ende einer uns schwer am Herzen liegenden Partie das Gerät aus. Die Pressekonferenz mit Avery und Nellie, auf die ich mich so gefreut hatte, interessiert nicht mehr die Bohne.

Heiliger Stern: Die Playoffs haben begonnen. Was für eine besch... Nacht.

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 23 2007 09:15 am

Alle gegen Shaq? Ich bin dabei!

Muttu weinen? Der arme Shaq! Jetzt hat der alte Fleischklops schon im ersten Spiel die Kurve nicht so richtig gekriegt und hat sofort die Verschwörungstheorie parat: „Die hatten eine Menge Hilfe da draußen.“

Gemeint, nein, angeklagt sind die Schiedsrichter des Playoff-Auftakts Bulls gegen Heat, die die schauspielernden Bullen, die den Miami-Jungs viele Fouls angehängt hätten, nicht durchschaut hätten.

Besonders angefressen ist Shaq von seinem sechsten Foul 3:19 Minuten vor Schluss. „Ich bin da doch nur gestanden“, meint er, beschreibt so aber nicht den Großteil seiner Aktivität in der regular season, sondern seine Position beim Drive von Andres Nocioni, der voll in ihn rein rauschte, traf, das Foul bekam und auch den Freiwurf zum 87:79 verwandelte.

Shaqs wissenschaftliche Erläuterung seiner Empörung ist von spezieller Logik: „Auch wenn ich einen Teil meines hinteren Fußes auf der Linie hatte, dürfen sie den Pfiff niemals machen – sie können doch nicht zwei Dinge auf einmal beobachten!“

Mister O’Neal, auch wenn es Sie überraschen dürfte: Die können das! Die haben gelernt, die Linien im Auge zu behalten, die sind dazu zu dritt und echt ausgeschlafene Profis – die allermeisten zumindest. Und wenn der Verteidiger auf dieser speziellen Linie draufsteht oder richtig im Kreis, dann wird aus einem glasklaren Offensivfoul eben ein Foul des Verteidigers.

Also ab auf die Bank, setzen, sechs.

Alle gegen Shaq? Ich bin dabei!

Von den vier Spielen letzte Nacht habe ich live ja nichts mitbekommen, ich war auf Arbeit bis Mitternacht und dann natürlich müde.

Dafür der Sohn. Irgendwie hat er es auf legale Weise geschafft, auf seinem Rechner TV zu gucken. Nicht lachen jetzt, bitte – es ist doch längst klar, dass ich ein Neandertaler auf diesem Gebiet bin und immer wieder von den Möglichkeiten und Realitäten überrascht werde. Nachmittags also VfB – Bayern (2:0, Juhu!), abends und nachts ESPN auf dem kleinen Flachbildschirm. Es ging los mit Nets gegen Raptors, es ging weiter mit Miami @ Bulls, aber es endete auch da mit abrupter Einschlafattacke gegen Mitternacht.

Der Handywecker dröhnte dann gegen Halbdrei, doch als bei Rockets – Jazz der Kommentar nur noch auf chinesisch zu hören war, endete der Versuch, alle Playoff-Spiele live zu erleben, mit einem Ausbruch von Vernunft und weiterem gesunden Nachtschlaf.

Heute Abend jedenfalls freuen wir uns auf jeden Fall sakrisch auf Suns – Lakers um neun (hoffentlich nicht auf Spanisch!). Um 3:30 Uhr zeigt Premiere Mavs – Warriors, der Pädagoge in mir plädiert für die zweite Hälfte ab fünf.

Schöne Welt der NBA-Playoffs: Wir sind mitten drin!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 22 2007 11:15 am

Hat Miami das Championherz?

Ich kann mich irren: Aber seit den Houston Rockets 1995 hat wohl kein Champ eine lausigere Saison gespielt als die Miami Heat. Damals hatte die Truppe von Rudy Tomjanovic und um Hakeem Olajuwon im Westen mit 47 Siegen nur den sechsten Platz belegt, hinter San Antonio (62 Siege), Utah (60), Phoenix (59), Seattle (57) und den Lakers (48).

Gut, die Chicago Bull waren nach Michael Jordans Abgang 1998 natürlich noch viel schlechter (13 Siege!), aber das war ja nicht der Champion, sondern die Chaostruppe des Managers Jerry Krause.

Gut, Pat Rileys Rentnerband ist immerhin Fünfter geworden, aber mehr noch als die nur 44 Siege hat die Art und Weise, wie dieses Team die Saison im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich gebracht hat, den Glauben an den Charakter wenn nicht zerstört, so doch heftig angegriffen.

So viele so desaströse, so lustlose Auftritte waren wirklich keinem Fan zuzumuten. Das fing ja schon mit dem Auftritt bei der Ringzeremonie gegen die Bulls an, als nach dem 66:108 am 31. Oktober viel mehr als ein „Das kann ja mal passieren“ und ein „Wir waren so aufgeregt“ nicht zu hören war.

Mal war dann dieser dicke Center ein bisschen verletzt, dann der quirlige Finals-MVP richtig, und die alten Herren Walker und Payton hatten sich wie Bären in den mentalen Winterschlaf zurückgezogen.

Es gab allerdings Hoffnungsschimmer. Als Dwyane Wade ausfiel, legte Shaquille O’Neal ein paar passable Spiele hin, die sogar ein bisschen an früher, als er noch der MDE (most dominant ever) war, erinnerten. Meist war jedoch höchstens der FMD (five minutes dominant), zu mehr reichte es nicht.

Die großen Fragen also lautet: Kriegen die Heat jene Kurve, die sie seit dem ersten Spiel im Hinterkopf haben? Können sie den Coup der Rockets wiederholen? Schreit Pat Riley nach dem letzten Spiel der Saison wie weiland Rudy T. das Gänsehaut erzeugende „Never underestimate the heart of a champion“ in die Mikrofone? Haben die Heat also dieses Herz eines Champions?

Ich denke nein. Heute Nacht wird es den ersten Fingerzeig gegen die Bulls geben, aber, wie ja bereits meinem Tipp zu entnehmen war, die erste Runde kann man ihnen zutrauen. Aber nur, weil Chicago nie zu der Konstanz gefunden hat, die man mit Ben Wallace glaubte eingekauft zu haben. Denn die Hinrich,

Gordon, Deng bringen’s eben noch nicht wirklich, das reicht noch nicht gegen die schon ein bisschen abgezockten Altstars.

Doch dann geht’s schon gegen die Pistons: Und tschüss.

Dirk Nowitzki muss wirklich nicht ernsthaft befürchten, dass es im Finale ein Dejà vue gibt. Denn die Heat haben nur einen kraftlosen, saftlosen, völlig gewöhnlichen Muskel hinter der Brust.

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 21 2007 12:45 pm

*Der kleine schwäbische Bruddler *
*macht Bauchweh*

Am Sonntag geht’s also los: Dallas gegen Golden State, Avery gegen Nellie, Mark gegen Nellie, Dirk gegen Nellie, meinetwegen auch die Mavs gegen Davis und Richardson.

Avery Johnson hat ja einen etwas ungewöhnlichen Weg beschritten, nachdem fest stand, dass die Mavericks den ersten Platz in der kompletten NBA sicher haben. Oldie but Goldie Stackhouse durfte praktisch gar nicht mehr spielen, Dirk saß auch ziemlich viel rum, Terry, Howard, Dampier, Harris kühlten ihre Füßchen.

Dass kann gut gehen: Die Mavs sind spritzig, ausgeruht, total heiß auf die Play-offs und überrennen die Warriors, die bis Mittwoch auf dem letzten Loch um ihre erste Play-off-Teilnahme seit 13 Jahren gefightet haben. Das ist gut möglich und genau so stellt sich Avery Johnson, der erfolgreichste junge Coach in der Geschichte der NBA, das ja auch vor. Wer seit seinem Amtsantritt am 19. März 2005 praktisch nur gewonnen hat, einmal sogar das Finale erreichte und so ziemlich alle Rekorde für Trainer-Rookies pulverisiert hat – schnellster bei 50 und bei 100 Siegen –, kann so viel Kompetenz reklamieren, dass er auch in dieser Sache vollkommen richtig liegt.

Und wenn nicht?

Der schwäbische Skeptiker in mir, der sich auch gegen einen Sieg des VfB Stuttgart morgen gegen Bayern München sträubt, lässt da schon ein paar Warnlämpchen blinken.

Denn was hat die Mavs ausgezeichnet? Zunächst mal die Konstanz ihrer Anstrengungen, die Harmonie in der Truppe, das seit zwei Jahren gewachsene Zusammenspiel, der Rhythmus beim Siegen. Im Gegensatz zu den anderen Topteams ließen sie sich praktisch nie hängen, konnten immer einen drauf legen, sich auf ihre Stärke verlassen.

Klappt das nach den Niederlagen gegen Denver, Utah und eben Golden State jetzt nicht mehr so perfekt, weil ein klitzekleines Fünkchen Zweifel in den Spielern angelegt wurde, weil ein Jota blindes Verständnis verloren ging, weil ein Prozent Erfolgsrhythmus geopfert wurde – dann, ja dann hat Avery die Chance, den größten Unsinn des Basketballs fabriziert zu haben: Er hätte eine funktionierende Mannschaft empfindlich gestört, den größten Favoriten auf die Meisterschaft durcheinander gebracht, die riesengroße Chance unseres Dirk kaputt taktiert.

Aber dieses mulmige Gefühl in meiner Magengegend ist höchstwahrscheinlich doch nur der kleine, skeptische, bruddlige Schwabe, der von der Chemie und dem Innenleben von Profimannschaften überhaupt keine Ahnung hat und einfach immer mit dem Schlimmsten rechnet.

Also halt die Klappe und freu dich auf die Spiele! Avery hat nämlich mit der Schonung der Stars exakt das Richtige gemacht: Die haben jetzt genau jenes Extra-Benzin im Tank, das bis zum sechsten Spiel im Finale gegen Detroit reicht, um dann im American Airlines Center nach dem 4:2 den ersten Titel zu feiern.

So soll es sein. Hoffentlich…

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 20 2007 09:45 am

Der Al-Kaida-Baron und ein softer Hart
Alles wird gut!

82 Spiele haben nun alle absolviert, 16 Teams dürfen weitermachen, 14 gehen in den Urlaub. Dirk Nowitzki steht 16 Siege vor dem ersehnten Date mit der Larry-O’Brian-Trophy.

Don Nelson und seine Warriors waren zwischendurch mal in Gefahr, doch gegen die schwachen (und geschwächten) Trailblazers hat es dann doch gereicht: Erste Play-off-Teilnahme nach 13 (!) Jahren!

Damals mit Nellie, jetzt mit Nellie, der alte Witzbold hat es wieder mal geschafft und wir haben die ersehnte Serie gegen die Mavs. Hoffentlich zeigen die Premiere-Jungs möglichst viele Spiele. Baron Davis mit dem Bart eines Al-Kaida-Kämpfers, Jay-Rich mit den üblichen Galas, wenn die Mavs aufkreuzen, Dallas ein bisschen eingerostet durch Avery Johnsons Schonungsstrategie zum Ausklang, und dann all die Sprüche von Don Nelson: Das wird eine geile Serie. Tipp: Auf NBA.com live die Pressekonferenzen anschauen.

Die Clippers sind raus. Als sie den immer deutlicher werdenden Spielstand aus Portland mitbekamen, der ihnen alle Chancen nahm, rutschte ihnen das, traditionell Clippers, sowieso schlecht angebundene Herz vollends in die Hose. Mit diesem Organ in den Shorts ist dann natürlich schlecht rennen und spielen, vor allem für einen psychisch soften Guard (Jason Hart: 0 Punkte in 32 Minuten!), die Hornets gewannen, aber es spielte sowieso keine Rolle mehr.

Die Kollegen aus Lala-Land hatten es leichter, sind endlich wieder vor der städtischen Konkurrenz. Seattle – oder was davon übrig ist – zeigte kaum Gegenwehr, Kobe und Konsorten dürfen nun gegen Phoenix ran. Vor einem Jahr waren das tolle sieben Spiele, diesmal werden es weniger. Spannend ist nur, wie oft Kobe 50 macht (machen muss!), eine Chance hat diese, ich sage es ungern, aber es ist nun mal wahr, schlappe Truppe nicht.

Osten hat sich Chicago mit der Niederlage bei den Nets alle Chancen kaputt gemacht. Den Spaziergang als Zweiter gegen die Arenas-losen Wizards aus Washington haben sie mit dem Absturz auf Platz fünf gegen ein kaum lösbares Duell mit den Miami Heat eingetauscht.

Dafür katapultierte sich Cleveland von fünf auf zwei und hat nun reelle Chancen aufs Conference-Finale – oder mehr? King James muss nun zeigen, dass er mehr ist als eine Highlight-Show.

Hier meine Tipps für die erste Runde:

Osten

Detroit (1) – Orlando (8) 4:1 (schade um Dwight Howard)

Cleveland (2) – Washington 4:0 (easy call)

Toronto (3) – New Jersey (6) 3:4 (heißeste Serie, Raptors zu grün)

Miami (4) – Chicago (5) 4:2 (die Bulls brauchen noch ein Jahr)

Westen

Dallas (1) – Golden State (8) 4:2 (Dallas hat Anlaufschwierigkeiten)

Phoenix (2) – Lakers (7) 4:1 (tolle Spiele, wenig Spannung)

San Antonio (3) – Denver (6) 4:3 (Nuggets sind heiß, aber nicht genug)

Utah (4) – Houston (5) 3:4 (aber nur, wenn McGradys Kreuz hält)

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 19 2007 11:35 am

Hoffen auf das große Nellie-Theater
Noch ist nichts sicher: Aber wer hofft nicht auf diese Mavs-Warriors-Serie?

Oder soll man sagen Mavs-Nellie-Serie?

Nachdem Avery Johnson das Spiel heute Nacht gegen die Golden State Warriors 82:111 abgeschenkt hat – er setzte Dirk Nowitzki, Josh Howard, Jerry Stackhouse und Erick Dampier nicht ein! –, ist klar, dass er und Dallas diese Serie wollen.

Auch wenn die letzten fünf (!) Spiele gegen das Team aus Oakland verloren wurden.

In der gleichen Nacht gewann übrigens auch Warriors-Kontrahent LA Clippers gegen Phoenix. Da ließ Mike d’Antoni zwar alle Stars spielen, deren Einsatzwillen vermittelte ihm aber den Eindruck, es handle sich um ein „preseason-game“.

Heute Nacht, am allerletzten Spieltag der regular season, sollte jetzt Golden State in Portland gewinnen – und die Lakers in Sacramento –, dann gibt es diese Serie, von der Al Sherrington von den „Dallas Morning News“ sagt: „Wenn wir die Warriors bekommen, ist das kein Basketball. Dann gibt das großes Theater.“

Warum? Wegen Don Nelson. Auf die Frage, mit welcher Strategie er an die Serie gehen würde, sagte er: „Ich werde eine Zigarre rauchen, einen Scotch trinken und dann meinen Plan machen. Und umso mehr Scotch ich trinke, desto besser wird der Plan.“

Man ahnt, was Sherrington meint mit „großem Theater“.

Neben der genialen Verrücktheit von Nellie kommt natürlich die Vergangenheit hinzu. Schließlich war es Nelson, der mit der Kohle von Mark Cuban aus dem schlechtesten Team der NBA eines der besten gemacht hat – Avery Johnson macht es nun zum allerbesten.

Das Verhältnis Cuban-Nelson soll nicht mehr ungetrübt sein, es gab Auseinandersetzungen ums Geld. Dem Milliardär soll auch sauer aufgestoßen sein, dass Nellie erst sagte, er habe keine Kraft mehr für die NBA, sich nach Hawaii zurückzog – und dann doch bei den Warriors anheuerte.

Was bedeutet: Die beiden (leicht Bekloppten) werden sich mächtig zoffen, und wieder einmal wird es am nüchternen Avery Johnson liegen, dasselbe zu sagen wie vor zwei Jahren bei der Serie gegen die Houston Rockets: „Hey, es geht hier um Basketball!“

Aber nachdem sowieso klar ist, dass die Mavs in vier bis sechs Spielen in die zweite Runde kommen, hätte außer Johnson kaum jemand etwas dagegen, wenn das Theater nicht zu kurz käme.

Nelson rechnet übrigens schon mal mit dem Underdog-Effekt: „Ich hab wirklich Angst. Ich weiß ja, wie gut die sind. Ich weiß auch, dass wir dauernd gegen sie gewonnen haben. Das einzige, was ich hoffe: Dass wir sie nicht zornig gemacht haben.“

Also: Bitte macht heute Nacht euren Job!

Damit wir am Ende nicht Suns-Warriors und Mavs-Lakers kriegen (letzteres wäre für mich sowieso die reine Tortur). Oder, noch schlimmer: Mavs-Clippers!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 18 2007 14:00 pm

Das Grinsen des Bankers und ein Versprechen
Okay, jetzt wird’s langsam ernst. Noch ein paar Tage bis zum Beginn der Playoffs, und das alte NBA-Feeling – man könnte auch sagen -Fieber – kommt langsam wieder.

Ich muss es zugeben: In dieser bald vergangenen Saison hat’s mich nicht so gepackt wie in den Jahren zuvor – was aber vor allem daran lag, dass es mein eigener Verein in die zweite Liga geschafft hat und mir dadurch mein privates Bball-Geschäft Oberkante Unterlippe stand. Nie in den letzten 20 Jahren war ich so weit weg, kannte so wenig Namen, wusste so schlecht Bescheid. Mein 16-jähriger Hausgenosse verzweifelte, wenn ich wieder einmal fragte: „Wer ist denn der, den Namen habe ich ja noch nie gehört?“

Versprochen: Das wird jetzt wieder anders! Während der Playoffs wird es einen täglichen Blog geben!

Beschloss ich gestern Nacht gegen zwölf, nach Ansicht der Partie Dallas – San Antonio, und nicht nur, weil meine Prognose schon zu Beginn der zweiten Hälfte ganz ausnahmsweise besser war als die des viel besser informierten Sohnes: „Dallas packt das!“ Recht zu haben, macht schon Spaß, zugegeben.

Da wusste ich noch nicht, dass sich Joey Crawford, der Schiedsrichter mit den zweitmeisten Spielen hinter meinem Liebling Dick Bavetta zum Hauptdarsteller aufschwingen musste und Tim Duncan zweimal kurz hintereinander mit „Ts“ wegen Lachen auf der Bank bedachte und damit raus warf.

Zwei Meinungen dazu:

- So ein Schwachsinn! Der Ref soll sich auf das Spiel konzentrieren, die Leute wollen die Stars auf dem Feld und nicht in den Katakomben verschwinden sehen. Der alte Joey Glatzkopf muss sich nicht so aufspielen!

- Selber schuld! Endlich einmal wird die arrogante Spurs-/Duncan-Art bestraft. Der beschwert sich ständig, reklamiert einen Bonus, und kriegt ihn auch meistens. Geil, wie ihm diese „Ts“ das Grinsen aus dem Gesicht gewischt haben.

Noch ein Thema bei diesem Spiel: Der Kommentar. Wir haben uns ja längst abgewöhnt, die Premiere-Jungs zu ertragen, das war schon am Nachmittag bei Ludwigsburg – Alba Berlin echt hart, als Kollege Manfred Winter zwei Minuten vor Schluss und plus 15 für die Schwaben nicht kapierte, dass „sein“ Berlin abgehängt war. Nein, nur die noch schlechtere Alternative „Ton aus“ führt dazu, dass man sich das anhört.

Bei der NBA heißt die Alternative US-Kommentar, und da ist Co-Kommentator Marc Jackson in dieser Saison ganz vorne dran. Der Ex-Playmaker, sicherlich einer der genialsten, vielleicht aber auch schlampigsten der NBA-Historie, ist kompetent, eloquent und immer für einen Spruch gut.

Zwei Beispiele:

- „Auch wenn es Sonntag ist, eines muss Dallas begreifen: Die Bank ist offen!“

(zu den drei identischen „Bank-shots“ von Tim Duncan – das war, bevor „Mister Bank-shot“ auf der Bank! lachte)

- „Das ist nicht fair, das ist ein Verbrechen! Warum bin ich nie so schnell gewesen?“ (zum aberwitzigen Tempo von Devin Harris).

Da macht es immer Spaß, zuzuhören. Und das werde ich auch während der Playoffs so halten und regelmäßig meinen Senf dazu geben. Versprochen!

Posted by Ulrich Tangl - Apr. 16 2007 10:00 am

Zeit für (Vor-)Urteile
Es sind gerade mal 16 Partien gespielt (für die meisten Teams jedenfalls), doch der Zeitpunkt ist bereits gekommen, einige vorschnelle Urteile zu fällen, wegen denen man mich vielleicht schon in einer Woche kreuzigen wird. Aber keine Sorge, das bin ich gewohnt.

Nummer 1: Der Osten ist noch schwächer als erwartet.
Gerade mal vier Teams (!) der 15 haben eine positive Bilanz, im Westen sind es zehn. Das liegt aber nicht daran, dass das Wetter im Westen besser ist, sondern an den einzelnen Teams.

Nummer 2: Die Heat stinken.
Das sagt sogar Pat Riley, dessen Vertrauen vor allem von den Veteranen, denen er in einem Anflug von Sentimentalität (Riles wird weich!) die Gelegenheit geben wollte, den Titel zu verteidigen. "Wir taumeln von widerlich über entmutigend zu verabscheuungswürdig!" Haushohe Niederlagen ohne Gegenwehr - schlimmer: ohne jeden Stolz eines Champions! - sind das Markenzeichen der Heat (6-8) geworden. Und Shaq: Zuerst fett, dann verletzt. Wen wundert es?

Nummer 3: Geldgier holt keine Rebounds
Ben Wallace wollte die dicke Kohle machen und ging nach Chicago. Man prophezeite Detroit den Niedergang und der "Windy City" den Durchbruch. Aber es zeigte sich, dass Big Ben eher ein Teil eines erfolgreichen Systems denn der Grund dafür war. In Chicago (5-9) spielen sie immer noch verwirrenden Kinder-Basketball, in Detroit (9-5, nach 3-5) weiter abgezockt.

Nummer 4: In New York wird es wieder nichts
Das teuerste Team der Liga, aber den durchgedrehtesten Trader und Trainer: Isiah Thomas' Konzept der Vernichtung der Knicks von innen heraus funktioniert weiter perfekt. Die einzige offene Frage: Wann gehen sich Stephon und Steve (gleicher Spitzname: "gimme da ball") gegenseitig an den Kragen?

Nummer 5: Jerry Sloan hat's drauf
Jetzt ist klar: Stockalone waren das Produkt eines Trainers, nicht das zufällige Zusammentreffen zweier kompatibler Superstars. Jerry Sloan macht aus den Jazz schon wieder ein (sehr) gutes Team, es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die sehr tief gehende Qualität dieses Trainers durchsetzt. Nummer eins im Westen mit 13-3, Respekt!

Nummer 6: Das Conference-Finale heißt San Antonio - Dallas
Die heißeste Rivalität der Liga, die besten Teams, das beste Paket. Leider spielen die Spurs (11-5) und die Mavs (11-4) in der gleichen Conference, sonst könnten wir uns auf eine Serie von NBA-Finals wie in den 80ern zwischen den Lakers und den Celtics freuen. Jetzt gibt's den Showdown eben eine Runde vorher.

Nummer 7: Odom ist Pippen
Phil Jackson hat seine alten Bulls wieder. Kobe ist Michael, Lamar ist Scottie, der Rest spielt sein Rollen. Da aber Bryant nicht so schlau ist wie Jordan und Odom nicht so effektiv wie Pippen, reicht es nicht zu einer Dynastie. Aber Vorsicht: Wenn die Nummer 24 erstmal seine Knieoperation total aus dem Kopf hat, könnte da was explodieren.

Posted by Ulrich Tangl - Dic 1 2006 11:46 am

Willkommen in der Nacht: Die NBA startet müde
Hereinspaziert! Willkommen in der seltsamen Welt der Basketball-Fans!

Die Werbeindustrie behauptet zwar, das wäre eine relevante Zielgruppe, doch der wirklich harte Kern ist ein ganz kleines, verschrobenes Grüppchen, das sich nachts an obskuren Orten versammelt und bizarre Rituale pflegt.

Fred D. (Name geändert, in einschlägigen Kreisen aber bekannt) gehört wohl dazu.

Oder will jemand behaupten, jemand, der nicht verschroben ist, würde sich für nachts um zwei Uhr in einer 40 Kilometer entfernten Stadt verabreden, um ein Basketballspiel, das irgendwo in Texas stattfindet, im Fernseher zu verfolgen?

Fred wollte eigentlich ein paar Kollegen mitbringen, doch nach ein paar vagen Absichtsbekundungen wie "vielleicht", "mal sehen" oder "wär' nett" haben doch alle gekniffen, weil sie "am Wochenende Fußball spielen", am nächsten Tag "ganz weit mit dem Auto fahren" müssen oder sowieso derzeit "etwas müde" sind.

Apropos müde: Als Freds Wecker um 1:15 Uhr rattert, dreht er sich nochmal für fünf Minuten um. Als die rum sind, ist es drei Uhr. Aber Fred ist eine treue Seele, und anstatt sich zu denken, "jetzt komm' ich eh zu spät, sollen die sich das doch alleine angucken", rappelt er sich hoch.

Am Zielort ist inzwischen Halbzeit auf Premiere beim Saisoneröffnungsspiel der Dallas Mavericks gegen die San Antonio Spurs.

Drei Gestalten werden langsam müde.

Der 15-jährige Sohn des Hauses geht schon mal ins Bett: "Ich bin total am (...), weckt mich zur zweiten Halbzeit."

Sein Schulkamerad (zum Glück sind ja Ferien!) leistet dem Hausherren, der vergeblich versucht hat, mit "Crême fraiche Kartoffelsuppe", Erdnussflipps, kalorienarmen Chips und Cola die Laune zu steigern, tapfer Gesellschaft.

Die Pause wird immer länger, zäher, Premiere hat außer "Zapping" rein gar nichts zu bieten, die Müdigkeit kommt hammerhart.

Um 3:45 Uhr klingelt es: Fred D. steht da und berichtet von einer seltsamen Begegnung der grünen Art - zwei Polizisten mussten ihm erklären, dass diese verkehrsberuhigte Zone zwischen acht und fünf völlig beruhigt ist: Kfz-Verkehr verboten. Hinweise auf die Dringlichkeit, ein Basketballspiel sehen zu müssen, wurden merkwürdigerweise völlig ignoriert.

Die Bullenstory und die schiere Anwesenheit von D. hauchen der schlappen Gesellschaft immerhin Leben ein. Leider auch den Spurs.

Superstar Tim Duncan wacht plötzlich auf, die Führung der Mavs um Dirk Nowitzki geht flöten, und alle erinnern sich daran, dass noch bei keinem der größeren NBA-TV-Treffen die von den Guckern favorisierte Mannschaft gewinnen konnte.

Am schlimmsten war das bei Spiel drei der Finalspiele im Mai, als Dallas statt des 3:0 den Anschluss der Miami Heat zum 2:1 erlitt und dann 2:4 verlor - waren wir da müüüde.

Der Rest ist schwer zu ertragen. Nowitzki verballert seine Würfe, die Auszeiten, die Premiere mit banalen E-Mail-Antworten von anderen Bekloppten auf die dumme Frage des Tages ("Ist Dallas stärker als im letzten Jahr?") aufs Billigste füllt, tun körperlich weh, bei der Schlusssirene , die die persönliche Niederlage aller vier Protagonisten besiegelt, ist die Nacht endgültig versaut.

Fred D. hofft nur noch, die Tiefgarage wieder zu finden, in die ihn die Hüter der Nachtruhe verwiesen haben.

Aber: Wir versuchen es wieder! Und wieder!

Posted by Ulrich Tangl - Nov 6 2006 9:40 am

Zu früh gefreut
Satz mit x, das war wohl nix! Alle Phantasten, die einen Sweep erwartet haben –, was heißt erwartet: als sicher hingenommen! –, sind eines Besseren belehrt worden. Mich eingeschlossen.

Alle, die dachten, eine Harlem-Globetrotters-gegen-Washington-Generals-Serie würde mehr Spannung bieten als dieses Duell der angeblich beiden besten Teams der NBA, wurden enttäuscht. Naja, nicht gerade enttäuscht, denn wer will solche schlimmen Spiele wie das zweite wirklich anschauen.

Wir saßen zu sechst heute Nacht vor dem Premiere-Schirm, es war unser alljährliches NBA-Finals-Reutlingen-meets-Kirchheim-Traditional. Letztes Jahr war’s Spiel fünf mit den Horry-Miracles bei Spurs gegen Pistons. Meine Kollegen waren damals für Detroit, diesmal hat wieder ihre Mannschaft verloren, da konnte die Minestrone zur Halbzeit auch nicht helfen.

Mein 15-Jähriger hat von seiner Schul-Schonzeit noch ein einziges Mal Abstand genommen – mit einem Freund, der schon Abends um neun beim Fußball erschreckend müde war –, hat das natürlich furchtbar mit einem heftig schmerzenden Tag mit Nachmittags-Unterricht büßen müssen – und konnte sich nicht einmal mit dem 3:0 trösten.

Die Heat haben also überlebt, die Mavs haben das Grab, in dem sie die schon stark abgekühlten Floridaner sechs Minuten vor Schluss schon einigermaßen entsorgt hatten, noch einmal aufgebuddelt. Viele Fans meinen, die Schiedsrichter, die NBA und die internationale Verschwörung gegen Dirk Nowitzki hätte dabei etwas zu offensichtlich mitgeholfen. Was natürlich auch stimmt, aber wenigstens haben wir jetzt eine Serie, und am Ende ist es auch besser, wenn die Mavs in fünf oder sechs den Titel holen.

Aber bitte nicht in sieben! Nächste Woche habe ich Karten für zwei WM-Spiele in Stuttgart und München. Drumherum zwei nächtliche Finals würde ich kaum verkraften. Ganz zu schweigen vom Filius und seiner Karriere in der neunten Klasse…

Posted by Ulrich Tangl - June 14 2006 1:15 pm

Video-Konserve wegen Schul-Crunchtime
Lag es nur daran, dass wir Spiel zwei als Aufzeichnung sahen? Um dem Junior etwaige Konzentrationsausfälle in der Crunchtime des Schuljahres zu ersparen, wurde nachts geschlafen, war der Montag geprägt von totaler Ignoranz – bitte keine Infos zum zweiten Finale!

Erinnerungen an die Jugendzeit wurden wach: Wenn wir am Samstagabend versuchten, das Ergebnis des VfB Stuttgart bis zur Sportschau nicht zu erfahren. Die Enttäuschung war natürlich am größten, wenn der VfB gar nicht zu den drei Spielen gehörte, die damals maximal im Zusammenschnitt gezeigt wurden.

Diese NBA-Finalerfahrung war dann aber doch eine Neue. Den Vormittag prägte das Niederschreien jedes Gesprächspartners die Stunden, der einen empfing mit der Frage: „Und, was sagst du zu den Mavs?“

Wir haben es geschafft: Bis um drei Uhr Nachmittags der Videorekorder startete, wussten wir nichts, die Spannung blieb gewahrt. Es war trotzdem ein völlig anderes TV-Erlebnis als das prickelnde in der Nacht – irgendwie war das eben nicht live, irgendwie war alles zu locker.

Genau das Gegenteil auf dem Feld in der American Airlines Arena: Völlig verspannt, die Jungs. Das erste Viertel war eine Blamage für den Basketball, Not spielte gegen totales Elend. Die Heat verballern so viele Korbleger, dass sich meine U10 schämen müsste. Am Ende der ersten zwölf Minuten ist Dwyane Wade so verzweifelt, dass er es ohne Not rückwärts versucht – au weia. Shaq bekommt kein Bein auf die Erde. Lakers-Boss Jerry Buss hatte eben doch Recht, den Mann gehen zu lassen.

Dann läuft’s für die Mavs und alle, die behauptet haben, die beiden besten Teams der NBA hätten bereits im Conference-Halbfinale gespielt und der Westen sei einfach eine Klasse besser, sind keine Klugscheißer mehr, sondern Experten.

Heute Nacht kommen Freunde zum Gucken, das Video-Experiment bleibt wohl einmalig. Denn wenn dem alternden Pat Riley nicht etwas ganz Supertolles einfällt, feiern wir gegen halbsechs das 3:0 und am Freitagfrüh das 4:0. Dann geht es nur noch darum, ob unser Dirk MVP wird. Nicht gerade eine Riesenspannung für eine Finalserie, aber für diesen ersten Titel der Mavs nehmen alle Nowitzki-Fans das sicherlich hin.

Vor allem, wenn das den Beginn einer Dynastie bedeutet!

Posted by Ulrich Tangl - June 13 2006 11:15 am

Drei Siege zum Big Bang
Okay, dieses 90:80 war einigermaßen hässlich, aber wen kümmert¡¦s, wenn unser Würzburger und seine Maverdirks auf dem Weg zum ganz großen Ding sind?

Hatte ich nicht vor vier Monaten drüber palavert? Geeenau, es war am 11. Januar:

„Also stimmen wir einfach mal zu: Die Mavs haben das Zeug zum Titelanwärter!

Wow! Dirk und der ganz große Schlag, der Big Bang!¡§

Jetzt stehen wir drei Siege davor. Das ist nicht nur morgens um sechs schwer zu begreifen, wenn die unterbrochene Nacht für 90 Minuten weiter gehen soll und man sich im Bett von links nach rechts und zurück und noch mal alles vorn dreht und nicht weiß, warum man mit 49 so aufgeregt ist: aus schieren Bedenken, ob man den Arbeitstag in der Redaktion übersteht (schließlich ist WM!), oder einfach nur, weil ein Traum kurz vor der Erfüllung steht?

Genauso gut kann man sich hinsetzen, ein bisschen Dallas Morning (!) News lesen und einen Blog schreiben.

Worüber ich mich geärgert habe: Die drittklassige Präsentation von Premiere! Da wurde das ABC-Bild willkürlich mit dem von NBA-TV gemixt, man bekam insgesamt vier (!) verschiedene Spielstandsanzeigen präsentiert. Öfter mal den falschen Ton zum richtigen Bild oder umgekehrt.

Kommentatorenmäßig hat mich Hubie Brown entschädigt, der mich schon 1993 am Rande der McDonalds Open in München für sich eingenommen hat: Der Mann hat echt Ahnung und kann es vermitteln.

Unser Hassobjekt Shaq wurde zwischendurch ge-quadrupelt. Das andere, Gary Payton, bekam außer einem Steal gegen den Jet nichts gebacken. Vielleicht, weil ihn Kollege Dwyane Wade gestern auf 77 geschätzt hat?

Boss Mark Cuban macht sich derweil schon Gedanken über die Champion-Zeremonie. Sein Oberboss, David Stern, auch. Gefragt, mit welcher Kleidung er bei dem exzentrischen Mavs-Chef rechne, antwortete er nur: „Ich bin schon froh, wenn er überhaupt etwas an hat.¡§

Übrigens: Die NBA unterscheidet hart zwischen Spieler-Beleidigen und Kleinere-Angestellte-kritisieren: Meinen letzten Blog mit ein paar etwas gehässigen Bemerkungen zu einer (anonymen) Presse-Betreuerin haben sie gestrichen. Meine weit bösartigeren Anwürfe gegen Chris Kaman („hässlichster Basketballer des Planeten¡§) ließ man damals durch. Muss ich das verstehen?

Posted by Ulrich Tangl - June 9 2006 11:15 am

Basketball ist schön. Basketball ist grausam.
Jetzt also dreimal Spiel sieben ?phantastische Play-offs!


Game 5: Dallas Mavericks v San Antonio Spurs
(Stephen Dunn/NBAE/Getty)

Hab mir für diesen Blog den Samstagmorgen aufgehoben. Am Donnerstag hatte ich null Bock auf Blog. Müde war ich sowieso: Champions-League-Finale am Mittwochabend, Spiel fünf zwischen Mavs und den Spurs in der Nacht, und das vor einem ganz normalen Arbeitstag.

Aber ich war nicht nur müde, sondern auch ziemlich angepisst.

Dafür gab’s viele Gründe. Die katastrophale Pfeiferei der drei Refs war einer, ist einer auch heute morgen. Wenn bei diesem Wurf von Dirk bei Spiel fünf sechs Sekunden vor Schluss Duncan an seiner Stelle gewesen wäre, hätte es zwei Freiwürfe gegeben. Heute Nacht bekam Duncan nicht ganz so viele Pfiffe, aber ohne seinen Superstar-Bonus, den unser Würzburger einfach nicht zugestanden bekommt ?man denke nur an die Szene heute Nacht, wo er kurz vor Schluss zweimal die Hände am Offensivrebound hatte und sie ihm fast abgehackt wurden ? wäre die Serie längst vorbei.

Stinkig war ich auch über Premiere, auch wenn ich insgesamt unendlich dankbar bin, dass man fast alle Spiele dieser legendären Serie live miterleben darf. Aber als sie am Donnerstag Sekunden nach der Schlusssirene ihre Ankündigung der nächsten Spiele einblendeten anstatt die Zeitlupe der letzten Situation mit Dirks seltsamen „Patscher?zu zeigen, hat’s mich mal wieder richtig angekotzt. Noch mehr, als ich später im Internet sah, wie Tony Parker Dirk direkt davor am Trikot gezupft hat.

Empfehlenswert übrigens immer die Pressekonferenzen auf nba.com: Hier zeigen die Protagonisten echte Klasse, am allermeisten Avery Johnson: Wie er die Schiedsrichter völlig ignoriert, sensationell. Auch heute Morgen: „Wir sind nicht diejenigen, die sich beschweren.?Weil sich San Antonio seit Jahren beschwert und es offensichtlich funktioniert.

Statt der Eliminierung der beiden Finalisten 2005 innerhalb von fünf Stunden jetzt also gleich dreimal Spiel sieben. Vorhersagen sind schwer. Wenn aber dreimal die Heimmannschaft gewinnen sollte, ist mein Angepisst-sein von dieser Woche nur ein müder Abklatsch der Wut, der Trauer und der Depression der nächsten. Alle beide meine Lieblingsmannschaften wären dann trotz 3:1-Führung draußen.

Basketball ist schön. Basketball weckt Emotionen. Basketball kann aber auch furchtbar grausam sein.

Posted by Ulrich Tangl - May 22 2006 11:05 am

Völliger Quatsch: Ku-Klux-Klan und kollektiver Selbstmord

Jetzt also doch 1:1, hurra. Nicht auszudenken, wie es aussehen würde, hätten die Mavs die Einladung der Spurs beim ersten Spiel angenommen.

Nicht auszudenken? Völliger Quatsch, ganz leicht auszudenken: Dann würden Dirk und Freunde mit einem 2:0 ins America Airlines Center zurückkehren, würden dort mindestens das 3:1 machen und die Serie ganz locker spätestens im 6. Spiel mit 4:2 gewinnen.

Ganz locker? Völliger Quatsch! Jedes Einzelne dieser Spiele wird ein Kampf bis aufs Blut, und dieses 113:91 in San Antonio wird der einzige Blow-out bleiben, egal wie lange die Serie geht, über fünf oder sieben Spiele. Noch einmal werden sich die Spurs nicht so vorführen lassen.

Vorführen? Völliger Quatsch, werden die Spurs-Fans sagen, und am meisten müsste natürlich Greg Popovich protestieren. Tat er aber nicht, was seine Klasse zeigt. Denn während des Spiels war er natürlich überhaupt nicht einverstanden mit sehr vielen Schiedsrichter-Entscheidungen, trieben Tim Duncan und er ja schon ihre üblichen Psychospielchen. Und die Herren Steve Javie, David Jones und Eddie F. Rush waren ja auch furchtbar schlecht.

Aber nach dem Spiel war von Popovich nur zu hören: „Die Mavs spielten einfach großartig und verdienen jeden Respekt. Sie haben uns gewaltig in den Arsch getreten.?br>
Und auch von Duncan, dessen 3. Foul Anfang des zweiten Viertels den entscheidenden 15:3-Lauf der Mavs initiierte, maulte ebenfalls nicht: „Sie haben einfach Würfe bekommen und uns schwere gegeben. In der Abwehr waren wir wirklich nicht gut. Und das war vor allem anderen unser Problem.?br>
Dieses Spiel heute Nacht anzuschauen, war natürlich ein Genuss, auch nach dem BBL-Spiel Oldenburg gegen Berlin am Abend. Da waren wir wieder so genervt von den ewigen Zeitlupen von völlig unbedeutenden Dreiern, während tatsächlich das Spiel längst wieder läuft, dass das so intensive und dramatische Spiel trotzdem keine Freude war. Schwamm drüber, bei der nächsten BBL-Tip-off-Tagung werde ich den Premiere-Leuten das erneut sagen, und sie werden erneut antworten: „Aber das sind so schöne Bilder.?br>
Zum Abschluss eine Beobachtung zum Miami-Spiel gegen New Jersey. Fast alle Zuschauer haben ein weißes T-Shirt an. Zwei Assoziationen: Das sieht aus wie der Ku-Klux-Klan (vom minderjährigen Mitbewohner). Und: Das wirkt wie eine seltsame amerikanische Sekte, die im nächsten Moment zum kollektiven Selbstmord schreitet (von mir). Obwohl die Heat von Kidd, Carter und Jefferson den Hintern versohlt bekamen, unterblieb das zum Glück. Aber wenn man die eine Assoziation mit der anderen verbindet, wäre das Ergebnis ja gar nicht so unbefriedigend . . .

Posted by Ulrich Tangl - May 10 2006 10:00 am

Ekstase und Gänsehaut

Auch wenn die Lakers heute Nacht bei den Suns verloren haben und es nur noch 3:2 steht ?dieses vierte Spiel triebt mich immer noch um. Dieses Finish, diese Ekstase, diese Gänsehaut.

Tatsächlich lief sie mir noch beim vierten Ansehen der letzten Szenen bei NBA-TV über den Rücken. Der Steal von Smush Parker, der weggeworfene, verrückte Floater oder was auch immer von Kobe. Der halbe Steal von Luke Walton, der zum ganzen wurde, weil er den Sprungball gewann (im Fiba-Basketball hätte es Einwurf gegeben, womöglich für die Suns: wie langweilig). Der Tipp zu Kobe, der Drive, der jordanesque Wurf über vier ausgestreckte Arme, die Sirene ?und wieder die Gänsehaut.

Kollege Bill Plaschke, der geniale Kolumnist von der LA Times, dazu: „Das ist die erste Play-off-Serie, wo er nicht versucht, Michael Jordan zu sein. Und was passiert? Kobe Bryant ist Michael Jordan.?br>
Plaschke, der sonst eher ein Kobe-Hasser ist, fährt fort: „Das waren die ersten heiklen Momente, wo er nicht versuchte, größer als die Lakers zu sein, und stellt euch vor: Kobe Bryant war ein Riese.?br>
Später: „In den letzten Momenten versuchte er tatsächlich, niemanden die Schau zu stehlen, und: Kobe Bryant stahl das Spiel.?br>
Zum Schluss: „Das ist die erste Play-off-Serie, in der Kobe Bryant nicht Größe sucht, und was passiert: wahre Größe findet ihn.?br>
Ich fand das so gut und ergreifend, dass ich es einfach allen mitteilen will, die nicht in der LA Times lesen. Wer den Artikel ganz genießen will: A split second caps Bryant’s finest hour.

Zu Dirk gibt es nichts Neues zu sagen: Der Junge ist phänomenal, das Team ebenso. Der Himmel ist die Grenze.

Zum Schluss will ich noch der Auforderung von Johannes Behrendt in seinem vorletzten „click and roll?nachkommen: Hier ein paar NBA-Oxymorons:

der ausgeschlafene T-Mac
der einsichtige Sheed
der austrainierte Shaq
der selbstsüchtige Dirk
die unfehlbaren Schiedsrichter
der nachgiebige David Stern
der freigebige Donald Sterling
der geizige Mark Cuban
der "executive of the year" Isiah Thomas
der hübsche Chris Kaman
der nahrhafte Hamburger
der aufbrausende Phil Jackson
der coachende Phil Jackson
der Looser Phil Jackson
uswusf.

Posted by Ulrich Tangl - May 3 2006 10:00 am

Hier irrt Mister Stern

Früher war ich mal Tennis-Journalist, damals, von 1987 bis 1992, als uns Boris Becker und Steffi Graf noch die Wimbledonsiege im Doppelpack einfuhren. Daher kenne ich den Begriff „to tank? den man allerdings in keinem Wörterbuch findet. Wenn zum Beispiel Goran Ivanisevic wieder mal keine Lust hatte, nach einem 9:11 verlorenen Tiebreak im dritten Satz Gas zu geben, weil ihn einfach alles ankotzte, hie?es in der Fachpresse „he tanked the game? er schenkte es ab. Das war natürlich verboten, im „Code of Conduct? den Benimmregeln, wurde eindeutig zu jeder Zeit der „best effort? der volle Einsatz verlangt. Bestraft wurde das Abschenken, das in den letzten zwei Jahren ein gewisser Herr Schüttler zu neuer Blüte geführt hat, aber praktisch nie.

Das ist jetzt auch in der NBA nicht geschehen. Die Clippers waren dermaßen darum bemüht, nur nicht Fünfter zu werden, dass ihre Spielweise der totalen Verweigerung glich. Im letzten direkten Vergleich mit den Grizzlies probierten dann sogar beide, zu verlieren, doch die Clippers waren deutlich geübter. Memphis lie?Pau Gasol auf der Bank, aber Mike Dunleavy setzte Sam Cassell und Chris Kaman auf die Tribüne und lie?Elton Brand nur 22 Minuten spielen. Vin Baker startete als Center!

Mike Fratello pries nach dem Sieg den „Professionalismus?seines Teams, aber in Wirklichkeit war er sauer, dass Dunleavy besser im Abschenken war. Er muss nun gegen Dallas (60-22) ran, auswärts, während die sauberen Clippers (47-33) wegen des besseren Rekords zu Hause gegen Northwest-„Champion“Denver (44-38) anfangen dürfen.

Alle Experten haben seit Weihnachten dieses bescheuerte Setzsystem gegeißelt, nach dem die drei Divisions-Sieger die ersten drei Plätze erhalten. Doch NBA-Boss David Stern und sein Adlatus Russ Granik haben dermaßen stur abgewiegelt, dass man um ihren gesunden Menschenverstand fürchten musste. Dabei hätten sie locker zum Beispiel beim Allstar-Game die geforderte Änderung durchziehen können: Den Divisions-Siegern wird ein Platz unter den Top-Four garantiert, dort wird aber nach Rekord gesetzt.

Das Resultat der Sturheit führt zu absurden Konstellationen wie im Fall Memphis, trifft vor allem aber die Dallas Mavericks, die in der zweiten Runde auf San Antonio treffen werden und in ihrer Tableau-Hälfte bis auf Sacramento (44-38) nur starke Teams haben. Und es begünstigt die Phoenix Suns, die als Conference-Zweiter in ihrer Tableau-Hälfte nur die Clippers, Denver und die Lakers (45-37) haben.

Okay, in Dallas ist man zwar stinkig ?Mark Cuban: „Bis jetzt hat noch keiner erklären können, was an diesem System gut sein soll.??aber will das Beste draus machen nach dem Motto: Wer Meister werden will, muss sowieso alle schlagen.

Aber die Diskussion wird wieder hoch kochen, wenn es gegen San Antonio schief geht.

Mister Stern, hier haben Sie einen Fehler gemacht. Den müssen Sie korrigieren. Obwohl es dann für die besten Mavs aller Zeiten zu spät sein wird.

Posted by Ulrich Tangl - Apr 24 2006 10:00 am

Das Geheimnis der Wellen

Dann lasst sie doch kommen, die Clippers! 3:0 steht es seit heute Morgen für die Mavs in diesem möglichen Erstrunden-Matchup, und die Anderthalb-Mann-Besatzung meiner schlichten 100-Quadratmeter-Behausung sa?natürlich gegen sieben Uhr vor dem neuen Flachbildschirm des Juniors, dessen Großteil er sich durch einen unglaublichen Wurf von der Drei-Punkte-Linie über die Hallendecke ans Brett durch den Ring ergaunert hat ?Glücksspiele!

Kein Glücksspiel betrieben die Mavs, sondern sie gaben einfach Dirk den Ball, der hielt seine Warteposition in aller Seelenruhe ein, sah sich ein bisschen Chris Kamans wirr herumflatternde Haare an und drückte ab. Ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg, die Spurs vielleicht doch noch zu überholen, zum MVP und zur Legende.

Interessant, wie das Spiel auf dem Rechner ablief. Ich dachte ja immer, die elektronischen Wellen der so genannten Live-Radioübertragung seien schnell. Aber der Typ, der den Liveticker in seine Labtop hackt, ist noch schneller!

(0:00) [DAL 75-73] Nowitzki Jump Shot: Made (20 PTS) stand da schon geschrieben, als die Herren vom Dallas-Radio noch darüber spekulierten, wem Dirk den Ball beim Einwurf 17 Sekunden vor Schluss geben würde. Nicht ganz überraschend bekam er die Kugel dann von Jason Terry zurück ?der Rest war uns bereits bekannt. Mein halbstarker Mitbewohner meinte, die Schallwellen seien eben langsamer als die digitalen Impulse des Livetickers, aber da ich nicht denke, dass die Jungs dort ins Megaphon brüllen, bis das Geschrei über den Teich rauscht, sondern auch diese Töne in elektronische Wellen umgewandelt werden, kann es das wohl nicht sein.

Die Behauptung „Live-Radio?haut also nicht so ganz hin ?aber warum? Dass sie bei Live-Events im TV nach dem Janet-Jackson-Busen-Vorfall beim Superbowl vor zwei Jahren drei bis vier Sekunden Sicherheit einbauen, ist schon schräg genug, aber im Radio gleich 30 Sekunden?

Wer klärt mich auf?

Hat der paranoide Präsident da seine Geheimdienstfinger im Spiel?

Bekomm ich jetzt Besuch vom CIA?

Posted by Ulrich Tangl - Apr 11 2006 11:00 am

Double-Header mit Junk food

Manche halten mich ja manchmal für einen Miesepeter. Weil ich mich ziemlich ärgern kann, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir wünsche (siehe auch den letzten Blog „Es ist zum Kotzen?.

Ich kann mich aber auch freuen. Wie an diesem Wochenende, als fast alles Basketball-Glück dieser Erde auf mich einprasselte. 1100 Zuschauer und ein tolles Spiel bei unserem Regionalliga-Abschluss am Samstag. Die letzten neun Punkte von mir bei unserem ersten Sieg in der Kreisliga-Trostrunde am Sonntag. Ein schönes Turnier als Trainer der U-10, auch wenn wir nix gewonnen haben. Und am Abend dann unser erster Premiere-Double-Header.

Wir hatten uns gesagt: Wenn schon, denn schon! Und bei einer bekannt-berüchtigten Fast-Food-Kette richtig fett eingekauft.

Zwei Royal-TS. Ein Tasty-Burger. Zweimal Fritten. Zwei Chefsalat. Einmal Nuggets, zweimal Shrimps.

Zunächst also Phoenix @ Detroit. Steve Nash geht ab wie Schmitz-Katze, doch in Erinnerung an das Spiel in San Antonio lautet meine Prognose schon im ersten Viertel, dass es spätestens Ende des dritten, Anfang des vierten zu Ende sei mit der Herrlichkeit. Ein für Detroit-Verhältnisse superschnelles Spiel entschädigt für das Eintreffen der Prognose, und natürlich dieser Buzzer-Beater von Raja Bell.

Amüsanter Höhepunkt: Als Rasheed Wallace sein 16. „T?der Saison kassiert und wir von der neuen Regel erfahren. Er muss jetzt ein Spiel aussetzen, danach bei jedem zweiten „T?wieder. O „Sheed? hättest du geschwiegen?br>
Dann Dallas gegen Denver. Nach der ersten echten Niederlagenserie sind die Mavs hoch motiviert, doch Avery Johnson lässt im zweiten Viertel seine Bank ran und Denver hält das Spiel offen. Richtig geil: Andre Millers Buzzer-Beater von der eigenen Dreierlinie. Im dritten Viertel geben Dirk und Co. wieder Gas.

Lustig, wie Ruben Patterson, der sich einst als selbsternannter „Kobe Stopper?lächerlich machte, versucht, Dirk zu decken.

Er ist zu klein. Er ist zu langsam. Er kann keine Defense. Und vor allem ist er zu dumm.

Denver denkt allerdings, dass sei noch nicht gut genug und setzt dann Linas Kleiza auf ihn an. Das funktioniert super, Dirk geht raus. Das war allerdings drei Minuten vor Schluss beim Spielstand von 97:74.

Zu diesem Zeitpunkt, kurz vor Mitternacht, war die Übelkeit von all diesem Junk food übrigens fast wieder weg. Die Darmkrämpfe blieben aber bis Montagnachmittag ?ich liebe es?

Posted by Ulrich Tangl - Apr 3 2006 12:00 pm

Es ist zum Kotzen

Gerade wird die MVP-Debatte ja angeheizt. Ich denke, es gibt nur drei ernsthafte Kandidaten: Titelverteidiger Steve Nash, Punkte-Maschine Kobe Bryant und tatsächlich Dirk Nowitzki, letztes Jahr Dritter.

Die Konkurrenten, die es nicht schaffen:
- Elton Brand, der zwar eine unglaubliche Saison spielt, aber in seinem Team nicht dominiert.
- Kevin Garnett, der zwar vor Brand (29,02) die Effektivitäts-Rangliste mit 29,92 Punkten anführt, dessen Team aber wieder die Play-offs verpasst.
- LeBron James, der zwar von der NBA mit viel zu vielen Platzierungen in den täglichen und wöchentlichen Top-Ten gepusht wird, bei dessen Cleveland Cavaliers aber im Verhältnis zum Kader das Win-Lost-Verhältnis nicht stimmt.

Derzeit spricht wieder alles für Dirks Buddy. Erstens hat er sein Team ohne Amare Stoudemire, der in der letzten Nacht sein Comeback gleich mit 20 Punkten feierte, auf Platz vier der NBA geführt. Und zweitens haben seine zwei Konkurrenten heftige Handicaps. Kobe Bryant spaltet durch seine widersprüchliche Persönlichkeit die Öffentlichkeit ?und damit sicher auch die Journalisten, die den MVP wählen. Dazu hat er ein zu schwaches Team. Und Dirk ist erstens Deutscher und zweitens einfach noch nicht der Clutch Performer. Will sagen: Seine Fähigkeit, in der Crunch Time Spiele zu entscheiden, ist noch unterentwickelt.

Flashback: Gestern, am Donnerstagmorgen, große Freude nach dem Aufstehen - die Spurs kacken gegen Denver ab, damit ziehen die Mavs wieder gleich.

Und heute morgen, heilige Scheiße, die Schlagzeile auf nba.com: „What a finish!?Dirks 51 Punkte, unglaubliche 55 in der Effektivität (9 Rebounds, 5 Assist, 2 Steal, 1 Block Shot, 5 Turnover, 8 Fehlwürfe), sind auf den Mist geworfen gegen die schlappen Golden State Warriors. Weil die Mavs am Ende zu viele Freiwürfe verballern, und weil Jason Richardson, what a finish, in vier Sekunden von der Grund- zur Dreierlinie dribbelt und mit einem verrückten Dreier die zweite Heimniederlage von Dallas gegen die Warriors besiegelt. Die erste resultierte aus einem ähnlichen Dreier von Baron Davis und durfte live auf Premiere erlitten werden.

Es ist zum Kotzen!

Da macht Dirk so ein Wahnsinns-Spiel, aber am Ende lässt er sich von Derek Fisher den Ball klauen und trifft seinen einzigen von 17 Freiwürfen nicht.

So wird das nichts. Nichts mit Platz eins in der Conference, nichts mit der MVP-Wahl.

Kein schöner Morgen. Es ist zum Kotzen.

Posted by Ulrich Tangl - Mar 27 2006 10:00 am

Drei Männer im Glück

Wer wei? wer am Sonntag von den Dallas Mavericks Geburtstag hat? Richtig, niemand. Aber ein Ereignis. Am Sonntag vor genau einem Jahr übernahm Avery Johnson von Don Nelson den Posten als Headcoach der Mannschaft. Inzwischen hat er 82 Spiele in der regulären Saison gecoacht, davon 66 gewonnen und nur 16 verloren.

Das gab es noch nie in der Geschichte der NBA, dass einer so einen Start hinlegte. Keine Frage, Avery ist glücklich.

Und Don Nelson auch. Er nennt dieses Jahr das „genussreichste?in seinem ganzen bisherigen Leben.

Auch Mark Cuban ist glücklich. Mit Nelson hatte der Besitzer der Mavs am Ende Probleme, mit Johnson versteht er sich blendend.

Der Jungcoach hat die Geschichte mit beeindruckenden Worten noch einmal kommentiert: „Ich bin nicht der Superheld und Nellie ist nicht der böse Bube. Er hat hier eine großartige Basis gelegt. Warum lassen wir ihn nicht einfach in den Sonnenuntergang reiten und erinnern uns an das??

Wir wussten es schon vorher: der Mann hat Klasse.

Drei glückliche Männer also, und zwei davon wollen das ganz große Ding ins Visier nehmen.

Zuletzt war dieser Trip nicht mehr ganz so überzeugend. Wenn man gegen Lebron James?Cavaliers 19 Punkte Pausenrückstand aufholt, kann man einerseits stolz auf die tolle Moral, das Durchsetzungsvermögen und die mentale Härte sein, andererseits sind diese zuletzt immer häufigeren Nachlässigkeiten auch etwas bedenklich.

In dieser Form haben die Mavs auf jeden Fall in den Play-offs keine Chance, mehr als die erste Runde zu überstehen.

Andererseits kommt diese klitzekleine Krise auf sehr hohem Niveau, die natürlich auch durch viele Verletzungen bedingt ist, genau zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt lernen die Mavs halt, wie es ist, sich durchzubeißen, trotz widriger Umstände. Das ist am Ende vielleicht wertvoller als eine weitere Serie von Blowouts.

Und dann besteht die Chance, dass die drei Männer auch im Juni noch glücklich sind.

Posted by Ulrich Tangl - Mar 15 2006 4:00 pm

Neues vom Zen-Guru

Überhaupt gar kein Zweifel: Natürlich hoffe ich, bibbere ich, erwarte ich,

- dass die Mavs Platz eins in der Division und damit Conference erreichen. Heimrecht bis zum Conference-Finale, das wär’s doch.
- dass die Lakers die Playoffs erreichen.

Aber bitte bitte nicht das: 1. Dallas ?8. Lakers. Da müsste es gleich in der ersten Runde zum Schwur kommen, in mir würde der „All-Time-Lakers-Fan?gegen den fast noch emotionaleren „Mavs-wegen-Dirk-Anhänger?kämpfen. Leider muss ich sagen, dass in diesem Fall die „Purple-Golds?zurückstehen müssten. Weil sie sowieso keine Chance auf das ganz große Ding hätten. Aber schmerzhaft würde dieser Konflikt allemal.

Derzeit kann man sich über die Lakers sowieso eher amüsieren als mit ihnen mitfiebern.

Zwei Beispiele aus dem großen Erfahrungsschatz des NBA-Meisterphilosophen.

Die Erklärung von Phil Jackson für das gute, erfolgreiche Spiel gegen Detroit: „Man muss verstehen, dass das ein sehr kompliziertes Spiel ist. Die Jungs hatten das vierte Spiel in fünf Tagen, deshalb waren sie zu müde zum denken und haben einfach drauflos gespielt.?br>
Hurra! Die neuste Super-Idee vom Zen-Guru! Mach deine Jungs schlapp, damit sie ihre doofen Köppe nicht mehr gebrauchen können, und schon flutscht es!

Völlig unbegreiflich dann aber, dass Jackson, dem Team am Tag danach trainingsfrei gab. Hat er seine eigene Erkenntnis nicht kapiert? Topfit in Körper und Hirn spielten sie anschließend gegen San Antonio so wie immer. Ganz ordentlich eine gewisse Zeit, aber ohne Chance gegen ein Topteam.

Nummer zwei: Jackson erwähnt, dass die Zuschauer im Staples Center nach der Pause ziemlich lange brauchen, bis sie wieder auf ihren Plätzen sind. Seine Warnung deshalb: „Wenn sie nicht früher zurückkommen, sind wir vielleicht schon aus dem Spiel, wenn sie ihre Plätze eingenommen haben ?so, wie wir nach der Halbzeit oft spielen.?

Also bitte, liebe Lakers-Fans: Würgt eure Hot Dogs, Hamburger und Tacos doch ein bisschen flotter runter und peitscht euer Team von der ersten Sekunde der zweiten Hälfte an nach vorne. Sonst muss sich Phil noch überlegen, wie er seine Jungs besser einstellt. Und das ist bei zehn Millionen Dollar Gehalt im Jahr doch ein bisschen viel verlangt?

Posted by Ulrich Tangl - Mar 8 2006 10:00 am

Schmerzen in der Nacht

Okay, selber schuld! Wer sich derzeit die Knicks antut, muss wissen, was er tut. Wir wussten es, denn wir wollten einfach sehen, auf welche Weise das nicht funktioniert mit Stephon Marbury und (eigentlich: gegen) Steve Francis.

Das waren wirklich schmerzhafte 150 Minuten am letzten Samstagmorgen bei New York gegen New Jersey. Quatsch, Morgen: Es war natürlich mitten in der Nacht.

Doug Heffernan aus „King of Queens?hätte gestöhnt: „Schamerzen!?Wir schrieen es, und fühlten uns ganz weit weg von einer lustigen Vorabendserie.

Die Müdigkeit tat weh. Das Zuschauen tat weh. Das Spiel tat weh.

Es läpperte so vor sich hin, irgendjemand sagte: „Das ist das läpprigste Spiel, das ich je gesehen habe.?Ich fürchte, ich war’s.

Gut, die Knicks sind schlecht. Eines der teuersten Teams der Liga, und sooooooo schlecht. Demnächst bezahlen sie die Fans, dass sie kommen.

Ein Verdacht: Irgendjemand aus New York hat Isiah Thomas damals, als er noch spielte, in den 80ern, furchtbar geärgert. Da nahm sich der vor, es den arroganten Großstädtern eines Tages heimzuzahlen. Die große Chance kam, als sie ihn als General Manager verpflichteten. Die Knicks waren bereits am Boden, und Thomas macht sie seitdem richtig fertig.

Nur ein Hirngespinst vor lauter Schamerzen? Vielleicht. Aber wie sonst sind die ganzen irrwitzigen Trades zu verstehen. Damals, der Hammer, Nazr Mohammed gegen Malik Rose, ein Centertalent weggejagt für ein Auslaufmodell. Eigentlich nicht zu toppen. Doch Thomas machte gerade so weiter. Und holte sich jetzt die Deppen-Krone der Trademaster: neben Marbury (uncoachable) stellte er Francis. Früher in Verkennung seiner Natur Stevie Franchise genannt, mutierte er zum „Franchise-Killer?

Dass sich der bedauernswerte Larry Brown nicht im Mittelkreis entleibt hat, ist das wahre Wunder dieser Geschichte.

David Moore von den Dallas Morning News sieht wenigstens eine positive Seite darin: „Dieser Schachzug wird die Chemie der Knicks nicht zerstören. Sie haben keine.?

Statt Dick&Doof zu holen, damit ein bisschen Stimmung in den MSG kommt, haben sie jetzt Doof&Doof. Heilige Einfalt!

Oder doch die große Rache?

Wenn ich leibhaftig im Garden gewesen wäre, ich hätte vielleicht einen Bierbecher geworfen.

Posted by Ulrich Tangl - Mar 1 2006 12:00 pm

All-Star-Kater

Das war es also, das Allstar-Weekend. Im deutschen Fernsehen gab es das ja das allererste Mal, das soviel, sogar der Samstag, übertragen wurde.

Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet muss ich sagen: Es war hart, verdammt hart. Und es hat sich nur zum Teil gelohnt. Der Kater hielt bis Mittwoch.

Das mag an zwei Dingen liegen: Für mich war das alles nicht mehr so furchtbar neu. Seit vielleicht 20 Jahren schau ich mir die Show sowieso irgendwann an, auf Video, neuerdings auf DVD, und dann war ich am Montag Morgen nach einem wirklich extrem anstrengenden BB-Wochenende mit zwei Spielen Samstag und Sonntag, plus einem, das ich pfeifen durfte, plus einigen Artikeln zu den Spielen unseres Vereins, plus viel Organisation, wirklich nicht total energiegeladen und freudetrunken, als mich der Sprössling um kurz vor drei weckte und es so langsam los ging.

Der 15-Jährige hat das natürlich viel besser weg gesteckt. Hoffentlich liest seine Mutter diesen Blog nicht, denn ich denke nicht, sie wusste was davon, dass er statt wie üblich um sechs diesmal um kurz nach zwei aufgestanden ist, sich mal locker drei Stunden TV-Basketball rein gezogen hat und dann irgendwie die fünf Stunden Schule am Morgen und die zwei Nachmittags überlebt hat.

Aber er hatte sich seit Wochen dermaßen drauf gefreut, dass ich alle pädagogische Vernunft über den Haufen werfen musste ?und natürlich mitmachen.

Den Samstag fand ich alles in allem okay. Da war ich auch noch fit, blieb einfach ein bisschen länger auf ?also so lange, wie jeder Halbstarke an jedem Samstag. Wie sie Dirk den letzten Money-Ball in der Vorrunde geschenkt haben, obwohl der Buzzer längst gedröhnt hatte, war wirklich amüsant, noch besser, dass er dann gewonnen hat.

Und die zahllosen verhauenen Dunking-Versuche des Nate „Dwarf?Robinson hat man ihm auch verziehen ?wegen seiner 1,75 m und weil er irgendwie so zutraulich mit seinem Babyface wirkt. So gab es eben zwei unverdiente Gewinner der Hauptwettbewerbe.

Das Spiel war dann eher ein Flop. Selten gab es eine derart künstliche Spannung ?ich hab jedenfalls nichts gespürt, als es am Ende so eng wurde. Bin ich schon abgestumpft? War ich nur müde? Oder waren es einfach doch zu viele lässige Unkonzentriertheiten der Allstars?

Trotzdem: Wenn es irgendwie geht, versuche ich das nächste Mal in Las Vegas dabei zu sein, am besten mit unserem NBA.com/Germany-Macher Johannes.

Gefährdet wäre ich in der Glückspiel-Metropole nicht. Ich kann schlecht verlieren. Deshalb bin ich kein Zocker.

Posted by Ulrich Tangl - Feb 22 2006 12:30 pm

Das Leben ist schön

Man macht sich ja schon Gedanken. Jetzt, wo die Fußball-Bundesliga bald nicht mehr auf Premiere läuft. Lohnt sich da die monatliche Gebühr für den Bezahl-Sender noch?

Vergangenen Sonntag war dann aber wieder so ein Abend, wo man sich eher fragt, wie einem solch?blödsinnige Zweifel kommen konnten.

Die Vorfreude war schon viel wert: Miami ?Detroit, die beiden besten Teams des Ostens, nicht Energie-fressend am Samstagnacht zwischen zwei und Vieruhrziemlichfrüh, sondern schön am Sonntagabend fast zur Prime Time.

Da erlaube ich sogar dem Sprössling, bis zum Ende aufzubleiben, auch wenn am Montag Schule ist und der Kerl gegen sechs aufsteht.

Das Ende! Was war das wieder einmal für ein Drama! Es war schon nach zwölf, doch trotz einem seeeehr langen Basketball-Wochenendes: Von Müdigkeit keine Spur.

Man sah die Zukunft der NBA.

Sie heißt Dwyane Wade.

Nachdem er 1:7 angefangen hatte, machte er die letzten 17 Punkte seines Teams. Und obwohl wir beide weder Miami noch Detroit mögen (Miami noch etwas weniger), waren wir total begeistert. Und es war uns völlig wurscht, wer gewinnt ?das war einfach NBA-Basketball.

Wie kreischte doch jener Kommentator bei einem irren Top-Ten-Play: „If you don’t like that, you don’t like NBA-Basketball!?br>
Dann wirft dieser junge Spund auch den letzten Wurf noch über die elend langen Arme von Tayshaun Prince und bringt die Heat erstmals in Führung, nachdem es 47 ?Minuten nach einem typischen Pistons-Sieg ausgesehen hatte.

Einfach Wadesque.

Und die Pistons haben natürlich noch einen Schuss im Lauf: Supercool, wie Chauncey Billups den Ball aus dem Gedränge zu Prince schiebt. Der zieht ab, in and out, ein tolles Finale.

Wir hören übrigens immer die US-Kommentatoren. Die ewig gleichen alten DSF- und jetzt Premierestimmen hängen uns so was von zum Hals raus. Okay, die sind nicht wirklich ganz schlecht. Aber eben nicht gut genug, sie zehn Jahre lang ununterbrochen zu ertragen. Einem Marv Albert, ganz zu schweigen vom seeligen Chick Hearn, kann man dagegen 50 Jahre am Stück zuhören. Und auch die allermeisten anderen US-Jungs haben’s einfach mit der Muttermilch aufgesogen.

Toll übrigens auch diese neue Kamera. Die Perspektive: Als ob Yao Ming das Teil mit nach oben gestreckten Armen über den Court trägt. Find ich klasse!

Wie diesen ganzen tollen Bball-Abend.

Das Leben ist schön.

Posted by Ulrich Tangl - Feb 16 2006 1:30 am

Del Harris und die Sprüche

Letzte Nacht also das dritte Duell Dallas ?Lakers. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich trotz der ersten beiden irren Begegnungen nicht so wahnsinnig scharf drauf war, obwohl das meine beiden absoluten Lieblingsmannschaften sind. Aber beide spielen derzeit fast in verschiedenen Ligen.

Die einzig interessante Frage: Kurieren die Mavs ihre Kobe-Phobie? Die Antwort: locker!

Kobe schaffte nur 24 Punkte, so wenig wie seit dem 23. Dezember nicht mehr. Den Witz des Tages lieferte wieder einmal Del Harris, der übrigens ein unglaublich feiner Gentleman ist und Sprüche am laufenden Meter drauf hat. Ich traf ihn das erste Mal auf meiner großen NBA-Tour im April 1997. Station zwei war das Great Western Forum, Shaq, den ich damals noch einigermaßen mochte, lieferte gegen Phoenix nach drei Wochen Verletzungspause eine Art Comeback ab, Kobe war ein 18-jähriges Kind, spielte aber schon ganz ordentlich.

Ich war zum zweiten Mal in meinem Leben in einem Umkleideraum, zwanzig Kollegen kesselten den Diesel ein, der mit nichts als einem Handtuch über den Lenden ganz entspannt da sa?und Fragen beantwortete. Nach 15 Minuten hatte ich mich ganz nach vorne gekämpft.

Ich war dran.

Ich konnte Shaq eine Frage stellen.

Und ich legte los.

Ob es nicht so gewesen sei, dass wegen dem ganzen Druck und dem Comeback und den Erwartungen und weil es jetzt auf die Playoffs zugehe undsoweiterundsoblahblah, ob es nicht besonders schwer gewesen sei? Oder so?

Und der Dicke antwortete: „No.?

Das war mein großes Gespräch mit Shaquille O’Neal.

Ich habe nie wieder in meinem Leben eine so bescheuerte Frage gestellt.

Noch reichlich verwirrt tappte ich in die nächste Ecke, und da parlierte Headcoach Del Harris und lieferte einen Lacher nach dem anderen. Die Kollegen wirkten schon ganz erschöpft von den ständigen, witzigen Antworten und Kommentaren. Dann stelle noch mal einer eine Frage (um Himmels willen: ich nicht!). Und Harris schaute in die Runde, alle hingen gebannt an seinen Lippen, die Pause wurde länger und länger, und endlich sprach er grinsend: „Sorry, guys, I ran out of lines.??„Pardon, Jungs, mir sind die Pointen ausgegangen.?Und hatte seinen letzten Lacher des Abends.

Dieser Del Harris also (puh, hab ich doch noch die Kurve gekriegt!), sagte auf die Frage, ob die Mavs ihre ganze Aufmerksamkeit in der Defensive auf Kobe gerichtet hätten: „Naja, es war mit Sicherheit nicht Brian Cook.?

Der machte übrigens 28 Punkte (Karriere-Bestleistung). Und das war zwar kein Witz, aber am Ende völlig bedeutungslos.

Posted by Ulrich Tangl - Feb 8 2006 9:30 am

Der MDE wird früh alt

Am 6. März wird er 34 Jahre alt. Bei manch anderem würde man sagen, 34 Jahre jung, doch bei Shaquille O’Neal spitzt das Alter immer mehr aus den Knopflöchern.

Gut, der Fairness halber warten wir mit dem endgültigen Urteil bis nach den Playoffs ab. Wenn der früh gealterte Mann da noch einmal Gas gibt und seine Heat bis ins Conference Finale gegen die Detroit Pistons führt, darf er sogar verlieren. Aber er müsste wirklich noch einmal seine Klasse von 2000-2003 zeigen, um denen Recht zu geben, die Lakers-Chef Jerry Buss den dümmsten Besitzer einer Profi-Franchise seit dem Trade von Babe Ruth nannten.

Das Zwischenzeugnis fällt für diese Kritiker vernichtend aus ?für Shaq sowieso. Der „Most Dominant Ever? der selbsternannte MDE der Basketball-Geschichte, ist nur noch irgendsoein Durchschnitts-Center im Spätherbst seiner Karriere. Ungefähr auf einer Stufe mit Kareem Abdul Jabbar, als der 42 war.

Trotz allen großen Sprüchen, die er weiter wie kaum ein Zweiter drauf hat, decken die Stats das schonungslos auf. Werfen wir mal einen Blick drauf.

Effektivität: Mit 19,64 Punkten im Schnitt ist der Diesel Nummer 36 der NBA, knapp vor einem „Großen?der Branche wie Gerald Wallace (Charlotte). Unter den Centern schafft er es wenigstens noch auf Platz sechs. Erick Dampier von den Mavs ist übrigens selbst da nur 24. (10,89).

Scoring: Shaq schafft es mit 19,3 Punkten pro Spiel auf Platz 32 der NBA. Aber halt! Unter den Centern ist er immer noch Zweiter, hinter Yao Ming. Ein schlapper Trostpreis.

Rebounds: Mit 9,5 pro Spiel Platz 14 der NBA, Platz 5 bei den Centern ?ordentlich, aber dominant?

Wurfquote (da war er jahrelang die Nummer eins): Hinter Jeff Foster (Indiana) und knapp vor Ike Diogu (GSW) auf Platz 21 (56,4 %) ?was für eine Gesellschaft. Bei den Centern auch nur Platz acht.

Blocks: Mit 1,5 pro Spiel knapp hinter Brendan Haywood (Washington) auf Platz 24 ?kein Kommentar. Selbst zehn andere Center blocken häufiger.

Am „besten?schneidet Shaq bei den Fouls ab: Platz drei mit vier pro Spiel.

Woran liegt es, dass dieser Big Man bereits mit 33 so ausgebrannt ist? Natürlich an seiner mangelhaften Einstellung in der Off-Season und zum Teil auch während der Spielzeit. Brutal ausgedrückt: Shaq hat zu viel gefressen und gefeiert und zu wenig trainiert, um seinen Körper länger in Schuss zu halten.

Deshalb muss er sich jetzt schonen. Um in den Playoffs noch einmal explodieren zu können. Vielleicht implodiert aber nur seine Geschichte.

Posted by Ulrich Tangl - Feb 1 2006 9:30 am

Die Mischung macht’s

Man kommt nicht drum herum, weil die ganze Welt drüber diskutiert: 81!

Womöglich ist das jetzt der 1001 Text, den ihr dazu präsentiert bekommt. Aber wenn es einem schon am frühesten Morgen um Halbsieben kalt den Rücken runter läuft beim Lesen eines Artikels, dann geht’s einfach nicht anders. So geschehen bei der Lektüre der Storys ?a href="http://www.latimes.com/sports/basketball/nba/la-sp-heisler23jan23,1,4008292.column?coll=la-headlines-sports-nba&ctrack=1&cset=true">81? von Mark Heisler und ?1 for the books?von Mike Bresnahan, die die Jungs von der LA Times am Abend des 22. Januar mal eben so kurz vor Redaktionsschluss in die Tasten gehauen haben. Nachdem ich im letzten Blog die Schreiberlinge aus Dallas gelobt habe, sind jetzt die Kollegen aus LA dran: Respekt.

Es ist natürlich auch ein Sahnetag für einen guten Reporter. Mir kommt da ein Satz aus dem Film „Schlagzeilen?von 1993 (mit Michael Keaton, Glen Close und Robert Duvall) in den Sinn: „Das schreibt sich wie Butter!?br>
Das liest sich auch so. Wenn man Lakers-Fan und Kobe-Bewunderer ist ?vielleicht schon ein bisschen jenseits der Kiddie-Verehrung ?sind diese Tage natürlich ein einziges Fest.

Naja, vielleicht doch nicht. Denn dann gerät man auf das Forum von schoenen-dunk, und hier herrscht Krieg. Krieg zwischen den Kobe-Hassern und den Bewunderern. Nach zwei, drei Seiten Lektüre wird man plötzlich müde, steinalt und so seltsam schwammig im Schädel ?obwohl da zwischendurch auch Leute posten, die noch einige ihrer sieben Zwetschgen beisammen haben. Der Verdacht kommt auf, dass das insgesamt einen womöglich repräsentativen Querschnitt der Basketball-Fans wiedergibt.

Das größte Missverständnis: Der Streit Team-Basketball gegen Egozock. Dieser Streit ist völliger Blödsinn ?das Tolle am Basketball ist doch, dass nirgendwo sonst die Mischung so attraktiv ist: Ein Teamsport, bei dem individuelle Leistungen im Vergleich zu anderen Sportarten die größte Rolle spielen. Größer als im Fußball, Handball, Football, Baseball, Volleyball, Eishockey usw. Das funktioniert in der NBA am besten ?weil hier die besten Spieler sind.

Genau aus diesem Grund bietet Basketball die meisten Highlights, die spektakulärsten Helden, die irrwitzigsten Dramas. In der NBA Nacht für Nacht, von November bis Juni, auf höchstem Niveau.

Wer das ätzend findet . . . nee, da fällt mir nix dazu ein.

Man muss sicher nicht alles supertoll finden, was in der NBA passiert. Aber wer die 81 nicht supertoll findet, sollte mal mit seinem Therapeuten darüber sprechen.

Bei mir kommt die DVD in das Regal mit den ganz großen Spielen. Was da noch alles drin steht, erzähl ich euch ein anderes Mal.

Posted by Ulrich Tangl - Jan 25 2006 9:30 am

Der Tipp: Inside the Mavericks

Heute will ich mal zwei Kollegen preisen: Big Ed und DMoore, im bürgerlichen Leben als Eddie Sefko und David Moore bei den Dallas Morning News angestellt und dortselbst für die Mavericks zuständig. Beide sind witzig und kompetent, und man muss wirklich froh sein, dass Dirk Nowitzki zwei solche Typen am Hals hat. Sie kritisieren ihn zwar auch manchmal, aber immer verbunden mit Wohlwollen ?offensichtlich wollen sie das Beste für unseren Würzburger und die Mavs.

Richtig in Fahrt kommen die beiden beim wöchentlichen Inside the Mavericks, einem Frage-und-Antwort-Spiel mit den Lesern, das man bei den Dallas Morning News auch als Deutscher kostenlos als E-Mail bestellen kann. Es lohnt sich!

Erstens erfährt man einiges über die Mavs, die Spieler, die Trainer und die Organisation, das sonst nirgends in den Zeitungen oder im Internet steht.

Und zweitens ist es höchst vergnüglich, wenn sich die beiden immer mal wieder auf ihre sarkastische Art gegenseitig beleidigen und ihre Spielchen mit den Lesern treiben. Das muss man selbst gelesen haben, deshalb nur ein kleines Beispiel, auch weil ich da derselben Meinung bin.

Ein Leser fragt, warum die TNT-Moderatoren Kenny Smith und Charles Barkley immer so auf den Mavs herumhacken würden. Neben der Antwort, dass das auch mit der zum Teil spaßigen, zum Teil sehr ernsthaften Fehde zwischen Mark Cuban und Smith/Barkley zu tun hat, meint Moore, man müsse sich wundern, warum ausgerechnet Barkley jemand wegen seiner schlechten Defense kritisiert, wo er selber doch seine ganze Karriere keine gespielt hat, oder man könnte Smith fragen, für wie viele All Star Games er nominiert wurde. „Oder Sie könnten Charles einfach völlig machtlos (impuissant) nennen und abwarten, was passiert.?br>
Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich das ebenfalls regelmäßige „Richtig und Falsch?(True/False) der beiden Streithähne zu Gemüte führen. Da bezichtigt Moore seinen Kumpel schon mal, er wäre womöglich derjenige gewesen, der den Beatles geraten hätte, sich doch besser zu trennen, nur weil Sefko gemeint hatte, man könne auch mal Devin Harris und Jason Terry (Stichwort „kleine Aufstellung? gemeinsam starten lassen. Sefko daraufhin: „Keine Ahnung, was genau er kompensieren will, aber die Lautsprecher seines Sound-Systems sind größer als sein Monster-TV-Gerät.?br>
Mein Tipp für alle des Englischen Mächtigen also: BigEd und DMoore in den Dallas Morning News lesen!

Posted by Ulrich Tangl - Jan 18 2006 12:00 pm

Dirk und der Big Bang

Ist es schon an der Zeit, die Dallas Mavericks zu preisen? Immerhin haben Dirk und Kompagnons 35 Spiele hinter sich, und ihre Reputation beginnt sich langsam zu wandeln.

Ein paar Beispiele gefällig?

Jeff van Gundy, der bedauernswerte Coach der Houston Rockets, sagte dies: „Sie haben alle Zutaten für ein starkes Team: Sie verteidigen sehr hart und sie sind ein sehr gutes Team beim Rebound.?Und jetzt kommt’s:

„Ich glaube sogar, dass sie eine Meisterschaft gewinnen können ?weil sie ausgeglichen sind. Ausgeglichene Teams gewinnen Meisterschaften. Nicht offensive Teams, nicht defensive Teams.?br>
Oder dieses Statement von Greg Popovich: „Dallas ist das konstanteste Team im Westen. Avery wei?genau, was er tut. Und er ist hartnäckig genug, all das jeden einzelnen Tag von seinen Jungs zu fordern, von der Nummer 12 bis zum Besten.?br>
Popovich, den 1997 einer der armseligen DSF-Kommentatoren ?ich befürchte fast, es war Frank Buschmann ?als den „mit Abstand schlechtesten NBA-Coach?bezeichnete, gilt als dreimaliger Champion-Trainer etwas.

Also stimmen wir einfach mal zu: Die Mavs haben das Zeug zum Titelanwärter!

Wow! Dirk und der ganz große Schlag, der Big Bang!

Hoffentlich hebt unser Würzburger jetzt nicht ab! Aber keine Sorge, er ist wahrscheinlich der Topsportler in der Welt, der da am allerwenigsten gefährdet ist.

Nach dem sehr guten November (10-4) kam der beste Dezember aller Zeiten für Dallas (12-4), trotz einem hammerharten Programm mit sehr wenig Pause. Zwischen dem 25. November und dem 23. Dezember gab’s nie mehr als einen Tag Verschnaufen zwischen den immerhin 17 Spielen!

Hoffnung macht vor allem die verbesserte Defense. Auch Dirk wird auf dieser Seite des Feldes immer besser (Karrierebestleistung mit sieben Blocks in Denver), und sogar der oft so lahme Eric Dampier zeigt immer öfter, warum er sich selbst für den zweitbesten Center der Welt hinter Shaq hält.

Und das ist wahrscheinlich der Schlüssel: Können Dampier, DeSagana Diop und vielleicht sogar Didier Ilunga-Mbenga eine Präsenz in der Zone etablieren wie zum Beispiel gegen die zugegeben schwachen Trailblazers, als die drei zusammen 21 Rebounds holten und sechs Würfe blockten, sieht’s gut aus.

Warten wir’s ab. Der Januar hat zwar gut angefangen, aber heute Nacht bei den wiedergeborenen Knicks, gegen New Jersey und Milwaukee wird man sehen, was der Dezember wert war. Dirk selbst ist skeptisch: „Wir machen es uns derzeit zu schwer. Wir geben viel zu oft klare Führungen ab. Das wird sich irgendwann rächen.?br>
Hoffentlich nicht im Mai.

Posted by Ulrich Tangl - Jan 11 2006 12:30 pm

Von wegen „No-hitzki?

Von wegen „No-hitzki? Dass ein Spieler, der von den Klugscheißern von TNT noch Anfang Dezember genau so bezeichnet wird, weil er mal drei Spiele nicht wie gewohnt trifft, am Ende Spieler des Monats wird: bemerkenswert.

Dirk hat dabei auch einen Spieler hinter sich gelassen, der dieses verrückte 62-Punkte-Spiel hingelegt hat. Inzwischen konnte ich mir die ganzen drei Viertel auf der Pontel-DVD reinziehen ?und, man glaubt es kaum, war enttäuscht. Denn was Kobe Bryant da abgezogen hat, war wirklich die totale Ego-Show. Im dritten Viertel, in dem er 30 Punkte gemacht hat, nahm er wirklich J E D E N Schuss. Und dann gab’s Freiwürfe ohne Ende. Also so attraktiv, wie zu vermuten, war dieses Gezocke ganz und gar nicht. Ab in den Schrank, zu den 50 anderen DVDs und knapp 200 Videos, aber sicher nicht in das Regal mit den „Kann-man-sich-immer-mal-wieder-anschauen?Teilen.

Doch zurück zu Dirk Nowitzki. Hinter sich gelassen hat unser Würzburger außer Kobe auch Carmelo Anthony, Wally Szczerbiak und Shawn Marion, wobei man der „Matrix?noch am ehesten die Chance einräumen musste, Dirk Paroli zu bieten. Was die Suns in dieser Saison, immer noch ohne Amare Stoudemire, bieten, ist überhaupt mehr als respektabel, und verantwortlich dafür sind vor allem Marion, natürlich Steve Nash und all die Rollenspieler um Raja Bell, die einen unglaublich guten Job machen.

Apropos Nash: Dass Dirk einmal einen Wurfrekord seines Buddies brechen würde, hätte wohl keiner gedacht. Aber die 49 Freiwürfe, die der Kanadier mal in Serie getroffen hat, sind seit gestern Nacht Geschichte: Dirk hat den fünfzigsten nacheinander eingelocht. Das nennt man Konstanz ?und ein ruhiges Händchen.

Gut, ich hab selber mal, im hohen Alter von 48, 148 in Serie getroffen. Aber da war ich ganz allein in der Halle, der Korb war ultra-schlapp ?okay, nicht zu vergleichen.

Wer Steve Nash mal im Training werfen hat sehen (hatte 2004 die Gelegenheit), wei? dass es kaum bessere Shooter gibt. In der Kategorie „Freiwürfe in Serie?ist Dirk nun besser, auch wenn die Karriere-Quote gegen Dirk spricht (85,9 zu 89,6 %) . Das dürfte für Steve ein ziemlicher Ansporn sein!

Zum Abschluss noch ein kleiner statistischer Leckerbissen (ich bin ein Statistik-Freak, pardon), den Andrei Kirilenko gegen die Kobe-losen Lakers gestern Nacht ablieferte und den womöglich kaum einer mitbekommen hat: Andrei kam einem „Quintuple-double?so nahe wie kaum jemand zuvor ?14 Punkte, neun Assists, acht Rebounds, sieben Blocks, sechs Steals ?und hatte nicht mal ein Double-double! Zur Erinnerung: Erst viermal gab’s ein Quadrouple-double in der NBA-Historie. Allerdings hat bei Bill Russell und Wilt Chamberlain noch keiner die Blocks und Steals gezählt, das macht man erst seit 1973.

Posted by Ulrich Tangl - Jan 4 2006 10:30 am

Warten auf „Hearn-vom-Himmel?

Schon wieder: Was für eine Nacht! Aber diesmal total anders.

Ein „Ding-dong?weckt mich aus dem Tiefschlaf. Ich schlappe zur Wohnungstür, öffne. Ich starre auf etwas sehr breites, hohes. Mein Blick wandert nach oben. Immer weiter. Endlich angekommen: Etwas teigiges, umrahmt von strähnigen blonden Haaren. Mitten daraus tönt es: „Soso, der hässlichste Mensch im Basketball!?

Bevor ich mich wundern kann, dass Chris Kaman deutsch spricht, holt er aus, schlägt zu ?und ich erwache schweißgebadet.

Gut, ich nehme alles zurück, Chris, du siehst spitze aus. Aber deine Clippers schwächeln jetzt doch allmählich.

Meine Lakers dagegen rücken euch immer mehr auf die Pelle im internen LA-Duell ?bis dieses blöde Christmas-Game dazwischen kommt.

Ganz Amerika diskutiert darüber, warum das Finale 2005, Detroit ?San Antonio, den schlechteren, frühen Platz Mittags um halbeins im Double-Header bekommt. Wobei sich fast alle einige sind: „It’s not the game, it’s the name??Kobe gegen Shaq, Jackson gegen Riley, das zieht. Aber in Deutschland zeigt Premiere den absehbaren Langweiler natürlich exklusiv und den Thriller Miami ?Lakers gar nicht.

Zur Erinnerung: Die Einschaltquoten der Finalspiele im Frühsommer waren die zweit-niedrigsten im letzten Vierteljahrhundert! Trotz sieben Spielen und, man muss es zugeben, exzessiver Spannung.

Es kam also, wie es kommen musste: Die Spurs schaffen im ersten Viertel acht Punkte ?Franchise-Minusrekord, Platz eins als Schlafmittel am ersten Weihnachtsfeiertag-Abend. Eben so ein Spiel, nach dem mehr über die Rebounds und die Defense geredet wird als über die Punkte.

Den Hit in Florida hören wir uns anschließend per League-Pass als Radio-Übertragung im Internet an: Radio Days an Weihnachten, auf Lakers Network. Die Jungs machen das gut, bringen die beiden versemmelten Dreier von Lamar Odom und Kobe Bryant am Ende spannend rüber.

Trotzdem: Ein paar traurige Gedanken an Chick Hearn kommen hoch. Was hätte der daraus gemacht! Der Mann, der von 1965 bis 2001 3338 Spiele der Lakers ohne Unterbrechung kommentiert hat, der so viele zündende Metaphern wie kein anderer kreierte („slam dunk?und „air ball?sind von ihm!), der witzig war, bissig, unglaublich kompetent ?und der das alles jetzt vom Basketball-Himmel aus tun muss.

Aber die Technik schreitet ja so unglaublich voran, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis auch Hearn-vom-Himmel über nba.com läuft. Keine Frage: Den Pass besorgen wir uns auch noch!

Posted by Ulrich Tangl - Dez 28 2005 10:00 am

Was für eine Nacht! Was für ein Spiel! Was für ein Mann!

Aus irgendeinem Grund hatte ich die Woche über Material über Kobe Bryant gesammelt. Phil Jackson meinte zum Beispiel, Kobe wäre immer noch derselbe: „Derselbe Typ, der durch Feuerreifen springt, um Spiele zu gewinnen.?

Eine Woche lang hatten wir zu Hause diskutiert, ob wird das erste Spiel zwischen unseren beiden Lieblingsvereinen Mavericks und Lakers bestellen sollten (Kobe 43, Dirk 27). Am Dienstag sagte ich: „Warten wir das Spiel heute Nacht ab? und Samuel sagte, „Das kann ja kaum besser werden.?/p>

Wurde es aber doch!

Es kommt nicht oft vor, dass man morgens vor dem Computer sitzt und beim Lesen eines Textes spürt, wie eine Gänsehaut den Rücken runter läuft. Am Mittwochmorgen passierte genau das.

Aufstehen. Rechner anschalten. Ins Internet. nba.com anklicken. Die Schlagzeile „Kobe Erupts? Im Recap die unglaublichen Facts.

Nach drei Vierteln: Kobe gegen Dallas 62:61. Das gab es noch nie, dass ein Spieler nach drei Vierteln mehr Punkte hatte als das andere Team. Die ganzen anderen Rekordmeldungen könnt ihr euch anderswo besorgen.

Mein klitzekleiner Unmut über Phil Jackson, der wie damals, als Kobe 56 in drei Vierteln gegen Memphis machte und dann keine Gelegenheit bekam, den Lakers-Rekord von Elgin Baylor (71) zu toppen, seinen Superstar auf die Bank setzte, wurde auch komplett ausgeräumt ?Phil fragte Kobe, ob er noch einmal aufs Feld wolle, der winkte ab „Das ist nicht das, wofür wir spielen. Es geht nicht darum, 70 Punkte zu machen. Wir wollen das Spiel gewinnen, und dieses Spiel war eingetütet. Es war im Eisschrank.?

Die unzähligen Kobe-Hasser bekommen jetzt natürlich Probleme, und wir anderen, die seine charakterlichen Macken wegen seinen Fähigkeiten, aber noch mehr wegen seiner völligen Hingabe ans Spiel und wegen seiner Ernsthaftigkeit nicht so wichtig nahmen, haben jetzt super Material.

Übrigens: Jackson hatte Kobe zögerlich genannt nach dem Murks-Spiel gegen Houston. Vor dem Match gegen Dallas eröffnete Kobe Kollege Smush Parker und Assistant-Coach Brian Shaw daraufhin, dass er heute 50 machen würde: „Ich habe ihnen gesagt, dass ich das heute Abend klar mache? gab er zu.

Ebenfalls vor dem Spiel sagte Mavs-Coach Avery Johnson, er würde „das ganze Team benutzen? um Kobe auszuschalten.

Guter Plan.

Nur nicht für diese Nacht. Nicht für dieses Spiel. Nicht für diesen Mann.

Posted by Ulrich Tangl - Dez 21 2005 9:30 am

Der Müll, das Augenbluten und die Höllenhitze

Was für eine NBA-Woche! Ein Höhepunkt jagte den anderen, vor allem für die Nostalgiker war reichlich was dabei.

Samstag früh auf Premiere der (Ex-)Klassiker Bulls gegen Lakers. Obwohl ein hartes BB-Wochenende bevorstand, ließen wir uns das natürlich nicht nehmen.

In der Pause: Das Trikot mit der Nummer 33 wandert unter die Decke, Scottie Pippen damit in den Bulls-Himmel.

Was fällt einem nachts um halb drei zu einem der besten Allrounder aller Zeiten ein? Weit mehr, als hier reinpasst.

Deswegen eine klitzekleine persönliche Erinnerung, die mir beim Anblick von Charles Oakley, der ebenfalls zum Gratulieren gekommen war, in den Sinn kam. Es war 1997, ich war mit einem Freund auf ganz großer NBA-Tour, sieben Spiele in 13 Tagen in sechs Städten. In San Francisco im Hotel blätterten wir müde den SF Chronicle durch ?und wachten auf: Oakley über Pippen: „Das einzige, was er in seiner Karriere je gemacht hat, war, der Nummer 23 den Ball zu geben.??Pippens Antwort stand auch gleich dabei: „He’s garbage??„Er ist Müll?

Trotzdem hat er den Müll eingeladen: Respekt.

Weniger schön: die unverschämteste Beleidigung des ästhetischen Empfindens einen Tag später, unter dem Deckmantel der Retro-Masche. Wer sich beim Spiel der Bulls gegen die Wizards länger auf die Trikots konzentrierte, musste mit Augenbluten rechnen.

Die fast-orange-dunkelblau-Streifenhörnchen-Jerseys der Wizards: absolut grausam.

Rotes „Chicago-Stags?Hemd, blaue Hose: Als ob der Zeugwart, der wohl noch die originalen „Hirsche?(1947-50) betreut hat und langsam etwas verwirrt ist, die Sätze vertauscht hat. Diese Schmerzen!

Nur die übelsten Trash-Freaks werden da im Fanshop zugreifen. Wenigstens gab’s ein paar Körbe zum Ablenken ?118:111 nach Verlängerung.

Drittes, wieder erfreuliches Nostalgie-Ereignis: Pat is back! Weil dem armen Stan van Gundy seine 14-jährige Tochter fehlt, hat er hingeschmissen, der alte „Showtime-Schleifer?übernahm.

Was den bequem gewordenen Heat-Stars droht, wei?mein absolutes Idol Magic Johnson, der seinen Riles in und auswendig kennt: „Wenn sie nicht mental absolut stark sind, gibt’s ein ganz böses Erwachen. Die müssen sich eine harte Schale zulegen wie noch nie in ihrem Leben. Oh Mann, die werden sich noch nach Stan zurücksehnen.?br>
Bei mir kommt mehr als klammheimliche Freude auf, dass der Klubname für meine „Lieblinge?Shaq und Payton jetzt eine völlig neue Bedeutung kriegt: Die bekommen echte Höllenhitze unter dem Hintern.

Das traurige Ereignis der Woche: Dass Premiere den Hit der Lakers in Dallas nicht gezeigt hat: Ein Riesenspiel, ein irrer Kobe-Wurf, ein starker Dirk. Vielleicht bestellen wir uns das doch noch bei Pontel.

Posted by Ulrich Tangl - Dez 14 2005 11:00 am

Der Basketball-Junkie

I love natürlich auch this game. Sehr sogar.

Zu viel? Vielleicht bin ich ein Basketball-Junkie.

Das mag eine Sucht sein, aber das ist auf gar keinen Fall eine Krankheit. Und wenn es doch eine ist, dann ist es die beste auf der Welt.

Ein Symptom: Verrückt nach NBA. Das Tolle daran - außer den Slam Dunks, Alley-Oops, No-Look-Pässen, Monsterblocks und so vielem mehr - ist ja, dass man den Junk jeden einzelnen Tag vom 1. November bis fast in den Juni kriegen kann.

Wenn ich mit Samuel morgens um halb sieben aufstehe, wird nach den üblichen Verrichtungen, aber noch vor dem Frühstück, der Rechner eingeschaltet und nach den Ergebnissen geschaut. Seit wir diesen Inside-Pass haben (oder so ähnlich, Computer-Spezialitäten erledigt in diesem Haushalt der 14-Jährige), gibt's anschließend Video-Highlights.

Kann ein Tag besser beginnen als mit einem Buzzer-Beater von Kobe? Wahlweise einem fetten Dreier von Dirk?

Für uns nicht. Schon die Hoffnung darauf erleichtert den Start.

Mittwoch früh war wieder klasse: Die Mavs gewinnen zum ersten Mal ein "back-to-back", in Indiana, Dirk macht schon wieder über 30, sein shooting slump von letzter Woche ist Geschichte.

Und die Lakers gewinnen zum ersten Mal ein Spiel, das man nicht unbedingt erwartet, in Milwaukee. Kobe nimmt sogar weniger als 30 Schüsse, Lamar Odom schrammt schon wieder knapp am triple double vorbei - die klitzekleine Hoffnung, dass die Play-offs vielleicht doch möglich sind, lebt wieder ein bisschen mehr.

Mit dieser Dosis kann der Tag nur gut werden. Bevor ich mich auf die 30 dicken Briefe mit Jugend-Spielberichtsbögen aus meinem Bezirk stürze, noch schnell ein Blick in den "Miami Herald". Nette Geschichte für den GPHC (Gary-Payton-Hater-Club) gefunden: Payton lässt doch tatsächlich einen 99er-Bentley über eBay verkaufen. Auf die Frage, ob es wirklich seiner sei, fragt Gary: "Wie sieht er aus? Ist er braun?" - "Wie viele Bentleys haben Sie, dass Sie nicht wissen, ob Sie einen auf eBay verkaufen?" - "Vier oder fünf." Die Sache klärt sich, weil die Initialen GP überall drauf stehen. Naja, wenn das klappt, hat er eben nur noch drei oder vier Bentleys.

Soll übrigens nur schlappe 100.000 Dollar kosten. Nichts wie ran!

Das GP kann man rausätzen.

Posted by Ulrich Tangl - Dez 7 2005 9:00 am


Von Truthahnresten, Zombies und nächtlichem Aufstehen

So viel vorweg: Ich liebe Basketball. Ziemlich genau seit 1969, als mich irgendwo in einer Minihalle beim eher zufälligen Zuschauen bei einem Landesligaspiel der Virus voll erwischte. Die parallelen Sportarten Fußball, Tennis und Judo verschwanden anschließend nach und nach.

Und: Ich bin fasziniert von der NBA. So ungefähr seit 1982 oder 83, als Magic Johnson diesen verrückten 25-Jahres-Vertrag bei den Lakers unterschrieb: 15 Jahre als Spieler, zehn als President of irgendwas, eine Million Dollar pro Jahr. Das heißt nicht, dass ich alles dort drüben supertoll finde. Als ich mit meinem Sohn Samuel am Sonntag dieses Spiel Clippers gegen Pacers ansah, war mir zum Beispiel ziemlich öde: Eine Intensität, eine Defense, eine Spannung wie bei einem Pre-Season-Game ?eines dieser Sonntagmittag-Spiele eben, die Spieler joggten durch die Halle, als hätten sie zum Frühstück sämtliche Truthahnreste von Thanksgiving aufessen müssen. Da werde ich dann auch ungerecht und böse, und Chris Kaman kommt mir vor wie der hässlichste Mensch im Basketball: Irgendwo zwischen Zombie von George Romero und Bodyguard des Drogendealers in einem drittklassigen Hollywoodfilm. Vielleicht sollte sich Chris seine langen strähnigen Haare mal schneiden. Aber vielleicht sieht er dann noch übler aus?Irgendwie sehnt man sich da nach Rik Smits zurück. Immerhin trifft er besser Freiwürfe als Shaq.

Nein, die NBA ist schon toll, aber man muss auch seine Hassobjekte pflegen, für mich derzeit verschärft bei den Miami Heat zugange. Gut, ich verehre Pat Riley, wegen Showtime, den Achtzigern, Training nachts um zwölf und all so was. Aber Shaq? Hilfe! Und Gary Payton konnte ich schon nicht ausstehen, als er Detlef Schrempf angequakt hat. Seit er bei den Lakers nur die Klappe aufgerissen hat und sonst nichts, wurde es nicht besser. Jetzt schont er sich zusammen mit Antoine Walker für die Playoffs, fordert aber mehr Spielzeit. Da kommt dann schon Schadenfreude auf, wenn man die beiden älteren Herren ausgerechnet gegen Dirks Mavericks so hilflos auf dem Platz herumirren sieht. Doppelte Freude, wenn unser Dirk am Ende zwei irre Dreier reinhaut, die Mavs gewinnen und das nächtliche Aufstehen sich gelohnt hat.

Zum Abschluss muss ich Avery Johnson noch recht geben: Die Tabelle hat derzeit überhaupt keine Bedeutung. Außer vielleicht, man steht bei 1:14 wie Toronto?

Posted by Ulrich Tangl - Dez 1 2005 9:00 am