Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten ?sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs?könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben.

Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. Nba.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs.


Ulrich Tangl
Journalist
In Deutschland gibt es wohl nur wenige, die sich ähnlich leidenschaftlich mit Basketball beschäftigen wie Ulrich Tangl. Sei es beruflich (Sportredakteur bei Sonntag Aktuell), ehrenamtlich (Vereins-Geschäftsführer, Pressewart, Jugendwart, Schiedsrichter), nebenberuflich (Bezirks-Geschäftsführer), Trainer (www.kirchheim-knights.de), Vater (Sohn Samuel) oder Fan (Lakers und Mavs): Fast alles im Leben des 50-Jährigen dreht sich um die orange Pille. Aus allen legendären Arenen hat Uli schon über die NBA berichtet. Nicht einmal die Verpflichtung von Dirk Nowitzki konnte seine ewig währende Liebe zu den Los Angeles Lakers schmälern. Kennt man seine Begeisterung, verwundert es kaum, dass er immer noch nachts aufsteht, um sich die besten Spiele live auf Premiere anzuschauen.

Ohne Neid: Gut gemacht, Celtics

Wenn etwas so klar ausgeht, geht sogar einem Zyniker wie mir die Bosheit aus.

Deshalb, man glaubt es kaum, ohne Häme, ohne Neid, ganz ehrlich: Gut gemacht, Celtics!

Selten gab es einen verdienteren Champ. Im letzten Viertel spürte ich keinen Ärger mehr, konnte mich an dem ehrlichen, unverfälschten, ansteckenden Jubel der Bostonians erfreuen.

Als dann Kevin Garnett jenes Interview gab (geben musste!), das noch Generationen mit einer Gänsehaut anstaunen werden, fühlte ich es, ganz sicher: Dieses Team hatte den Titel so sehr gewollt wie noch kein Team zuvor, in diesem Team steckt eine Riesen-Wagenladung „Celtics pride“, jener spezielle, irische, sture Stolz, der Menschen dazu bringt, über sich hinauszuwachsen.

Jeder einzelne dieser wahren keltischen Krieger spielte heute Nacht am oberen Limit.

Paul Pierce, der natürliche MVP: Ein echter Anführer, der sein Team stärker macht, der sich aufopfert, der Risiken eingeht, der eine Art Ego hat, die seinem Team gut tut. In Zahlen: 17 Punkte, 7:8 Freiwürfe, zehn Assists.

Kevin Garnett, der allroundige Gefühlsathlet: Wie selbstverständlich schüttelt er seinen Shooting Slump ab, fügt zu seinem ansteckenden Enthusiasmus, seiner übermenschlichen Defense, seinem Arbeitsethos, die alle einfach immer da sind, eine tolle Trefferquote bei schwierigsten Würfen hinzu. In Zahlen: 26 Punkte, 10:18 Würfe, 14 Rebounds.

Ray Allen, der mentale Übermensch: gesundheitliche Probleme des Sohnes, später aus L.A. nachgereist, zwei Nächte nicht geschlafen, von Lamar Odom ins Auge gepiekst – und trotzdem die totale Maschine von außen und wieder wahnwitzige Defense gegen Kobe Bryant. In Zahlen: 26 Punkte, 7:9 Dreier.

Rajon Rondo, der grüne Junge mit dem großen Herzen: In L.A. schon ausgezählt, erklimmt er ein neues Universum, fegt durch die Lakers-Offense und -Defense wie ein Irrwisch. In Zahlen: 21 Punkte, sieben Rebounds (zwei offensiv, so viele wie alle Lakers zusammen!), sechs Steals.

Kendrick Perckins, der Rekonvaleszent: Die Schulter tut noch weh, aber er wirft alles in die Waagschale, vor allem seine 120 Kilo. In Zahlen: fünf Fouls in 13 Minuten.

James Posey, der Mann, den alle Trainer lieben: Jeff van Gundy bekommt sich gar nicht mehr ein, wenn er von Posey spricht. Seine Dreier sind Atombomben ins Herz der Lakers, seine Defense Messerschnitte in jeden Rhythmus des Gegners, seine Zuverlässigkeit ein Beruhigungsmittel für überdrehte Mitspieler. In Zahlen: elf Punkte, 3:3 Dreier, drei Steals, jede Menge Unruhe bei den Lakers.

Eddie House, der von Null-auf-Hundert-Beschleuniger: Eddie kommt aufs Feld und ist sofort da –, ballert mal eben einen Dreier rein und verteilt Assists. In Zahlen: neun Punkte, 1:5 Dreier, fünf Assists.

Leon Powe, die Energiemaschine: Ein echter Bankspieler, kommt rein, und wenn nur für zehn Minuten, und trägt sein Herz zu Markte. In Zahlen: acht Punkte, vier Rebounds, fünf Fouls.

PJ Brown, die Überraschungs-Acquise: Ach hätten ihn doch die Mavericks überredet. 38 Jahre alt, macht, was er kann und kann, was er probiert. In Zahlen: sechs Punkte, vier Rebounds, jede Menge Routine.

Und am Ende „Baby“ Davis: Doc Rivers bringt ihn im letzten Spiel erstmals, und er lieferte, als ob er sein zehntes Finale spielen würde. Rivers belohnt ihn mit 14 Minuten.

Dass das dann eine so legendäre Schlappe gibt, liegt natürlich daran, dass allen guten Celtics lauter schlechte Lakers gegenüberstanden – ausnahmslos.

Kobe Bryant: stark angefangen, stark nachgelassen, wenn auch immer noch der einzig ernst zu nehmende in blau.

Pau Gasol: Immer mal wieder ein bisschen was, aber auch ein Einfrierer vieler Angriffe. Wenn er den Ball bekommt, heißt das fast immer erst einmal: Pause.

Lamar Odom: Kein Winner-Gen. Obwohl er sonst alles hat, was man braucht, taucht er immer wieder ab.

Derek Fisher: Nie in der Form so vieler Spiele vor dem Finale. Ein Greenhorn wie Rondo dominiert ihn.

Sascha Vujacic: Ein gutes Spiel reicht nicht, er hat die Lizenz für die tödlichen Würfe noch im Tresor.

Vlado Radmanovic: zu 90 Prozent eine totale Katastrophe vorne wie hinten.

Luke Walton, Jordan Farmar, Ronnie Turiaf, Trevor Ariza: Gehemmt, überfordert, verunsichert – zu schwach für die höchste Stufe.

Fazit: kein einziger ist über sich hinausgewachsen, kein einziger hat das gezeigt, was man in einem Finale zeigen muss.

Aber die Lakers sind jung und die Celtics noch nicht zu alt, und die meisten Basketball-Fans träumen von der Wiedergeburt der 80er: Noch einmal drei Finals Celtics – Lakers in den nächsten fünf Jahren.

Zumindest ist das mein Traum, als ich morgens um viertel nach 6 meine persönliche NBA-Saison 2007/2008 offiziell beende.

Diese Hoffnung ist tot.

Die nächste ist geboren.

Posted by Ulrich Tangl - June 18, 2008 10:30 am

Die Hoffnung stirbt zuletzt – oder morgens um 6

Pierce 48 Minuten. Bryant 44 Minuten. Gasol 42 Minuten. Odom 41 Minuten.

Und am nächsten Morgen ab in den Flieger, von der West- an die Ostküste.

Und einen Tag später wieder auf den Platz, sich das Herz, das Hirn und die Lunge herausspielen.

Entscheidet der Jetlag das Finale?

Beim letzten Jetlag-Spiel haben es beide Teams nicht geschafft, über 70 Prozent Freiwürfe zu schießen. Kobe hat sieben daneben gesemmelt, Pau fünf.

Boston hat knapp 35 Prozent aus dem Feld geschossen, insgesamt sahen die Fans im Staples Center 113 verballerte Würfe.

Und der Flug von Westen nach Osten geht dir noch ekelhafter auf Körper und Geist. Wer je von den Staaten zurückkam, erinnert sich meist nur bruchstückhaft an die ersten 48 Stunden nach der Landung.

Aber ein Finale spielen?

Wer das besser verkraftet, wird Spiel sechs gewinnen. Wenn es die Celtics sind, und sie sind jetzt der klare Favorit, war’s das. Dann habe ich nicht nur das Rennen um unsere Papp-Larry-O’Brien-Trophy im Tippspiel verloren, sondern lag seit Februar, seit dem Gasol-Trade, voll daneben.

Die Jungs von ABC waren sich einig: Wenn die Lakers in Boston so Defense wie in Los Angeles spielen, haben sie keine Chance. Dumme Fouls, dummes Verhalten gegen das Pick’nRoll, keine Lernfähigkeit (man erinnere sich nur an den die ständig fehlende Hilfe gegen Pierces Cuts oder den Dreier von Eddie House aus der Ecke am Ende).

Was Mut macht: Gasol und Odoms 20:10-Vorstellungen.

Endlich!

Das ist das, was diese beiden Jungs dann, wenn es zählt, jeden Abend bringen müssen!

Hey, das ist das Finale, da muss ich mein allerbestes Programm anbieten!

Gasol: 19 Punkte, 13 Rebounds, 6 Assists, 2 Blocks! Das ist toll, aber so etwas in der Art brauchen wir (die Lakers und ich) jetzt auch bei Spiel sechs!

Odom: 20 Punkte, 11 Rebounds! Hey, das ist der Grundstock! Jetzt leg noch fünf Punkte und fünf Rebounds und fünf Assists obendrauf, und wir bekommen das Spiel sieben!

Was Angst macht: Die Hilflosigkeit im Angriff. Das System: Kobe nimmt den Ball und probiert irgendwas. Doch die Celtics haben dann meistens schon 40 Minuten lang gezeigt, dass sie den MVP ganz gut im Griff haben.

Doc Rivers sagt trotzdem: „Wir müssen das ,Kobe-Problem’ lösen!“ Er meint damit das Paket, vorne und hinten.

Die Lakers haben auch ihr „Kobe-Problem“, aber das kommt und geht in Sekundenabständen.

Lieber Kobe, bitte gebe uns ein Spiel sechs in MJ-Manier.

Lieber Kobe, bitte gebe uns 48 Minuten für die Geschichtsbücher.

Lieber Kobe, bitte gebe uns Hoffnung um drei Uhr nachts, damit wir noch ein weiteres Mal aufstehen müssen.

Wir wissen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder am Mittwochmorgen um 6.

Lieber Kobe, bitte tu uns das nicht an.

Posted by Ulrich Tangl - June 16, 2008 9:30 am

Der große Plan von David und Kobe

Was für ein Tag! Noch keine Zeile vom Spiel gelesen! Noch kein Video geguckt! Seit wir nach dem grob verschossenen Vujacic-Dreier beim 102:106 in einer absoluten Notfall-Situation den Fernseher ausgeschaltet – fast vernichtet! – haben, konnte ich mich kein bisschen mit dem 0:2 gegen die Boston Celtics beschäftigen.

Bis jetzt.

In einer Stunde geht das Senioren-Basketball los. Also lieber ein paar Eindrücke weggeblogt als superschlaue Analysen gelesen.

Die Lakers haben ihre zweite große Chance vergeben!

„Ooooouuuuh meiiiiiin Gooootttt“, würde man am liebsten noch hysterischer brüllen als Chandlers Ex, deren Namen ich vergessen habe, in der Serie „Friends“. (okay, hab recherchiert! Sie hieß Janice)

22 Punkte im vierten Viertel aufgeholt, auf dem Sprung, Geschichte zu schreiben – was übrig blieb, war NICHTS! Irgendsoein Spiel halt, wo’s am Ende ein bisschen knapp wurde. Gibt es hunderte, tausende.

Der 17-Jährige, der meinen Namen weiter tragen soll, und ich sind uns so was von einig: Diese Schiedsrichter sind bestochen, parteiisch oder einfach nur abgrundtief schlecht. Diese drei sollten nie wieder ein NBA-Spiel leiten.

Ab in die WNBA. Okay, das war gemein. Gegenüber den tollen Basketballerinnen.

Und diese Einschätzung liegt nicht an meiner Müdigkeit. Bis viertel vor Elf Deutschland – Polen geschaut. Um halb zwölf mit Hilfe der totalen Ignorierung der ekstatischen Kirchheimer Auto-Corso-Super-Lärmer eingeschlafen, um fünf nach drei vor die Glotze, das passable erste Viertel reingezogen, ins Auto geschmissen, einen meiner vielen Brüder samt Lebensgefährtin abgeholt und zum Flughafen gebracht – die flogen nach Thessaloniki. Was wollen die in Thessaloniki, wenn NBA-Finale und EM ist??? – Anfang des dritten Viertels zurück vor die Glotze, gelitten (aaaah, Radmanovic!!!), gehofft, gestorben gegen 5.35 Uhr, ins Bett, um sieben aufgestanden, um 7.30 Uhr beim Arzt – keine Sorge, mir geht es gut (es sorgt sich gar niemand? – hallo!) – zurück, geschafftgeschafftgeschafftgeschafft, total geschwitzt beim Mittagssport (mein Lehrer-Kollege und ich gaben „Tarzan und Jane!), schon wieder geduscht.

Und jetzt beim Blog erneut der große Zorn wegen diesem Beschiss. Okay, vielleicht ist es kein Beschiss, aber wir finden, es sah so aus. Der Zorn trifft aber auch die Lakers-Bank und natürlich (aaaah!) Radmanovic, der bei (nur noch) minus neun zweimal den Ball fortschmeißt – und plötzlich heißt es minus 22. Die Lakers, unsere, meine Lakers, stehen mit dem Rücken zur Wand, und es ist gar keine Wand mehr da… Nur zweimal hat ein Team alle drei Heimspiele gewonnen, seit es das 2-3-2-Format gibt: 2004 die Detroit Pistons beim 4:1 gegen die Lakers und 2006 die Miami Heat gegen die Dallas Mavericks, Endstand 4:2.

Hoppla! Da ging’s ja immer GEGEN meine Teams!

Am Mittwochfrüh geht es schon um alles. Denn noch nie hat ein Profiteam außerhalb des Baseballs (Boston Red Sox gegen New York Yankees) ein 0:3 aufgeholt.

Aber vielleicht ist das ja der Plan!

Der Plan, den David Stern und Kobe Bryant ausgeheckt haben: Die Lakers werden das erste Team sein im Basketball, das ein 0:3 aufholt.

Dann ist Basketball die Nummer eins!

Dann ist Kobe größer als MJ.

Oder ist das nur meine Müdigkeit…?

Posted by Ulrich Tangl - June 9, 2008 12:00 pm

Fiinaaale, oh, oh, Fiinaaaleee, oh, oh, oh, oh!

Selten zuvor bin ich so wohlig wieder eingeschlafen. Okay, diese Bemerkung werde ich heute nicht mit blödsinnigen Formeln garnieren – und entschuldige mich hiermit bei allen verwirrten Blog-Fans für den Unsinn gestern!

Sascha Vujacics letzten Buzzer-Beater-Dreier habe ich schon gar nicht mehr mitbekommen, da lag ich schon flach und war fast weg.

Fiinaaale, oh, oh, Fiinaaaaleee, oh, oh, oh, oh!

Mit dieser Fußballer-Melodie dudelte ich weg, ziemlich glückselig, ziemlich müde, ziemlich entspannt.

T.J.Simers hat den Grund für die Entspannung in seiner Kolumne so ausgedrückt: “Jeder in der Halle wusste sowieso, dass unsere Helden zurückkommen würden – es war nur ihre Art, die Sache aufregender zu machen.“

17 Punkte Rückstand im zweiten Viertel? Keine g r o ß e Sache, wenn man Kobe Bryant hat und noch kein Heimspiel in den Play-offs verloren hat.

Es ist das 23. Finale der Franchise – auch keine große Sache also.

Trotzdem hüpften, tanzten und tobten die Jungs durch die Halle wie irgendwelche College-Kids, die sich gerade fürs Final Four qualifiziert haben.

Kobe: „Wir sind halt so ein Haufen Kids, also genießen wir das auch. Wir lachen, blödeln rum, machen uns zum Affen.” Und: „Wir sind eben ein alberner Haufen.” („goofy bunch“)

Wenn es um die Meisterschaft geht, wird allerdings aus dem albernen Haufen eine Killer-Truppe.

Oder ist es zumindest geworden. Denn Bill Plaschke, der vom Kobe-Hasser zum fast schon schleimigen Bewunderer mutiert ist, sagt völlig zu Recht: „Wir sprechen hier von einem Team, das die Saison als ein NBA-Witz begann und nun vier Siege von der Meisterschaft entfernt ist.“

Im Staples Center sangen fast 20.000: „We want Boston!“

Heute Nacht werden wir aus Detroit erfahren, ob der Wunsch sofort in Erfüllung geht.

Posted by Ulrich Tangl - May 30, 2008 10:30 am

Pistons und Celtics machen nur wenig Angst

Hui! Das war schon beeindruckend!

Was die Boston Celtics zwischen der 25. und 34. Minute offensiv zeigten – als ich um 4.00 Uhr meinen Nachtschlaf unterbrach und Premiere einschaltete – war fast geeignet, meinen felsenfesten Glauben an den Titel für die (meine) Lakers zu erschüttern.

Und was die Detroit Pistons defensiv im letzten Viertel ablieferten, hatte eine ähnliche Wirkung.

Doch wirklich Angst machen konnte das alles nicht.

Denn offensiv fielen die Grün-Weißen am Ende in sich zusammen.

Und defensiv verbreiteten die Blauen im dritten Viertel nicht wirklich irgendwelchen Schrecken.

Boston führt jetzt 3:2, die Serie geht zurück nach Detroit, und es ist weiter alles offen. Ein 3:3 ist wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher, aber ein siebtes Spiel in Boston wäre, auch wenn es nicht das dritte siebte Spiel der Celtics in diesen Play-offs wäre, natürlich ein Hammer, der jeden Nachtschlafraub für jeden Basketball-Freak oder sogar nur -Liebhaber jederzeit rechtfertigt – nur nicht so einen Kleistschen Bandwurmsatz.

Interessant aus der subjektiven Sicht war an diesen 105 Minuten zwischen 4.00 und 5.45 Uhr, dass es mir trotz großer Spannung anschließend viel schneller als üblich, wenn die Lakers – oder ganz am Anfang der Play-offs die Mavericks – zu besichtigen sind, das Wieder einschlafen gelingt.

Die Erklärung ist simpel: Der Adrenalinspiegel (A) steigt proportional zur emotionalen Beteiligung (E), gleichzeitig gilt die Formel: je mehr Adrenalin desto länger die Einschlafphase (D)hinterher.

Mathematiker, bitte wegschauen:

Es gelten also die Gleichungen E=A² und A=D².

Weshalb also gilt: E=D hoch 4 (das Hochzeichen gibt die Tastatur nicht mehr her…).

Der Gedanke, dass bei Erhöhung von D die Arbeitsleistung (L) am kommenden Tag reziprok sinkt, kommt meinem Chef hoffentlich nicht.

Sonst würde er rechnen: E = 1/L = Rausschmiss während oder nach den Play-offs.

Dann könnte ich ganz viele Blogs schreiben. Ein schwacher Trost. Vor allem finanziell gaaaanz schwach.

Posted by Ulrich Tangl - May 29, 2008 10:30 am

Noch F Ü N F

Okay, 3:1, das war zu erwarten. Zumindest für alle Lakers-Anhänger dieser Welt.

Wir haben hier das erste Mal auf den TNT-Link auf nba.com zurückgegriffen: Gutes Bild, mehrere, wenn auch etwas überflüssige Möglichkeiten.

Aber: Kein Kommentar, viel zu kleines Bild, keine Einblendung des Ergebnisses.

Also mussten wir immer wieder auf die NBA-Startseite umschalten, um zu klären, wie es eigentlich steht.

Aber wenn unsere Lakers gewinnen, nehmen wir das gerade noch so in Kauf.

Die Aufregung war natürlich am Ende groß: Noch 2,1 Sekunden, zwei Punkte vor, wir dachten beide das Gleiche, ich sagte es: „Hoffentlich kommt jetzt nicht die Rache für „Fischer 0.4 seconds!“

Aber Derek Fisher gab dem – ohne Neid: unglaublichen Brent Barry – einen kleinen Bump, Schiri Crafword winkte ab, Barry warf die Kugel unkontrolliert und ohne Chance Richtung Brett, das er auch traf (lol) – noch F Ü N F !!!

Dass der nächste am Freitagfrüh auf dem Weg zum unvermeidlichen Titel zu Hause gegen die müden Spurs gelingt, steht zu 90 Prozent fest. Dass er bei einem der nächsten drei Spiele zustande kommt, zu 99 Prozent.

Deutlich schlechter war meine Stimmung übrigens am Montagmorgen im Wohnzimmer eines Freundes in Hundersingen, der sich jetzt freut, dass sein Heimatdorf auf nba.com erwähnt wird.

Auch da trauten wir uns nur die zweite Hälfte zu: Er musste am Montag arbeiten, ich erwartete in Bad Saulgau den Unterricht zum „kleinen AFF“ (AFF = accelerated free fall), bei dem ich alle Konzentration brauchte, um am Dienstag unfallfrei die 4000 Meter zu überstehen.

(Wie man inzwischen weiß, habe ich meinen ersten – und womöglich letzten – Fallschirmabsprung überlebt)

Als wir also in Hundersingen bei Bad Saulgau in Oberschwaben (gut, David?) die Kiste anwarfen, waren die Lakers schon zehn hinten und es wurde auch nicht besser. Noch einmal einschlafen konnte ich trotz des Ärgers (wir gaben auf, als Phil Jackson aufgab und Kobe auf die Bank schickte) nur, weil ich irgendwie wusste, dass der ausgemergelte Manu Ginobili nur einmal in zwei Tagen so eine Performance hinlegen kann.

Vergangene Nacht behielt ich tatsächlich Recht: Ginobili, aber auch Tony Parker und Tim Duncan, die großen drei konnten am Ende einfach nicht mehr. Und dass ein Brent Barry alleine die Lakers schlagen kann, daran glaubt außerhalb Texas auch niemand.

Das Finale ist also fast gebucht. Und dann hat auch das mit dem Minibild ein Ende: Premiere wird wohl alle fünf Spiele bis zum 4:1 der Lakers gegen die Detroit Pistons übertragen.

Das sind jedenfalls die Tipps des frisch gebackenen Free Fallers, dem immer noch Reste überschüssigen Adrenalins im Blut rumkreiseln.

Posted by Ulrich Tangl - May 28, 2008 12:30 pm

Kobe auf die Couch?

Tja, so kann’s manchmal gehen. Nach der frustrierenden Niederlage der Lakers in Utah gestern Nacht wollte ich mich natürlich darüber auslassen, was dabei in Kobe Bryant gefahren ist, der im vierten Viertel den Playmaker gab und in der Verlängerung den Egozocker. Obwohl im seine Rückenverletzung quälende Schmerzen bereitete.

Und dann schreiben alle in der Nacht genau das.

Am drastischsten natürlich Bill Plaschke, der verrückt geniale Kolumnist der Los Angeles Times, der sich darüber mokiert, dass ausgerechnet Phil Jackson statt Bryant dessen Mitspieler anmacht.

Wenn ich angeben wollte wie zehn nackte Chamberlains, würde ich sagen: „Ja, ganz genau so hätte ich das auch geschrieben!“ Aber Bill kam mir zuvor.

Was bleibt, ist unser Ärger nachts um viertel vor eins nach dem Muttertag, als wir das gleiche sahen wie Millionen von Basketball-Fans auf der Welt: Wie unser Kobe versucht, den Jordan zu machen und mehr an seine Legende denkt als an das, worauf es ankommt.

Michael Jordan hatte damals, es war 1998, im fünften Spiel gegen Utah trotz Fieber eine unglaubliche Performance abgeliefert, die für viele noch wahnsinniger war als seine Heldentaten im sechsten Spiel – dem letzten Spiel seiner Karriere, das irgendeine Bedeutung hatte.

Und nun, in der Verlängerung des vierten Spiels der zweiten Play-off-Runde 2008 gegen die Utah Jazz, kommandiert das Kleinhirn von Kobe, dass das die Gelegenheit wäre, seiner Nemesis wieder ein Stückchen näher zu kommen.

Der Kerl ist der beste lebende Basketballer. Aber der Kerl gehört regelmäßig auf die Couch zur Ego-Therapie.

Allerdings ist diese psychische Verschobenheit womöglich der Quell für all die Energie, die ihn zu dem Basketballer machen, der er ist. Dr. Psycho würde ihn also vielleicht zu einem etwas besseren Menschen machen, aber sehr wahrscheinlich auch zu einem deutlich schlechteren Sportler.

Fazit: Seine Anhänger müssen seine verpassten Heldentaten weiter ertragen, um seine vollendeten zu genießen.

Und seine Gegner dürfen ihn ruhig weiter hassen.

Am Mittwoch zeigt Premiere auch das fünfte Spiel. Wir sind dabei. Und werden Kobe lieben und hassen, preisen und verwünschen, verstehen und niemals begreifen.

Es ist halt mehr als nur Basketball.

Es ist das Leben.

Posted by Ulrich Tangl - May 12, 2008 10:30 am

Kobe ist der BBdP

Lakers-Freunde aller Länder: Freut euch!

Und schaut euch das an: Kobe MVP

Die Lehrjahre sind vorbei, die Meisterjahre haben begonnen. Dabei hat der Kerl schon drei Ringe.

Gut, die LA Times wusste es schon vergangenen Freitag, doch jetzt ist es hochoffiziell: Kobe Bryant ist Nachfolger von Dirk Nowitzki auf dem hohen Thron des BBdP (bester Basketballer des Planeten) – im Volksmund auch ÄmmmwiiiieehPiiieeh genannt.

Übrigens: Michael Jordan war 28 Jahre alt, als er seine allererste Meisterschaft gewann und 35 bei seiner sechsten. Kobe wird im Sommer 30 und hat dann bereits vier Titel J .

Okay, MJ war schon 1988, mit 25, das erste Mal MVP und wiederholte das noch viermal 91, 92, 96 und 98 – das schafft Kobe nicht mehr.

Aber: Mit dieser Mannschaft, mit Lamar Odom (28), Pau Gasol (27) und Andrew Bynum (20) – sowie ein paar mehr oder weniger begabten Handlangern – holen die Lakers in den nächsten fünf Jahren noch mal drei Titel.

Wenn ich so auf meine Hände beim Abzählen schaue, macht das sieben Meisterschaften.

Was für eine Zeit für einen LFFL (Lakers-Fan for Lifetime)!

Mein vorausschauender Dank gilt auch Premiere: Die Spiele drei und vier in Utah Freitagnacht und Sonntagabend werden live übertragen. Die Münchner haben gut reagiert: wenn Dirk draußen ist, interessieren vor allem die Lakers.

Auf jeden Fall mehr als die Boston-Cleveland-Serie. Kevin Garnett hat nach dem ersten Spiel gemeint, das wäre wie „ein Kampf zweier Schwergewichtler“ gewesen, die sich „ständig in den Bauch hauen“.

Ray Allen: Zum zweiten Mal in seiner Karriere null Punkte.

Paul Pierce: Vier Pünktchen bei 2:14 Würfen.

Am allerschlimmsten der King: 2:18 Würfe, zehn Turnover, den letzten Korbleger acht Sekunden vor Schluss beim 72:74 verlegt.

Die Cavs 19 Assists, die Celtics 18.

Merke: Die Lakers hatten beim ersten Spiel gegen die Jazz bei ihren ersten 22 Feldkörben bereits 18 Assists…

Okay, das alles kann nur, das wird auch besser werden.

Wir schauen lieber Lakers.

Posted by Ulrich Tangl - May 7, 2008 10:30 am

Kobe-wan Kenobi bekommt sein Schäufelchen

Habe ich das eigentlich jemals erwähnt? Dass ich die Lakers liebe?

Schon zwischen 15- und 8000-Mal? Verzeihung!

Gestern Nacht gab’s aber wieder einmal eine solche Aufwallung der Gefühle, dass ich mich einfach nicht zurückhalten kann. Was MEINE Lakers in der ersten Hälfte gespielt haben, ließ uns juchzen, jubeln, ausflippen, zu Sätzen hinreißen wie „Wenn wir die Lakers gucken, geht’s immer ab!“

Gut, da war das eine Spiel in Boston, das war wohl grausam, aber das habe ich glücklicherweise komplett verschlafen.

Also: Wenn Premiere die Lakers zeigt, gibt’s immer BB-Unterhaltung vom Feinsten. Die lassen den Ball laufen, die spielen den Extra-Pass, die vertrauen einander, die machen spektakuläre Punkte, die verteidigen total als Team – denen ist keiner gewachsen.

Das war zur Halbzeit. Danach zeigten die Jazz, dass sie mehr können als den Ball herzuschenken und daneben zu schießen. Da spielten die Jazz wie ein Sloan-Team, der seit der Zeit der Dinosaurier Coach im Mormonenstaat ist. 20 Minuten vor dem Ende stand es 68:49, 15 Minuten später 91:87.

Utah ging zwar nie in Führung, aber sie schafften es, den Schatten eines Zweifels in uns zu erzeugen, dass diese Serie kein „gmaht’s Wiesl“ sein muss, wie sich womöglich der Gouverneur von Kalifornien ausdrücken würde.

Und die Lakers verloren schon ein bisschen an Souveränität.

Pau Gasol brachte an diesem Abend zu wenig. Okay, 18 Punkte und zehn Rebounds, dazu fünf Assists. Hört sich gut an. Aber drei leichte Korbleger vergeben anstatt das Teil reinzudunken, sich am ganzen Abend kein einziges Mal im eins-gegen-eins durchgesetzt. Will man ins Conference-Finale, muss Gasol mehr bringen.

Andre Bynum wird nämlich nicht mehr zurückkommen. Den heben sich die Lakers für den Repeat auf.

Und was war eigentlich im vierten Viertel mit Kobe Bryant los? Vier grausame Jumper ins Nirgendwo nacheinander, dazu ein Ballverlust und ein vergebener Korbleger (siehe play-by-play).

Bis dahin hatte er auf einer Woge der Euphorie gespielt: Seit Samstag weiß er – die Los Angeles Times hat’s rausgekriegt – dass David Stern diese Woche (wahrscheinlich am Mittwoch zu Spiel zwei) vorbei kommt und ihn als MVP auszeichnet. Im Interview vor dem Spiel strahlte er wie ein Kind im Sandkasten, das ein neues Schäufelchen bekommen hat. Es war herzerwärmend.

Am Ende hat es Kobe aber mit seiner Einstellung und seinem Willen gerichtet: 21:23 Freiwürfe, so viel hat noch nie ein Laker in einem Play-off-Spiel erarbeitet. Den alten Rekord hielten Jerry West und Magic Johnson mit 20 Treffern.

Kobes Kommentar: „Das hat Spaß gemacht, das war eine Chance zu ballern, schlagen, knallen.“ (Auszüge aus dem Lexikon für „to bang“.) Lamar Odom nannte ihn daraufhin „Kobe-wan Kenobi“

Trotzdem: Man sollte auf der Hut sein in Lala-Land. Utah hat sich 17 Rebounds mehr geholt! Und noch einmal wird zum Beispiel Deron Williams nicht so schwach spielen.

Derek Fisher ist das auch klar. Seine Erklärung für die 5:18-Wurfquote des Jazz-Playmakers geht als Witz des Tages in die Bücher: „Möglicherweise habe ich ihn verwirrt, weil ich so alt bin. Wenn er täuscht, mache ich überhaupt nichts, weil ich gar nicht so schnell reagieren kann – und so bekomme ich am Ende den Steal.“

Posted by Ulrich Tangl - May 5, 2008 11:30 am

Dirks Zukunft: Kein Ring mit den Mavs

Nach der Saison ist vor der Saison.

Aber schon wieder im April?

Überhaupt keine Frage: Diese Dallas Mavericks sind Geschichte.

Dabei hatte dieses Team eine glänzende Zukunft. 2:0 gegen die Miami Heat im Juni 2006, das 3:0 war nur noch eine Formsache. Ein paar noch ziemlich junge Basketball-Profis standen am Anfang von etwas ganz Großem.

Es war das Ende.

Ein gewisser Dwyane Wade bekam ein paar Freiwürfe, das Team klappte zusammen.

Seither haben die Mavs von 15 Play-off-Partien zwölf verloren.

Okay, sie haben auch 118 Spiele in der regular season gewonnen. Drauf geschissen!

Als erster wird Coach Avery Johnson gehen müssen. Sein erster Job als NBA-Headcoach ließ sich gut an, aber er hat die entscheidende Hürde nicht übersprungen. Am Ende wirkte er hilflos, das Team hatte andere Ideen. Als er vor Spiel fünf in New Orleans das Training ausfallen lassen wollte, um seine Jungs zu schonen, trainierten die Jungs um Dirk Nowitzki trotzdem, eben ohne ihren Chef. Er hat auch den Glauben verloren. Vor einem Spiel antwortete er auf die Frage, wie die Hornets zu bezwingen seien: „Unsere beste Chance käme, wenn sie im Hotel blieben.“

Und dann war da ja auch noch die Schreierei mit Mark Cuban, dem Johnson tatsächlich sagen musste, wenn er so viel Ahnung hätte, könne er die Mavs doch selber coachen.

Okay, „sagen“ ist eine brutale Untertreibung.

Wird mit einem neuen Coach alles besser?

Gehandelt wird bereits Jeff van Gundy. Der hat als ABC-Kommentator mehrfach durchblicken lassen, dass er die Mavs nicht mag. Er müsste also völlig neue Mavs bekommen. Aber sein Stil ähnelt auch dem von Johnson. Kandidat ist auch Assistant-Coach Paul Westphal. Eine Riesenstation in Phoenix, weniger Fortune in Seattle, aber zumindest ein ausgewiesener Gegenentwurf zu Johnson: Lockerer, freundlicher, eher offensiv-orientiert.

Aber all diese Spekulationen führen nirgendwo hin. Jerry Stackhouse hat es schon richtig gesagt: „Warten wir einfach ab und schauen, was der Boss macht.“

Stack hat auch für den Rest der Mannschaft einen Spruch: „Wir wurden alle angestellt, um gefeuert zu werden.“ – „We all get hired to be fired“.

Jason Kidd wird man nicht los, der ist zu teuer. Das könnte ein grausames Jahr mit dem Auslaufmodell werden. Eric Dampier ebenfalls nicht. Die Geduld mit dem unbeweglichen Riesen dürfte bei Cuban aber zu Ende sein – er hat sich sowieso von Johnson überreden lassen müssen, der das irgendwie hinkriegen wollte. Er hat’s nicht hingekriegt.

Stackhouse ist auch nicht mehr der Jüngste, aber wo sind denn die Jungen?

Verkauft (Harris, Diop, Fazekas), ohne Zukunft (Barea, Wright). Bleibt Brandon Bass, der heute 23 wird. Und keine ordentlichen Draft-Picks die nächsten Jahre – alles für Kidd verscherbelt.

Ein bisschen wenig für einen Neuaufbau.

Man könnte es natürlich radikal machen und Dirk Nowitzki auf den Markt werfen. Für den könnte man den Nukleus eines neuen Teams bekommen. Oder wie Minnesota in den Abgrund fahren.

Aber unserm Dirk muss klar sein, dass die Mavs mit ihm in den nächsten drei Jahren garantiert nichts gewinnen – er hat keine Hilfe.

Im Juni wird er 30. Fünf gute Jahre hat er noch vor sich. Warum sollte er da drei in Texas verplempern? Da werden demnächst garantiert keine Championship-Ringe verteilt.

Obwohl: San Antonio und Houston liegen ja auch in Texas…

McGrady plus ein bisschen was für Dirk?

Aber Cuban wird sich seinen Dirk nicht aus dem Herzen reißen.

Go Lakers, go!

Posted by Ulrich Tangl - April 30, 2008 10:30 am

Der Hengst ist mausetot

Das war’s also: Mit einer peinlichen Leistung haben sich die Dallas Mavericks ein 1:3-Loch gegraben, aus dem sie sich nicht wieder ausbuddeln können.

Oder glaubt irgendjemand auf diesem Basketball-Planeten, die Hornets würden dreimal nacheinander gegen diese Mavs verlieren? Das glaubt nicht einmal Dirk Nowitzki.

Um Viertel vor drei bin ich bereits aufgewacht, obwohl das Spiel erst um halbvier anfing. Nach dem sehr ansehnlichen Spiel der Washington Wizards gegen die Cleveland Cavaliers, als Arenas und Co. zeigten, was Leidenschaft, selbst gegen ein besseres Team, selbst gegen LeBron James heißt, um am Ende doch durch einen Wurf aus der Ecke von Delonte West das Spiel und womöglich die Serie zu verlieren, hatte ich es tatsächlich geschafft, gegen halbelf einzuschlafen – mit der Hilfe eines Bieres und zwei doppelten Kognaks.

Die Mavs begannen auch passabel. Nicht mit dieser Begeisterung wie zwei Tage zuvor, aber immerhin: Neun Punkte Vorsprung zu Beginn des zweiten Viertels, Chris Paul sauber kontrolliert, vorne durchschnittlich getroffen, aber offensichtlich ausreichend.

Dann nimmt Avery Johnson alle seine Stars vom Feld und bringt J.J. Barea und Co. Kein Problem, denkt er sich wohl, Chris Paul sitzt ja auch auf der Bank – der fatalste Irrtum der Serie, womöglich letal für Averys Job. In zwei Minuten gleicht New Orleans aus, das Spiel hat seine 180-Grad-Wendung.

Bis zur Halbzeit wehren sich die Texaner noch. Doch in der Pause muss irgendetwas passiert sein: Die Mavs kommen völlig leblos aus der Kabine. Im Angriff spielen sie wie gelähmt, in der Abwehr lassen sie David West freie Hand gegen den armen Eric Dampier. West macht zehn der 13 Punkte zum 51:61, alles ohne irgendeinen überraschenden Pass, einfach nur im primitivsten eins gegen eins.

Nach 3:15 Minuten der zweiten Halbzeit rafft Johnson, dass hier etwas schief läuft – zu spät! Der Ton ist gesetzt, nichts geht mehr.

Leblos, kopflos, ohne Eier: ein Leichnam, genannt Dallas Mavericks – der Hengst ist mausetot. Die lebenden Toten von George Romero waren deutlich lebendiger – vor allem aggressiver.

Wie heißt der Totengräber?

Jason Kidd? Der Panik-Trade hat sich nicht ausgezahlt, der alternde Spielmacher zeigte heute Nacht wieder einmal gar nichts. Mehr als ein gutes Spiel hat er nicht gezeigt in den Play-offs.

Josh Howard? Der Mann, der die Lichter ausschoss – um ihn herum war es irgendwie stockdunkel. Als er beim ersten Fastbreak heute Nacht einen Jumper aus drei Metern nahm (und verballerte) anstatt zum Korb zu gehen und die Kugel da reinzustopfen, war klar, dass er’s heute (wieder) nicht bringt.

Avery Johnson? Auf jeden Fall hat er einen großen Anteil. Sein Team spielte das dritte Spiel wie ein Spiel sieben – und das vierte wie ein preseason-Match. Was hat er mit seinen Jungs heute Nacht in der Halbzeit angestellt? Statt Energie zu verteilen hat er sie weggesaugt! Und: Er lässt sich von jedem anderen auscoachen: Pat Riley, Don Nelson, jetzt Byron Scott. Bitte zurück auf die Schulbank: zu schnell zu hoch geflogen.

Mark Cuban? Natürlich hat er auch sein Päckchen zu tragen. Obwohl man nie erfahren wird, welche Rolle er im Kidd-Trade gespielt hat. Die dominierende oder nur die Geldgebers.

Die fast 20.000 Fans im American Airlines Center haben dieses Team heute Nacht zum letzten Mal gesehen. Ich auch: Das fünfte Spiel, das kein Begräbnis wird, weil das schon stattgefunden hat, sondern ein Leichenschmaus anderer Art – Hornets fressen Mavs –, tun wir uns nicht an.

Im Herbst werden viele neue Gesichter da sein. Nur ein einziger hat den Freifahrtschein, nur ein einziger (neben Bankspieler Brandon Bass) hat schließlich nicht versagt: Dirk Nowitzki.

Die Frage ist nur, ob er will.

Oder ob er anderswo seine Jagd nach dem Ring fortsetzt.

Posted by Ulrich Tangl - April 28, 2008 11:00 am

Story-Geheimnis: Meisterschaft und Material

Unfassbar! Was ein so kurzer Play-off-Tag an Geschichten bietet. An Sprüchen. An Emotionen, Sensationen, Komplikationen.

Da stellt sich nicht die uralte, manchmal beklemmende Kolumnistenfrage: Was schreibe ich heute nur? Lieber Gott, schmeiß eine Idee herunter!

Nein, da stellt sich die Frage: Welche der 1001 Ideen packst du an? Welche der 999 tollen Geschichten lässt du sausen und im Nirwana verschwinden?

Klar, dass mich am meisten die Lakers interessieren. Was im Übrigen für den Rest der Welt ebenso gilt: Die Lakers haben die meisten Fans auf dieser Welt, und ausnahmsweise fühle ich mich im Haufen der Mehrheit nicht unwohl.

Die beste Story, an die man sich dranhängen könnte, hat der 62-jährige Bill Dwyre in der „Los Angeles Times“ geschrieben: Über George Karl.

Das mag auch daran liegen, dass der Coach der Denver Nuggets bald 58 wird und Dwyre deshalb einen besonderen Zugang zu seinem Altersgenossen hat. Vor allem aber liegt das an Meisterschaft und Material, wie bei allen besonders guten Geschichten – der meisterlichen Schreibe des Journalisten-Gurus und den Fakten und Emotionen, die zu Grunde liegen.

Trotz des 0:3 kann Dwyre sagen: Das Leben ist gut zu Karl. Der bestätigt das: „Meine Tochter ist schwanger, mein Sohn hat es zu den Lakers geschafft. Ich nenne das ein echt gutes Jahr.“

Seit er seinen Prostata-Krebs überwunden hat, seit es bei ihm um Leben oder Tod statt um Sieg oder Niederlage ging, hat sich etwas verändert. Obwohl sich schon vorher viel um seine Kinder gedreht hat. Aber die Sache mit Coby: „Das ist das größte Geschenk, das mir der Basketball in meinem ganzen Leben gemacht hat.“

Stellen Sie sich vor, ihr Sohn würde bei den Lakers spielen.

Deshalb verkraftet er die blamablen Auftritte seiner Anthony, Iverson und Konsorten auch so gut.

Übrigens: Allan Iverson und Carmelo Anthony haben zusammen 10:38 geworfen. Exakt dieselben Zahlen wie eine Nacht zuvor Chris Paul und David West gegen die Dallas Mavericks. Man kann damit aber mit Klasse umgehen oder mit Peinlichkeit. Raten Sie, wer was gemacht hat.

Es liegt also nicht daran, dass die Lakers so gut sind. Obwohl selbst „the player formerly known as no. 8” wieder zum Team zurück gefunden hat. Es liegt an diesen Spielern, die (noch mal Dwyre) „besser darin sind Tattoos auszusuchen als Defense zu spielen“.

Oder wie es ein anderer Großmeister aus Los Angeles ausdrückt – Bill Plaschke:

„Sie wollen drei Nuggets? Ich gebe ihnen drei: Sie sind desorganisiert. Sie sind abgelenkt. Sie sind schändlich. Oder: Sie ignorieren sich gegenseitig, sie behandeln ihren Coach respektlos, sie verspotten die Grundlagen des Spiels.“

Ob die Lakers gut genug sind, noch 13-mal zu gewinnen, weiß also bisher noch keiner (außer mir!).

Irgendwann nächste Woche wartet Utah. Und dann San Antonio. Und dann die Boston Celtics.

Wetten?

Und heute Nacht beten zwei Atheisten für Dirk und die Mavs. Wie sagte doch ein Elftklässler, der nicht genannt werden will: „Scheiß auf die Schule – es sind Play-offs!“

Posted by Ulrich Tangl - April 27, 2008 12:00 pm

Diebstahl und Geschenk von Dirk & Co.

Wow, bin ich fittttt heute morgen! Auch wenn mich die senile Bettflucht schon um halbneun genervt hat und unterm Strich gerade mal 4 ½ Stunden Schlaf zusammen kamen.

Liegt es einfach nur am unbeschreiblich schönen Wetter und dem endgültigen Ende des Winters?

Oder doch am genialen Auftritt von Dirk Nowitzki, der uns im Verein mit Premiere knapp drei Stunden Nachtschlaf gestohlen, aber die Hoffnung zurück geschenkt hat?

Ulrich Wickert würde sagen: „Es ist beides!“

Es ist eigentlich immer beides, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Uns war ja schon ein bisschen bang heut Nacht. Okay, mehr als ein bisschen.

Ist dieser Außerirdische Chris Paul überhaupt zu stoppen? Kann man nach drei Halbzeiten in Folge, in denen man immer über 60 Punkte kassierte, den Trend ändern? Erwacht die Rentnerband der Mavs aus ihrem todesähnlichen Schlaf? Findet Avery Johnson einen Weg, seine Entlassung doch noch abzuwenden?

Die Antwort seit dem 0:2 lautete schließlich auf alle diese Fragen: wohl eher nicht!

Und dann dieses dritte Spiel! Hey, was sind die gefußelt (fußeln = schwäbisch für sehr schnell rennen). Holla, was haben die Druck auf Paul gemacht! Heißa, wie haben die immer mal wieder toll gepasst und gut getroffen. Hoppla, was hatten sich Johnson und Assistenten ausgedacht.

Jason Terry in die erste Fünf und gegen Paul: ein Volltreffer. Erik Dampier gegen West: klasse. Den Ball zu Jason Kidd: funktioniert. Fastbreak auf Teufel komm raus: klappt. Passt auf den Ball auf: sensationell!

Und dann unser Dirk mit einer MVP-Performance, die nichts anderes als sagenhaft war. 32 Punkte. 19 Rebounds. Sechs Assists. Zwei Blocks. Dafür durfte er aber auch gerade mal 4:23 Minuten auf der Bank ausruhen.

Dass es am Ende nur zehn Punkte Vorsprung waren, lag an einer Schwächephase im zweiten Viertel und am Ex-Lakers Jannero Pargo, der das Spiel seines Lebens machte. Es war in der zweiten Hälfte aber bald klar, dass ein Pargo nicht genügt, die Mavs zu schlagen.

Wir haben eine Serie.

Sind deshalb unsere Sorgen erledigt? Keineswegs, nur von 100 Prozent auf 90 reduziert.

Denn noch mal werden Paul und West nicht so grausam daneben ballern (diesmal zusammen 10:38!).

Die Mavs müssen für Dienstagabend also noch einmal ein paar Tricks aus der Westentasche zaubern, die Intensität noch einmal erhöhen, und außer Nowitzki und Terry muss Josh Howard, der mit seinen Marihuana-Bekenntnissen zur Unzeit für Wirbel gesorgt hat, endlich All-Star-Form erreichen.

Es bleibt allerdings eine Befürchtung: In dieser Serie wird es womöglich keinen Auswärtssieg geben. Das würde ein 4:3 für die Hornets ergeben. Dirk muss uns also noch mit ein paar etwas größeren Geschenken überraschen.

Posted by Ulrich Tangl - April 26, 2008 8:00 pm

Gute Nacht, Mavericks

Klopfklopf.

Der Sohn steht vor der Tür. Ich bin sofort hellwach: „Wie steht’s?“ – „16 hinten.“

Zwei Sekunden überlegen – „Ich schlaf weiter.! – „Gut Nacht.“

Welch weise Entscheidung! Gute Nacht, Mavericks.

60, 67, 64: Das sind die Punktzahlen, die die Hornets in den letzten drei Halbzeiten gegen die Mavericks geschafft haben. Gegen das Team, dem Coach Avery Johnson eine defensive Identität geben wollte.

Das war wohl nichts. In den letzten sechs Play-off-Spielen hat Johnsons Team im Schnitt 111 Punkte kassiert.

Liegt jetzt alles an Jason Kidd? Sicherlich nicht. Obwohl die einzige Waffe gegen den überirdischen Chris Paul wohl Devin Harris gewesen ware. Aber alle anderen Mavs sind einfach auch nur schlecht, alle Matchups wurden bisher klar verloren.

Außer das von Dirk Nowitzki, dem einzigen Krieger, der noch aufrecht steht. Obwohl die Bezeichnung Krieger für die müden Helden aus Dallas kaum passt.

Bisher hat sich vor allem eines gezeigt: Die Mavericks sind nicht erfahren, sie sind einfach nur alt und langsam.

Und Avery Johnson ist am Ende seiner Weisheit – und am Ende seiner Dienstzeit? Hören seine Jungs überhaupt noch auf ihn?

Der Mut machende Faktor: Die Hornets haben seit dem 24. Januar 1998 nicht mehr in Dallas gewonnen.

Der entmutigende Faktor – neben der katastrophalen aktuellen Schwäche: Die Mavs haben die letzten acht Play-off-Spiele auswärts verloren.

Es muss also ein Wunder her! Nein, mehrere.

Das Wunder, die „demolition-show“ Chris Paul zu stoppen. Das Wunder, die Leidenschaft wieder zu finden. Das Wunder des Backcourts, das Wunder des Frontcourts, das Wunder der Verteidigung, das Wunder des Angriffs.

Es sieht schlecht aus.

Go, Lakers, go!

Posted by Ulrich Tangl - April 23, 2008 10:30 am

Die Lakers minus Kobe

Okay, eins weiß Phil Jackson jetzt: Er kann auch fast ohne Kobe gegen die Nuggets gewinnen.

Manche würden sagen: Mit den Lakers minus Kobe.

Denn was unser zwielichtiger MVP-Kandidat gestern Mittag im ersten Play-off-Spiel gegen die Denver Nuggets abgeliefert hat, war schon mehr als seltsam.

Da spielen die Lakers den schönsten B-Ball der Saison, passen sich das Bällchen zu und nehmen die Nuggets so auseinander, dass aus Goldkörnern kein Goldstaub, sondern billiger Sand wird.

Vor allem Lamar Odom und Pau Gasol entwickeln sich zum Traumpaar. Die beiden schieben sich das Bällchen zu, dass es eine wahre Lust ist. Zusammen zelebrieren sie 14 der sagenhaften 33 Assists der Lakers.

Kobe schafft in seinen 37 Minuten EINEN. Aber 26 Würfe.

Man schaue sich die Plus-Minus-Werte der ersten Fünf an: Radmanovic +20, Odom +24, Gasol +22, Fisher +29.

Kobe +3.

An diesem Abend spielt Mister Bryant nicht in Lala-Land, sondern in einer eigenen Welt. Wie er zu Beginn des vierten Viertels regelmäßig das Spiel einfriert und dann erst gegen Kenyon Martin und dann gegen J.R. Smith loszockt, ist nicht auszuhalten. Wir entwickeln vor lauter Verzweiflung eine Theorie, Guru Jackson hätte das so geplant, damit sich die anderen mal ausruhen können.

Die andere Theorie ist, dass Bryant in diesen Play-offs, an deren Ende die Lakers womöglich als Sieger dastehen und er seinen vierten Ring bekommt, irgendwelche Rekorde aufstellen will.

Jeder, der diesen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich ein glühender Bewunderer des fanatischen BB-Arbeiters Kobe Bryant bin. Dass ich ihm fast alle seine Grillen, Ego- und Frauen- und Kindskopfgeschichten habe durchgehen lassen. Weil er einfach härter als jeder andere an seinen Fähigkeiten arbeitet.

Aber jetzt muss ihm gründlich der Kopf gewaschen werden, sonst kapiert er es nicht, dass er mit diesem Verhalten das Mega-Finale gegen Boston riskiert. Und die Jungs von ABC holen ihn noch nach dem Spiel ans Mikro und fragen, warum er in der zweiten Hälfte so explodiert sei.

Schockschwerenot!

Phil Jackson hat aber auch noch etwas anderes gelernt: Wenn er einen Egozocker hat, dann hat Denver zwei. Wie Carmelo Antony und Allen Iverson das zwischendurch ansehnliche Spiel ihrer Nuggets (Kleiza!, Smith!) zerstörten, war schon beeindruckend.

Wie der bedauernswerte George Karl in der Auszeit sagt, sie dürften jetzt keinen schnellen Abschluss suchen und müssten auf Teufel komm raus zum Korb gehen und die nächsten drei Angriffe gibt es wilde Jumper nach ein paar Sekunden – das war eine Bankrotterklärung der Autorität dieses alten Kämpen.

Ein van-Gundy-Schmankerl zum Schluss. Karl erklärt seinen Leuten in der Halbzeitpause (wired for sound), sie müssten das tun, was sie am besten können: zum Korb gehen. Van Gundy ist anderer Meinung: „Er müsste ihnen sagen, dass sie endlich das tun sollten, was sie gar nicht können: VERTEIDIGEN!“

Posted by Ulrich Tangl - April 21, 2008 10:00 am

Die Mavs: zurück in der Spur

Hach, was haben wir uns gefreut! Vor allem für unseren Dirk natürlich. Wie er 32 Sekunden vor Schluss nach links zieht, stolpert, fast hinfällt und irgendwie die Kugel doch noch in den Korb zum entscheidenden 102:96 einlocht – da war im Hause Tangl kurz nach Mitternacht so richtig High Life.

Im Mavs-Blog bei den Dallas Morning News hieß das:

Dirk drills a stumbling, bumbling dagger!

Ja, ohne Frage:

Das Match in Phoenix war ein Schlüsselspiel.

Dirks Aktion war eine Schlüsselszene.

Dirk is back!

Nowitzki machte elf seiner 32 Punkte im vierten Viertel.

Buddy Steve Nash ballerte seine letzten sieben Würfe vorbei.

Die Mavs haben endlich auch mit Jason Kidd ein enges Spiel gegen einen guten Gegner nach Hause gebracht.

Dieses Match hatte ich in meiner Vorausberechnung, die ich an diesem lazy Sunday für die letzten sechs Spiele der drei Konkurrenten Dallas, Denver und Golden State aufgestellt hatte, ja als Minus drin:

Dallas Mavericks
@ Phoenix –
gegen Seattle +
gegen Utah +
@ Portland +
@ Seattle +
gegen New Orleans –
(= 51:31)

So sah die Rechnung bei den anderen beiden aus:

Denver Nuggets Golden State Warriors
@ Seattle + @ Hornets –
@ Clippers + gegen Kings +
@ Warriors – gegen Denver +
@ Utah – gegen Clippers +
gegen Houston + @ Phoenix –
gegen Memphis + gegen Seattle +
(= 50:32) (= 50:32)

Jetzt haben schon am ersten Abend des Endspurts die Mavs auf positive und die Nuggets mit ihrem irrwitzigen 147:151 in Seattle auf negative Weise die Rechnung durcheinander gebracht – wogegen ich natürlich nichts habe.

Fazit des Abends: Die Mavs schaffen das, man darf wieder über die Chancen in den Play-offs nachdenken statt darüber, ob sie überhaupt hinkommen.

Eine besondere Genugtuung war dieser womöglich richtungweisende Sieg auch wegen der ABC-Kommentatoren. Wie schon zuletzt beim Spurs-Match lobten Mike Breen, Mark Jackson und Jeff van Gundy den Dallas-Gegner ständig und kritisierten Dirk & Co. ziemlich einseitig.

Vorne dran beim Mavs-bashing: van Gundy. Was hat der bloß, dachten wir. Dann fiel es uns ein: Der Mann, ansonsten ein guter und amüsanter Analytiker, knabbert immer noch am Play-off-Aus seiner Houston Rockets gegen die Mavs vor drei Jahren (3:4 nach 2:0-Führung). Damals wurde wieder einmal San Antonio Meister (gegen Detroit), und Jeff denkt wohl immer noch, dass er und Tracy McGrady und Yao Ming damals eine Chance auf den ganz großen Schlag gehabt hätten. Also wird er beim Thema Mavs sauertöpfisch, sieht jede Schiedsrichter-Entscheidung durch die Anti-Fan-Brille und ist überhaupt ziemlich unwitzig.

Letztens hätte er sich übrigens fast mit Mark Jackson geprügelt, dabei ging es gar nicht um die Mavs: Sie stritten ziemlich böse um ihre MVP-Einschätzung im Zusammenhang mit Kobe Bryant und Tracy McGrady, van Gundys Ex-Spieler, den außer ihm keiner auf der Rechnung hat. Voll daneben, was der gute Jeff da von sich gab, sauertöpfisch, streitsüchtig, kränkend.

Ich denke, dieses Pärchen werden wir nicht mehr lange sehen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Posted by Ulrich Tangl - April 7, 2008 10:00 am

Dirks Verletzung: Glück für Avery, Donnie, Mark

Was für ein beschissener Abend!

Tut mir leid, eleganter kann ich das nicht ausdrücken.

Da freut man sich das ganze frohe Osterfest über das große Texasmatch zwischen den Dallas Mavericks und den San Antonio Spurs um sechs Uhr Abends, und dann muss man innerlich spätestens ab Mitte des dritten Viertels innerlich kochen.

Obwohl: Geärgert hab ich mich auch schon in der ersten Hälfte.

Über die Schiedsrichter. Vor lauter Mitleid für die grottenschlecht schießenden Spurs geben sie ihnen neun von zehn fraglichen Pfiffen. Schlimmstes Beispiel: Ginobili täuscht einen Dreier an, Allen springt auf ihn drauf, Ginobili fällt und im letzten Moment schmeißt der Argentinier den Ball vor sich auf den Boden. Der SR gibt Foul, fünf Spurs-Spieler und drei Coaches stürzen sich auf ihn – klar, er gibt drei Würfe

Über die ABC-Crew mit Mike Breen, Jeff van Gundy und Mark Jackson. Wusste gar nicht, dass die auf der Gehaltsliste der Spurs stehen. Oder dass ABC das offizielle Network der Spurs ist.
- nur aus San-Antonio-Sicht kommentiert.
- keinen einzigen Katastrophenpfiff der Refs kritisiert.
- kein einziges Mal die aufopferungsvolle Mavs-Defense gelobt. - usw.

Über Jason Kidd, den angeblichen Heils- und Ringbringer der Mavs. Kidd spielt ohne Herz, bewegt sich wie in Zeitlupe, wirft nicht, passt nicht, verschleppt alles. In dieser Form gibt es in der NBA 30 oder mehr bessere, wertvollere Point Guards. Einer spielt in New Jersey und ist zehn Jahre jünger.

Und natürlich über Duncan, Ginobili und Bowen, die wir beide hier im Haushalt einfach nicht ausstehen können. Alles „Whiner“ mit einer grausamen Art zu spielen.

Der Super-Gau für alle deutschen Basketball-Fans dann aber 3:18 vor Ende des dritten Viertel. Nowitzki nagelt einen Korbleger von Udoka ans Brett, kracht mit ihm zusammen aufs Parkett. Dirk bleibt liegen und verbirgt minutenlang in Agonie sein Gesicht. Es sieht so aus, als ob das linke Knie oder der linke Knöchel oder beides ziemlich kaputt sind.

Das Ganze umrandet von einem 19:0-Lauf der Spurs.

Die Mavs spielen noch gegen Denver, die Lakers, Phoenix, Utah, New Orleans und zweimal gegen die Warriors – o mein Gott, sie fliegen ohne Dirk aus den Play-offs raus!

Obwohl: Was wollen sie ohne Dirk in den Play-offs?

Oder: Selbst mit Dirk bringt das Team, ohne Not auseinander gerissen und mit Kidd verschlechtert, sowieso nichts zu Stande.

0:3 zu Hause nacheinander gegen die Lakers, Celtics, Spurs.

0:8 mit diesem Kidd gegen Teams über 50 %.

Ich habe es schon am 20. Februar gesagt, trotzdem macht es mich wütend und traurig, dass ich so Recht haben musste: Die Mavs haben vor blinder Gier auf den schnellen Erfolg ein tolles Team, das sie über drei Jahre aufgebaut haben, radikal zerstört.

Also haben Coach Avery Johnson, Manager Donnie Nelson und Besitzer Mark Cuban, so irrwitzig es klingt, Glück gehabt, wenn Dirk Nowitzki ausfällt: Sie können sie den Rest ihres Lebens behaupten, ihr Panik-Trade hätte irgendwie doch noch funktioniert, wenn sich unser Würzburger nicht verletzt hätte.

Es geht einfach nicht eleganter: Was für ein beschissener Abend!

Posted by Ulrich Tangl - March 24, 2008 10:20 am

Gewinner und Verlierer im Trade-Wahnsinn

Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin ein schlechter Prophet. Ich weiß es selbst am besten: Wenn mein Instinkt und mein Wissen mir sagen, dass eine Sache so oder so ausgeht, wette ich dagegen.

Einfach schlechtes Karma.

Deshalb haben die Mavs nun eine Riesenchance, endlich alles zu gewinnen. Nur Phoenix hat noch bessere Chancen. Denn denen gebe ich gar keine.

Der Reihe nach. Los Angeles hat den Wahnsinn angefangen und schon uneinholbar vorgelegt. Einfach weil sie für Pau Gasol gar nichts hergeben mussten.

Darauf hat Phoenix die Panik gepackt und sie haben für den unzufriedenen Shawn Marion Shaq geholt, der das ganze Team unzufrieden machen wird. Seltsamerweise sehen viele Kommentatoren und sogar Experten jetzt die Suns im Westen vorn. Dem stimme ich ganz und gar nicht zu. Nach dem ähnlichen Prinzip „Wer schon mal was gewonnen hat, gewinnt wieder, weil er weiß, wie’s geht“ haben jetzt die Mavs Jason Kidd geholt. Avery Johnsons Milchmädchen-Rechnung: “Er wird uns helfen. Weil gerade am Ende eines Spiels weiß er einfach, wie man gewinnt.“ Genau: Kidd hat noch nie ein enges Spiel verloren. Dafür haben die Mavs Devin Harris und ihre Zukunft verkauft.

Mark Cuban betont übrigens, dass der Deal schon seit vier Wochen, also lange bevor die Lakers das Karussell in Bewegung gebracht haben, angeleiert wurde.

Das muss er sagen, denn Donnie Nelson hat unmittelbar nach dem O’Neal-Trade beteuert, dass er nie auf das reagieren würde, was andere tun würden, sondern immer eigene Ziele verfolgen würde.

Jetzt haben sich also Lakers, Suns und Mavs verstärkt – und die Spurs werden wieder Meister?

Keine schöne Vorstellung, aber möglich.

Die Lakers kann eigentlich nur Kobes kleiner Finger – Pinkie – vom Titel abhalten. Wenn die vier Großen Bryant, Gasol, Odom und Bynum gesund bleiben, kann daneben spielen, wer will: Der große Zen-Meister holt seinen zehnten Ring, Mitch Kupchak steigt in den Jerry-West-Olymp auf – und Kobe fehlen nur noch zwei Titel zu MJ.

Die Mavs haben weder gegen Bynum/Gasol, Duncan, nicht einmal gegen O’Neal/Stoudemire eine Chance. Sie sind unter dem Korb viel zu dünn besetzt, sie können weder schnell noch langsam gut spielen. Defensiv sind sie schlechter geworden: Harris war der einzige, der Parker oder Nash stoppen konnte, Kidd ist inzwischen zu langsam und Dirk ist auf dieser Seite des Feldes immer noch nichts Besonderes. Überdurchschnittlich sind nur Howard und Jones, aber der lässt auch nach.

Merke: Defense wins championships!

Einzige Chance: Sie holen sich noch einen Big Man. Die Wetten dafür, dass der dann gut genug ist, stehen schlecht.

Das alte Team hatte zuletzt einen Durchhänger, aber der war gewollt: Nur nicht wieder zu viel investieren in die regular season. Greg Popovich sagte über dieses „alte“ Team übrigens im November: „Es ist das beste der Liga. Mit fällt dazu nichts anderes ein. Ich denke wirklich, auf beiden Seiten des Feldes, sind sie das kompletteste Team.“

Der Mann hat schon was gewonnen. Donnie und Avery und Mark noch nichts. Dabei wird es vorerst bleiben.

Mark Cuban beschreibt die Panik: „Wenn du im Westen drei Spiele verlierst, bist du aus den Play-offs raus.“ Die Dallas Morning News beschreiben die Lage in Dallas drastisch: „Um die Zukunft werden sie sich später Sorgen machen.“

Ich nenne so ein Verhalten kindisch. Oder amerikanisch.

Auch Dirk Nowitzki weiß plötzlich, dass alles gut wird: „Devin war schon toll beim Reinziehen, aber manchmal hat er zu viel abgeschlossen und zu wenig die Schützen gefunden. Jason wird das nicht passieren. Wir wissen jetzt, wenn jemand frei ist, bekommt er auch den Ball.“

Außer, wenn Josh Howard oder Jerry Stackhouse den Ball haben.

Mittlerweile ist’s mir aber fast egal. Wer seit 1982 Lakers-Fan ist, der kann verkraften, wenn sich sein Nummer-zwei-Team selbst ins Knie schießt. Dirk hin oder her.

Aber, wie gesagt: ich bin ein schlechter Prophet.

Posted by Ulrich Tangl - February 20, 2008 4:20 pm

Das lange, wahnwitzige, auslaugende Allstar-Wochenende

Freitag, 14.33 Uhr: Die Sportredaktion von Sonntag Aktuell genehmigt Redakteur Tangl einen freien Samstag – angeblich hat der Sohn Geburtstag. Dass auch noch die NBA ihr Allstar-Wochenende feiert, bleibt irgendwie unerwähnt.

Freitag, 21.05 Uhr: Ich beende das Abschlusstraining meiner Dritten. 37 Freiwürfe in Serie.

Samstag, 8.12 Uhr. Auf nba.com das Rookie-Spiel in der Zusammenfassung. Dieser Gibson! Elf Dreier! Diese Dunks von Williams und Moon! Geil!

Samstag, 12.00 Uhr: Halle aufschließen, aufbauen.

Samstag, 14.40 Uhr: Ende des Trostrundenspiels Kirchheim 3 gegen TV Bempflingen. 36 Minuten, 27 Punkte, 13:14 Freiwürfe, ein Pferdekuss, eine 61:64-Niederlage , 52 Euro SR-Kosten.

Samstag, 15.15 Uhr: Kurz nach Hause, zwei Scheiben Brot plus erste Hälfte Bundesligafußball. Mario Gomez macht zwei Kisten, für den VfB Stuttgart kann nichts mehr anbrennen. Also zurück in die Halle.

Samstag, 16.55 Uhr: Kirchheims U18 verliert das Oberligaspiel gegen Tübingen 58:62. Schiedsrichter bezahlen (132 Euro!).

Samstag, 17.05 Uhr: Zurück zu Premiere: Beim VfB brennt’s doch, es steht’s 2:2. Aber Hitzlsperger schafft 15 Sekunden nach Ende der Nachspielzeit das 3:2 (Dank an den Schiri!).

Samstag, 17.48 Uhr: Zurück in die Halle. Kirchheim 2 verliert das Landesligaspiel gegen Tabellenführer Rottenburg 48:72. Kampfrichter bezahlen.

Samstag, 19.30 Uhr. Bälle einsammeln, Halle abschließen, zurück nach Hause. Die Kirchheim Knights spielen im Live-Ticker in Iserlohn (ProB). Der funktioniert aber nicht. Die Knights gewinnen trotzdem.

Samstag, 22.15 Uhr: Zu viel Carmen Nebel. Bis zum Sportstudio schaffe ich es nicht, penn dauernd ein. Wecker auf zwei Uhr gestellt.

Sonntag, 2.00 Uhr: Der Sohn ist wach, geht aber gleich wieder ins Bett – er hat noch gar nicht geschlafen.

Sonntag, 2.39 Uhr: Ich halte durch und David Robinson aus, der aus drei Metern gefühlte 28-mal danebenschießt, aber von der Mittellinie seinen zweiten Versuch reinsemmelt. Im Finale dieses völlig unnötigen Wettbewerbs trifft dann Tim „die personifizierte Langeweile“ Duncan von der Mittellinie und San Antonio hat einen Pokal mehr.

Sonntag, 3.20 Uhr: Skills Challenge – Dwyane Wade verliert beim Slalom-Dribbling den Ball. Hätte selten so gelacht, wenn ich nicht so müde wäre. Deron Williams stellt einen neuen Rekord auf. Who cares?

Sonntag, 4.05 Uhr: Sohn aufwecken: Dreipunkte-Shootout. Dirk hält sich wacker, das Beste ist Mark Cuban als Co-Kommentator. „Dirty-Dirk“ nennt er unseren sauberen Würzburger.

Sonntag, 4.45 Uhr: Der Höhepunkt der Nacht, das Warten, das Kämpfen gegen den Schlaf, das Aushalten der Schmerzen, alles hat sich gelohnt: Gerald Green pustet das Kerzchen auf dem Törtchen aus (Chocolat-Thunder Dawkins blickt nicht durch und gibt eine 8!!!), Dwight Howard wird zum Supermann, die beste Show, das beste Drama seit Vince Carter/Tracy McGrady/Steve Francis in Oakland 2000 (da war ich live dabei!!!).

Sonntag, 5.03 Uhr: Das Internet-Voting warten wir gar nicht ab – ab ins Bett.

Sonntag, 8.39 Uhr: Aha, Howard hat klar gewonnen. Frühstück, Zeitung lesen (was haben die Kollegen verbrochen?), Nacht verarbeiten.

Sonntag, 10.00 Uhr: Halle aufschließen, meine Mega-Talente der Kirchheimer U14-2 wollen die Tabellenführung der Trostrunde Nord verteidigen – großer Sport.

Sonntag, 11.58 Uhr: Derendingen ist stärker (37:46). Schnell nach Hause, E-Mails checken, Stats eingeben, Happen essen.

Sonntag, 13.15 Uhr: Zurück in der Halle: Derendingen schlägt Tübingen per Buzzer-Beater-Dreier. Kampfrichter bezahlen.

Sonntag, 14.54 Uhr: Meine Jungs schlagen Tübingen 49:36. Der erste Sieg an diesem Wochenende in dieser vermaledeiten Ausweichhalle.

Sonntag, 15.20 Uhr: Zurück nach Hause, es wird gemütlich. Zwischendurch Landesligabericht schreiben.

Sonntag, 17.05 Uhr: Der Trainer der U16 ruft an: Er hat kein Geld für die Schiris.

Sonntag, 17.12 Uhr: Schiedsrichter bezahlt (113 €), Spielberichtsbogen vom U16-OL-Spiel VfL - Ludwigsburg (44:163!) eingesammelt. Zurück nach Hause, bisschen Bayern in Hannover und HSV – Bochum gucken. Nebenher Stats der U16 eingeben.

Sonntag, 18.05 Uhr: Rest von VfL U20 – Tamm/Bietigheim (104:77) gucken. Kampfrichter bezahlen, Bälle sichern, Halle aufräumen und abschließen.

Sonntag, 19.30 Uhr: Endlich zu Hause – wieder mal. Das aktive Weekend ist gelaufen. Acht Spiele, nur zwei Siege (die Jugendberichte schreib ich morgen: hier). Der Sohnemann (ach ja, er hatte gestern Geburtstag!) ist da. Erstmal eine Stunde E-Mails checken, Stats der U14, U16 und U20 eingeben, Ergebnisse an die Lokalpresse mailen.

Sonntag, 22.00 Uhr: Das Abendprogramm wirkt: Ein Bier zum Abendessen, ein Schnäppsle zum Verdauen, ein Glühwein zum Einschlafen – keine Chance, die verpassten Tore der Bundesliga im DSF zu sehen – die Augen fallen ständig zu. Im Bett aber: eine Million (alkoholisierter) Ideen für den Blog morgen, es dauert viel zu lange bis zum endgültigen Einduseln.

Montag, 2.30 Uhr: Die Vorstellung läuft gerade, die NBA hat der Starting Five des Westens offensichtlich verboten, zu lächeln. Bei Duncan sieht das ganz normal aus, bei Carmelo Anthony sehr seltsam.

Montag, 2.45 Uhr: Das Spiel, auf das wir so lange (seit Freitag!) gewartet haben, geht endlich los. Der Osten spielt westlich, Howard und James schmeißen sich in der zweiten Etage das Bällchen zu und hämmern es rein. Kobe lässt sich nach drei Minuten auswechseln und kühlt seinen kaputten Pinkie, Dirk macht langweilige Pässe, Anthony langweilige Korbleger, Duncan langweilige Bankshots. Wir essen reichlich Geburtstagskuchen zum Wachbleiben.

Montag, irgendwann gegen 4 Uhr: Halbzeit. Für mich: Die weiße Fahne! It’s over! I ka nemme! Im Bett drückt der Kuchen im Magen rum. Sohn S. verpennt die Halbzeitshow und gibt dann auf.

Montag, 6.30 Uhr: Der Radiowecker dudelt. 999.999 Ideen sind wieder weg.

Wir haben versagt. Aber nächstes Jahr schaffen wir es ganz!

Posted by Ulrich Tangl - February 18, 2008 10:20 am

CLONK!

Ja, wir hatten uns so gefreut! Am meisten natürlich auf Dirk Nowitzki in Detroit.

Und was haben wir bekommen?

Clonk!

Diese Geräusch war so was von symptomatisch für das Spiel der Mavericks. Es stand am Ende von fast jedem Angriff – gefühlt, gehört, erduldet.

Was für ein Grottenspiel. Grottenschlecht. Hässlich wie a Krott. (aber lassen wir die semantischen Feinheiten des schwäbisch-Deutschen inklusive der Unterschiede zwischen einer Grotte und einer Krotte = Kröte lieber außen vor)

Die Offensivtaktik der Mavs: Entweder nicht vorhanden oder so: Drei stehen irgendwo rum und schonen sich für die Play-offs, zwei spielen sich den Ball hin und her, einer geht irgendwann eins gegen eins und schaut, wie weit er kommt.

Meist bis zum Clonk.

Keine Bewegung ohne Ball.

Kein Extra-Pass.

Kein Team-play.

Kein Spaß für uns zu Hause.

Wie soll man das aushalten, wenn man grade das 1:4 des VfB Stuttgart ausgerechnet auf Schalke ertragen musste? Gut, die Lakers in Washington waren der Trost des Abends (abgesehen von unserem super rustikalen Abendessen, aber das dürfte keine Sau – außer der, die dafür geschlachtet wurde – interessieren).

Unser Dirk war ausnahmsweise mal der Oberclonker. Einen einzigen Jumper hat er getroffen. Dazu noch zwei Hüpfer nach Offensiv-Rebounds. Aber 15-mal Clonk.

Aaarrrrggghhhhh.

Und dann bringt Premiere die „Highlights von Dirk Nowitzki“. Einszweidrei und wieder mal vorbei – heissa ist das luschtig. Aber schließlich haben wir Fasching!

Jetzt musste der Superbowl den Abend retten! Und er tat es: Um 4 Uhr schmeißt dieser verrückte Manning den Touchdown zum Sieg. Dafür hat es sich gelohnt, aufzubleiben.

Für Dirk diesmal nicht. Aber wir verzeihen dir. Auch wenn wir ziemlich zerknautscht sind.

Posted by Ulrich Tangl - February 4, 2008 10:00 am

Tut mir leid, Dirk: Die Lakers werden Meister

Was für eine Aufregung!

Was für ein Trade!

Die Lakers holen Pau Gasol, geben fast nichts dafür her (Kwame Brown? Vergesst es!) und die Machtverhältnisse in der NBA sind komplett durcheinander gewürfelt.

Fast nichts? Naja, in den kommenden Jahren haben sie massive Salary-Cap- und Luxury-Tax-Probleme. Wen das näher interessiert, der kann diesen Artikel von Mark Heisler in der LA Times lesen. Der Mann blickt durch.

Schade, dass Crittenton gehen muss, aber weil sich Jordan Farmar so stark entwickelt hat, wäre das eh nichts für den super talentierten Guard in LA geworden.

Kobe Bryant, dessen berechtigten Wünsche sich endlich erfüllt haben, war so aufgedreht, dass er seinen Lieblingen Raptors (ich sage nur: 81) gleich 46 Punkte eingeschenkt hat. 4:8 Dreier, 15:20 Zweier, reichlich Dunks – der Mann wirkte total befreit

Jetzt bleiben nur noch drei Fragen offen:

- passt Gasol in die triangle offense? (Chance: 70:30)
- lernt er endlich Defense? (Chance: 40:60)
- schaffen es die Lakers ohne Verletzungen ihrer „großen Vier“ Bryant, Bynum, Odom, Gasol? (Chance: 30:70)

Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden, gibt es von diesem legendären Freitag an nur noch einen Meisterschafts-Favoriten: Die beste Franchise im Basketball, das Team meiner Wahl, purple and gold – tätäääää (Fasching!): Die L A K E R S!

Eigentlich schade für unsern Dirk, ausgerechnet am Tag seiner siebten Allstar-Nominierung. Dann wird es dieses Jahr also wieder nichts mit dem ersehnten Ring. Nächstes Jahr auch nicht, nach 2010, nach dem nächsten Triple von Kobe und Co., gibt’s dann wieder eine Chance.

Denn wie sagte Mitch Kupchak: „Das alles muss ich nun in Siegen niederschlagen. Wir sind ein bisschen besorgt, weil wir viel Talent für die Zukunft aufgegeben haben, aber wir wollen heute gewinnen.“

Dann gewinnt mal heute. Zwei Spiele des Monstertrips von neun Auswärtsspielen sind rum.

Am Sonntagabend findet meine Aufregung ein Ventil: Um 18.00 Uhr Lakers @ Washington. Um 20.30 Uhr auf Premiere Dallas @ Detroit. Und zum Abschluss der Superbowl (ARD), wenn die Patriots gegen die Giants versuchen, den 19. Sieg im 19. Saisonspiel zu schaffen.

Aber das ist eine andere Geschichte. Bis dahin zählt nur Basketballbaskteballbaskteballbaskteballbaskteballbaskteball…………………………

Posted by Ulrich Tangl - February 2, 2008 6:00 pm

Die „crunch-time“ in der großen und kleinen Welt des Basketballs

Trainer: „Noch 4,8 Sekunden. Jovan, du wirfst den Ball an der Mittellinie ein, zu Patrick. Dann startest du sofort zum Korb. Patrick, du wirfst Jovan den Ball nach vorne, der legt ihn rein.“ Auf dem Feld: Jovan wirft ein zu Patrick. Der zieht allerdings los zum Korb, kommt aber ziemlich weit. Dann fällt ihm sein Auftrag ein: Er gibt den Ball nach innen zu Jovan, der locht ein – gewonnen!

Trainer: „Noch 14 Sekunden. Wir werfen den Ball ein, dann sollte er irgendwie zu Hedo. Hedo, du machst irgendwas und schmeißt ihn dann rein.“ Auf dem Feld: Der Ball kommt irgendwie zu Hedo, der dribbelt nach links, dribbelt nach rechts, springt hoch, wirft aus acht Metern, trifft – gewonnen!

Jaaaa, die „crunch-time“, die letzten Sekunden eines engen Spiels. Es ist faszinierend, wie sich sogar hier die große und die kleine Welt des Basketballs treffen. Ob in Derendingen im Feuerhägle beim Spiel der U14-Trostrunde, wenn VfL Kirchheim 2 gegen den SV 03 Tübingen 3 gewinnt, oder in Orlando in der Amway Arena, wenn die Magics den Boston Celtics durch Türkoglus’ Wahnsinns-Dreier ihre achte Saisonniederlage beibringen.

Was aber, um Gottes Willen, hat Phil Jackson seiner Truppe auf die letzten neun Sekunden im Staples Center gegen Cleveland mitgegeben? Das, was jeder denkt? „Gebt den Ball irgendwie zu Kobe, der macht den Dreier zur Verlängerung.“ Auf dem Feld sah das so aus: Ball zu Luke Walton, Pass zu Kobe Bryant, wieder zu Walton, zurück zu Kobe – Spiel aus, verloren!

Toller Plan!

Wir waren da wieder hellwach – und ziemlich sauer. Nach einem langen Basketball-Sonntag hatten wir uns auf dieses Spiel auf Premiere gefreut. Zwei Spiele in Derendingen gecoacht (okay, ja, ich war der geniale Trainer mit dem Jovan/Patrick/Jovan-Plan), zwei Spiele in Kirchheim gepfiffen, Halle aufgeräumt, schön chinesisch gegessen, ein Gläschen Rotwein auf dem Tisch: Lakers in weiß gegen die LeBron-Cavaliers.

Vorher kurz die letzten fünf Minuten in Orlando im Internet: super Einstimmung.

Bis Kobe und LeBron das zu einem Superstar-Duell umfunktionierten, war das ja ein gutes Spiel. Mit Merkwürdigkeiten. Der nie geschriebene Song „It always rains in southern California“ von den Mamas, Papas und Onkelzz kam in den Sinn, als es durchs Dach des Staples Centers schüttete.

Das dauerte… (das Spiel von 21.30 Uhr bis 0.35 Uhr) Nicht nur deshalb sind wir beide in der Halbzeit total weggeratzt, im dritten Viertel haben wir oft jeden zweiten Angriff in temporärer Bewusstlosigkeit verpasst.

Dann nimmt Jackson Kobe drei Minuten vor Schluss stinkesauer raus: kein Passspiel mehr, nur noch Kobe gegen Lebron, vier Lakers-Vasallen schauen zu.

Kobe kommt wieder, kann James nicht stoppen, es spitzt sich zu – und meine Lakers (sie sind es in guten wie in schlechten Zeiten!) sind nur noch Sechster der Western Conference.

Und jetzt kommt der längste Road Trip aller Zeiten mit neun Spielen. Noch ein Song: „On the road again“ von Canned Heat – die Truppe heißt übersetzt „Billiger Fusel“. Und irgendwas in der Art müssen Phil oder Kobe oder beide da intus gehabt haben.

Ich war’s nicht. Mein Chianti war völlig okay…

Posted by Ulrich Tangl - January 28, 2008 9:30 am

Fast gigantisch: Von „sloppy“ über „yes“ zu „Anti-Egozock“

Mal wieder: Was für eine Nacht! Okay, der Premiere-Titel „Nacht der Giganten“ war natürlich Schwachsinn, aber stark war’s trotzdem. Insgesamt. Also fast gigantisch.

Erstmal aber die Mavs: Gar nicht stark! Wenn jemand wissen will, was „sloppy play“ bedeutet, muss er sich nur dieses Spiel von Dirk und Konsorten in Washington reinziehen. Dallas spielte wie am Anfang der Saison, völlig lustlos, Dirk war meistens null aggressiv, in der Abwehr galt viel zu oft das Prinzip „Nimm ihn du, ich hab ihn sicher“.

Ich war schön blöd, unseren Seniorenzock frühzeitig zu verlassen, um Dallas @ Washington zu sehen.

Klar, die Pause war mal wieder zu lang für Averys Jungs, schon in Seattle war das nichts Besonderes nach diesen fünf Ruhetagen. Aber bis Freitag sollten sie das Problem mit der Einstellung schon hinkriegen, dann geht’s gegen die Lakers. Doch zu denen später.

Schade fand ich, dass ich anschließend beim historischen Spiel sechs von 1993 ständig eingeduselt bin. Es war ja doch ein Genuss, Marv Albert wieder ausstoßen zu hören: „Michael Jordan – yes!“ Das Spiel zum ersten Threepeat der Bulls von 1993 hab’ ich ja schon x-mal gesehen, aber es ist halt auch ein Klassiker.

John Paxsons Dreier zum Sieg hab ich nicht geschafft, Morpheus war stärker – war auch gut so, weil um vier ja schon der Radiowecker dudelte. Morpheus ist, das für alle jungen Leser, übrigens weder der damalige Assistant-Coach der Suns noch mein Vermieter, sondern der Gott des Traumes.

Der Rest von Dwyane Wade gegen Cleveland musste schon sein. Das war deutlich besser als an Weihnachten, als das gleiche Spiel vom DSF übertragen wurde. Auch, weil man den TNT-Kommentar hatte. Miami jetzt mit 0:14 – der arme Wade! In der zweiten Hälfte musste er 32 der 38 Heat-Punkte selber machen, bei den letzten 18 half ihm gar keiner mehr. Jeder Ball, den er hergab, war ganz schnell kaputt. Also gab er fast keinen mehr her: kein Egozock, sondern pure Einsicht in die Schwäche seiner Kollegen.

Shaq? Hab ich nicht gesehen, soll aber anwesend gewesen sein. Riley? Was hat er nur aus diesem Team gemacht?

Apropos Egozock: Da fällt den meisten Stammtischbrüdern ja sofort Kobe Bryant ein. Mir schon lange nicht mehr. Wer gegen Seattle 44 Würfe nimmt, aber auch den Matchwinner, und sich ein paar Tage später so zurückhält, dass er erst vier Minuten vor der Pause den ersten Wurf nimmt, am Ende 5:7 Würfe hat, elf Assists und – nur darauf kommt’s an – den Sieg, der macht einfach immer das, was zum Gewinnen nötig ist. Diesmal war das, den unvergleichlichen „Fish“ zu füttern. Und Kwame Brown Selbstvertrauen zu verschaffen.

Denn auf Letzteren kommt es an, wenn man die 27 Spiele ohne Andre Bynum überleben will. Die Lakers stehen zwar auf Platz drei der Western Conference, haben aber nur drei Siege mehr als der Neunte, Utah. Und die kommen auf jeden Fall in die Play-offs. Ein Pessimist könnte also wirklich befürchten, dass die Lakers ähnlich nachlassen wie vergangene Saison, als viele Verletzungen nach einem super Start alles zerstörten.

Von den nächsten 17 Spielen sind 14 auswärts…

Zurück zur „Nacht der Giganten“. Den superwitzigen Schlusspunkt setzte Premiere-Moderator Sascha Bandermann. Er wünschte „eine gute Nacht“. Es war Viertel nach sieben. Was hätten wir gelacht. Wenn der eine nicht in die Schule und der andere nicht an den Rechner gemusst hätte…

Posted by Ulrich Tangl - January 22, 2008 3:30 pm

Sechs Stunden kein Weihnachten

J.P. Carlesimo, der alte Schleifer, sagte es seinen Jungs gleich doppelt: „Die nächsten drei Stunden ist kein Weihnachten! Hört zu: Keine Weihnachten die nächsten drei Stunden!“

Kapiert haben sie es natürlich nicht, wer hört schon Carlesimo zu? Seattle verteilte also genug Geschenke, um am Ende des Xmas-Triple-Headers den Blazers ihren elften Sieg nacheinander zu ermöglichen.

Im Hause des Bloggers hätte es heißen müssen: „Die nächsten neun Stunden keine Weihnachten!“ So gegen halbneun. Denn die lange Basketballnacht war angesagt.

Die erste gute Nachricht: Das DSF ist wieder dabei!

Die schlechte: Frank Buschmann war die ärmste Sau an Weihnachten. Der DSF-Zweite-Liga-Fußball-Anchorman und BB-Nationalmannschaft-Alleinunterhalter musste nicht nur an Weihnachten arbeiten, nein, die Chaoten aus den USA lieferten ihm in den (endlosen) Minuten vor dem Jump so eine Wundertüte an Bildern, dass Buschi sicherlich mehrmals das Mikro ausstellte und Sätze wie „Die müssen jetzt endlich aus dem Arsch kommen“ herumbrüllte (in memoriam EM 2001: hier).

Man sah Dwyane Wade was reden, dann das Hallen-Standbild, dann Pat Riley labern, dann gar nichts, dann wieder Wade undsoweiterundsofort…

Die Amis denken sich nix dabei: Während sie Werbung laufen lassen, probieren sie alles mögliche aus, testen für später – und schicken den ganzen Schmonzes den dummen Deutschen als Livebild.

Und die zahlen auch noch dafür.

Nachher ging’s, aber Buschi blieb arm: Es war ein fürchterliches Spiel, es war kaum zu ertragen, was Cleveland und Miami ablieferten, und er ist nicht mehr so drin in der NBA, sagt Sachen wie „Wade und James haben, seit sie in der NBA in, einen ganz guten Lauf“. Autsch!

Weil das Gewürge zweier derzeit schwacher Mannschaften, von den Marktschreiern des DSF als „absoluter Mega-Kracher“ (lol) angekündigt, aber nirgends und null tatsächlich beworben, länger dauerte, mussten wir auf das einzig echte Xmas-Game länger warten.

Aber es hat sich gelohnt!

Phoenix Suns @ LA Lakers, das war die reine Offenbarung, das war BB at his best, das war eine einzige Highlight-Show, aber mit Teamplay, tollen Pässen, Spannung, eben allem, was dazu gehört.

Da wurde keiner müde, auch nach zwei nicht, als Kobe Bryant und Andrew Bynum (der Nachfolger des MDE!) die Sache entschieden.

Das neunte Xmas-Game der Lakers nacheinander lief auf Premiere, man konnte auf US-Kommentar umschalten, und da unterhielten der ABC-Mann Mike Breen sowie die Experten Mark Jackson und Jeff van Gundy (ganz stark) die nächtliche BB-Gemeinde mit Witz und Know how.

Nur die Statistik, dass Kobe jetzt Shaq als aktiver Spieler mit den meisten Punkten an Weihnachten überholt hat, die hätte sich ABC wirklich sparen können. Diese Amis!

Anschließend ging’s an den Rechner für Seattle @ Portland, aber wir bekamen nur die China-Connection und mussten den Kampf gegen die Müdigkeit aufgeben.

So wurden es nur sechs Stunden „kein Weihnachten“. Aber die zweieinhalb im Staples Center waren das schönste Geschenk.

Im Übrigen geht mir das Fest der Feste sowieso ziemlich am …………………..

Aber das ist eine andere Geschichte.

Posted by Ulrich Tangl - December 26, 2007 3:30 pm

Der Assist-Killer und der Olymp der Vielseitigkeit

NBAE/Getty Images
Dirk Nowitzki of the Dallas Mavericks lays it in the bucket against the Philadelphia 76ers.
Okay, Jason Terry war schuld, dass es in der letzten Nacht nicht passiert ist.

Nein, es geht nicht um Dirk Nowitzkis Unschuld.

Sondern um sein sehnlichst erwartetes allererstes Triple Double. Gegen die Sixers stellte er seine Karriere-Bestleistung mit acht Assists ein, bei den Punkten waren es 21, bei den Rebounds zwölf. Fehlen also zwei Assists zur Aufnahme in den Olymp der Vielseitigkeit.

Spaßeshalber machte Nowitzki Kollege Terry dafür verantwortlich, der einige freie Schüsse nach Pässen von ihm daneben geballert hatte.

Spaßeshalber? He, für einen, der nach den Kommentatoren von nba.com (zu finden hier) Mitteldistanzwürfe wie Korbleger verwandelt, kann das doch nicht so schwer sein, die Pässe seines Kumpels in Assists zu verwandeln.

Das erinnert mich an ein Spiel vor vielen Jahren, als ich auch schon nicht mehr der Jüngste war und ein Mitspieler drei Korbleger nacheinander versiebte – nach natürlich genialen Pässen von mir. Da kreierte ein Freund von mir auf der Tribüne den Begriff „Assist-Killer“.

Terry bekam noch einen anderen Namen, von Avery Johnson, nachdem er in der ersten Hälfte einige offene Würfe verweigert hatte: „Ich musste ihn daran erinnern, dass er die Mikrowelle ist und nicht der Toaster.“

Zurück zum Dirkster: Er hatte auch drei Blocks, zwei Steals und trotz der vielen Assists keinen einzigen Ballverlust, was insgesamt den werten Kollegen Eddie Sefko von den „Dallas Morning News“ dazu brachte, vom „onslaught“ auf die Sixers zu schreiben. Das heißt laut leo.org, dem besten Englisch-Lexikon online, Angriff oder Ansturm, bedeutet aber etwas viel Heftigeres wie zum Beispiel Überfall. Avery Johnson setzte noch einen drauf und nannte Dirk einen „stud“. Könnte Hengst heißen, slangmäßig ginge auch Sexprotz oder Beschäler, würde aber nicht passen (siehe zweite Zeile!).

Unser Würzburger ist jedenfalls aus dem kleinen Portland-Tal heraus, hat das erste große Ausrufezeichen gesetzt nach einem Solala-Saisonstart in den ersten zwei Wochen.

Auch Jerry Stackhouse – Johnson: „Defensiv das beste Spiel, seit er bei uns ist“ – und Eric Dampier – sieben Punkte und sieben Rebounds in 13 Minuten – in seinem ersten Saisonspiel hatten starke Auftritte neben Nowitzki, Terry (trotz Assist-killing und Toaster-Attitüde Topscorer mit 25 Punkten) und Josh Howard.

Die Mavs stehen auf 5:2, was für ein Team, das diesmal die Anzahl der Siege in der regular season nicht gar so ernst nehmen will, gar nicht so schlecht ist.

Aber es interessiert eh keinen in Amerika – und hier die wenigsten – wie gut oder schlecht Dirk und Co. zwischen November 2007 und April 2008 spielen. Der Weg aus dem Trauma beginnt erst mit den Play-offs. Und das kann nur mit einem besiegt werden: dem Titel im Juni!

Posted by Ulrich Tangl - November 14, 2007 9:55 am

Kobe Bryant kann „hopfa“

Vielleicht sind die Lakers ja doch nicht so schlecht!

Kobe hatte ja völlig Recht, als er unmittelbar nach dem chancenlosen Play-off-Aus gegen die Suns unmissverständlich meinte: „Hier muss etwas passieren! Und es muss schnell passieren!“

Und was passierte? Gar nichts.

Dass da ein Sportler, der sich womöglich zu Recht für den besten seiner Art auf der Welt hält, mehr als ein bisschen genervt reagiert, wenn man ihm seine Chancen, irgendetwas zu gewinnen, so lahmarschig wegnimmt, ist dann schon zu verstehen.

Gut, er hätte Old-Jerry nicht „Idiot“ und „Lügner“ nenne dürfen. Aber schließlich hatte der ihm etwas ganz Anderes versprochen als so einen halbherzigen „rebuilding process“.

Kobe allein zu Haus zusammen mit Lamar Odom, der zu Beginn auch noch verletzt, das war keine Perspektive. Nicht für Kobe, nicht für die Fans.

Die haben dann trotzdem beim ersten Heimspiel ihn ausgebuht anstatt das Management.

Nach dem Sieg in Phoenix haben sie nicht mehr gebuht, als mit den Utah Jazz der nächste Division-Gewinner auf dem Spielplan stand und Kobe ins Staples Center marschierte.

Und statt 0:3 stand es nach diesem Spiel plötzlich 2:1 nach Siegen.

Aber hauptverantwortlich für den am Ende souveränen Sieg waren zwei andere, extrem Junge, und genau das ist es, was alle Lakers-Fans hoffen lässt: Andre Bynum und Jordan Farmar (beide 20!) spielten sich in einen Rausch.

Das „play-by-play“ im vierten Viertel sieht aus wie „Zwei gegen Utah“: „Bynum fastbreak dunk, Farmar running layup, Farmar three-point play on a driving layup and free throw, Bynum layup, Farmar 11-foot fadeaway, Bynum two free throws, Bynum three-point play on an alley-oop layup and free throw, Bynum reverse layup.”

Kobe gefällt’s: „Es sieht so aus, als ob er langsam aus seiner Muschel rauskommt.“ Und meint damit Bynum, der in den beiden schweren Spielen gegen Phoenix und Utah 14,5 Punkte und elf Rebounds im Schnitt sammelte – und am Ende eine „standing ovation“ bekam.

Übrigens seine erste, dafür, „dass ich ausgefoult war“.

Zwischendurch blockte dann Kobe Andrej Kirilenko beim Fast-Break-Dunkingversuch:


NBAE/Getty Images

NBAE/Getty Images

Kirilenko ist zehn Zentimeter größer als Kobe – „But I’ve got a little hops“, sagte der nur.

Schwer zu übersetzen, erinnert mich aber an den Spruch eines unserer (schwäbischen) Spieler 1970, als ich gerade mit dem Basketball anfing: „Ned jucka, Jonger, hopfa. Jucka ka jedr, aber hopfa…!“

Keine Frage: Kobe kann „hopfa“! Jetzt müssen ihm nur die Jungen hinterher „hopfa“, die „good vibrations“, die laut Phil Jackson (der alte Hippie!) die zwei Siege gebracht haben, eine Weile anhalten, und dann, ja dann könnte es sein, dass die Lakers 2007/2008 doch nicht so schlecht wie befürchtet werden.

Es könnte alles aber auch daran gelegen haben, dass die Suns und die Jazz jeweils am Abend zuvor spielen mussten . . .

Posted by Ulrich Tangl - November 05, 2007 10:30 am

Multi-Tasking

Es gab da mal diesen amerikanischen Präsidenten, dem sagte man nach, er sei zu dämlich, um zu gehen und gleichzeitig Kaugummi zu kauen. Keine Ahnung mehr, ob das Lyndon B. Johnson, Gerald Ford, Ronald Reagan oder George W. Bush war. Passen würde es bei allen.

Armes Amerika.

Apropos Amerika: Letzte Nacht ging’s ja los. Der beste Spieler dort soll ja ein Deutscher sein, ein 2,13 Meter großer Blonder. Früher hat man gewusst, dass einer, der über zwei Meter groß ist, normalerweise beim Gradeauslaufen großer Verletzungsgefahr unterliegt – schon ohne Kaugummi.

Das kann man über Dirk Nowitzki nun wirklich nicht sagen. Der war schon als Teenager unglaublich gut koordiniert für so eine Riesengröße, und, was eigentlich noch erstaunlicher ist, er wird seither jedes Jahr immer besser.

Jedes Jahr.

Und keineswegs nur beim Gradeauslaufen, sondern bei der so anspruchsvollen Sportart Basketball.

Jetzt soll er, will er, muss er: endlich Meister werden!

Schließlich ist er schon 29, hat vielleicht noch drei bis fünf Jahre auf höchstem Niveau.

Wie der Weg zum NBA-Titel am Donnerstagmorgen begann, das wollte ich mir dann doch exklusiv auf Premiere anschauen.

Zur Einstimmung ahmte ich am Abend ein kleines Eckhard-Henscheid-Experiment zum Thema Multi-Tasking nach.

Einfach nur, um die Überlegenheit Deutschlands gegenüber Amerika zu beweisen (hoho).

Im Radio die SWR1-Hitparade (mit dem Überraschungssieger!). Im Fernseher DFB-Pokal, Bayern München – Borussia Mönchengladbach ohne Ton (dito). In den Händen der siebte Harry-Potter-Band.

Das klappte ganz gut, machte aber schon ein klein wenig müde, so dass der Schlaf zwischen elf und halbzwölf, während der Pokal-Zusammenfassung, gelegentlich gewann. Aber: Zu Mario Gomez’ Siegtor gegen Paderborn war ich wieder voll da, und auch über eine Stunde später, zum Beginn von Cleveland – Dallas um eins.

Die Cavaliers sind, trotz LeBron James (22), der nach Expertenmeinung Nowitzki als wertvollster Spieler ablösen könnte, ein absolut lausiges Team und überhaupt kein Gegner für Dirks Mavericks.

Was das Spiel langweilig machte und die TV-Nachtsitzung bei Halbzeit gegen 2.15 Uhr beendete.

Was man trotzdem sah: Trotz der heftigen Rückschläge der vergangenen zwei Spielzeiten mit dämlich verlorenem Finale 2006 und blamablen Erstrunden-Play-off-Aus 2007 sind die Mavs so heiß wie eh und je – oder sogar noch heißer. Sie können tatsächlich Meister werden.

Bisher hat das noch kein Deutscher geschafft. Ich trau es ihm auch zu.

Nicht wegen der Überlegenheit gegenüber Amerika (hihi).

Sondern weil Nowitzki immer besser wird.
Weil sich Dallas noch verstärkt hat.
Weil die Gegner nicht besser geworden sind.
Weil die Mavs einfach am dransten sind.

Ach ja: Es war wohl doch Gerald Ford („chew, left – chew, right“).

Posted by Ulrich Tangl - November 01, 2007 9:06 am

Aus dem Gefängnis zum Titel

Okay, Sports Illustrated hat es verkündet, also muss es wahr sein: Die Dallas Mavericks werden NBA-Champ! (hier) Ist das wirklich möglich?

In einer Woche haben wir das erste Spiel hinter uns. Dann werde ich deutlich müder sein, denn dann haben wir die Nacht durchgemacht und uns den Saisonauftakt in Cleveland angeschaut. Obwohl: Das Spiel wird keinerlei Hinweis geben, wahrscheinlich wird’s öde. Wir schauen`s trotzdem, komplett mit Chips und Suppe zur Halbzeit, wie üblich eben.

Warum es öde wird? Weil die Mavs vorher acht Tage im Gefängnis verbracht haben – im Gefängnis ihrer eigenen Erwartungen, total heiß, aber kalt gestellt, jeden Tag nervöser, nicht begreifend, warum es nicht losgeht, immer hibbeliger, irgendwann schlaflos.

Das ist, als wenn man einem Neunjährigen jeden Tag sagt, morgen ist Weihnachten, und es beim Frühstück immer heißt: Warten!

Zwischen dem letzten Preseason-Spiel gegen die Chicago Bulls am 23. Oktober und dem Saisonstart in Cleveland am 31. Oktober liegen diese unbegreiflichen acht Tage, die längste Wartezeit, die in der Geschichte des modernen Profisports einem Team nach der Vorbereitung zugemutet wurde. Unken sie wenigstens in Texas und brauchen sich auch gar nicht die Mühe machen, das zu überprüfen, weil es auf jeden Fall viel zu lang ist.

Zum Glück können sie den Start 2006 nicht übertreffen, 0:4 Siege sind einfach für dieses Team nicht zu schaffen.

Obwohl: Wenn man in Cleveland verliert (was schwierig wird), kann es auch in Atlanta schief gehen, dann gibt es ein Heimspiel gegen Sacramento. Wenn da der Koller noch nicht kuriert ist, gibt es doch eine Chance, mit einer Schlappe gegen Houston die ersten vier zu verlieren.

Schließlich wird Houston von vielen als „dark horse“ als Geheim-Favorit, gehandelt. Wenn Tracy McGrady und Yao Ming gesund bleiben.

Genauso sicher wird George W. Bush zum Friedensengel.

Also vergesst es.

Also doch die Mavericks. Die haben sich schließlich klug verhalten, ganz nach dem Motto: „Wenn etwas nicht kaputt ist, brauchst du es nicht zu reparieren.“ Sie haben ihr starkes Team noch verstärkt, wie vor einem Jahr heißt es, niemand ist tiefer besetzt. Unsicherheitsfaktoren sind, wie viel Eddie Jones noch im Tank hat, ob Devin Harris das Team als Point Guard führen kann, wie Eric Dampier seine Verletzung verkraftet, ob Devean George richtig fit und endlich wertvoll wird, ob Josh Howard tatsächlich noch mal besser wird oder Allüren bekommt, und und und, vor allem aber, …

… OB DIRK NOWITZKI ENDLICH DAS CHAMPION-GEN ZEIGT!

Nur Geduld. Im Juni wissen wir mehr.

Was? Im Juni? Das ist ja die reinste Folter! Und sie beginnt für uns in der Nacht zum Donnerstag um eins auf Premiere.

Posted by Ulrich Tangl - October 25, 2007 12:40 pm

Dirks Mars-Exkursion – mit Kobe?

Noch elf Tage, 13 Stunden. Langsam steigt die Spannung. Nicht so bei Avery Johnson, der unsern Dirk (und Stackhouse, Howard, Diop) das ganze Spiel gegen Houston auf der Bank schmoren ließ. In der Zeitung steht, wegen eines „healthy scratch“ – könnte „deutlicher Kratzer“ heißen – wie auch immer.

Richtig los geht’s für die Mavs, die einiges zu beweisen haben, erst heute Abend gegen Detroit: „Echte Generalprobe“ nennt das der kleine General, der von null (gegen Houston) auf 100 (gegen Detroit) beschleunigen will.

Für Nowitzki wird es das erste ernste NBA-Spiel von sehr, sehr, sehr vielen. Nach seinem langen (Neuseeland-)Urlaub, der mit der Vorbereitung auf die EM im August endete, wird es womöglich ein komplettes Jahr voll mit Basketball, das erst mit dem Erlöschen des olympischen Feuers am 24. August 2008 enden könnte.

  • Europameisterschaft mit neun Spielen (3. – 16. September)
  • Preseason mit acht Spielen (2.– 30. Oktober)
  • Regular Season mit 82 Spielen (31. Oktober – 16. April)
  • Play-offs mit maximal 28 Spielen bis zum Titel (Juni 2008)
  • Olympisches Qualifikationsturnier mit fünf bis sechs Spielen (Juli 2008)
  • Olympische Spiele mit drei bis acht Spielen (8. - 24. August 2008)

Das macht maximal 141 Spiele in zwölf Monaten. Noch Fragen?

Wenn ihm nach dem Abflug gegen die Warriors im April der Basketball erstmal ziemlich anödete, was wird im August 2008 wohl sein? Nimmt Holger Geschwindner ihn dann auf eine einjährige Exkursion zum Mars mit? Dirk sagt: „Ich hoffe, ich kann den ganzen Weg gehen.“

Warten wir es ab und schauen wir es uns an – die Sorgen mit Premiere sind ja zum Glück ausgestanden, der Sender ist dabei.

Die zweite Frage, die derzeit beschäftigt, ist natürlich Kobe Bryant. Jean-Jacques Taylor von den Dallas Morning News, der sich nach dem Aus gegen die Warriors als Bluthund gegen Dirk Nowitzki positionierte, meint, Mark Cuban sollte das Tanzen vergessen und sich an Kobes Fersen heften. Sein Plan: Josh Howard, Devin Harris, Erick Dampier und Moe Ager, Erstrunden-Picks 2008 und 2010 sowie Bargeld für Bryant und Vladimir Radmanovic.

„Schockschwerenot“, würde Donald Duck sagen.

Soll man sich das wünschen? Soll ich mir das wünschen? Meine beiden Lieblingsspieler in einem Team? Der brave Junge aus Würzburg allein zu Haus mit dem besten Basketballer der Welt, aber auch einem der unreifsten? Und dabei beurteile ich Kobe noch viel gnädiger als die allermeisten, stelle seinen Siegeswillen, seine Professionalität, seine Arbeitseinstellung weit über seinen ziemlich verkorksten Charakter.

Okay, lassen wir das, daraus wird sowieso nichts.

Aber ist Cuban nicht ein ziemlich verrückter Junge?

Die Vision: Dirk, Holger und Kobe auf dem Mars zum gemeinsamen Erholen von diesem schwierigen, fantastischen Jahr.

Genug gesponnen.

Aus!

Posted by Ulrich Tangl - October 19, 2007 10:25 am

Die Vorfreude steigt!

Die adidas-Uhr auf NBA.com zeigt es: Noch 18 Tage bis zum Start! Wenn die NBA-Jungs diesen Blog ins Net gehievt haben, werden es noch 17 sein – oder weniger.

So oder so: Die Vorfreude steigt. Nicht so unkontrolliert wie beim Kollegen Maurice Brooks, der sich jetzt schon anfängt Gedanken zu machen, wer Dirk Nowitzki wohl als MVP folgen wird. Ein klarer Fall von geistigem Durchfall…

Bevor wir uns also selbst belästigen mit Fragen, die im Mai 2008 entschieden werden, ist ein Blick auf die Preseason vielleicht erhellender. Was da auffällt: Die Probleme der NBA-Teams gegen die Europäer.

Okay, der 104:103-Sieg von Real Madrid gegen Toronto, das kann passieren, schließlich stehen mit Jose Calderon and Jorge Garbajosa zwei spanische EM-Looser im Raptors-Team.

Ganz normal mutet das 107:70 von Houston gegen Panathinaikos Athen an, auch das 98:73 der Grizzlies gegen Estudiantes Madrid und das 112:85 der Knicks gegen Maccabi Tel Aviv läuft unter „keine besondere Vorkommnisse“.

Aber was ist mit der 99:102-Blamage der Grizzles gegen Unicaja Malaga? Dem schlappen 84:81 der Wolves gegen Efes Pilsen? Dem knappen 93:87 der Raptors gegen Lottomattica Rom?

Sind die europäischen Jungs tatsächlich schon so viel weiter in der Vorbereitung? Hoffen wir es!

Okay, Preseason, da hängt sich eh keiner rein. Schon klar, aber das war die vergangenen 60 Jahre nicht anders und trotzdem gab’s nur lockere Siege. Wie bei diesen McDonalds Open, wo ich vor zehn Jahren in Paris-Bercy im Palais Omnisports zwei Reihen hinter der Bulls-Bench saß und Michael Jordan auf den Rücken hätte spucken können. Ich habe es nicht getan, und das Poster, auf dem ich genau an dieser Stelle zu sehen und sogar zu erkennen bin, ist beim letzten Umzug verschütt gegangen – als das klar wurde, habe ich mich tierisch geärgert, weiß aber nicht mehr, ob ich wie Homer Simpson „nein“ (hier) oder wie Carrie Heffernan „verdammt“ (hier) gerufen habe.

Letzten Sommer war es schon nicht so supertoll mit der NBA-Europe-Tour. Vor allem die Sixers haben enttäuscht. Ist die Überlegenheit der NBA-Teams wirklich vorbei?

Sagen wir es so: Die Klubs in Europa haben brutal aufgeholt, aber in Amerika wird immer noch der beste, attraktivste B-Ball gespielt. Deshalb freue ich mich auf den Startschuss. Und dass Dirk es allen zeigen kann. Hoffentlich auch im deutschen Fernsehen. Denn da sieht es im Moment noch düster aus, es wird verhandelt, Ergebnisse sind noch nicht in Sicht.

Wenigstens haben wir unser erstes Kreisligaspiel 74:44 gewonnen (hier). Mehr darüber … ganz sicher nicht beim nächsten Mal.

Posted by Ulrich Tangl - October 12, 2007 2:18 pm

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