Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten – sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs“ könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben.

Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. Nba.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs.


Rolf Hasbargen
In seiner Jugend eiferte Rolf Hasbargen seinen Idolen Jordan und Barkley nach und feilte auf der heimischen Einfahrt stundenlang akribisch an seinem Tomahawkdunk. Der 1,97 m große Bilderbuchathlet war auf dem besten Weg, als erster Ostfriese in die Geschichtsbücher der NBA einzugehen, doch Mädchen und Parties sorgten für eine folgenschwere Wende in seiner Basketball-Laufbahn. Heute residiert der Patchworkkarrierist (30) im Königreich des Basketballs und genießt das Spektakel NBA live auf dem heimischen Fernsehschirm oder auf der Tribüne als Teil der enthusiastischen Anhänger der Golden State Warriors. Seine Email ist: blogbasketball@gmail.com.

‘Create your own amazing playlist’

Eine wirklich tolle Spielerei, um das Playoff-Aus der Dallas Mavericks vergessen zu machen. Magische Momente aus 62 Jahren Playoffgeschichte durchleben und die persönlichen Highlights in eine Top 5 Liste anordnen - Viel Spaß!

Posted by Rolf Hasbargen - Mai, 15 2009


Im Osten geht die Sonne auf…

LeBron James
NBAE/Getty Images

Im Osten geht die Sonne auf…

Cleveland Cavaliers Head Coach Mike Brown fordert von seinen Spielern ab sofort bedingungslosen Einsatz: “Wir müssen unsere Gesundheit aufs Spiel setzen, um uns diesen Ballbesitz zu erkämpfen, der den entscheidenden Unterschied nicht nur in einer einzelnen Begegnung, sondern in einer gesamten Playoffserie ausmachen kann”

Nach der empfindlichen 76-107 Niederlage der Boston Celtics gegen Cleveland rümpft ein rachsüchtiger Ray Allen über das seiner Ansicht nach so gar nicht kavalierhafte Verhalten von LeBron & Co die Nase: "Wenn ich gegen ein Team gewinne, bleibe ich stets bescheiden – egal, wie sehr ich mich auch über den Sieg freue. Ich behalte immer in Erinnerung, dass wir uns an einem anderen Tag wiedersehen werden.”

Bei der 80-98 Niederlage gegen die Milwaukee Bucks fehlt neben Dwight Howard und Rashard Lewis auch Hedo Turkoglu im Aufgebot der Orlando Magic. “Ich werde in den Playoffs unter keinen Umständen fehlen”, beruhigt der liebenswürdige Türke jedoch nach dem Spiel die besorgten Fans.

Bei den Atlanta Hawks kommentiert Forward Josh Smith emotional den Etappenerfolg Playoffqualifikation: "Worte können nicht akkurat beschreiben, wie ich mich fühle. Selbst nach dem knappen Aus gegen die Celtics im letzten Jahr haben einige Leute behauptet, dass wir es in dieser Saison nicht in die Playoffs schaffen werden – wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen.”

Guard Louis Williams legt trotz einer besorgniserregenden Niederlagenserie der Philadelphia 76ers eine stoische Ruhe an den Tag: "Das sind wir schon gewohnt. Erst verfallen wir in einen Trott - dann reißen wir uns wieder zusammen und gewinnen Spiele. Für unser Team ist es also nicht unbedingt eine schlechtes Zeichen, dass wir direkt vor den Playoffs fünf Begegnungen in Folge verloren haben.”

Dwyane Wade schießt sich für die Playoffs warm und schenkt den New York Knicks bei dem 122-105 Triumph der Miami Heat insgesamt 55 Punkte ein. Knickerbockers Head Coach Mike D’Antoni gratuliert dem MVP-Kandidat nach dem Spiel höchstpersönlich: "Es ist geradezu lächerlich, wie gut Du bist.”

Bei den Chicago Bulls freut sich der 28-jährige Guard Kirk Heinrich auf die Playoffluft: "Es ist unbezahlbar - es ist eine großartige Erfahrung. Erst wenn Du das erste Mal in den Playoffs stehst, realisierst Du, wie sehr sich die Atmosphäre und die Intensität von der regulären Saison unterscheidet.”

Nach der knappen 88-91 Niederlage gegen die Chicago Bulls analysiert Detroit Pistons Head Coach Michael Curry knochentrocken: "In dieser Saison ist uns bisher nichts in den Schoß gefallen. Wir stehen auf dem achten Platz der Eastern Conference und müssen nach Cleveland reisen – so ist es nun mal!”

Die Besten im Westen

Am Ende der regulären Saison verbuchen die L.A. Lakers nicht wie beabsichtigt die beste Bilanz der Liga – der 34-jährige Guard Derek Fisher blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft: “Wenn Du Dir ein Ziel setzt und es nicht erreichst, bist Du natürlich erstmal enttäuscht. Wir werden uns jetzt aber voll auf das nächste Ziel konzentrieren: Wir wollen Meister werden."

Denver Nuggets Head Coach George Carl warnt seine Truppe vor zuviel Imponiergehabe und Hokuspokus: "Es ist nicht der spektakuläre Spielertyp, der in den Playoffs erfolgreich ist - der knallharte Hardcore-Typ gewinnt in den Playoffs!”

Nach Ansicht von Houston Rockets Head Coach Rick Adelmann heißt es nach der regulären Saison erst einmal tabula rasa: “Es ist egal, was in der regulären Saison passiert – es ist wirklich völlig egal. In den Playoffs werden die Karten neu gemischt.”

In der Wahrnehmung von Portland Trailblazers Head Coach Nate McMillan sind 80 Saisonspiele wie im Fluge vergangen: “Ich bin heute Morgen aufgewacht und dachte mir:‘ Wir haben nur noch zwei Spiele’. Das ist doch verrückt. Wo sind bloß die restlichen Spiele abgeblieben?”

Nach dem Ausfall von Manu Ginobili sorgt sich San Antonio Spurs Head Coach um den Gesundheitszustand von Forward Tim Duncan: “Tim behauptet immer, dass bei ihm alles in Ordnung ist – ich weiß aber, dass er noch nicht wieder 100%ig fit ist.”

“Gib mir den Ball! Gib mir den Ball!”, fleht der selbstbewusste Jason ‘Jet’ Terry in der Auszeit seinen Head Coach Rick Carlisle an, bevor er am Montag gegen die Minnesota Timberwolves mit einem Buzzerbeater den umjubelten 96-94 Triumph der Dallas Mavericks sicherstellt.

Lustlosigkeit und fehlende Einsatzbereitschaft bei den New Orleans Hornets – Head Coach Byron Scott kann nach der deutlichen 66-86 Niederlage gegen die Houston Rockets über die Laissez-Faire-Einstellung seiner Spieler nur frustiert den Kopf schütteln: “Ich glaube, die meisten meiner Spieler denken, dass das wie ein Lichtschalter funktioniert, den man einfach umlegen kann, sobald die Playoffs beginnen. So funktioniert das aber nicht – absolut nicht!”

In der richtungsweisenden Phase der regulären Saison haben sich die Utah Jazz nicht gerade mit Ruhm bekleckert - Carlos Boozer macht seinen Mitspielern nach dem 106-87 Erfolg gegen die L.A. Clippers dennoch Mut: “Wir haben uns auf alle Bälle gestürzt, wir haben körperbetont gespielt – so sehen die Utah Jazz aus, die eine Chance in den Playoffs haben.”

Also Jungs, der Worte sind genug gewechselt – lasst Taten sprechen!

Posted by Rolf Hasbargen - April, 20 2009


*Dunk dank Nähmaschine

Dirk Nowitzki and Chris Bosh
NBAE/Getty Images

Zunächst eine verheißungsvolle Nachricht für alle, denen trotz fleißigen Trainings die entscheidenden Zentimeter zum krachenden Dunking fehlen:

Am Donnerstag präsentierte der Sportartikelhersteller adidas die offiziellen Uniformen für das All-Star Spiel am 15. Februar in Phoenix, und sorgte dabei für helle Aufregung in der Schneidergilde: Dank einer modernen Nähtechnik ist das neue Produkt ganze 30 % leichter als herkömmliche Jerseys. Wird dieser Hauch von Nichts nun in Kombination mit der dazugehoerigen ‘Techfit PowerWeb Compression-Base Layer’ getragen, kann die vertikale Sprunghöhe des homo sapiens um bis zu 4 % verbessert werden - das vespricht zumindest das adidas – Forscherteam für Biomechanik.

Bei dem Design der All-Star Uniform hat das Modeschöpferteam dahingegen auf Bodenständigkeit gesetzt: Die Farben der Jerseys sollen Erde, Sonne, Wüste und Himmel repräsentieren, horizontale Applikationen die berühmten Gesteinsformationen in der Steppe von Arizona in Erinnerung rufen, und Flammen auf den Shorts den Mythos des ‘Phoenix aus der Asche’ symbolisieren.

Doch federleichte Textilien hin und her: Unser 1,59 m großer Blogger Mike Liem wird selbst im Adamskostüm niemals auch nur in die Nähe des 3,05 m hohen Rings springen können, und muß wohl weiterhin an seiner aufblasbaren Korbanlage Dunking spielen.

Bist Du eine Capalogist?

Salary cap, Free agency, luxury tax – der pointierte Gebrauch dieser Terminolgie muss von jedem NBA-Fan beherrscht werden, der in der brodelnden Tradegerüchteküche bei dem lustigen (spekulativen) Zusammenmixen von Spielern mitmischen möchte.

Keine Ahnung? - Kein Problem: Larry Coon erklärt auf der Internetseite www.cbafaq.com diese bedeutungsschwangeren Begriffe, und erklärt detailliert all die komplizierten Richtlinien und Statuten des ‘collective bargaining agreement’ (C.B.A.), die die rechtliche Grundlage für alle Transfers und Spielerverträge bilden.

Der Informatiker Coon seziert und decodiert mit bewundernswerter Hingabe die von Juristenjargon nur so übersprudelnden 425 Seiten des C.B.A, und beglückt uns mit einer FAQ-Liste, die keine Frage offen lässt.

Dank der Vollständigkeit – alle spitzfindigen Sonderregeln wie die ‘Larry Bird exception’ oder die ‘Gilbert Arenas provision’ werden erläutert – und laufender Updates hat sich Jeff Coon’s Internetseite zu einer Instanz entwickelt, die sogar von Teamanwälten und Spielerberatern zu Rate gezogen wird.

Coon’s ambitioniertes Kunstwerk gilt darüberhinaus als die Heilige Schrift einer eigentümlichen Fan-Spezies, die sich vor der Saison 2010 immer weiter auszubreiten scheint: Die sogenannten ‘Capalogists’, die im stillen Kämmerlein auf Taschenrechnern mit Spielergehältern jonglieren und. endlose Tansferplanspiele durchkalkulieren.

Eine in meinen Augen sonderbare Freizeitbeschäftigung - doch mir soll’s recht sein: So muss ich mich nicht selbst mit den ungeliebten Zahlen beschäftigen, und kann mich voll und ganz meiner Phantasie hingeben und mir vorstellen, wie Teams aussehen, wenn sich Gerüchte verwirklichen und 2010 Dirk Nowitzki mit Chris Bosh…

Savoir vivre in Denver

Zu guter Letzt ein genialer Tipp von Denver Nuggets Headcoach George Carl. Der Sparfuchs hat uns nach dem 900. Sieg seiner Coachingkarriere verraten, wie sich auch in Zeiten finanzieller Not französische Lebenskunst zelebrieren lässt: "Trinkt man Bier nach Wein, so schmeckt das wie Champagner" Na dann santé, Mesdames et messieurs!

Posted by Rolf Hasbargen - Januar, 26 2009 11:58 a.m.


He Yo Captain Jack!!!

Stephen Jackson
NBAE/Getty Images

Weiter geht's mit dem zweiten Teil meiner Hommage an die Golden State Warriors, bevor in meinem Blog bald auch all die anderen Teams der NBA zu wohlverdienten Ehren kommen werden. Ach übrigens, mein Gewissen ist beruhigt: Dirk hat meine Entschuldigung akzeptiert - als wahrer Sportsmann kann auch er heute die außergewöhnliche Leistung der Warriors in der ersten Runde der Playoffs 2006/07 anerkennen.

He Yo Captain Jack!!!

Stephen Jackson, der in dem für jeden Warriorsfan unvergesslichen letzten Spiel der Playoffserie mit 33 Punkten zum Matchwinner avancierte, hat sich im Laufe seiner sieben NBA-Saisons durch Skandale auf und neben dem Court einen unrühmlichen Ruf als 'bad boy' erarbeitet.

Als Jackson z.B. 2006 in Indiana mit seinen Teamkollegen zur Ablenkung vom harten Ligaalltag in einem Stripclub ein wenig Labsal an einer ästhetischen Entkleidungsvorführung suchte, brach ein Streit mit anderen Gästen des Etablissements aus, der in einem Handgemenge auf dem Parkplatz des Clubs eskalierte. Nachdem Jackson dabei zuerst einen Schlag einstecken musste und dann in letzter Sekunde einem heranfahrenden Auto durch eine geschickte Rolle auf der Motorhaube ausweichen konnte, zog er kurzerhand eine 9mm-Pistole und feuerte mehrere Schüsse in die Luft...Eine Szene, die Jackson eigentlich mehrere Angebote als Darsteller in billigen Actionmovies einbringen sollte!

Glücklicherweise blieb Captain Jack aber dem Basketball treu, hat in den vergangenen Jahren einen Reifeprozess durchlebt, und ist nach seiner Vertragsverlängerung der Veteran und Star der Warriors. Der mit seinem Stirnband manchmal leicht dümmlich dreinschauende Allroundkünstler hat im Laufe dieser Saison die Führungsrolle adoptiert und versucht durch seine Erfahrung das jüngste Team der NBA in den entscheidenden Momenten anzuführen.

Herzschmerz

Vor Beginn dieser Saison kam für mich wie aus heiterem Himmel die herzzereißende Nachricht: Baron Davis, der kreative Kopf der so attraktiven Fastbreak- Offense, wechselt zu den Los Angeles Clippers. Zuerst stand ich einfach nur unter Schock. Sprachlosigkeit: " ..."Dann Enttäuschung und Suche nach dem Sinn: "Wie kannst Du mich denn einfach so verlassen?! Wir haben doch so viele unvergessliche Momente miteinander durchlebt!...aber warum denn bloß? Meinst Du etwa, dass es Dir bei den Clippers besser geht?"

Bis heute habe ich unter dem Liebeskummer zu leiden, den mir Davis' Entscheidung bereitet hat. Ich bin immer noch den Tränen nahe, wenn ich nur an Barons noble Präsenz auf dem Court denke. Ich vermisse einfach seinen kühlen Kopf in der Crunchtime, seine besondere Fähigkeit die Luft zu elektrisieren - und seinen Vollbart, der beim Schmusen immer so lustig gepiekst hat.

Zukunftsvisionen

Monta Ellis
NBAE/Getty Images
Doch was bringt die nostalgisch-sentimentale Verklärung der Vergangenheit - the show must go on - der Blick ist in die Zukunft gerichtet!

Sehnsüchtig erwarte ich die Rückkehr des am Sprunggelenk verletzten Monta Ellis, auf dessen schmalen Schultern die Hoffnungen auf eine goldene Zukunft der Warriors ruhen. Sein explosiver Antritt und seine Hangtime machen den 23-jährigen Ellis zu einem der spektakulärsten 'kleiner Mann ganz groß'-Phänomene der Liga.

Gemeinsam mit Guard Jamal Crawford wird Monta schon bald ein neues Fast-Break Duo bilden. Die Gegner werden ihre liebe Mühe haben, sich überhaupt früh genug umzudrehen, um zu sehen, wie der Monta-Blitz in ihren Korb einschlägt.

Andris Biedrins
NBAE/Getty Images
Der Litauer Andris Biedrins wird mit seiner cleveren Spielweise und seinen flinken Fingern weiterhin eifrig Punkte und Rebounds sammeln, um seinen persönlichen Rekord von 17 aufeinanderfolgenden Double-double zu toppen. Wer weiß, vielleicht wird sich Andris ja sogar eines Tages von seiner gegelten Stachelschwein-Frisur trennen, die mich immer unweigerlich an Technoparties in der Dorfdisco erinnert.

Brandon Wright
NBAE/Getty Images
Antony Randolph (geb. in Wurzbach im schönen Thüringen - Einbürgerung!), für seine 2,10 m übrigens ein außergewöhnlich guter Ballhandler, und Giraffe Brandon Wright (Armspannweite 2,28 m, Ohrenspannweite: 41,5 cm) (Ohrenspannweite) werden gemeinsam in der Muckibude ihre streichholzartigen Glieder aufpumpen, um ihren Gegenspielern unter dem Korb mehr Paroli zu bieten.

Sylvester Stallone- Lookalike Marco Belinelli aus San Giovanni / Italien, der sich in der gemeinsamen Zeit bei Fortitude Bologna von Vorbild Manu Ginobili inspirieren ließ, wird sein Potential schon bald konstant abrufen und durch tödliche Pässe und spielentscheidende Dreier glänzen.

Ronny Turiaf, geboren in der ehemaligen französischen Karibikkolonie Martinique, bringt weiterhin internationales Flair in die Mannschaft, wedelt auf der Bank begeistert mit seinem Handtuch, und sorgt mit seinem großen Herz, an dem er 2005 acht Stunden lang offen (!) operiert wurde, für gute Laune.

C.J. Watson und Kalenna Azabuike, beide aus der D-League rekrutiert, und Rookie Anthony Morrow, der Anfang dieser Saison undrafted zum Team gestossen ist und gleich mit einem 37 Punkte -Spiel Aufsehen erregte, entwickeln sich zu absolut soliden Fachkräften. Die drei stellen damit den guten Riecher der Talentscouts der Warriors unter Beweis und geben der Mannschaft das sympathische Flair einer mit Bedacht zusammengestellten Truppe.

Zu guter Letzt bewahrheiten sich die Tradegerüchte um den muskelbepackten Modellathleten Corey Magette, der mich trotz guter Statistiken durch seine dampfwalzartige Spielweise immer wieder zur Verzweiflung bringt. Im Gegenzug gibt's einen talentierten, hochkarätigen Power Forward (Andrea Bargnani?), der organisch mit der Mannschaft zusammenwächst, und schon bald als MVP die Golden State Warriors zur dritten Meisterschaft führt!

...Ahhh, alles wird gut - i love you guys!

Posted by Rolf Hasbargen - Januar, 14 2009 11:58 a.m.


NBA Utopia

Baron Davis
NBAE/Getty Images

Es gibt in der NBA 30 Teams, die sich Tag ein Tag aus professioneller Leidenschaft mit scheinbar nichts anderem beschäftigen, als unsere Welt zu einem besseren Platz zu machen. Von dem Keller der Tabelle, wo Kevin Durant bei den Oklahoma Thunder Hoffnung auf die Zukunft macht, bis hin zu der Spitze, von der aus die Celtics auch in dieser Saison wieder beweisen, wie man in einem funktionierenden Kollektiv enorme Stärke entwickeln kann - jede einzelne Mannschaft hat sich dem ehrenwerten Auftrag verschrieben, die Menschheit mit Inspiration und Genie, mit Hochgefühl und purer Freude zu beglücken.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, welch sinnentleerten und trostlosen Verlauf alleine meine bescheidene Existenz ohne diesen spirituellen Beistand genommen hätte. In der alltäglichen Praxis meiner Ersatzreligion spielt, seitdem ich im Sommer 2007 aus Hamburg nach San Francisco ausgewandert bin, ein NBA-Team eine spezielle Rolle, und ich fühle mich wie einer von höherer Macht nahezu dazu gezwungen, meinen ersten Blogbeitrag dieser Mannschaft zu widmen:
Ladies and Gentleman, let's welcome the Golden State WARRIORS!

falling in love...

2007/08 konnte ich hier in den USA erstmals ein gesamte NBA-Saison von Anfang bis Ende verfolgen. Ausgerechnet die gesamte Finalserie zwischen den Celtics und den Lakers war ich jedoch zu Besuch in Deutschland und wurde wieder daran erinnert , welch enorme Hingabe und Disziplin es erfordert, dem Wecker in der Nacht zu gehorchen, um zu versuchen mit Hilfe stockender Internetübertragungen ein Spiel zu verfolgen. (Wir haben es zumindest immer wieder versucht, Mike!)

Ach, wie angenehm sich doch dahingegen das Leben als NBA-Fan in meiner neuen Heimat zelebrieren lässt! Mittwoch, Donnerstag und Freitag werden je zwei ausgewählte Partien zur besten Sendezeit im Free-TV übertragen, obendrauf gibt es alle Spiele der Golden State Warriors auf dem lokalen TV-Sender. Dank des halsbrecherischen Terminplans der NBA habe ich so die Möglichkeit in nur einer Woche bis zu fünf Warriors-Spiele zu verfolgen.

In der letzten Saison konnte die Mannschaft um den attraktiven Baron Davis so Abend für Abend hemmungslos und leidenschaftlich mit mir auf dem heimischen Fernsehschirm flirten. Zugegeben, es war keine Liebe auf den erste Blick, anfangs war ich mir meiner Gefühle nicht sicher - doch als ich das erste Mal das Team live in der eigenen Arena erleben durfte, konnte ich dem Charme des flotten Fegers einfach nicht mehr widerstehen.

Seitdem erhöht sich der Pulsschlag in meinem treuen Fan-Herzen, wenn ich nur an meine Warriors denke, und ich verpasse sofern es mein Terminplan zulässt kein (TV-) Date mehr.

Darüberhinaus pilgere ich immer häufiger leicht angeschwipst in die Oracle Arena in Oakland, um dort auf der Tribüne mein Schatzi mit einem Fernglas aus nächster Nähe zu bewundern. Das begeisterungsfähige und loyale Publikum, welches die gesamte Bandbreite der multikulturellen Bevölkerung der Region widerspiegelt, und der in der Luft schwingende Spirit des 'california lifestyle', sorgen dabei stets für ein gefühlvolles Ambiente.

Rick Barry
NBAE/Getty Images

Die Annalen der Geschichte

Fünf Ehrentafeln mit magischen Rückennummern beschwören in der Arena den Geist legendärer Spieler, die in die 'Hall of Fame' der Warriors aufgenommen wurden.

Die Ziffer 13 ruft uns z.B. das Ausnahmetalent Wilton Chamberlain in Erinnerung, der von Experten mit Geschichtsbewusstsein in den Diskussionen über den besten Basketballer aller Zeiten immer wieder genannt wird.

Chamberlain hat in einer Zeit, in der sich die NBA noch im Aufbau befand, einen unglaublichen Rekord in das Fundament der Liga gemeißelt, der heutzutage nicht mehr zu übertreffen scheint: Am 2.3.1962 erzielte er im Spiel gegen die Knicks sagenhafte 100 Punkte - ich wiederhole: 100 Punkte!

Eine weitere Statistik zeigt die unglaubliche Effizienz der seinerzeit nicht zu stoppenden Offensivmaschine: In der Saison 1963-63 spielte Chamberlain im Schnitt 48,5 Minuten pro Spiel und erzielte dabei durchschnittlich 50.4 Punkte - noch Fragen?

Die Rückennummer 24 verewigt in der Arena den 12-maligen All Star Rick Barry, der einen entscheidenden Anteil an der zweiten und vorerst letzten Meisterschaft der Warriors im Jahre 1975 hatte. Barry war berühmt-berüchtigt für seinen kompromisslosen Siegeswillen und sein angriffslustiges Temperament, vor dem Teamkollege und Freund Mike Dunleavy einst die Menschheit warnte: "You could send him to the U.N., and he'd start World War III."

Eine prominente Figur der jüngeren Franchise-Geschichte ist heute in seiner Funktion als Vizepräsident bei jedem Spiel persönlich in der Arena dabei.

Chris Mullin
NBAE/Getty Images

Chris Mullin spielte insgesamt 14 Saisons für die Warriors und bildete Anfang der 90er mit Tim Hardway, Mitch Richmond das gefürchtete Trio Run TMC.

Nachdem Mullin am Anfang seiner NBA-Karriere sein Alkoholproblem mit Hilfe einer 48-tägigen Entziehungskur in den Griff bekommen konnte, entwickelte er sich zu einem Fitnessfreak, machte den mit militärischer Präzision geschnittenen Bürstenhaarschnitt zu seinem persönlichen Trademark, und übernahm bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona im Dream Team eine (Neben-)Rolle in einer der größten Shows der Basketballgeschichte.

Sorry Dirk!

Das Hemd straff über die Wampe gespannt, führt der 68-jährige Don Nelson in seiner 30. Saison als Headcoach an der Seitenlinie das Zepter der Warriors. Liga-Dinosaurier Nelli ist für seinen unkonventionellen Coachingstil bekannt: Er stellt sein Team stets flexibel auf den jeweiligen Gegner ein, versucht die Mismatches des Tages auszunutzen, und hofft sich einen gewissen Überraschungseffekt strategisch zu nutze zu machen.

Don Nelson
NBAE/Getty Images

Mit Schaudern erinnern sich sicherlich noch alle Nowitzki-Fans an die erste Runde der Playoffs der Saison 2006-07, als Nelsons Coachingfinesse dafür sorgte, dass die Golden State Warriors den haushohen Favoriten Dallas Mavericks 4-2 aus dem Rennen kegelten und damit Playoffgeschichte (http://www.youtube.com/watch?v=Kbn72J8ass4) schrieben.

Im letzten Spiel dieser Serie (111-86) spielte vor allen Dingen Forward Stephen Jackson mit einem rasenden Publikum im Rücken wie vom Teufel besessen, traf sieben seiner acht Dreierversuche und entnervte unseren Dirk (lediglich 8 Punkte) mit knallharter Defense.

Im nächsten Beitrag:
Pistolenschüsse in den Sternenhimmel, kleiner Mann ganz groß: Teil 2 meiner Hommage an die Warriors

Und demnächst:
Türkiye, Espana, Italia & Co: Europäische NBA-Spieler im Porträt. Die ganze Wahrheit über unseren Blogger Mike Liem

Posted by Rolf Hasbargen - Januar, 7 2009 12:18 p.m.