Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten – sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs“ könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben.

Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. Nba.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs.


Mike Liem - Mike's 2007-08 Blog Archive
Redakteur
Fast ein halbes Leben dauert Mikes Affäre mit der NBA. In Barcelona verknallte er sich Hals über Kopf, verfolgte sie darauf wie ein Liebestrunkener und schwor ihr schließlich 1999 vor dem New Yorker Madison Square Garden ewige Treue – obwohl sie ihn aufgrund einer falschen Schwarzmarkt-Eintrittskarte nicht das erste richtige Date gewährte! Vergeben, vergessen und nachgeholt: Heute lebt und arbeitet Mike (31) als Redakteur in Hamburg. Feedback, Vorschläge und Kritik: thegameofbasketball@web.de

Der lebende Beweis

Es ist mucksmäuschenstill in der Turnhalle als der Stargast seine Rede beginnt, auf die er sich den ganzen Sommer lang vorbereitet hat. Es ist der erste Tag des Camps in Johannesburg. Die Allstars Dwight Howard, Dirk Nowitzki und Chris Bosh sind auch da, aber die 70 Teilnehmer aus 23 afrikanischen Ländern haben nur Augen für Luc a Mbah Moute. Der NBA-Profi der Milwaukee Bucks nimmt eine Ausnahmerolle ein: Er ist der erste Absolvent eines Basketball-Without-Borders-Camps, der den Weg in die beste Liga der Welt gefunden hat und nun Afrikas Nachwuchs mitteilen möchte, dass auch sie es schaffen können. Nicht einmal sechs Jahre ist es her, da war Luc auch ein Camp-Teilnehmer, der mit kindlicher Naivität von einer NBA-Laufbahn träumte. Genau in dieser Turnhalle begann der Traum.

Inspiration aus den eigenen Reihen
Luc zeigt auf einen Platz in der Halle, den er seinerzeit selbst einnahm und sagt: „Dort habe ich damals gesessen.“ Die Kids, alle jünger als 19 Jahre, lachen, etwas verlegen, etwas skeptisch als ob sie diese Erfolgsgeschichte nicht glauben wollen oder fassen können. „Ich saß genau da und habe mich gefragt: Wie komme ich in die NBA?“, erzählt Luc. „Ich wünschte, es hätte damals jemand gegeben, der sagen würde, 'Ich war auch mal in euren Schuhen.' Das hätte alles einfacher gemacht und mir noch mehr Hoffnung gegeben, meinen Traum zu verwirklichen.“ Basketball, erklärt der Millionär, sei keine Garantie auf einen Pott voller Gold und dass er einen der besten Jobs der Welt nur durch harte Arbeit erlangt habe. Der Sport könne helfen, bessere Menschen aus ihnen zu machen und ihren Verstand zu schärfen. „Dieses Camp hat mein Leben verändert. Drei Wochen später ging ich in die USA und begann meinen Traum zu leben“, sagt der Prinz. „Und das ist der Grund, warum ich heute wieder hier bin: Euch zu sagen: Dies ist eine großartige Erfahrung ist. Nutzt sie!"

Der Prinz aus Kamerun
Kein Scherz: In seiner Heimat an der Ostküste Zentralafrikas ist Luc Richard Mbah a Moute ein echter Prinz. Die Ehre verdankt er seinem Vater. Der ist hoher Regierungsbeamter und Stammeshäuptling des Dorfes Bafia in der Nähe der Hauptstadt Yaounde. Seine Pflichten als Prinz beschränken sich aber darauf bei zeremoniellen Anlässen im traditionellen Gewand anwesend zu sein, das war’s. Kamerun, die französische Ex-Kolonie, ist per se kein Basketballland. Wie jeder Bub kickt Luc und träumt von einer großen Karriere. Seine Vorbilder? Ronaldo und Roger Milla, der legendäre Kapitän der „Unbezähmbaren Löwen“, Kameruns Fußballnationalmannschaft. Doch mit 14 Jahren hängen seine Brüder einen Korb an einen langen Holzstock, später an eine Laterne. Luc ist sofort angefixt. Und als ihm sein Vater, ein ehemaliger Fußballprofi, auch noch Michael-Jordan-Videos schenkt, ist es um den Jungen geschehen: MJ statt Milla.

Im Camp übers Leben lernen
2003 wird der 16-jährige Schlaks zum „Africa 100“ an der American International School in Johannesburg eingeladen, das erste NBA-gesponserte Basketballcamp auf dem Kontinent. Hundert der besten Nachwuchsspieler aus 20 Ländern nehmen teil. Spieler und Scouts aus der NBA sind anwesend, darunter auch Dikembe Mutombo, der Schutzheilige und lebende Legende des afrikanischen Basketballs. Aus „Africa 100“ geht später Basketball Without Borders hervor.

In diesen Camps, die jedes Jahr auf der ganzen Welt veranstaltet werden – 2009 in Johannesburg, Peking und Mexiko-Stadt – trainieren Talente unter besten Bedingungen und professioneller Anleitung bekannter Coaches und Spielern. Die Kids sollen nicht nur Sprungwürfe und Dribbeln, sondern auch über das Leben lernen, sie sollen inspriert und motiviert werden. Natürlich liegt der NBA viel an der Verbreitung und Vermarktung ihres Sports – Afrika, China und Mexiko sind große Zukunftsmärkte und riesige Talent-Pools, ohne Frage – doch die NBA investiert vor Ort auch in soziale Projekte, engagiert sich langfristig. Werte wie Teamwork, Fairness und Fleiß haben auch abseits des Courts einen hohen sozialen Nutzen, darum nehmen die Drills in der Turnhalle auch den gleichen Stellenwert ein wie etwa Seminare über HIV, ein Besuch des Apartheid-Museums, gemeinnützige Arbeit oder eine Tour des Townships Soweto. Das gilt natürlich auch für die vielen afroamerikanischen NBA-Stars, für sie ist der erste Besuch auf dem schwarzen Konmtinent oft eine tiefgreifende Erfahrung.

Der Traum von Amerika
Einen nachhaltigen Eindruck bei den amerikanischen Scouts zu hinterlassen, das ist die große Hoffnung aller Teilnehmer. „Da war eine Menge Talent,“ denkt Luc an seine eigene Camp-Erfahrung zurück, „und noch mehr Hoffnung. Die NBA erscheint so weit weg, an dieses Gefühl erinnere ich mich sehr gut. Klar, ein paar Spieler aus Afrikaner haben es geschafft, aber man begreift diese Möglichkeit erst, wenn man den Kontinent verlässt.“

Luc erinnert sich auch an Kim Bohuny, NBA-Vizepräsidentin für internationale Operationen. Sie hielt damals eine kurze Rede, die sie mit den Worten schließt: „Wenn ihr mich wiedersieht, habt ihr es geschafft.“ Sieben Teilnehmer spielen sich 2003 in die Notizbücher der Scouts, Luc ist einer davon. Sein Vater, der einst in Paris studiert hat, ermutigt ihn: Ein Basketball-Stipendium garantiert auch eine kostenlose Ausbildung an einer US-Uni. Wenige Wochen später sitzt der Teenager im Flieger nach Florida, mit nur ein paar Brocken Englisch als Wortschatz, im Kopf die letzten Worte seines Vaters: „Vergiss nie, woher du kommst".

Burger statt Boas
Die Montverde Academy in der Nähe von Orlando, eine auf die Uni vorbereitende Privatschule, ist Lucs erste Station. Alles ist fremd, die Umstellung macht dem Prinzen zu schaffen. In Kameruns Küche kommen etwa Vipern („Du kochst das wie Hühnchen“) und Boas, Mais- und Hirsegerichte auf den Teller, in den USA wird er mit der Fast-Food-Kultur konfrontiert. Noch mehr vermisst er die Nähe und den Zusammenhalt zwischen seinen drei Schwestern und fünf Brüdern. Basketball und Schule bestimmen sein Leben. Nach zwei Jahren melden sich die ersten Universitäten. Dem Trainer von UCLA, Ben Howland, fällt der Power Forward bei einem brutalen Sommer-Workout auf. Howland ist beeindruckt von Lucs Größe, Athletik und riesigen Spannweite, aber noch mehr von dessen Engagement und Ausdauer. Trotz tropischer Temperaturen gibt Luc Vollgas. Vorteil Afrika. Nach Rücksprache mit seinem Vater sagt Luc „Ja!“ zum Angebot. „Es ist unglaublich, wie viel Glück ich hatte,“ sagt Luc heute rückblickend. Im Gegensatz zu anderen hoffnungsvollen Spielern aus Afrika, ist er nicht dem Wohlwollen oder der Profitgier zwilichter Geschäftemacher ausgeliefert und kann sich darüberhinaus auf die finanzielle Unterstützung seiner relativ wohlhabenden Familie verlassen. Anders gesagt: Luc ist eine Ausnahme. Sagt Luc: „Die Wahrheit ist: Man hofft darauf, dass es eine wenige der Camper an ein US-College schaffen. Die NBA ist wieder eine ganz andere Sache.“

Der Prinz von Westwood
In Westwood, L.A., läuft's – sowohl akademisch (Hauptfach: Globale Studien) als auch sportlich. Angeführt von Russel Westbrook und Kevin Love erreichen die Bruins dreimal in Folge (2006 - 2008) das Final Four. Im Team der Bruins spielen mit Russell Westbrook, Jordan Farmar, Ryan Hollins und Arron Afflalo gleich mehrere Akteure, die nur einen Steinwurf vom Campus aufwuchsen. Luc trennen dagegen 13267 Kilometer von der Heimat: Er schickt weiter Videos nach Kamerun, seine Familie versucht seine Uni-Laufbahn online zu verfolgen. Zumindest hat er einen Landsmann im Team, das lindert das Heimweh. Mit seinem Kumpel Alfred Aboya teilt er sich ein Zimmer, für endlosen Trash Talk in der UCLA-Umkleidekabine sorgt die Tatsache, dass er ein Thronfolger, Alfred aber „nur" bürgerlicher Herkunft ist.

Moute kicks Boute
Luc mag zwar den Titel und die Manieren eines Prinzen haben – auf dem Court ist er sich für die Schmutzarbeit nicht zu schade. Wegen seines unbändigen Einsatzwillens avanciert der Freshman schnell zur Kultfigur auf dem Campus. Coach Howland nennt ihn „einzigartig", Center Hollins (heute Minnesota Timberwolves) „unglaublich reif, würdevoll und ehrenwert“. Fans gründen den Club der „Cameroon Crazies", hüllen sich in rot-grün-gelb und tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Moute kicks Boute“ (Boute=butt=ass). Luc selbst bleibt bescheiden, bis heute schwört er nie seinen Adelstitel missbraucht zu haben, etwa um bei einer Kommilitonin Eindruck – „Hey, ich bin ein Prinz!“ – zu schinden. Im Sommer 2007 kehrt er erstmals wieder nach Kamerun zurück, vier Jahre sind seit seinem Abschied vergangen. Seine Familie richtet ein Festessen aus (, von dem er noch heute schwärmt und zehrt) und mit der Nationalmannschaft gewinnt er einige Wochen später völlig überraschend die Silbermedaille bei der Afrikameisterschaft in Angola. Zurück in den USA, nimmt der Traum konkrete Form an: Nach vier Probetrainings meldet sich Luc zum NBA-Draft an. Den Abschluss – es fehlen ihm nach drei Jahren an der Uni nur noch wenige Kurse – will er, so verspricht er seinem Vater, im Sommer nachholen.

In der besten Liga der Welt
Am Ziel: Von den Milwaukee Bucks wird Luc in der zweiten Runde an Position 37 gewählt. Damit ist er einer von insgesamt 26 Spielern aus Afrika in der Geschichte der NBA. „Es bedeutet, dass ich es schaffen kann, so wie jeder andere auch,“ sagt er nüchtern. In Amerikas Bierhauptstadt, die bei NBA-Spielern sofort Assoziationen an Sibirien erweckt, hat Luc, frisch aus Kalifornien, anfangs nur Probleme mit der Eiseskälte. Selbst mit Scott Skiles, der als harte Hund bekannte Coach der Bucks, läuft's wie geschmiert. Skiles kann sein Draft-Pick-Glück immer noch nicht fassen: Luc ist wissbegierig, fleißig und hoch motiviert, individueller Ruhm ist ihm fremd, das Team geht vor. Qualitäten, die einer wie Skiles schätzt. Vom Start weg gibt er ihm Spielzeit, auch in der Crunch Time. Als Power Forward startet 52 Spiele und erzielt in rund 25 Minuten 7 Punkte und 6 Rebounds pro Partie. Er verteidigt gegen KG, Kobe, Paul Pierce, LeBron oder Amare Stoudamire. Offensiv ist noch mächtig Luft, doch nur nach einer Handvoll Partien wird das Energiebündel von den verdutzten Fans bereits mit der Bucks-Legende Sidney Moncrief verglichen. Und wie jeder Rookie bringt Luc den älteren Spielern morgens artig Donuts oder trägt ihr Gepäck. „Wo ich herkomme, respektiert man die Älteren. Sie bringen dir ja auch was bei, kümmern sich um dich. Ich könnte nicht glücklicher sein," sagt er über sein erstes Jahr in der NBA. Die Hand ausstrecken
Luc, der NBA-Profi und angehende Philantrop, hat noch viel vor, auf und abseits des Courts. Erst in seinem zweiten Profijahr denkt er bereits an die Zeit nach der NBA. Dass er den Kids in der Turnhalle in Johannesburg, dem Ort, wo alles begann, seine Lebensgeschichte erzählt, ist nur der Anfang. Luc arbeitet an einer Stiftung, die sich in Afrika dem Kampf gegen Armut und Bildungsnot verschreiben will. Und nach seinem Karriereende möchte er sich voll und ganz seinem Land widmen und die öffentliche Wahrnehmung über Afrika ändern. „Kamerun ist der Mittelpunkt meines Lebens. Ich hoffe, dass ich in der Liga genug Erfolg haben werde, um dort einen positiven Wandel herbeizuführen. Das Wichtigste ist, seine Hand auszustrecken, und das habe ich vor.“ Weiter so, du stolzer Prinz!

Posted by Mike Liem - Oktober 2 2009


MJ & MJ: The Way You Make Me Feel

Weltberühmt, steinreich & unsterblich: Mike Liem berichtet von der einzigen dokumentierten Begegnung zwischen Michael Jordan und Michael Jackson. Plus: Die NBA-Großverdiener.

„I Have To Find My Peace Cuz
No One Seems To Let Me Be“

Das folgende ist mir gar nicht unangenehm: Ich bin stolzer Besitzer seiner drei wichtigsten Alben, kenne jede Zeile von „Man in the Mirror“ auswendig, habe eben jenen Titel im Duett live aufgeführt und als Teenager stets versucht, die Mädels mit dem Moonwalk und dem Griff zwischen die Beine, seinen beiden Erkennungszeichen, zu beeindrucken. Hey: Ein Jacko-Song pro Party ist okay!

Sicherlich, seine Persona war schon etwas Anderes, insbesondere die Jahre nach „Bad“ waren nicht mehr nur wundersam, sondern bizarr, tragisch und freudlos. Seine Musik spielte jedoch eine sehr prominente Rolle in meiner jugendlichen Plattenkiste, und somit in meinem Leben, es war ziemlich gut, und dafür schätze ich ihm. Das gleiche gilt übrigens für den anderen MJ.

Ebenso ein unbestrittener Ausnahmemeister seines Metiers, vielleicht genauso so bekannt, genau so reich, nur nicht ganz so exzentrisch. Auch er hatte seine Markenzeichen: die 23, die Glatze, die herausgestreckte Zunge beim Anflug auf den Korb.

1992 trafen sich Jordan und Jackson für einen Videodreh: Der Basketballgott sollte dem Musik-und-Tanz-Meister zuerst das Basketball spielen beibringen, und danach sollte auf dem Dancefloor die Post abgehen. Zwei Ikonen der amerikanischen Populärkultur – King of Pop meets His Airness. <Jam!:

It Ain't Too Much Stuff
It Ain't Too Much
It Ain't Too Much For Me To
Jam!
Das Rendez-vous ist so schön lustig und surreal – hier ein paar persönliche Beobachtungen aus dem Making of:

• Auf dem Court: Jacko ist locker, sehr schüchtern und spricht in seiner unnachahmlichen Dirty-Diana-Fistel-Stimme. Erst wird gedribbelt, dann geht’s 1-gegen-1. Gibt’s auf Neverland eigentlich einen Basketball-Court? Jordan ist das egal und stopft Jacko einen direkt ins Gesicht. Warum auch nicht? Können wahrscheinlich nicht viele von sich behaupten.
• Jacko wirft einen Airball und weiß nicht, was ein Point Guard ist. MJ: „Alles, was du machen musst, ist mir den Ball zu passen." Übrigens eine Antwort, die er zu der Zeit auch John Paxson oder BJ Armstrong hätten geben können.
• Jordan gesteht ziemlich verdutzt einem Zuschauer (Jacko ist, glaube ich gerade mit was anderem beschäftigt): „Er ist flink!" Ob Jordan mal bei einem Jacko-Konzert war?
• Cool! Jacko kichert sympathisch als Jordan ihm beim 1-gegen-1 den Ball stibitzt. Ich glaube, er hat richtig Spaß. Wie ein Kind. MJ bleibt total cool and goes with the flow.
• Swish! Jacko versenkt einen unbedrängten Sprungwurf. Gar keine schlechte Technik. MJ lobt: „I knew you could shoot. I knew you could shoot.“
• Hoppla! Jacko springt einfach auf MJ`s Rücken und krallt sich fest. Guter Move. Habe ich auch schon oft gemacht. „Das war ein Foul", versucht Jordan Jacko klarzumachen. Gibt es Fouls in Neverland?
• Jordan täuscht immer wieder einen Wurf an, hält den Ball aber mit einer Hand fest. Jacko beißt auf die Finte und springt zum Block, immer wieder, wie ein Flummi. MJ: „Michael, warum fällst du immer wieder darauf rein?“ Beide lachen. Jacko: „Oh, ich weiß es nicht. Es sieht so aus, als ob du werfen würdest."
• Tanzunterricht: Ich dachte immer, Jacko habe so große Angst vor Keimen, aber in dem Video krabbelt er die ganze Zeit auf dem Boden rum. Jacko ist so bei der Sache, dass er einmal durch MJ`s gespreizte Beine krabbelt, um seine Fußstellung zu korrigieren. Die beiden tanzen und scherzen. Minutenlang. Jordan tut sich etwas schwer beim Moonwalk, und Jacko freut sich wie ein Kind.

„You Can't Hurt Me
I Found Peace
Within Myself“

Möge er in Frieden ruhen. Goodbye, Jacko.

Kevin Garnett von den Boston Celtics: The Big Ticket hat seinen Preis.
NBAE/Getty Images

Nachtrag
Da mich die schwarze Mamba gebissen hat, möchte ich noch anmerken, dass MJ-Möchtegern Kobe Bryant ebenfalls ein Bekannter von Jacko war. Kobe nennt ihn einen "Mentor" und erzählt, dass Jacko ihn "persönlich sehr inspiriert" habe und ihm gezeigt habe, dass es "okay" sei, "anders zu sein."

Moment, Moment, damit meint Kobe nicht etwa das seltsame und einsame Dasein eines Supersuperstars, sondern „von seinem Handwerk besessen zu sein, den kleinsten Details volle Aufmerksamkeit zu schenken, jeden Tag zu malochen und für das zu leben, was man macht."

Statistiken
Krise? Welche Krise?

Genug mit Jacko, ich präsentiere die Großverdiener der National Business Association aus der vergangenen Saison. Die Moral der Geschichte: NBA-Gehälter müssen nicht unbedingt etwas mit Erfolg zu tun haben.

1. Kevin Garnett (Boston Celtics): $24.751.934
1 Ring, 33 Jahre, 13. Saison, 73 Playoff-Spiele.

2. Jason Kidd (Dallas Mavericks): $21.372.000
36 Jahre, 0 Ringe, 14. Saison, 115 Playoff-Spiele

Jermaine O'Neal (Miami Heat): $21.372.000
0 Ringe, 30 Jahre, 12. Saison, 76 Playoff-Spiele

4. Kobe Bryant (Los Angeles Lakers): $21.262.500
4 Ringe, 30 Jahre, 12. Saison, 175 Playoff-Spiele

5. Shaquille O'Neal (Phoenix Suns): $21. 000.000
4 Ringe, 37 Jahre, 16. Saison, 203 Playoff-Spiele

6. Allen Iverson (Detroit Pistons): $20.840.625
0 Ringe, 34 Jahre, 12. Saison, 71 Playoff-Spiele

Stephon Marbury (Boston Celtics, 32): $20.840.625
0 Ringe, 32 Jahre, 12. Saison, 32 Playoff-Spiele

8. Tim Duncan (San Antonio Spurs): $20. 598.704
4 Ringe, 33 Jahre, 11. Saison, 160 Playoff-Spiele

9. Tracy McGrady (Houston Rockets): $20.370.437
0 Ringe, 30 Jahre, 11. Saison, 38 Playoff-Spiele

10. Ray Allen (Boston Celtics): $18.388.430
1 Ring, 33 Jahre, 12. Saison, 77 Playoff-Spiele

11. Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks): $18.077.904
0 Ringe, 30 Jahre, 10. Saison, 97 Playoff-Spiele

Ein Glück, sagen sich die Multimillionäre der NBA, sind unsere Gehälter garantiert. Und obwohl das durchschnittliche Jahressalär erstmals etwas gesunken ist, beträgt es – je nach Sichtweise – noch immer akzeptable oder absurde 5.356 US-Millionen.

Eines kann man Stephon Marbury nicht nachsagen: Fehlenden Geschäftsinn.
NBAE/Getty Images
Erst kürzlich veröffentlichte die Sports Illustrated eine Liste der 50 bestverdienenden US-Sportler. Keine große Überraschung ist, dass die NBA der Krösus unter den Profiligen ist: Allein 22 Basketballer sind dabei, dazu 14 Baseballer, neun Football-Spieler, drei Golfer und zwei Rennfahrer. Viel schockierender ist da schon die Tatsache, dass laut der NBA-Spielergewerkschaft rund 60 Prozent der Spieler innerhalb von fünf Jahren nach ihrem Karriere-Ende bankrott gehen – geschoben wird das auf zu große Spendierhosen und die Unfähigkeit „nein“ zu sagen, zwielichte Agenten, entfernte Schnorrer-Verwandte, falsche „Freunde", kostenintensive Frauen, uneheliche Kinder, ... es ist eben leichter Geld auszugeben als zu verdienen. Ohne weitere Worte, außer vielleicht, dass sich die Summen aus dem regulären Gehalt und zusätzlichen Werbeeinnahmen zusammensetzt.

1. Tiger Golf Woods (99,737,626 Mio.)
2. Phil Mickelson (52 Mio.)
3. LeBron James (42 Mio.)
4. Alex Baseball Rodriguez (39 Mio.)
5. Shaq (35 Mio.)
6. KG (34 Mio.)
7. Kobe (31 Mio.)
8. Allen Iverson (28 Mio.)
9. Derek Baseball Jeter, MLB (28 Mio.)
10. Peyton Football Manning(27 Mio.)

Auf den Plätzen: Dwayne Wade (12), Dwight Howard (13), Tracy McGrady (15), Tim Duncan (16), Stephon Marbury (17), Jason Kidd (19), Jermaine O`Neal (20).

Posted by Mike Liem - Juli 7 2009


FINALE BEOBACHTUNGEN

Wurde wirklich schon alles über das NBA-Finale 2009 gesagt? Unser Blogger Mike Liem schüttelt energisch den Kopf und offeriert eine ganz persönliche Rückschau.

Soft? Pah! Pau hat es all seinen Kritikern gezeigt!
NBAE/Getty Images
Kobe Bryant (LA)
Aufgebauschter Killer-Status?
Beißt die Schlange wirklich zu, wenn es um die Wurst geht? Laut Statistiken von www.82games.com hat die selbst erklärte Killer-Mamba in den letzten fünf Jahren in der Super Crunch Time nur 14 von 56 Würfen getroffen, eine mickrige Vorlage gegeben, fünfmal den Ball verloren und 12 von 15 Freiwürfen verwandelt. Insgesamt belegt Kobe Platz 4 bei den „Game Winning Shots“, aber auch Platz 1 in der Kategorie „Most Game Winning Opportunity Missed Shots“. Was soll ich sagen? Das fühlt sich nicht Jordan-like an.

Lil' Wayne, ein NBA-Connaisseur vor dem Herrn und Kumpel von Kobe Bryant, weiß zumindest, dass der sich für einen Killer hält. Nachdem sich der Rapper eine neue Mobilnummer besorgen musste, organisierte sich Bryant die Nummer von Lil' Waynes Manager und schrieb ihm eine anonyme SMS. Lil' Wayne erwartete eigentlich eine Allerweltsnachricht à la: „Hi Wayne, habe gerade deine neue Nummer bekommen. Lange Zeit nichts gehört von Dir, blabla ...“ Der Wortlaut von Kobes SMS war aber: „I'm getting ready to kill'em tomorrow" – in Anspielung auf das Match gegen die Denver Nuggets, das war's. Seitdem hält Lil' Wayne ihn für verrückt und (so seine Folgethese) für den besten Basketballer der Welt.

Und noch was: Wer nun glaubt, Kobe entspannt sich nun, nachdem er bewiesen hat, dass er auch ohne Shaq gewinnen und ein Team zum Titel tragen kann ... ähm, keine Chance. Da sind noch ein paar (größere) Ziele auf seiner Liste, zum Beispiel MJ's sechs Meistertitel.

Dwight Howard (Magic)
Doch noch kein Monster
Superman muss noch stärker werden! Kareem Abdul-Jabbar hält ihn für "offensiv limitiert" und "vorhersehbar". Patrick Ewing drückt es etwas diplomatischer aus und meint, erst wenn er ein abwechslungsreiches Offensivarsenal vorweisen kann, könne er ein "Monster" werden. Hmm... wohl wahr, ein paar Low-Post-Moves, eine ruhige Hand beim Freiwurf und mehr MJ-Gene würden dem Jungen gut zu Gesicht stehen. Ohne Frage: Die schonungslose Offenbarung seiner Schwächen war vielleicht das Beste, was Dwight passieren konnte.

Ach ja, Supermann ist 23. Hier seine Final-Statistik pro Spiel: 42 Minuten, 15 Punkte (48% Feldwurfquote, 21-43 Würfe, 60 % Freiwurfquote), 15 Rebounds, 4 Blocks, 1 Steal, 4 Ballverluste,

Hedo Turkoglu (Magic)
Turkish Delight
Wie abgezockt ist Hedo, bitte? Würde mir der Basketballgott eine Kalaschnikow an die spärlich behaarte Brust halten und mich fragen, welchem NBA-Ausländer ich in der Crunch Time den spielentscheidenden Wurf zutrauen würde ... meine Wahl würde Dirk, Manu und (herzlich willkommen) Hedo fallen.

Denn: Als es ernst wurde, übernahm die türkische Anti-Zitterhand – nicht Supermann –- bei den Magic die Verantwortung, nahm und traf die wichtigen Würfe, insbesondere seinen patentierten „Stepback-Dreier". Damit nicht genug: Er spielte praktisch Point Forward und versuchte in der Defensive sein Glück gegen die schwarze Giftviper. Und siehe da, nicht jeder kann behaupten, Kobe Bryant beim Game Winner in den NBA-Finals geblockt zu haben. Gut, ein-zweimal packte den Mann aus Istanbul die Panik, aber ansonsten war es Hedo's große Coming-out-Party. Es winkt ein Monster Contract. Und damit beginnt das Dilemma: Die Magic müssen sparen oder haben gar nicht mehr so viel Kohle, weshalb ein amerikanischer Kollege auch treffend schreibt: "How can they pay him? vs. How can they lose him?"

Pau Gasol (LA)
Perfekte zweite Geige
Ist kein Killer wie Kobe und dennoch großartig. Ein filigraner Künstler unter den Körben, mit Bart und Zottelfrisur, aber auch mit Baby-Hakenwürfen (links- und rechtshändig), Fadeaway-Jumpshot und wahrscheinlich acht Moves mehr als Supermann. Den hat er übrigens in den Finals auch mehr als befriedigend verteidigt – ein Schlüssel für den klaren Erfolg der Lakers. Und: Er hat seine Statistiken für den Ring, für das Team, für Kobe geopfert – und kaum geklagt. Soft? Nicht Pau!

Rashard Lewis (Magic)
Peanuts
Er hatte seine Momente, viele sogar, und eine Zeit lang habe ich tatsächlich gedacht: Wow, vielleicht ist dieser Matchup-Albtraum ja doch 110 Millionen wert. Ähm, nein, ist er nicht.

Phil Jackson (LA)
Der Dompteur
Zehn Ringe innerhalb von 18 Jahren - das ist vielleicht ein Rekord für die Ewigkeit. Noch vor fünf Jahren schrieb der Zen-Meister mit Indianer-Faible in seinem Buch „The Last Season: A Team in Search of its Soul", dass Kobe „uncoachable" sei. Er trat ob der Dissonanzen sogar zurück und ist jetzt – nach einer langen Durststrecke – unangefochten DIE Trainer-Gestalt in der NBA. Zu Recht: Der Mann hat zum Beispiel mit MJ & Kobe gleich zwei Primadonnen mit Mega-Ego „gezähmt" und zum Titel geführt.

Courtney Lee (Magic)
Rookie im Rampenlicht
Viele meinen, der Magic-Rookie habe mit seinem daneben gelegten Alley-Oop-Korbleger eine Sekunde vor Abpfiff im ersten Finalspiel den Anfang vom Ende eingeläutet. Das ist Unsinn und unfair! "Korbleger" hört sich so an, als ob Lee freie Bahn hatte, schaut man sich aber die Wiederholung genau an, sieht man, dass Lee den Ball hinter dem Korb im Flug annehmen und in Sekundenbruchteilen versenken muss, während ein 2-Meter-Mann an ihm vorbeisegelt und mit den Armen wedelt. Das ist kein normaler Korbleger, auch wenn Hedo's Pass fast perfekt war, einverstanden? Nicht einmal das amerikanisierte Sprungwunder namens Rolf Hasbargen hätte diesen Wurf versenkt, oder unterschätze ich da jemanden? Was auch immer: Ich glaube, es gibt nur eine Handvoll Spieler, die diesen Wurf bei zehn Versuchen siebenmal treffen.

Luke Walton (LA)
Ein offener Brief
Von Sohn zu Vater: Luke Walton, Sprössling von Center-Legende, NBA-Champ und Super-Hippie Bill Wallton, darf jetzt endlich mitreden. Nachdem er mit der Black Mamba seinen ersten Ring gewonnen hat, schlägt er in einem öffentlichen Brief an seinen Papa gar kecke Töne an!

„ [...] Einen NBA-Titel gewonnen zu haben, wird dich auch davon abhalten, mir blöd zu kommen, ich bin im Club jetzt! Und ich will nichts von NCAA-Championships hören, lass uns nur über NBA-Titel reden. Wenn sich die Dinge beruhigen – das tun sie doch nachdem man eine Meisterschaft gewinnt, oder? – werde ich dich und Grandma Glo in San Diego besuchen.

Ich werde diese Meisterschaft genießen, aber ich weiß, dass du mich, während ich mich im Erfolg der Mannschaft diesen Sommer suhlen werde, daran erinnern wirst, dass die Jungs aus der Liga weiter an ihrem Spiel arbeiten werden. Ich bin mir sicher, dass du mich auch daran erinnern wirst, dass es doppelt so schwer ist, einen NBA-Titel zu verteidigen.

In diesem Moment, möchte ich aber nicht darüber nachdenken und einfach Spaß haben. Obwohl, höchstwahrscheinlich werden wir uns darüber streiten, welches Team besser ist, die Lakers 2009 oder die Trail Blazers 1977, dein erstes NBA-Titel-Team.

Lakers in sechs, Papi. Wer stoppt Kobe?"

Andrew Bynum (LA)
Fragezeichen
64 Millionen-Vertrag. 21 Jahre. 2,13 Meter. Zwei schwere Knieverletzungen, kein großer Faktor in den Finalspielen, aber NBA-Champ. Alles Gute für die Zukunft, Andrew, die Lakers bauen auf Dich!

Trevor Ariza (LA)
Payday
Ein wichtiges Zünglein an der Waage für LA war ein Ex-Magic mit dem Namen Trevor Ariza: Offene Dreier, leidenschaftliche Verteidigung und pure Athletik – genau das brauchten Kobe und die Lakers. Kurz: Dem Free Agent ist ein fetter Zahltag garantiert. Ob er seine Brötchen in Zukunft auch für die Lakers verdient, ist allerdings eine ganz andere Frage.

Lamar Odom (LA)
Das Herz der Lakers
Der multitalentierte und vom Schicksal arg gebeutelte Odom kann auf dem Basketballfeld alles, so wie ein Schweizer Messer, nur nicht ganz so zuverlässig. Einmal 100 Prozent bei der Sache, sind die Lakers aber nur schwer zu schlagen.

Sympathiepunkte gibt es zudem dafür, dass er in einem Vertragsjahr ohne großes Murren die Rolle des sechsten Mann akzeptierte, eine T-Shirt-Kollektion mit Jesus-Motiven entworfen hat und anscheinend einfach ein freundlicher, jovialer und aufrichtiger Mensch ist.

Mickael Pietrus (Magic)
Der Draufgänger
Einfach gesagt, der Franzose hat Eier... und sogar ein paar Skills! Sein Fazit – trotz der Niederlage: „Es war eine wundervolle Erfahrung. Ich habe immer davon geträumt, die NBA Finals zu erreichen.“

Sun Yue (LA)
Chinas NBA-Champ
Wenn der Ring erst am Finger baumelt ... interessiert es irgendjemand, dass der „Chinesische Magic Johnson“ nur zehn Minuten in der gesamten Saison gespielt hat? Siehste! Darum: Gratulation an den ersten Ringmeister aus dem Reich der Mitte!

Stan van Gundy (Magic)
Master of Desaster
Moment mal, noch mal langsam: Dein etatmäßiger All-Star-Spielmacher war 74328 Monate verletzt, und dann setzt du ihn trotzdem deiner mehr als ordentlich agierenden, aber etwas sensiblen Neuverpflichtung praktisch vor die Nase? Und das nicht am Ende der Saison, nicht in der ersten Runde der Playoffs, nein, in den NBA-Finals. Ernsthaft? Das Resultat lässt sich nicht sehen: Ein rostiger und ängstlicher Jameer Nelson und ein verunsicherter und verständnisloser Rafer Alston. Nice Job, Stan. War's das Risiko wert?

UND SONST SO?

Dirk Nowitzki
Lebe geht weiter
Wo fange ich an? Vielleicht damit: Nowitzki's jüngste Playoff-Leistung wurde außerhalb Texas nie richtig gewürdigt. 27 Punkte in 39 Minuten, 52 % Trefferquote, 8 Rebounds, 89% Freiwurfquote - das sind famose Superstar-Zahlen.

Aber das interessiert selbstverständlich keine Sau. Im Fokus der Medien steht Dirks Privatschlamassel mit seiner zwielichten Geliebten und Fast-Braut, die wegen mehrerer Betrugsverfahren nun im Gefängnis sitzt und angeblich auch noch schwanger sein soll. Was für ein Drama! Nur natürlich, dass wenn der Saubermann endlich auch mal einen Skandal raushaut, das für die Aasgeier der Boulevardpresse ein gefundenes Fressen ist. So läuft das Geschäft.

Und so drückt zum Beispiel das Magazin Stern, platt und pathetisch, auf die Düse und titelt: "Dirk Nowitzki sportlich und privat im Tal der Tränen" oder "Hilferuf aus dem Knast". Und die unvergleichliche Bild geht noch einen Schritt weiter und vergleicht Dirk in der Rubrik „Mehr zum Thema“ gar mit einem Pimp! „Der frühere NBA-Profi Calvin Murphy (San Diego Rockets, Houston Rockets) soll angeblich 14 Kinder von neun verschiedenen Frauen haben.“

Ich möchte das darum nicht weiter kommentieren, außer vielleicht: Dirk, ich hätte mich auch ohne weiteres in eine Betrügerin verlieben können. Dir alles Gute!

New Orleans Hornets
Entstellt

Eine Playoff-Schlappe mit 58 Punkten im letzten (Heim-) Spiel der Saison, ist nicht nur extrem demütigend, sondern auch irgendwie unverzeihbar und unvergesslich, wie eine selbst verschuldete Narbe. Ich meine, die armen Fans haben sich auf diese Partie gefreut, hofften auf ein Comeback, glaubten an Euch, und dann das: ein Trauerspiel, eine Schande, eine Farce. Was war da los, Chris?

Mo Williams
Die große Bühne Playoffs

Doch kein Robin? Nerven behalten, Junge.

LeBron James
Böser, böser James!

Ach, Göttchen. The Chosen One war nach dem überraschenden Playoff-Aus nicht bei der Pressekonferenz! Noch schlimmer: Er hat seinen Bezwingern aus Disneyland nicht die Hand geschüttelt. Ach herjeh, wie schlimm!

Mir ist das nicht nur egal, sondern sogar fast schon sympathisch. Ernsthaft: Ich verstehe ja zum Beispiel schon nicht, warum man sich VOR dem Spiel die Hand reichen soll, es geht doch um Leben oder Tod...

Wichtiger ist folgende Erkenntnis: LeBron hat in den Playoffs (mal wieder) ein neues Level erreicht, die Krone scheint nur eine Frage der Zeit ... vielleicht nächste Saison mit Shaq oder 2010 mit den Knicks.

Jason Kidd
Richtung L.A.

Jason Kidd irgendjemand? Angeblich haben die Hawks, Blazers und Lakers Interesse. Bei der Bilanz des 36-Jährigen kein großes Wunder: Rang 5 in der Vorlagenrangliste, Nummer 2 in der Assists-per-Turnover-Rubrik (und damit 36 Plätze vor Devin Harris) und 79 Spiele durchgehalten. Immerfort das Team geführt, Bodenpässe – eine fast vergessene Kunstform in der NBA – zelebriert und aus irgendeiner verstaubten Kiste den Touch für den Dreier hervorgezaubert. Ach ja, Platz 3 in den ewigen Point-Guard-Charts, noch vor Mr. Magic Johnson und gleich hinter Wannabe-Mormone John Stockton und Kommentator Mark Jackson. Merke: Auch ein langsamer Jason Kidd ist immer noch Jason Kidd. Und: Jeder Point Guard darf uralt gegen Chris und Tony Parker aussehen.

Das Dumme für Dallas: Der Free Agent (Jahressalär 2008/9: $21.372.000) möchte in seiner 15. Saison endlich einen Ring an seinem Finger sehen, und da ist er in Big D leider am falschen Fleck. So schön es auch war, ich meine, er sollte es mit Black Mamba, dem Zen Master und Struwwel-Pau probieren. In Happy End Lalaland.

Rondo gegen Rose: Das Duell zweier ganz besonderer Point Guards hat begonnen.
NBAE/Getty Images
INSTANT VINTAGE
BOSTON versus CHICAGO

Ein ständig fluchender KG auf der Bank, Rondo gegen Rose, ein französisches Energiebündel mit Zopf, Stephon Marbury als Pass-First-Backup-Point-Guard, viele Fast-Schlägereien, die Geburt von Big-Shot-Ben, ... Um es kurz zu machen: Ich habe mir alle sieben Spiele der Celtics-vs-Bulls-Serie auf DVD besorgt und es zutiefst genossen. Einfach unglaublich, wie eng, spannend, dramatisch und darum so extrem unterhaltsam das Duell dieser beiden Teams war. Wow!

Kendrick Perkins: 12 Punkte, 11 Rebounds, 2,6 Blocks und in 36 Minuten – sehr solide Playoff-Bilanz des ehemaligen Messdieners. Perkins wird jedes Jahr ein wenig besser, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Entfernt erinnert mich der 24-Jährige an Charles Oakley, obwohl noch nicht ganz so stämmig und böse bzw. Furcht einflößend. Wie auch immer: Ober-Celtic KG darf stolz auf seinen Vorzeige-Zögling sein, das gleiche gilt übrigens auch für Glen "Big Baby" Davis.

Joakim Noah: Chapeau - Noah ist einer der ganz großen Gewinner der Playoffs. Aus dem Quengelbengel ist ein leidenschaftlicher Krieger geworden. Sein Steal und Dunk nach einem Sprint über das gesamte Spielfeld war eine der denkwürdigen Szenen dieser Playoffs.

Beim NCAA-Champion greift tatsächlich die 110-Prozent-Floskel. Ohne seinen bedingungslosen Einsatz und ansteckende Begeisterung wären die Bulls bereits nach fünf oder sechs Partien vom Parkett getrottet. Für so jemanden hätte ich immer einen Platz in meinem Team frei.

Ben Gordon: Verdammt, der Junge liebt es einfach auf den Korb zu werfen. Liebt es, liebt es, liebt es. Auch wenn er es manchmal vielleicht nicht tun sollte. Das weiß ich, das wissen seine Team-Kollegen und das wissen auch seine Gegenspieler. Nur, wie stoppt man diesen Derwisch und Musterprofi, wenn er erst heißgelaufen ist? Was für eine Show, Mr. Gordon! Danke! Vielleicht der beste kleine 1-gegen-1-Scorer in der NBA.

Derrick Rose: Das soll ein Rookie sein? Klar, der Bub macht noch Fehler, einige sogar, aber, auch ohne ein Seher zu sein: Rose is the real deal! Wie viel Schwein hatte Chicago bitte, dass ihnen beim letzten Draft ein potentieller Superstar in den Schoß gefallen ist? Noch besser: Derricks beste Trümpfe sind seine Bescheidenheit, Demut und Lernbereitschaft. Fortsetzung folgt.

Rajon Rondo: Sämtliche Hüte ab! Ich hatte wirklich keinen Schimmer, wie gut der Junge geworden ist, und das in einer so kurzen Zeit. I love him. Alle reden immer über die Big Three der Celtics (KG, Ray Allen und Paul Pierce), in Wirklichkeit ist es aber eine Big Four: Rondo ist mindestens so schnell wie Tony Parker und so nasty wie Isiah Thomas (der Spieler). Er übernimmt Verantwortung und verkrümelt sich nicht in der Crunch Time. Und er ist ein hochbegabter Passgeber und Feldherr, was für mich persönlich die größte Überraschung war. Wenn er sich noch einen einigermaßen zuverlässigen Sprungwurf zulegt... puh, dann gehört er bald in eine Clique mit Chris Paul und Deron Williams! Ja, soooo gut.

Posted by Mike Liem - Juni 30 2009


KOBE`S WEG IN MEIN NBA-HERZ

Vergleiche, Vorurteile, Verehrung: In seinem Blogbeitrag widmet sich Mike Liem seinem neuesten Spezi Kobe Bryant.

Der vielleicht beste Basketballer der Welt im Trikot des Basketballgotts.
NBAE/Getty Images

Liebe schwarze Mamba,

deine Voraussetzungen mein NBA-Herz zu erobern, waren von Anfang an mehr als schlecht. Bist du selbst schuld. Was formst du dein Spiel auch nach His Airness? Das ist doch Blasphemie! Ich meine, wie kann ich dich verehren, wenn Du nur ein –nahezu perfekter – Abklatsch vom Basketballgott bist? Und dich, mit Verlaub, wie eine höchst dubiose, hyper-launische und fadenscheinige Primadonna mit MJ-Komplex aufführst. Oder wie ein unbelehrbarer, eiskalter Ego-Zocker ohne zwischenmenschliche Skills. Nee, richtig lieben gelernt, habe ich Dich nie.

Ich weiß, die Vergleiche und Vorurteile sind unfair, gegen einen Basketballgott ist man chancenlos. Nehmen wir nur die Finals: Gefühlt hast du nicht so dominiert, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Natürlich warst du wieder zu eigensinnig, manchmal wirktest du auch müde oder alt, ... was auch immer, es hat Dich nicht davon abgehalten mit versteinerter Mine in 43 Minuten pro Partie 32 Punkte, 7 Rebounds und 7 Assists zu erzielen. So viel zu absurden Erwartungen.

Darum – Hut ab. Hier ist der Schlüssel. Zweifelsfrei zählst du nun zu den ganz Großen der NBA-Geschichte. Das ist DEIN Ring. Und das ist mein aufrichtiger Respekt für einen absoluten Ausnahmekönner.

Weiter so, Mike.

BLACK MAMBA UND DAS TEAM-KONZEPT
Eine Dekade weiser

Nach der bitteren und peinlichen Finalniederlage gegen die Celtics, der zweiten in Serie, lässt sich Bryant im Sommer 2008 erstmals auf die amerikanische Nationalmannschaft ein. In Las Vegas heißen seine Mitspieler unter anderen Chris Paul, Dwyane Wade und Chris Bosh. “It's like being 5 at Disneyland, with no lines and the characters running around all over," erzählt Bryant der L.A. Times über seine Basketball-Erfahrungen im bestens besetzten Team USA.

Bereits im ersten olympischen Qualifikationsspiel, Sekunden nach dem Sprungball, wirft sich Kobe, der geborene Scorer, auf dem Boden, rackert wie ein Berserker und setzt ein Ausrufezeichen: der Einzelgänger und Ego-Shooter, die Meckerziege und Diva ist jetzt passionierter Team-Leader!

In Peking ist Kobe die Speerspitze, der Superstar im olympischen Star-Ensemble. Die chinesischen TV-Zuschauer lieben den Shooting Guard, für das, was er seit Jahren auf dem Court leistet. Er ist der legitime Nachfolger von MJ: Der kaltblütige Killer. Der Akrobat. Die Punktemaschine. Und auf einmal auch Mannschaftsführer.

Dieser verdammte Ring: Nach sieben langen Jahren jubelt Kobe wieder.
NBAE/Getty Images
Im Gegensatz zu Peking hat Kobe in L.A. eigentlich nur Pau Gasol, dem er den Ball ohne Magenschmerzen passen mag. Lamar Odom ist nicht LeBron und Andrew Bynum sieht Dwight Howard nicht mal ähnlich. Und dennoch: Auch in Los Angeles fügt er sich stellenweise dem Team-Konzept, die Erkenntnis – alleine kann ich es nicht schaffen – hat sich tatsächlich in seinem Kopf eingenistet. Yahoo Sports schreibt: „Kobe turns a year older, a decade wiser”.

DAS PHÄNOMEN KOBE BRYANT
Menschen über die 24

Duell
„Kobe would win, because I’m older. In my prime? Not even a contest! Let`s just say I have a better chance stopping him than him stopping me.“
Michael Jordan

Selbstvertrauen
„As far as me hitting the wall, so what if I did? I didn't, but so what if I did? What does it mean if you did? It means nothing. Because? Because I'll run straight trough it.“
Kobe Bryant, NBA-Champion 2009

Menschenführung
„He's learned how to become a leader in a way in which people want to follow him. I think that's really important for him to have learned because he knew that he had to give to get back in return … he's become a giver.“
Phil Jackson, Tantra-Meistertrainer mit zehn Ringen

Hierarchie
„Es gibt eine Art Hackordnung auf dem Court. Wenn Kobe kleine Signale gibt und den Ball verlangt, wollen sie ihn nicht vergrätzen und geben ihm den Ball, auch wenn er von drei Spielern verteidigt wird. Sie treffen nicht die richtige Entscheidung zu treffen. Viele der jüngeren Spieler wollen Kobe nur glücklich machen. Dann wiederum ist nur das verständlich, weil er alle so oft gerettet hat. Es ist ein Fluch und Segen, ihn zu haben."
Brian Shaw, Assistenztrainer bei den Lakers und langjähriger Mannschaftskamerad

Bislang stand Kobe stets im Schatten von Shaquille O'Neal. Dachte er zumindest.
NBAE/Getty Images

Gene
„He loves to dominate a game, and so if he chose to pass more, he would easily average Chris Paul-type assist numbers. But he`s a born scorer, and he`s always said that, and we don`t mind it, because that sets up everything else that we do."
Derek Fisher, Mannschaftskamerad

Status
„When Kobe walks away from the game, he`s going to leave huge footprints, just as Michael Jordan did. This is a once-every-25-years-player. Appreciate him while he`s there."
Jerry West, NBA-Logo und Lakers-Legende

Posted by Mike Liem - Juni 17 2009


Ehre, dem Ehre gebürt

Konfuzius sagt: Es ist keine Ehre, von einem Narren gelobt zu werden! Und dennoch verteilt Basketball-Liebhaber Mike Liem – kurz vor den Playoffs – wieder Lorbeerkränze an die herausragenden Spieler der regulären NBA-Saison 2008/09.

LeBron James: Am Auserwählten führt kein Weg vorbei. Sorry, Dwayne.
NBAE/Getty Images
MVP: LeBron James
Also gut, LeBron. Hier, bitte schön. Gut gemacht: Du dominierst nach Belieben, verteidigst besser, führst besser und schießt besser. Mit deinem Team (66-16, letzte Saison: 45-37) hast du nur zwei Heimschlappen hinnehmen. Kruzifix, du lässt mir gar keine Wahl. Sorry Kobe, Dwayne, Dwight und Chris, aber BronBron ist einfach mein Wertvollster.

Auf den Plätzen: Kobe, Chris Paul, Dwight Howard und Dwayne Wade. Ehrenvolle Erwähnung: Chauncey Billups, Paul Pierce und Tony Parker.

Spezialpreis der Jury I: Dwayne Wade
Mit nur minimaler Unterstützung (im Gegensatz zu manch anderen Kandidaten) hat es Flash mit den Miami Heat vom Tabellenkeller zurück in die Playoffs geschafft. Flash spielt jede Partie als ob sein Leben davon abhängt: verwegen und tollkühn. Mein tiefer Respekt für eine unfassbare Comeback-Saison!

Spezialpreis der Jury II: Kobe Bryant
Ach du je, auf meine alten Tage verwandele ich mich tatsächlich in einen Kobe-Bryant-Fan. (Die gleiche Erfahrung habe ich übrigens mit Avocados und Jazz gemacht.) Teamplayer und Lonesome Killer, jetzt beherrscht Black Mamba sogar den schmalen Grad. Und was Bryant vielleicht noch von den anderen MVP-Anwärtern unterscheidet: Man hat irgendwie, warum weiß ich nicht, Schiss vor ihm, Hosenflattern, Muffe – da kann er so oft in der Sesamstraße auftreten wie er möchte.

Rookie of the Year: Derrick Rose
Den Ping-Pong-Bällen sei Dank! Ohne Rose (17 Punkte, 6 Assists, 4 Rebounds) würden die Bulls noch immer im NBA-Niemandsland herumdümpeln. Keine Frage: der dynamische Playmaker und Scorer ist ihr bester Akteur und für die geplagte Sportstadt ein Segen und Glücksfall zugleich. Fans vergleichen den 20-Jährigen schon mit einem „Jason Kidd auf Steroiden". (Mit weitaus ausbaufähigerem Sprungwurf, wenn ich das noch hinzufügen darf.) Nicht zu vergessen: General Manager Paxson und Coach del Negro verdanken dem in Chicago aufgewachsenen Super-Rookie sogar ihren Job. Auf seine erste Playoff-Performance darf man gespannt sein.

Auf den Plätzen: Russel „the Animal“ Westbrook, O. J. „Juice Monster“ Mayo und Brook „B-Lo“ Lopez.

Bester Sechster Mann: Jason Terry
Terry ist ein Scharfschütze. Und ein Crunch-Time-Scorer. Als er vor ein paar Wochen wegen einer Handgelenksverletzung ausfiel, war ich drauf und dran, mich nach einer Mannschaft umzuschauen, für die ich während der Playoffs leiden / jubeln könnte, doch dann war der Jet auf einmal – wie aus dem Nichts – wieder da und verrichtete von der Bank kommend seinen Job: Sofort-Offensive und Dirk entlasten. Es spricht für Terrys Status, dass selbst der große Blonde in entscheidenden Phasen überhaupt kein Problem damit hat, ihm den Ball zu überlassen. Wo wir beim Thema sind: In den Playoffs erwarte ich weitere Heldentaten. Flieg, Jet, flieg!

Auf den Plätzen: Lamar Odom (Frohnatur und Alleskönner).

Allen Iverson: Ätsch... dann höre ich eben auf!
NBAE/Getty Images
Spezialpreis der Jury: Allen Iverson
Ego-Ohrfeige, gekränkter Stolz, falsche Eitelkeit, wider die Natur. A.I. kann und will einfach nicht von der Bank kommen. In Detroit hat er es als sechster Mann versucht, genau vier Spiele, aber so richtig geklappt oder gar gefunkt hat es nicht. „Da höre ich lieber auf", sagte Iverson todernst und todtraurig und beendete seine Saison ob der Degradierung vorzeitig.
Hey, ein wenig verstehe ich ihn: Die Sozialisierung oder Mentalität eines derart dominanten Basketballspielers lässt sich schwer von heute auf morgen abschütteln. Fragt sich aber, ob der Free Agent in der Sommerpause zur Besinnung kommt und in einer veränderten, sprich reduzierten Rolle auf Titeljagd gehen will oder ob er weiterhin darauf beharrt, dass die Welt sich um ihn dreht.

Defensive Player of the Year: Dwight Howard
Manchmal denke ich, Dwight Howard lacht zu viel. Besonders, wenn er an manchen Nächten von Rookies oder den David Lees dieser Liga vorgeführt wird, obwohl er sie doch 48 Minuten lang zerstören müsste. (Sorry, für die martialische Ausdrucksweise.) Zugegeben: Howard ist bereits ein Tier sondergleichen und führt die Liga auch in Rebounds und Blocks an, was übrigens erst zum fünften Mal in der Geschichte der NBA passiert. Irgendeine Stimme sagt mir aber, dass Howard (2,11 Meter, 23 Jahre) erst sein wahres Potential ausschöpfen wird, wenn vom lächelnden Superman zum miesen Don't-F##k-With-Me-Monster mutiert. So können sich (nach meiner Theorie) 21 Punkte, 14 Rebounds und 3 Blocks schnell in 29 Punkte, 17 Rebounds, 5 Blocks und fortwährende Dominanz verwandeln.

Auf den Plätzen: Shane „Lego Battier.

Spezialpreis der Jury: Dwayne Wade
Flash, der Supermann mit dem Flair für das Spektakuläre, misst nur 1,93 Meter, steht in dieser Saison aber auf Platz 16 in der Blockparade, noch vor Pau Gasol, Chris Bosh und (welch Überraschung) Erick Dampier. Und das als Shooting Guard. Ladies and Gentlemeb, Herr Wade ist ein Freak!

Most Improved Player: Devin Harris (26 Jahre, Gehalt: 7,8 Mio. US-$), Danny Granger (25, 2,3 Mio. US-$), Brandon Roy (24, 3 Mio US-$), Paul Millsap (24, 800.000 US-$), Rajon Rondo (23, 1,3 Mio. US-$) sowie Kevin Durant (20, 4,4 Mio. US-$) und Jeff Green (22, 3,2 Mio. US-$).

Vollkommen verinnerlicht habe ich die Selektionskriterien dieser Auszeichnung noch nicht – und entscheiden kann ich mich erst recht nicht. Haben nicht auch Superstars noch Luft nach oben, in dieser Saison etwa von LeBron, Chris Paul oder Dwight Howard demonstriert? Es scheint aber, dass diese Ehre einer niederen Spielerklientel vorbehalten ist, denjenigen, die unterhalb des Superstar-Levels für Furore und Hoffnung sorgen. Außer Portlands Roy, Bostons Rondo und Utahs Millsap hat es zwar keiner der Kandidaten vermocht, ihr Team in die Playoffs zu führen, aber sei’s drum: Ihre Leistungsexplosion war derart ins Auge fallend, dass man nicht umhin kommt, diesen Akteuren für ihre enormen Fortschritte und ihren Fleiß zu beglückwünschen. Sie sind alle würdige Nachfolger von Gilbert Arenas, Hedo Turkoglu und George Muresan.

Randnotiz I: An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass Kevin Durant erst (freaking) 20 Jahre alt ist.
Randnotiz II: Die Auszeichnung „Bitterster Spieler“ erhalten Elton Brand, Baron Davis, Jermaine O’Neal, Yi Jianlian, Eddy Curry und Allen Iverson. Hohe Erwartungen – tiefe Enttäuschung.

Chris Anderson: Tätowierte Block-Maschine mit Gel im Haar
NBAE/Getty Images
Comeback Player of the Year: Chris Anderson und Nene (beide Denver Nuggets).

Bouncing back: Der eine war lange Zeit wegen eines Drogenvergehens gesperrt, der andere litt an Hodenkrebs. In dieser Spielzeit waren der tätowierte Birdman (20 Minuten Spielzeit und trotzdem Platz 2 bei den Blocks, dazu mit einem Jahresgehalt von $800.000 ein Superschnäppchen) und der wuchtige Brasilianer (15 Punkte, 8 Rebounds, 60 Prozent Trefferquote) zwei wichtige Gründe für die Bilderbuchsaison der Denver Nuggets.

Auf den Plätzen: Dwayne Wade. Schon wieder.

Spezialpreis der Jury: Shaun Livingston

Es gehört viel Moral, Disziplin und Glaube dazu, um nach einer wirklich grausigen Verletzung wieder in der NBA Fuß zu fassen. Davon ist Livingston, einst als „the next Magic“ angepriesen, noch meilenweit entfernt, aber immerhin hat der Junge in Oklahoma eine neue Chance erhalten.

Beste Saison unterm Radar: Troy Murphy, Brook Lopez, Zydraunas Illgauskas

Troy Murphy: 14 Punkte, 12 Rebounds. Mit 45 Prozent Trefferquote vom Dreipunkteland ist der Power Forward (2,11 Meter) von den Indiana Pacers der beste Distanzschütze unter den großen Jungs, noch vor Matt Bonner, Mehmet Okur und Dirkie-Boy. So sieht’s aus.

Brook Lopez: Wie wünschenswert es ist, einen guten und, vor allem, konstanten Center in seinem Team zu haben, wissen Mavericks-Fans aus dem Effeff. Der Basketballgott war den Nets wohl gesonnen: In seinem Rookie-Jahr erzielte Brook Lopez (2,13 Meter) stolze 13 Punkte, 8 Rebounds und knapp 2 Blocks. Man muss also kein Prophet sein: Der 21-jährige Hüne aus Hollywood hat wohlmöglich eine sehr solide/große Zukunft vor sich.

Zydraunas Illgauskas: Oft verletzt zu Anfang der Karriere, hat sich der 2,21 Meter große Litauer, scheinbar je älter er wird, zu einem Paradebeispiel für Beständigkeit unter den Körben entwickelt. Wer hätte gedacht, dass nach zehn Jahren dieser Jemand tatsächlich immer noch Illgauskas heißt. Go Cavs!

Shortcuts

Sonnenfinsternis: Wie heißt das erste Team in der Geschichte der NBA, das die meisten Punkte erzielt hat und die beste Feldwurfquote vorweisen kann, es aber dennoch nicht in die Playoffs schafft? Das wären die Phoenix Suns mit Steve Nash, Shaq und Amare Stoudemire. Grund für den freien Fall: die poröse Defensive. *** Treuegelübde in Deutsch: Die gute, alte Sport Bild (okay, das „gut" nehme ich zurück) war zu Gast in Dallas. Dort informierte sie sofort Besitzer Mark Cuban, dass Bundesliga-Krösus Alba Berlin gerne Nowitzki verpflichten würde, wenn der keinen Bock mehr auf die NBA habe. Cubans Antwort: „Whatever Dirk wants to do when he is 50, is up to him. Dirk will be saying auf Wiedersehen to me before I say auf Wiedersehen to him." *** Stylomat aus Georgien: Pimp-Daddy und Playoff-Power-Forward Zaza Pachulia (Atlanta Hawks) ist ein großer Verfechter des Dress Code! *** Was die Welt nicht braucht: Der Casting-Wahn nimmt kein Ende. Jetzt haben sich ein paar ehemalige NBA-Cheerleader zu einer Rock-Band formiert/formieren lassen. Der viel versprechende Name der Gruppe: Sweet 88. *** Spaß mit Eddings: LeBron nennt sich ganz unbescheiden der Auserwählte, auf seinem muskulösen Rücken hat er das noch mal per Tätowiernadel verewigen lassen. Kollege Anderson Varejao fühlt sich vom Basketballgott ebenfalls auserwählt. *** Faust aufs Auge: Coach George Karl über die überaus erfolgreiche Verpflichtung von Point Guard Chauncey Billups: „Es war wie Black Jack. Wir hatten eine 12 und haben eine 9 gezogen." *** Kain & Abel mit Bart? Nein! Nur die Gebrüder Pau und Marc Gasol in der NBA! *** Tony-Award: Bester internationaler Spieler? Einfach: Tony Parker, knapp dahinter: Dirk Nowitzki und Pau Gasol. ***

Posted by Mike Liem - März 18 2009 3:18 p.m.


*Arbeitslos und im Exil* *- Tinsley darf nicht mehr*

Ein arbeitsloser Millionär, eine Bowling-Bahn und Larry Legend. In seinem neuen Post bewegt sich unser Blogger Mike Liem mal wieder abseits des Courts.

Während Stephon Marbury im Bostoner Kleeblattgrün sein Comeback feiert, verharrt der andere Geächtete, Jamal Tinsley von den Indiana Pacers, noch immer im unfreiwilligen, aber hervorragend bezahlten Exil. Für die Image-bewussten Pacers und deren Basketball-Präsident Larry Bird ist Trouble-Maker Tinsley das einzige übrig gebliebene Relikt aus der dunklen Vergangenheit, ein rotes Tuch, eine Person non grata, die bitte schön zu Hause bleiben soll. Einziges Problem: Tinsley steht noch bis 2011 unter Vertrag.

Klar, am liebsten hätten die Pacers Tinsley längst an ein anderes Team abgegeben oder aus seinem wahnwitzig hoch dotierten Millionenkontrakt herausgekauft, doch genau darin liegt das Dilemma. Niemand - weder die Pacers noch eine andere Mannschaft - will dem Playmaker die garantierten 21 Millionen zahlen. Anders gesagt: Tinsley wird weiterhin fürstlich bezahlt, aber daran gehindert, seinen Job auszuüben oder sich für einen anderen Klub zu empfehlen. Tinsley gilt als "untradable“. Und so steht man seit Anfang der Saison patt.

Zur Seite steht Tinsley (31) nur die Spielergewerkschaft der NBA. Sie setzt sich naturgemäß für ihre Mitglieder ein und hat inzwischen Einspruch gegen die Verbannungspolitik der Indiana Pacers erhoben. "Ich habe einige Probleme damit, " sagte Billy Hunter, der Direktor der Spielergewerkschaft. "Wenn sie ihn drei Jahre auf Eis legen, und er nicht spielen darf, bedeutet das praktisch sein Karriereende."

Wie auch immer der Fall ausgehen mag: Man darf gespannt sein - es könnte ein wegweisender Präzedenzfall für NBA-Teams und deren Umgang mit unerwünschten, aber unter Vertrag stehenden Spielern werden.

Wahre Worte, Teil IV
Wer ist Larry Bird?

Larry Bird
NBAE/Getty Images
Im vierten Teil unserer esoterisch angehauchten Serie „Wahre Worte“ berichtet Celtics-Legende Larry Bird über Jobs, Scharfsinn und gute Geschichten. (Quelle: Esquire)

„Ich war einmal ein Müllmann. Ich hatte kein Problem mit dem Job. Überhaupt keines. Ich würde es wieder machen, wenn ich müsste.“

„Ich war nicht richtig schnell, ich war auch nicht richtig stark. Manche Typen, die heben einfach ab und du denkst, WOW!!! Also habe ich sie mit meinem Verstand und meinen fundamentals geschlagen.“

„Eminem. Mein Sohn hörte das gerade und ich meinte, 'Was ist das für ein Müll?' Dann habe ich richtig zugehört und gedacht, 'Weißt du, der Junge ist ziemlich gut.' Es hat ein Talent, Geschichten zu erzählen.“

Zur Person: The Hick from French Lick spielte von 1979 bis 1992 für die Boston Celtics und erzielte in seiner Karriere 24 Punkte, 10 Rebounds, 6 Assists im Schnitt. Die Rivalität zwischen dem weißen Bird und dem schwarzen Magic von den LA Lakers verhalf der Liga in den 80ern aus der Identitätskrise und füllte die Taschen. Bird wuchs im ländlichen Indiana als viertes von sechs Kindern unter nicht so rosigen Umständen auf. Heute ist er Präsident für Basketballoperationen bei den Indiana Pacers.

Bowling vs. Basketball
Tear Down This Bowling-Bahn

Kaum hat sich Amerikas neuer Präsident ins Amt getanzt, wartet im Weißen Haus schon die erste Belastungsprobe: Im neuen Zuhause hängen zwar auf dem Tenniscourt zwei Körbe, doch was passiert im Winter, wenn Washington im Schnee versinkt? Diese Frage hat sich der Basketball-Liebhaber Obama auch gestellt. Seine Lösung: Ein Indoor-Court. Dafür muss lediglich die damals von Richard „Watergate“ Nixon installierte Bowlingbahn entfernt werden. Die NBA hat bereits ihre Hilfe beim Bau angeboten, und ich behaupte einfach mal, dass auch die freie Basketballwelt vol und ganz hinter dieser Entscheidung steht.

Doch jetzt meldet sich die amerikanische Bowling-Lobby. Nach Informationen des Wall Street Journal befürchtet sie, dass ihr Sport (?) einen immensen PR-Schaden droht, sollte Basketball-Obama tatsächlich die altehrwürdige Bahn abreißen.
Um seine Meinung zu hinterfragen, hat der Verband darum angeboten, die Anlage kostenlos komplett zu renovieren sowie ein modernes Punktesystem, High-Tech-Bowling-Bälle und ein digitales Soundsystem zu spendieren.
Mir fehlen die Wort: Was für ein perfider Schachzug, bleiben Sie stark, Mr. President, and tear down this Bowling-Bahn!

SHORTCUTS

Larry Hughes
NBAE/Getty Images
### Heimat gefunden? Lange Zeit galt Ex-Bulle Larry Hughes als nörgelnder Ego-Shooter und Loser.Bei seinem neuesten Klub, den New York Knicks, läuft es aber recht rund - D'Antoni sei Dank. Ob Strohfeuer oder nicht: Hoffentlich wird die Website eines verzweifelten Bulls-Fans mit dem klingenden Titel Hey Larry Huges, please stop taking so many bad shots bei fortlaufenden Glanzleistungen nicht offline gestellt. ### NBA-Profis sind berühmt-berüchtigt für ihre Videospiel-Passion, auf Road Trips gehört die Konsole genauso wie der Rasierer oder ein Satz frischer Unterhosen in den Koffer. Ike Diogo von den Portland Trail Blazers ist auch so ein Hardcore- allerdings mit tiefer gehenden Ambitionen! An der Arizona-State-Universität hat der Power Forward (und Bankdrücker) digitale Animation studiert, in diesem Sommer hat er sich einen Praktikumsplatz bei EA Sports ergattert. Sein Ziel: Ein Job im Video-Game-Business, möglichst in der Basketballsparte. Macht Sinn. ### Viele reden davon, wie Nowitzki nie in Dallas einen Titel gewinnen wird und für immer der große Unvollendete bleibt. Na und? So what? Es nervt, es ist alt, es ist respektlos. Schon klar: So funktioniert Leistungssport. Ein Titel wäre die Krönung, und auch Dirk will diesen verdammten Ring. Warum aber dieser Fokus auf das noch Unerreichte? Man vergisst bei all der Moserei, sich an der wesentlichen Tatsache zu erfreuen, einen deutschen Spieler in der NBA zu haben, der seit Jahren zweifelsohne zu den besten seiner Zunft zählt. Y'all know? ###

Posted by Mike Liem - März 18 2009 3:18 p.m.


Schlaf als Waffe

Wie ein „Schlaf-Doktor“ die Portland Trail Blazers vor Jetlag und Augenringen schützt, verrät Mike Liem in seinem Blog.

Die NBA-Saison ist brutal: Von Oktober bis April müssen die – zugegeben hervorragend bezahlten – Akteure 82 Partien absolvieren, bevor die Prime Time mit den Playoffs beginnt. Neben Verletzungen und der Apathie haben die Spieler am meisten mit dem Schlafentzug zu kämpfen. Die 30 Teams sind wahre Reiseweltmeister und die Terminpläne der Liga eng getaktet – da bleiben die Träume zwangsläufig auf der Strecke.

Aus dem Alltag eines NBA-Spielers: Nach der aufregenden Heimpartie (oder der After-Party) fallen die Äuglein erst gegen 02.00 Uhr morgens zu. RRRRRIIINNG schreit der Wecker 05.50 Uhr, weil um 08.25 Uhr bereits der Flieger zum nächsten Auswärtsspiel abhebt.

Noch schlimmer: Die USA sind ein großes Land. Bei manchen Trips kommen der Zeitunterschied sowie das dazugehörige Übel namens Jetlag dazu. Kurz: Die NBA-Saison und der Reisestress sind Raubbau am Körper. Das wiederum wirkt sich auf die Leistung auf dem Parkett aus.

Dancer dunk
NBAE/Getty Images
Damals groggy, jetzt hellwach Auch die Portland Trail Blazers sind von dieser Begleiterscheinung betroffen. Die Mannschaft ist im hohen Nordwesten zuhause – kaum ein anderes Team muss auf Auswärtstrips durch so viele Zeitzonen reisen. Vor solchen Trips ratterte Portlands Coach Nate McMillan früher stets sein Mantra runter: „Jungs, geht zeitig schlafen, damit ihr morgen früh fit seid." Doch das junge Team konnte fern vom Rose Garden nie an ihre Heimstärke anknüpfen. Warum, konnte sich keiner so richtig erklären.

TATATATA: Vorhang auf für Dr. Charles Czeisler aus Boston!

Von der Mannschaft wird er mittlerweile der „Schlaf-Doktor“ genannt. Im akademischen Leben ist Czeisler Leiter der Harvard Medical School's Division of Sleep Medicine. Der grauhaarige Wissenschaftler hat einen Wandel der Reise- und Schlafgewohnheiten nach der bewährten Yes-We-Can-Methode bei den Blazers durchgesetzt: Wann immer das Team unterwegs ist, bleibt der Schlafrhythmus und die biologische Uhr auf Portland-Zeit geeicht. Flüge vor Sonnenaufgang wurden auf den Vormittag gelegt und das morgendliche Shootaround gestrichen – in Orlando trafen die Blazers einmal zur Überraschung der Magic-Angestellten um 22.15 Uhr zum Training ein. Innere Balance über alles!

Auch der Zapfenstreich wurde gelockert, was für Freunde exzessiver Poker-oder Playstation-Schlachten oder ausgedehnter Stripclub-Besuche eine tolle Neuigkeit war. „Coach meinte, Ihr könnt alle ausgehen. Sperrstunde ist erst um zwei Uhr morgens,“ sagt LaMarcus Aldridge (, der seine Kohle bestimmt nicht in Strip-Lokalen auf den Kopf haut). „Wir mussten alle lachen.“

Auf Portland-Zeit gepolt Seitdem Dr. Czeisler mit an Bord ist, spielen die Blazers besser „on the road“, vielleicht auch weil sie einfach ausgeschlafen sind. Die Bilanz zurzeit: 10 Siege, 12 Niederlagen, im Vergleich zum Vorjahr (13-28) ein Quantensprung. Man sei ausgeruhter, aufmerksamer und fokussierter, aber auch ausgeglichener und geselliger, sagen Coaches und Spieler. Früher fielen die arg beanspruchten Athleten im Flieger sofort in ein tiefes Koma, jetzt interagiert man miteinander, isst etwas, scherzt.

Die Spieler schätzen ihren Schlaf-Doktor. Allstar Brandon Roy meint, Czeisler habe „Wunder gewirkt", Langschläfer Travis Outlaw „liebt" die verlängerte Nachtruhe, Greg Oden führt sogar akribisch ein Schlummertagebuch. „Schlaf kann ein taktischer Vorteil sein – das wird weitgehend verkannt im Hochleistungssport,“ sagt Czeisler. Bis zu 15 Prozent mehr Leistungsvermögen könne so aus den viel beanspruchten Profisportlern noch herausgekitzelt werden. Gewinnmaximierung durch Schlaf sozusagen!

Nach Aufzeichnungen von Jason Quick, The Oregonian („Blazers adjust their snoozing - to stop losing“)

Klagelied eines Pioniers Brandon Jennings, US-High-School-Star, der nicht wie üblich aufs College ging, sondern direkt in die italienische Profiliga wechselte, um von dort den Sprung in die NBA zu schaffen, hadert. Gut, Mama und das Brüderchen haben ihn in die ewige Stadt begleitet, sein Gehalt (1,2 Millionen Dollar) ist etwas höher als das seiner Altersgenossen an den US-Unis und zuletzt schloss der gehypte Youngster einen lukrativen Sneaker-Deal mit der Sportartikelfirma Under Armour (Spezialität: Thermo-Unterwäsche) ab. Dennoch klagt der 19-Jährige: „Erst einmal in diesem Jahr wurde ich pünktlich bezahlt. Sie behandeln mich wie ein Kind, nicht wie einen Mann.“

Das zweite Dilemma aus Jennings Sicht liegt auf dem Court: Für seinen Club Lottomatica Virtus Rom erzielt das Nachwuchstalent nur acht Punkte im Schnitt, spielt mal 35, mal zehn Minuten. Seine Hauptaufgaben beschränken sich allein auf Defense und offene Würfe, meint er. Das ist ihm zu mau.

Stellt sich die Frage, ob Jennings für andere talentierte US-Boys ein Trendsetter oder abschreckendes Beispiel wird. „Es ist hart, Mann, " sagt der Teenager über seine Erfahrungen in der Fremde. „Es kann dich brechen.“ Meine bescheidene Meinung: Du wirst daran reifen, Brandon, und das weißt du. Just play.

Willkommen im Club Kaum ein anderer Verein in der NBA ist so geschichtsbewusst wie die Boston Celtics. Der lange Schatten der Legenden, die Banner an der Hallendecke können eine quälende Bürde sein, vor allem wenn man der Star ist, und das Teams trotzdem verliert.

Bei ihm dauerte es zehn Jahre. Er reifte vor den Augen von Red Auerbach, John Havlicek, Bill Russell und Larry Bird, ganz langsam. Es gab mehr Tiefen als Höhen, auf und abseits des Spielfelds, aber jetzt zählt Paul Pierce zum Club. In einem berührenden Porträt im Boston Globe Magazine beschreibt Autor Neil Swidey den steinigen Weg. Titel: „The Survivor“.

American Boys... „Unser 1,59 m großer Blogger Mike Liem wird selbst im Adamskostüm niemals auch nur in die Nähe des 3,05 m hohen Rings springen können, und muss wohl weiterhin an seiner aufblasbaren Korbanlage Dunking spielen. Ich dagegen bin der Dunking-Gott.“

Diese Zeilen schreibt kein Geringerer als Herr Hasbargen, der als neuester NBA-Blogger gleich mit der Giftkeule um sich schlägt. Da ich in meinem Internet-Tagebuch bislang nur lobende Worte für den Auswanderer gefunden habe, erwischt mich die Vollsalve aus dem kalifornischen Hinterhalt mitten ins Herz.

Dann wiederum... es stimmt: Ich spiele gerne nackig Basketball, kann gerade so das Brett berühren und messe nicht mehr als 159 Zentimeter. Wahr ist auch, dass mir meine Mutter mal einen Korb geschenkt hat, den ich an der Regenrinne (Höhe: 2,43 Meter) befestigte, um so meine wildesten Fantasien ausleben zu können.

Was mich zu meinem Punkt bringt: Herr Hasbargen scheint wohl der Auffassung zu sein, dass nur die Befähigung zum Dunk, einen Menschen zum wahren Basketball-Liebhaber stempelt. Das finde ich skandalös und sehr amerikanisch. Auch der Vergleich mit Gott zeugt von etwas zu viel Selbstachtung und einer wohl kaum heilbaren Dunk-Obsession. Pfui, Herr Hasenberg, es wird anscheinend wieder Zeit für einen Besuch in der alten Welt.

Posted by Mike Liem - Januar, 27 2009 3:18 p.m.


Milchlamm ist soft

Beginnen wir das neue Jahr mit den wichtigsten Menschen in diesem Blog: den unsichtbaren Lesern – und Ihren Fragen zur NBA-Welt. Vielen Dank and a Happy New Year!

Dirk Nowitzki
NBAE/Getty Images


Wieso dunkt Dirk so selten? Für einen Spieler seiner Größe müsste er viel öfter stopfen! Ist er soft? (Nils aus Dortmund)
Ich war mal in Dubai essen, da gab es in einem kleinen pakistanischen Restaurant köstliches Milchlamm – das war soft. Mag sein, dass Dirks In-Your-Face-Slam-Dunks Seltenheitswert haben. So what? Umso schöner, wenn es dann kracht.

Ist die amerikanische Spielweise doch besser als die Europäische? Schließlich haben die Amis bei Olympia wieder gewonnen. (Maik aus Hamburg)
Amerikanisch = individuell? Europäisch = Teamplay? Das „Redeem Team“ – übrigens ein selten bescheuerter Name – hat Gold gewonnen, weil sie endlich aus den Blamagen gelernt hat und von ihrem selbstherrlichen NBA-Sockel hinab in die FIBA-Basketballwelt gestiegen ist. Erstmals hat man die Gegner und das „andere“ Spiel Ernst genommen. In China war ein Team zu Gang.

Ein paar Beispiele: Längere Vorbereitungszeit, fester Kader, mehr Rollenspieler, Defense First!, Scouting, klare Hierarchie, höhere Motivation, …Chris Paul, Kobe, Carmelo, Chris Bosh, Dwight Howard als Starting 5 mit D-Wade, Kidd und BronBron von der Bank (!!!) schadet auch nicht. (Da ist sie wieder, diese unweigerliche, gelernte Aufspaltung der NBA-Auswahl in Individuen.)

Unterm Strich kann die USA den besten Kader aufbieten, und wenn dieses Allstar-Team auch noch „europäischen“ Mannschaftsbasketball spielt (, was du wohl mit „besser“ meinst,) dann… goodbye / Gold.

Rudy Gay oder Kevin Durant? (Tobi aus Hamburg)
Ich mag Rudy sehr, wähle aber KD, weil er erst friggin’ scary 20 ist.

Hast du einen guten Basketball-Buchtipp? (Katrin aus Düsseldorf)
Mein Buddy Rolf Hasbargen hat mir neulich „Free Darko presents … The Macrophenomenal Pro Basketball Almanac: Styles, Stats, and Stars in Today's Game“ (Bloomsbury) geschenkt. Ein irrwitziges Buch von Basketball-Nerds, mit vielen schönen Zeichnungen und exzentrischen Porträts von Kobe („A smarter, more neurotic Michael Jordan“), „Lost Soul“ Lamar Odom und Stephon „Phenomenal Cancer“ Marbury, dazu Statistiken, Analysen und Parabeln. Das New York Magazine nennt das Werk „die Bibel für den übergebildeten Basketball-Junkie“, das New York Times Play Magazine schreibt: „ein textlich-visuelles Meisterstück“. Unerwartet, fresh, freakig.

Wie viele Deutsche haben bislang in der NBA gespielt? (Chris aus Salzgitter)
Meines Wissens sieben Akteure: Dirk Nowitzki aus Würzburg (Mavs), Chris Kaman aus Grand Rapids (eingebürgert; Clippers), Detlev Schrempf aus Leverkusen (Mavs, Pacers, Sonics), Shawn Bradley aus Landstuhl (eingebürgert; 76ers, Nets, Mavs), Chris Welp aus Delmenhorst (76ers, Spurs, Warriors), Uwe „Burning Skyscraper“ Blab aus München (Mavs, Spurs) und Ademola Okulaja aus Lagos (eingebürgert; 76ers, Jazz).

Spannender ist diese Frage: Wann schafft es der nächste Deutsche in die NBA? Ich sage 2014.

Was ist los mit Darius Miles? (K. H. aus Braunschweig)
Darius Miles
NBAE/Getty Images
Es sieht gut aus für Miles. Nachdem es der Langzeitverletzte (27) nichts ins Team der Celtics schaffte, wurde er kürzlich von den Memphis Grizzlies aufgeschnappt, für schlappe 581.765 Dollar (non-guaranteed contract). Der etwas verwirrende, aber herrlich dramatische Clou an der ganzen Sache: Tritt er in mehr als zehn Partien für die Memphis Grizzlies an, müssen die Portland Trail Blazers, Miles Ex-Team, sein ausstehendes Gesamtgehalt (18 Mio. $), guaranteed contract) für die nächsten zwei Spielzeiten in ihr Salary Cap integrieren – so funktioniert die „career-ending injury policy“ der NBA.

Offiziell darf der Überraschungsrückkehrer und Multimillionär mit Bad-Boy-Image wegen eines alten Drogen-Vergehens erst ab dem 4. Januar (10-Spiele-Sperre) wieder aufs Parkett. Es wird seine erste Partie seit über zwei Jahren sein. Miles: „Ich bin hungrig. Ich gebe nicht auf. Ich weiß, dass ich es noch kann.”

Digger, du kannst gar kein Basketball spielen und machst hier auf NBA-Allstar. Was bist du? 1,59 Meter? (Emma aus der Hauptstadt Berlin)
Touché, Emma.

Welchem NBA-Akteur ähnelt deine Spielweise am Meisten? (Simpson aus Dubai)
In meinen kühnsten und erotischsten NBA-Tagträumen sehe ich mich als eine Art phantastische NBA-Synthese aus John Stockton, John Starks, Steve Nash und José Caldéron im Körper von Chris Paul über den Court schweben. Ach ja, das wäre eine feine Kreatur. Flor „The Berlin Wall“ Hasenberg vergleicht sein Spiel übrigens stets mit KG und setzt dabei eine bitterernste Miene auf. (Feedback, Vorschläge und Kritik: thegameofbasketball@web.de)

Was passiert mit Starbury? (Lasse aus Lüneburg)
Wenn es der Basketballgott der Schiffbrüchigen so will, wird Stephon Marbury wohl (schluck...) nach Boston wechseln. In seinem Blog für die New York Post säuselt er: „ I'm far from perfect but I always follow my heart so I know my path is true.“

Ich lese immer, dass Joe Dumars einer der besten General Manager in der NBA ist. Warum? Er hat Darko Milicic vor Dwayne Wade, Carmelo Anthony und Chris Bosh gedraftet! (Manuel aus Köln)
Joe Dumars
NBAE/Getty Images
Stimmt, das war Dumars Supergau. Aber er ist ein Guter: Zuletzt tauschte er Billups für Iverson (bzw. dessen auslaufenden Monstervertrag). Das machte insofern Sinn, da a) mit dem gewonnenen Salary Cap Space 2010 ein Superstar-Free-Agent …Achtung Ironie des Schicksals!... á la Chris Bosh oder D-Wade nach Motown gelockt werden könnte, b) mit Rodney Stuckey bereits Ersatz potenter für Billups in den Startlöchern stand und c) Allen Iverson immer noch die Antwort ist (, wenn auch nicht für den Ring).

Können die Cavs NBA-Champ werden? (Hendrik aus Wilhelmshaven)
Ja, so gut ist LeBron.

Meiner Freundin gefällt Dirk mit langen lockigen Haaren viel besser. Jetzt hat sie kein Interesse mehr an Basketball. (Tim aus Berlin)
Das tut mir leid, Tim. Ich finde übrigens die Kurzhaarfrisur besser. Als er noch eine Mähne hatte, strich er sich permanent wie Fabio Lanzoni die Haare aus dem Gesicht. Irgendwie passte das nicht in die NBA-Playoffs.

Was ist los mit den Warriors? Überragende Schützen, sind aber auf der Position 4 und 5 total unterbesetzt. (Daniel aus Kaiserslautern, Teil II)
Stephen Jackson
NBAE/Getty Images
Achtung: Für diese Antwort habe ich unseren hochgeschätzten Außenkorrespondent Rolf Hasbargen alias Flor Hasenberg, lebhaft in San Francisco, um Stellungnahme gebeten. Hier seine Antwort, wie immer on point und en detail:
„Die Weichen für den bisher zugegeben ernüchternden Saisonverlauf der Warriors wurden bereits vor dem Start der Saison gestellt: Der Kopf der Fast-Break-Armada, Baron Davis, zog's gen Hollywood, Geschwindigkeitsjunkie Monta Ellis verletzt sich beim Fahren eines (hoffentlich zumindest frisierten) Mopeds. Obendrein wechselt Matt Barnes nach Phoenix, wo er sich eine zentrale Rolle in der Rotation erarbeitet hat, und Al Harrington spielte wie eine beleidigte Leberwurst, bis er endlich zu den Knicks getradet wurde, um dort bereits einige Male zum Match-Winner zu avancieren.

Du hast Recht, Jamal Crawford, Corey Magette und vor allem Stephen Jackson haben das Potential, überragende Schützen zu sein, doch bisher haben die Drei einfach keinen Weg gefunden, miteinander auf dem Court zu harmonieren und ihre individuellen Fähigkeiten ineinander greifen zu lassen. Der unermüdliche Andris Biedrins bekommt beim Rebounden von Ronny Turiaf, Anthony Randolph (19) und Brendan Wright (21) Unterstützung, doch es zeigt sich vor allen Dingen in den intensiven Momenten eines Spiels, dass die (Willens-) Kraft und die nötige Cleverness auf Seiten der Warriors fehlt, um eine umkämpften Partie durch die entscheidenden Offensiv- und Defensiv-Rebounds an sich zu reißen. Ich denke, dass die Warriors insgeheim bereits ihren Frieden damit geschlossen haben, diese Saison im unteren Bereich der Tabelle abzuschließen.

Coach Don Nelson nutzt die Spiele schon seit Anfang der Spielzeit zum fleißigen Experimentieren (in den bisherigen Partien gab es zig verschiedene Starting Fives), und gibt seinen jungen Spielern die Möglichkeit, Erfahrung und Selbstvertrauen zu sammeln. Zukunft heißt die Devise! Der geduldige Warrior-Fan muss sich in dieser Saison also wohl weiterhin damit begnügen, dass zumindest die Hausaufgaben gegen die unmittelbaren Tabellennachbarn strebsam und sorgfältig erledigt werden, und hier und da mal Spieler wie Antony Morrow (23) und Marco Bellinelli (22) ihr Potential aufblitzen lassen.“

Posted by Mike Liem - Januar, 4 2009 3:18 p.m.


Miteinander reden

Miteinander reden

J. R. Smith
NBAE/Getty Images
Es liest sich so einfach, aber oft ist Kommunikation eine echt verflixte Angelegenheit. Fragen Sie mal mich. Oder George Karl (Coach) und J. R. Smith (sehr talentierter, aber undisziplinierter Shooting Guard mit Bad-Boy-Label) von den Denver Nuggets. Die beiden reden gar nicht mehr miteinander, was sie gegenüber Reportern auch bestätigt haben.

Das ist natürlich erschreckend, bizarr und infantil, aber auch verdammt lustig. Ich frage mich, wie das praktisch möglich ist? Wie funktioniert das zum Beispiel in den Time-outs? Lässt Coach Karl seine Botschaften via Heilsbringer Chauncey oder Homeboy Melo übermitteln? Gibt er Handzeichen? Müssten die beiden Streithähne nicht irgendwann im Laufe der Saison über ihren Schatten springen, zum Wohl des Teams? Gibt es keinen Schlichter weit und breit? Und was zum Robert Mugabe muss passiert sein, dass eine Beziehung zwischen einem Coach und einem Spieler so eskalieren kann? Perfektes Material für eine MTV-Satire oder die Super-Nanny. I love the NBA.

Nur die eine Sache, Jet
Ein wenig kam ich mir schon wie ein geprügelter, liebestrunkener Trottel vor. Erst mein Lets-Do-It-!!!-Mavs-Post und dann der Fehlstart. Aber, und der liebe Basketballgott wollte es so, die Jungs haben aufgeholt. Dirk ist Dirk und damit nach wie vor auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Es ist eine Schande, dass ein Kind nicht die Spiele von diesem Ausnahmespieler im deutschen Fernsehen sehen kann. Eine Schande und eine vertane Chance von biblischem Ausmaß. Okay okay, tief ein- und ausatmen ... .... .... und weiter im Kontext. Eine der Schlüsselfragen für ein besseres Ergebnis als im letzten Jahr ist diese: Können sich die Mavericks endlich auf Jason Terry (knapp 21 Punkte im Durchschnitt) verlassen?

Was bleibt ist Zuversicht und Hoffnung – und dieses Zitat vom (einstigen?) Heiß-Kalt-Schützen, das im Grunde ein Weihnachtsgeschenk für jeden Mavs-Fan ist: „Ich glaube, meine Mentalität und mein Fokus hat sich gewandelt. Dirk hat mir vor der Saison gesagt: „Es gibt da die eine Sache, die mich an dir nervt, Jet. Es ist Konstanz. Manche Nächte gehst du raus und spielst wie ein All-Star und an anderen Nächten, weiß ich nicht, was los ist." Das habe ich mir zu Herzen genommen."

Die Leiden des T-Mac
Tracy McGrady
NBAE/Getty Images
Lustig, abgrundtief gemein oder einfach nur detailverliebt? Für ein paar Tage schaltete der Houston Chronicle ein prominentes Banner auf seiner Rockets-Website. In dem T-Mac Injury-Ticker konnte jeder User haargenau nachlesen, wie viele Spiele der oft verletzte Tracy McGrady in dieser jungen Saison erneut hat passen müssen. Mittlerweile ist der (in meinen Augen) völlig verachtende Scherz offline.

Warum auch tiefer in die Wunde bohren? Die ganze Welt weiß, dass das Schicksal der Raketen mit dem Zustand von T-Macs wackligen Gebeinen einhergeht, es ist seit Jahren der gleiche Song. Ich verstehe die Frustration, aber das geht zu weit. Der Chronicle hat Fan- und Blogger-Sein mit Sportjournalismus verwechselt. Peinlich.

Die Pistolen sind geladen
(Vor-)Freude pur: Aus gut informierten Kreisen habe ich erfahren, dass ein neuer Blogger den Weg zu NBA Germany finden wird. Meine Damen und Herren, es ist fast zu schön, um wahr zu sein, aber kein Geringerer als Rolf Hasbargen wird unser Team mit seiner Expertise und seinem Wortwitz verstärken!!!

Kennern ist der über drei Meter große, spindeldürre Ostfriese vielleicht besser unter seinem Pseudonym Flor Hasenberg bekannt. Er lebt in San-Francisco-Warrior-Land und liebt die NBA, seine wunderhübsche amerikanische Ehefrau, Musik und Walnüsse.

Gern protzt der gar nicht mal so untalentierte Power-Forward damit, dass die Freiplatz-Amis ihn ehrfürchtig „The Berlin Wall" rufen. (Als ob das ein guter Spitzname sei, die wurde ja am Ende unter Tränen eingerissen.) Weniger erfreut oder gar dementierend zeigt sich Herr Hasenberg allerdings, wenn ihn Zeitzeugen an seine größte Basketballschmach erinnern: Die bitteren 23 Sekunden, in denen er von einem halbwüchsiger Indonesier gleich fünfmal hintereinander spektakulär geblockt wurde – zweimal an der Dreier-Linie und dreimal beim Dunk-Versuch.

Kurz gesagt: Seinem Urteil über die Liga traue ich da mehr. Wir werden uns alle glücklich, wirklich glücklich schätzen, dass er seine Gedanken über die NBA in naher Zukunft mit uns teilen wird. Welcome Aboard!

Shortcuts
*** Ray Allen organisierte für seine Celtics – und ich meine das gesamte Team – im United State Holocaust Memorial Museum in Washington eine Führung. Und am Abend fegten sie die Wizards mit 122:88 aus der eigenen Halle. Der erste Part ist eindrucksvoll. *** Ein Beat Writer des Oregonian in Portland macht sich ernsthaft Sorgen um Greg Oden: Die hohe Erwartungshaltung hat dem fröhlichen Jungen mächtig zugesetzt. Der Spaß am Spiel fehle, und ohne Spaß kein Fortschritt auf dem Basketballfeld. Hoffentlich alles nur eine Frage der Zeit. *** Die endlose Seifenoper um Stephon Marbury und die New York Knicks hat gerade eine kleine Auszeit, aber das ist schon okay. Der letzte große Akt der Starbury-Chronicles steht uns noch bevor, da müssen auf beiden Seiten Kräfte getankt werden. Gebellt wird schon. O-Ton Marbury über Coach Mike D'Antoni. „I wouldn't trust him to walk my dog across the street." ***

Posted by Mike Liem - Dezember, 16 2008 10:48 a.m.


WE MISS YOU!

Mike Liem widmet sich in seinem neusten Blog-Eintrag den Langzeitverletzten und hat zudem Neuigkeiten aus dem Tierreich.

Greg Oden (Portland Trailblazers)

Greg Oden
NBAE/Getty Images

Verletzte sich bei seinem Profidebüt, nachdem er bereits seine Rookie-Saison auf Grund einer Mikrofraktur im Knie komplett aussetzen musste. Der 20-Jährige, der aussieht wie 36, wurde vor einem Jahr an Position 1 gedrafted und gilt als The Next Big Thing auf der Center-Position. Doch Greg Odens Aktienkurs sinkt: Mittlerweile wird er schon mit Halbhühne Erik Dampier „an seinem allerbesten Tag" verglichen.
Anvisierte Rückkehr aufs Spielfeld: Anfang Dezember.

Monta Ellis (Golden State Warriors)

Traumjob NBA-Profi? Pah! Es gibt auch Schattenseiten. So darf man laut Paragraph 12 nicht snowboarden, boxen, von einer Brücke springen, Segelfliegen oder den Mount Everest besteigen. Selbst Motorradfahren ist vertraglich untersagt. Fast-Break-Blitz Monta Ellis kann ein Klagelied davon singen. Der Most Improved Player 2007 erhielt nach seiner Paradevorstellung einen neuen Kontrakt (6 Jahre – 66 Millionen), verletzte sich kurz vor Saisonbeginn bei einer Mopedrally, gaukelte seinen Arbeitgebern eine Basketball-relevante Unfallursache vor und flog dann doch auf. Konsequenz der Seifenoper: 30 Spiele Sperre.
Anvisierte Rückkehr aufs Spielfeld: 15. Dezember 2008.

Emanuel Ginobili (San Antonio Spurs)

Der Matador mit dem linken Goldhändchen aus Bahia Blanca ist auf dem Spielfeld eine Augenweide. Wiederhole: Eine A-U-G-E-N-W-E-I-D-E. Und ein unberechenbarer Killer und Schwalbenkönig. Allerdings ist Manus Körper nicht für die Strapazen einer 100-Spiele-Saison gebaut. Too bad für die Altmeister aus Texas und für uns Zuschauer. Darum: So lange genießen wie das Glück uns hold ist.

Anvisierte Rückkehr aufs Spielfeld: Mitte Dezember.

Gilbert Arenas (Washington Wizards)

Agent Zero bestritt schon in der vergangenen Saison nur eine Handvoll Spiele. Zu den Playoffs kehrte er – unerwartet wie Jesus am dritten Tag nach dem Tod und im altbekannten Showman-Style – kurzfristig zurück, versaut dabei aber das Mojo des Teams. Einen (selbstausgehandelten) 111-Millionenvertrag erhielt er trotzdem. Anders gesagt: Mein Blogger-Kollege hat zuletzt für mehr Schlagzeilen abseits des Courts gesorgt.
Anvisierte Rückkehr aufs Spielfeld: Januar 2009.

Stephon Marbury (New York Knicks)

Zeit für eine kleine Anekdotensammlung aus Starburys wundersamer Bizarro-Welt. Der wohl beste Knicks-Spieler wird gemeinhin als Krebs für die Mannschaftsmoral bezeichnet. (Und damit ist nicht das Schalentier gemeint.) Er verdient in dieser Saison 21,9 Millionen Dollar, chillt aber kerngesund in Straßenklamotten auf der Bank.

Die freie Zeit hat er derweil genutzt, um sich ein Schädeltattoo zu stechen, neue Arbeitsplätze durch seine Firma Starbury Management LLC zu schaffen (opportunity@starbury.com) und sämtliche Ticketreservierungen im Madison Square Garden für Familie und Freunde zu stornieren. Pro Saison gab der New Yorker (geboren in den Projects von Coney Island, Brooklyn) für Eintrittskarten rund 1.000.000 Dollar aus. Zudem hat Starbury verlauten lassen, dass der Big Apple nun mal seine Heimat sei, er keinen Agenten brauche und nicht vorhabe, auch nur einen Penny weniger zu kassieren. Wie auch immer diese Posse ausgeht: Seine aktive Zeit bei den Knicks scheint endgültig vorbei, eine Entlassung (inklusive Lohnfortzahlung) scheint unvermeidlich oder eine Frage der Zeit. Das weiß auch Starbury – trotz seiner zahlreichen Gehirnflausen und vereinzelter „We want Steph"-Rufe im Madison Square Garden. Anvisierte Rückkehr aufs Spielfeld: Was weiß ich?

Hey Jungs: Gute Besserung!

BEEP BEEP ´55

Tony Parker
NBAE/Getty Images

Mon Dieu! Eva Longorias Ehemann explodiert für sagenhafte 55 Punkte. WOW!

Ich erinnere mich noch genau, als ich Tony das erste Mal live sah. Es war beeindruckend. Im TV schaute es stets so kinderleicht aus, wie er seine Kontrahenten im Staub stehen ließ, in die Zone düste und dort per Korbleger abschloss. Immer wieder und unwiderstehlich. Es war fast schon bizarr. „Wieso stoppt niemand Tony“, fragte ich meinen Fernsehapparat immer wieder.

Erst als Augenzeuge verstand ich vollends. Tony ist einfach sehr sehr SEHR viel flinker als der Rest – und ein besserer Finisher dazu. Nur vielleicht vergleichbar mit der Zeichentrickmaus Speedy Gonzales oder dem Beep-Beep-Roadrunner. „Ich glaube, jeder weiß", meinte Tony nach seinem historischen 55-Punkte-Auftritt, „wenn ich meine Sprungwürfe treffe, kann ich auf dem Spielfeld mehr oder weniger alles tun, wozu ich Luste habe." Und das war an diesem Abend – in der Abwesenheit von Manu – Punkte sammeln. Sein Name ist Tony. Wie könnte er dieser Versuchung auch widerstehen?

Für alle Statiker: Ich präsentiere die sieben Helden aus der alten Welt, die es in ihrer Karriere geschafft haben, die 42 Punkte-Barriere zu durchbrechen. (Anmerkung: Dirkie-Boy hat das Kunststück gleich mehrmals aufgeführt. An dieser Stelle liste ich nur sein Career-High auf.)

  • Frankreichs Tony Parker, San Antonio Spurs: 55 Punkte (2008)
  • Deutschlands Dirk Nowitzki, Dallas Mavericks: 53 Punkte (2004)
  • Englands Ben Gordon, Chicago Bulls: 48 Punkte (2007)
  • Kroatiens Drazen Petrovic , New Jersey Nets: 44 Punkte (1993)
  • Hollands Rik Smits, Indiana Pacers: 44 Punkte (1995)
  • Spaniens Pau Gasol, Memphis Grizzlies: 44 Punkte (2006)
  • Serbiens Predrag Stojakovic, Sacramento Kings: 42 Punkte (2006)

DIE TRAUER NACH DEM DEAL

Rip Hamilton and Chauncey Billups
NBAE/Getty Images

Die NBA ist ein seelenloses Geschäft und jeder austauschbar. Doch auch Spieler haben Gefühle. Große Gefühle. Richard „Rip" Hamilton zum Beispiel. Der trauert nach dem Mega-Trade zwischen den Detroit Pistons und den Denver Nuggets seinem langjährigen Backcourt-Partner Chauncey Billups nach.

Bitte Taschentücher bereithalten: „Es ist, als ob ich einen Bruder verloren habe, versteht ihr?", sagt Rip. „Chaunce und ich, als wir nach Detroit kamen, waren wir Nobodys und haben uns hier zu Stars hochgearbeitet, gemeinsam den Titel gewonnen. Wir haben eine Menge spezieller Dinge zusammen erreicht. Es ist so hart. Du denkst immer, man spielt für ewig zusammen. Aber im Leben ist nichts für immer. Ich vermisse ihn wie einen Bruder."

Aber auch über seinen neuen Partner – die Antwort Allen Iverson – hat Richard Hamilton trotz allem Herzschmerz nur noble und warme Worte übrig. „Allen ist ein Hall of Famer, ein Typ, der das Spiel verändert hat. Er ist eine großartige Verstärkung für unser Team. Jeder weiß, zu was er imstande ist. Er hat das Herz eines Löwen, und er spielt jede Minute als ob es seine Letzte sei."

NEUIGKEITEN AUS DEM TIERREICH

Wenn ich einmal in meinem Loft leben werde, hoch über den Dächern von Marseille, werde ich mir ein Hautstier anschaffen. Wahrscheinlich einen Hund. Ich mag Hunde. Flor Hasenberg hat auch einen Hund.

Was diese Privatangelegenheit hier zu suchen hat? Laut der Umfrage einer Versicherungsfirma, in deren Datenbank über 465.000 Exemplare registriert sind, laufen in den Vereinigten Staaten exakt 359 Haustiere mit dem Namen Kobe (Platz 189) herum. Ob es sich dabei handzahme Kuscheltiere oder Killer mit Maulschutz handelt, wurde nicht bekannt gegeben.

Die Statistik ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen: Immerhin tragen eine japanische Metropole, eine schmackhafte Rinderrasse und eine amerikanische Pornodarstellerin den gleichen Namen. Zudem behaupte ich einfach mal, dass Kobe ein nicht-NBA-spezifischer Allerweltsname für Haustiere ist – so wie Rex, Hasso oder Pluto.

Auf den Plätzen: „LeBron" (5), „Yao Ming" (2), „Boston Garnett" und sogar „Dirk Nowitzki" (je 1). Hmm .... ich würde meinen besten Freund entweder Bernard King oder Scottie Piep nennen.

Posted by Mike Liem - November, 11 2008 1:30 p.m.


LASS DIE SONNE IN DEIN HERZ

30 Teams. 82 Spiele von Oktober bis April. Und schon macht das Leben wieder mehr Sinn / Spaß.

NBAE/Getty Images
Jason Kidd, Dirk Nowitzki
DALLAS MAVERICKS
Das Comeback der Totgeglaubten?

Lese ich mir meine letzten beiden Beiträge über die Dallas Mavericks durch, dann komme ich mir ein wenig wie ein griesgrämiger und geknickter Quengelpeter vor. Ich schätze, wenn man dreimal in Folge von seinem Schatzi derbe enttäuscht wird, kann das schon passieren. Ist ja wie in einer Liebesbeziehung: Da ist man auch sehr oft verzweifelt und verstört, eifersüchtig, ungeduldig und apathisch, respektlos, argwöhnisch und hartherzig, großkotzig und vor allem ungerecht.

Neue Saison, neues Glück: Zeit heilt Wunden und rückt das eigene Urteilsvermögen wieder ein wenig in Richtung Realität. Schluss mit dem Schwarzsehen, mein Leitgedanke lautet nun: Lass die Sonne in dein Herz! Ab sofort blicke ich der maverikschen Zukunft hoffnungsfroh und mit Freude entgegen, nicht aus Blindheit, Naivität oder Ignoranz, sondern weil es einfach ein paar gute, rationale Gründe gibt, dem Team etwas oder mehr zuzutrauen. Stichwort: mentaler Positivismus.

So sehen es anscheinend auch Dirk Nowitzlki und Jason Kidd. Hier ein Auszug aus einem gemeinsamen Interview mit dem Fort Worth Star-Telegram. (Ich werte es als ein gutes Zeichen, dass die beiden Hall of Famer das Wort „Spaß“ insgesamt achtmal in den Mund nehmen und sich den Titel zutrauen. Ähm, ja.) Go Mavs! Let’s have some fun!

Frage: Mögt Ihr Euch eigentlich?
Gelächter.
Nowitzki: Sehr.
Frage: Waren Sie mit Nowitzkis Arbeitsmoral vertraut?
Kidd: Ich hatte gehört, dass er extrem hart arbeitet, ob zu Hause oder auswärts. Er geht immer schießen. Jetzt sehe ich das mit eigenen Augen, und es ist alles wahr. Darum ist er der MVP.
Nowitzki: Einer der ersten Dinge, die er zu mir sagte, war: „Wenn du in die Turnhalle gehst, Big Boy, komme ich mit.“
Gelächter. Nowitzki: Er hat sogar mit Holger [Geschwindner] trainiert.
Frage: Hat er dich in die Mangel genommen?
Kidd: Oh ja.
Nowitzki: Ich bin erst eine Stunde später gekommen, zusammen geht das nicht.
Kidd: Mann, habe ich geschwitzt.
Nowitzki: Er schwitzte, seine Oberschenkelmuskeln schmerzten, er war hundemüde.
Frage: Habt Ihr viel Spaß miteinander?
Nowitzki: Er macht sich ständig über mich lustig. Manchmal übertreibt er es auch.
Gelächter.
Kidd: Ich gebe Dir doch eine Pause. Jeden Donnerstag.
Frage: Was war sein bester Seitenhieb?
Nowitzki: Jeden Tag findet er etwas Neues. Du hast die falschen Hosen an, das falsche Hemd. Irgendwas ist immer.

MODE
Trikot-Bilanzen

Letztes Wochenende habe ich meinem Kumpel Cyrus mein altes Scottie-Pippen-Trikot ausgeliehen. Für eine Gangster-Motto-Party. Wie sein Gesamt-Outfit aussah oder wie sich die Feier gestaltete, weiß ich leider noch nicht, dafür brachte mich die Borg-Aktion aber zum Nachdenken und letztlich – nach einer kleinen Umfrage beim weiblichen Geschlecht – zum Formulieren einer (schlimmen) These: „Frauen finden es überhaupt nicht schön und angebracht, wenn Männer zu offiziellen Anlässen im NBA-Trikots erscheinen. Auch im Sommer!

Wie auch immer: Hier die Liste der meistverkauften NBA-Trikots in Europa. Komisch, dass der beste Europäer nicht in den Top 10 auftaucht. Warum bloß?

1. Kobe Bryant, Los Angeles Lakers
2. Kevin Garnett, Boston Celtics
3. Pau Gasol, Los Angeles Lakers
4. LeBron James, Cleveland Cavaliers
5. Tony Parker, San Antonio Spurs
6. Allen Iverson, Denver Nuggets
7. Andrea Bargnani, Toronto Raptors
8. Dwyane Wade, Miami Heat
9. Marco Belinelli, Golden State Warriors
10. Jose Calderon, Toronto Raptors

Auch der NBA-Store in New York City’s Manhattan hat eine Top 10 der meistverkauften Trikots. Und zwar der vergangenen zehn Jahre. Die Lektion: MJ is still the Man.

1. Michael Jordan (1984-93, 1995-98, 2001-03)
2. Kobe Bryant
3. Allen Iverson
4. Lebron James
5. Shaquille O'Neal
6. Tracy McGrady
7. Dwyane Wade
8. Jason Kidd
9. Vince Carter
10. Tim Duncan

HORIZONT-ERWEITERUNG
Danny in Indonesien

Danny Granger, Allround-Forward der Indiana Pacers, hielt im August als erster NBA-Spieler ein Basketballcamp in Indonesien ab. Für 25 Mädels (mit Kopftuch) und 25 Jungs. In der Stadt Surabaya wurde der hierzulande kaum bekannte Granger wie ein John F. Kennedy empfangen: mit über 30 riesigen Reklamewänden, Polizeieskorten und einer Herde von Journalisten und Fotografen. Eine der größten Zeitungen des Landes, die Jawa Pos, widmete dem 25-Jährigen sogar eine halbe Seite auf dem Titelblatt. Wortlaut: „THANK’S DANNY! FOR BEING A PART OF INDONESIAN BASKETBALL HISTORY“. Jetzt hat er ungefähr 50 Millionen neue, loyale und leidenschaftliche Fans. Mindestens.

Während seines dreitägigen Aufenthalts besuchte Granger auch einige Waisenhäuser – eine unerwartet tiefgehende Erfahrung für den jungen Amerikaner. „It was kind of humbling. I make a lot of money, and I go over there and I couldn't believe what I was looking at. I had no clue it was going to be like that. I think we're really blessed. It was a trip I will never ever forget." Ich freue mich für dich, Danny. Oder ist Stolz das richtige Wort?

SHORTCUTS

*** Für die Mormonen-Jünger aus Utah ist die Steinzeit vorbei: Als letztes NBA-Team haben sich nun auch die Jazz ein Beleuchtungssystem geleistet. Damit kann man das Licht in der ganzen Halle kurzfristig ausknipsen, um dann – in der in der elektrisierenden, nur von Scheinwerfen durchbrochenen Finsternis – die Spielervorstellungen durchzuführen. Eigentlich ein klassischer Baustein der NBA. Meint auch Point Guard Deron Williams: „It was kind of weird when I came here and I'm like, 'What's wrong with the lights?' Now it feels like a real game.“ *** Was passiert mit Starbury ? Der BIZARRE, aber hochtalentierte Spielmacher und Querulant mit dem 21-Millionen-Kontrakt wurde vom neuen Knicks-Coach D’Antoni zum Bankdrücker degradiert, ein „Buy-Out“ oder Trade scheinen aber unwahrscheinlich. Bislang spielt der gebürtige New Yorker mit, gibt sich zugleich altklug und besonnen: „It’s just a game. There’s more to life.” Man darf gespannt sein. *** Noch mehr Meilensteine im fernöstlichen NBA-Markt: Die Füße von Ex-Nike Jason Kidd werden in der kommenden Saison in funkelnagelneue Sneaker des chinesischen Sportartikelherstellers Peak schlüpfen. ***

Posted by Mike Liem - October, 29 2008 1:30 p.m.