Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten – sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs“ könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben. Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. Nba.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs. |
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Weise Worte (Teil II)
Vorwort
„KG,
ich besitze zwei NBA-Trikots. Eins davon hört auf den Namen John Starks. Das andere mit der Nummer 33 ziehe ich an Sommertagen nur verkehrt herum an. Weißt du? So, dass man die Namen und Logos nicht mehr erkennt und sich das Rot und Weiß des Shirts zu vermischen scheint. Wenn ich das Trio komplettieren müsste… ich glaube, ich würde dein dunkelgrünes Trikot mit dem Kleeblatt wählen. Ich kenne deine Geschichte ein wenig. Du bist eine ganz besondere Basketballspezies.
Und genau jetzt ist der Moment gekommen, ein neues, noch höheres Plateau zu erklimmen. Die Zeit ist reif, in der Schlussphase nach dem Ball zu schreien und auch mal 20 Würfe zu nehmen. (Aber bitte keine Turnaround-Jumper.) Auch für den Erfolg des Teams. So haben die Großen es jedenfalls immer gemacht. Der Hebel ist da, er muss irgendwo sein. Ich bin mir sicher. All the best, Mike.“
Weise Worte (II)
Die letzten Zeilen in unserem zweiten Teil der Zitate-Serie „Weise Worte“ gehören wie immer Jerry West. Mr. Clutch spricht diesmal über Druck.
“Some of the best players in basketball are not at their best under pressure. Even pros are human. I’ve seen players’ shorts qu ivering, their rear-end muscles shaking from nerves in tight moments. Some of them don’t want the ball in the clutch. I do. I feel I am doing something good with it. The fact is, I can’t always, and often haven’t. But I have done it enough to have confidence in my ability to do it. All players should think that way.”
Aus: Jerry West, Basketball My Way. 1973.
Posted by Mike Liem - May 15, 2008 10:30 a.m.
Frisches Blut
HINWEIS: Und Hoffnungsschimmer. Wir reden hier über die NBA. Alles ist möglich. Und jeder austauschbar.
Frisches Blut?
Die Dallas Mavericks sind nicht mehr sexy und auf ihrer Mission im Niemandsland gelandet. Nach drei heftigen Fehlschlägen in Folge scheint der Fast-Meister von 2006 weiter vom Ring entfernt als je zuvor. Die Serie gegen New Orleans glich dem Schlussakt aller realistischen Titelträume.
Die Uhr tickt. „I’m in my prime“, sagt Nowitzki (30), und meint, dass er die Jagd nach dem Ring in der Blüte seines Schaffens und trotz der Playoff-Schlappen weiterhin im Trikot der Mavericks fortzusetzen gedenkt. Nicht in absehbarer Zukunft, sondern jetzt.
Frisches Blut täte dem angeschlagenen Patienten wirklich gut. Der Kern des Kaders um den heimgekehrten Altmeister Kidd (35), Superstar Nowitzki, Shooter Terry (beide 30), Jungblut Brandon Bass (23) und den zum Sorgenkind geschrumpften Josh Howard (28) benötigt – wie wir beobachten durften – dringend Beistand.
Viele Mavs stehen im (Spät-) Herbst ihrer Karriere, andere spielen zu wechselhaft oder sind unbeschriebene Blätter. Sicher: Der neue Coach wird einige Wunder wirken. Ein bisschen Freiheit für J-Kidd, ein bisschen Gesundheit, ein bisschen dies & das … aber vor allem viel frisches Blut.
Womit wir wieder beim Thema sind. Nüchtern betrachtet, bleibt den Mavs nur wenig Spielraum, den Kader substantiell aufzupeppen – dafür fehlen die notwendigen Picks und Chips, sofern man mal von der Mid-level Exception absieht, mit der man vielleicht (mit viel Glück) einen Mickael Pietrus, aber unmöglich einen Corey Maggette oder gar Gilbert Arenas aufgabelt.
Wenn nicht wieder der Basketballgott via Memphis zuschlägt – á la Rudy Gay, Mike Miller und Juan Carlos Navarro für Jamal Magloire, Juwan Howard, Eddie Jones und ein Taschengeld – oder Mark Cuban (ein weiteres Mal) die großen Bausteine rollt, reden wir hier über das gleiche Dallas-Team mit vielleicht ein, zwei Verstärkungen. Reicht das?
Schaut man gen Westen, stellt man fest: Ohne frisches Blut gehen diese Mavericks nicht als Titelkandidat in die neue Saison.
Nowitzki – für immer ein Maverick?
Summa cum laude. Eine weitere große Saison vom Niederfranken, die Respekt verlangt. Nowitzki hat eine Sphäre erreicht, in der eine Saison ohne (ersten) Titel als verlorene Saison gilt. Nowitzki ist übrigens der gleichen Auffassung.
Er räumt sogar erstmals ein, dass selbst er nach den bitteren Enttäuschungen der vergangenen Jahre auf dem Marktplatz landen könnte, nicht mehr unantastbar ist.
Fragt sich wie der MVP 2007 dieser scheinbar radikalen Option – einem Trade – gegenübersteht? Will er das Kunststück mit dem Ring als treue Seele mit „seinen“ Mavericks vollbringen (und vielleicht scheitern)? Oder ist das Bewusstsein, der Reiz vorhanden, den Ring vielleicht anderswo, mit einem anderen Team zu verfolgen?
Bleibt Quereinsteiger Mark Cuban: Dem Aufstieg der Mavs von der texanischen Lachnummer zum Titelaspiranten hat er maßgeblich dem großen Blonden zu verdanken. Schwer vorstellbar, dass er sein Goldkind, das Gesicht des Franchise, einen der besten und beständigsten Spieler der Liga veräußert. Diesen Fehler macht Cuban nicht noch mal. Nur eines ist sicher: Die Nummer 41 wird vor 2016 an der Hallendecke in Dallas baumeln – mit oder ohne Titelbanner.
Der Kopf der Schlange heißt nicht J-Kidd
„Er ist quasi der Kopf der Schlange und verdammt clever. (…) Der ist quirlig, der ist schnell (…) Er, der da rumdribbelt und die offenen Leute findet – das macht er schon wie kein Zweiter, das macht er schon verdammt gut."
Dirk Nowitzki am 19. April 2008 über Jason Ki… äh, ich meine Chris Paul.
Jetzt ist er nach großem Tauziehen und für viel Talent heimgekehrt, und nun bleibt er wohl auch. Sein Jahresgehalt ($21,372,000) spiegelt nicht mehr seinen tatsächlichen Marktwert oder gar seine Spielstärke wieder und verscheucht darüber hinaus potentielle Trade-Partner. In den Playoffs hat er die hohen Erwartungen nicht erfüllt, aber dann wiederum: Von jemand zu erwarten, Chris Paul in der Defensive zu stoppen und dem Spiel in der Offensive den eigenen Stempel aufzudrücken, ist – wir erleben es – nicht mehr zeitgemäß.
Trotz mancher Grabgesänge: In seinem „Contract Year“ hat der künftige Hall-of-Famer (NBA-Tachometer: 15 Jahre, 100 Triple-double) vielleicht eine letzte große Saison in Petto. Und das ist eine schöne Aussicht, sofern man sich damit abgefunden hat, dass ihm eine Handvoll Point Guards wie Chris Paul, Deron Williams, Tony Parker oder Baron Davis um einiges voraus sind. Wie auch immer: ein sehr wertvoller Spieler.
Terry: Schlimmeres gesehen
Spielmacher oder Scharfschütze? Starter oder sechster Mann? Hopp oder Topp? Mit einer Normalleistung konnte auch Jason Terry (bald 31) das frühzeitige Ende der Mavericks nicht abwenden. Der 2004 vom damaligen Kellerkind aus Atlanta entkommene Kombo-Guard möchte gern in Dallas bleiben, ein wenig wohl auch aus Dankbarkeit: Sein großzügiger Vertrag (Jahresgehalt 2008/09: $9,075,000) läuft noch bis 2011/12. Von der Bank kommend ist der Jet immer noch bad news für jede Defense – wenn er denn mal heiß läuft.
Oh weh: Howard liebt nicht nur den Jump Shot!
„Quo vadis, Josh? Schwer zu fassen, aber vor wenigen Wochen wären diese Zeilen undenkbar. Aber deine zwei Entscheidungen – einerseits die unverblümte Plauderei über deinen Gras-Konsum in der Off-Season und andererseits deine Partypläne nach der Schlappe im Game 4 – waren nicht nur naiv und unnötig, sondern auch schlichtweg unprofessionell. Gepaart mit einer zutiefst enttäuschenden Serie, die deine bislang beste reguläre Saison sofort in der Schublade verschwinden ließ, hat du als Führungsspieler ernste Zweifel an deiner Befähigung und Berufsauffassung aufkommen lassen und steht als unbestrittenes, 28-jähriges Allstar-Talent vielleicht sogar nun zur Disposition??? Mir fehlen die Worte, da ich dich als Menschen und Spieler sehr schätze, und verlange eine fulminante Comeback-Saison.“
Devean George: Gastfreundschaft ausgereizt
„Füge dich der Zeit,/ erfülle deinen Platz/ und räum ihn auch getrost:/ Es fehlt nicht an Ersatz!“ Friedrich Rückert (1788-1866), deutscher Dichter.
Kaum vorstellbar, dass Mark Cuban dem ständigen Anblick vom 11-Millionen-Dollar-Trade-Blocker (und seines Agenten) noch eine weitere Saison standhält. Daran wird auch ein gutes Playoff-Spiel des Rollenspielers nichts ändern.
Brandon Bass: Ein neuer Baustein
In den Worten der HipHop-Community: “Double B is fo real“! Und ein Schnäppchen dazu, Jahresgehalt 2008/09: $826,269. Bitte behalten! Der Kraftmeier spielt mit jugendlichem Temperament und reichlich Kampfeslust und dringt mit seinen 110 Kilogramm auch mal in das Herz der gegnerischen Defense ein, nur um dort den Ball mit Schmackes und Karacho durch die Reuse zu wuchten. Botschaft: „HARR!!! Ich bin stärrrker als Du!“ Solche garstigen Athleten (23), die ihre Gefühlswelt offen auf dem Court ausleben, fehlen den allzu braven Mavs.
Die Mavs brauchen mehr Stack!
Selbst im edlen Zwirn und verletzt auf der Bank sitzend, ist Jerry Stackhouse (33 Jahre, 15.507 Punkte) der einzige Maverick, bei dem ein Gegenspieler NIEMALS auch nur auf die Idee kommen würde, die Wange anzufassen, geschweige denn zu streicheln. Leider wird Mr. Tough Guy auch nicht jünger …
Gelobt sei, was hart macht: Erick bleibt Erick
Cubans schwerwiegendste Fehlinvestition kann es seinen vielen Kritikern einfach nicht zeigen: Der kleine General versprach aus dem gewaltigen Kirchengänger aus Mississippi (2,11 Meter, 120 kg) eine zuverlässige Maschine zu formen: Jetzt ist Avery weg und wir dürfen dem Muskelberg mit dem weißen Stirnband noch bis zur Saison 2010/11 (Jahresgehalt: $13,075,000) beim Handwerk auf dem Hartholz zusehen.
Wie mir mein katholischer Onkel aber neulich versicherte, kann das Leid auch positiv gedreht werden: Erick Dampiers Vorgänger in Dallas hießen unter anderen Uwe Blab, Oliver Miller und Shawn Bradley. Frohlocket! Ein Aufwärtstrend ist nicht zu leugnen.
Randnotiz: Nowitzki kam bislang in den Genuss mit zwei Hall-of-Fame-Point Guards – Steve Nash und Jason Kidd – zu spielen, aber niemals auch nur mit einem halbwegs guten Center. Das gilt auch für das deutsche Nationalteam, Herr Femerling. (Laut DBB-Überschrift übrigens die „Beständigkeit unter den Brettern.“)
Nachtrag
When Larry met Dirk
Seit Tagen quält mich dieses völlig romantische Hirngespinst. Demnach kann nur eine bestimmte Art von Lichtgestalt die Mavs ad hoc wieder zum Titelaspiranten coachen. Diese Lichtgestalt heißt Larry Bird.
Larry schwirrt in meinem Kopf herum wie Chris Paul durch Dallas poröse Defense. Als ich mich am Wochenende im Sternschanzenpark beim Angrillen endlich von dieser Flause befreien wollte, dämmerte es mir, dass es sich hierbei vielleicht gar nicht um eine bescheuerte Idee handelt, sondern vielmehr um eine cubanesque Vision, die kribbelt, Business-Sinn und Spaß macht…?
Fortsetzung folgt.
Posted by Mike Liem - May 7, 2008 10:30 a.m.
Ehre, wem Ehre gebührt, Teil III
Ehre, wem Ehre gebührt, Teil III
Lieber Herr Hasenberg, was haben wir wieder angerichtet?
Kaum wurden die Playoffs angepfiffen, haben sich die Mavs, unser Geheimfavorit, schon wieder im fliegenden Galopp verabschiedet ... und stehen vor einer tief greifenden Zäsur. Auch die Suns blicken nach einer weiteren Schlappe gegen die allseits bekannten Titelträger aus San Antonio einer längeren Sonnenfinsternis entgegen. Verflixt, selbst die Überflieger aus Boston straucheln gegen die jungen Falken. Beginnen wir also den dritten Teil unseres regulären Saisonrückblicks mit den …
Emotionalen Tief- und Nackenschläge des Jahres
Mike wählt die New York Knickerbockers.
Stephon Marbury $21,937,500. Zach Randolph $14,666,666. Eddy Curry $9,723,983. Quentin Richardson $8,825,750. Flor Hasbargen $8,744,983. Jamal Crawford $8,640,000. Malik Rose $7,647,500. Jerome James $6,200,000. Jared Jeffries $6,049,400.
Es fing so unschuldig an und endete in einem Trümmerhaufen : New-York-Knicks-Besitzer James Dolan („I don’t have any Basketball skills, physically or mentally“) wollte Magic Johnson und bekam von ihm die Telefonnummer von Isiah Thomas.
Danke Zeke!? Für diese irritierende, armselige, undurchschaubare und somit einmalige Vorstellung. Du hast die desolaten Zuschauer im Madison Square Garden zum Singen gebracht (… now everybody: „Fire I-S-I-A-H“), die Yellow Press bezirzt ( 1 , 2 , 3 , 4 , 5 ) und dabei auch nach der x-ten, peinlichen Niederlage dein Engelsgrinsen aufgesetzt; von Titeln, Triumphen, von einem Vermächtnis gefaselt, und für all das hast du sogar von deinem sprunghaften Boss eine mysteriöse Vertragsverlängerung bekommen. („I believe we have clearly seen significant and evident progress," sagte Dolan damals. Der Knicks-Rekord zu diesem Zeitpunkt: 29:34.)
Du hast tiefe Einblicke in die Sozial-Linguistik verschafft und dargelegt, wer eine Frau „Bitch“ nennen darf, und wer besser nicht. Du und deine Buddys habt einer ehemaligen Angestellten wegen sexueller Belästigung eine Abfindung in Höhe von $ 11,6 Millionen beschert. Du hast dieses Dream-Team dort oben auf der Liste bei vollem Bewusstsein tatsächlich zum Leben erweckt. Und jetzt bist du, leider eine Fehlbesetzung von Anfang an, wirklich als Präsident und Coach gefeuert worden, aber in einer nicht näher spezifizierten Berater-Funktion seltsamerweise immer noch an Bord. Herr Hasenberg, ich kann nicht mehr, bitte übernehmen Sie.
Flor Hasenberg wählt die Miami Heat.
Flor: Sicherlich kann sich der ein oder andere noch erinnern: Erst vor zwei Jahren stibitzten die Heat mit Teamwork und brandheißen Dwayne-Wade-Performances den bereits halb übergestreiften Champion-Ring von den Fingern der Mavericks.
Drehen wir das Rad der Zeit noch einmal zurück: Am Anfang der Saison schleppte sich O'Neal noch in der Heat-Uniform über den Court, und alles deutete darauf hin, dass seine erfolgreiche Karriere ganz weit abseits des Playoff-Rampenlichts endet.
Der angestaute Frust des gesamten Teams entlädt sich in einem Handgemenge zwischen Armani-Kumpel Pat 'Slick' Riley und Shaq . (Ich weiß übrigens, auf wen ich meine Dollars gesetzt hätte). In nur zwei Spielzeiten hat es Miami 'Sparflamme' nun von ganz oben nach ganz unten geschafft: Schlechtestes Team der gesamten Liga
(15-67) – der amerikanische Traum einmal umgekehrt!
Mike wählt die SuperSonics.
„I sure don't want to get my jersey retired in Oklahoma City ." Gary Payton, Sonics-Legende.
Ein Franchise, das seit 41 Jahren NBA-Geschichte mitschreibt, wird aus wirtschaftlichen Überlegungen der Besitzer nach Oklahoma City gebeamt. Manche nennen es Kidnapping, andere Business As Usual: Früher oder später werden die Seattle SuperSonics mit Rookie-Sensation Kevin Durant wohl eine neue Heimat bekommen. Vor wenigen Tagen stimmten 28 von 30 Club-Besitzern dem Deal zu. Dallas und Portland votierten dagegen.
Umstritten scheint nur der Zeitpunkt des Umzugs: Der NBA-Meister von 1979 ist vertraglich noch zwei Jahre an die heimische „Key Arena“ gebunden. Im Juni entscheidet das Bundesgericht. Mittlerweile protestieren auch die Stadt Seattle und der ehemalige Sonics-Besitzer und Starbucks-CEO Howard Schultz. Und mittendrin und am meisten zu bemitleiden: die armen und fassungslosen Fans. „Save Our Sonics“ ist der Slogan.
Flor Hasenberg wählt die Golden State Warriors .
Aus und vorbei! Wir wurden Opfer dieses wahnsinnig wilden Westens und
dem engsten Playoffplatzierungsrennen in der Geschichte der NBA.
Der charismatische Baron Davis, der Ein-Mann-Fastbreak-Blitz Monta Ellis, Captain Jack... Unzählige fantastische Stunden habe ich mit Euch gemeinsam und den beiden enthusiastischen Lokal-TV-Moderatoren Jeff Barnett und Bobby Fitzgerald verbracht, und das hat uns für immer zusammengeschweißt! Am Ende ist uns schlichtweg die Puste ausgegangen und mal ganz ehrlich: in den entscheidenden Duellen gegen die Nuggets sahen wir nicht gut aus! Auf ein Neues in der nächsten Saison – ich bin dabei!
Deutscher des Jahres
Mike wählt Chris Kaman.
Zur Seite bitte Patrick „Neeeein! Noch ein Ballverlust“ Femerling! Vorhang auf für Chris Kamen! Der nicht unbegabte Blonde Engel hat laut Recherchen des Fachmagazins „Five“ Vorfahren hierzulande, ist kein 2,29 Meter großer Mormone und könnte somit Dirk Nowitzki tatsächlich schon beim vorolympischen Qualifikationsturnier in Athen bei der Erfüllung seines Traums unterstützen: Den Einlauf der Nationen bei den Olympischen Spielen in Peking als Olympionike zu erleben.
Noch besser: Der Deutsche Basketballbund hat angesichts dieser fantastischen Aussicht schon einen offiziellen Botschafter nach Los Angeles geschickt, um den der Idee nicht abgeneigten Center der Clippers (2,13 Meter, 15 Punkte, 12 Rebounds, 3 Blocks) an die Hand zu nehmen – wenn nötig auch in Einzelbewachung bis zum DBB-Headquarter in Hagen. Sportdirektor Wolfgang „Wolle“ Brenscheidt zu Bild: „Ich bin von Montag bis Freitag da, wir werden Akten prüfen, den Antrag vorbereiten und zusammen zum deutschen Konsulat gehen."
Modeguru und Philantrop des Jahres
Flor und Mike bitten Dikembe Mutombo hervorzutreten.
Ich wusste vor dieser Saison ehrlich gesagt gar nicht, dass Mutombo Mpolondo Mukamba Jean-Jacques Wamutomboeinen überhaupt noch aktiv ist, und dann sitzt der Dikembe (22,18 Meter) ganz vorne im Cockpit, während die Rockets zu der zweitlängsten Siegesserie in der Geschichte der NBA navigieren.
Irgendwie durchströmt mich immer die pure Freude, wenn ich den im Kongo geborenen Gutmenschen auf dem Court sehe. Wahrscheinlich ist das aber auch ein wenig meiner nostalgischen Ader geschuldet, da ich immer unweigerlich an die Adidas Mutombo Kollektion aus den 90ern denken muss, welche erfolglos die Designelemente „afrikanischer Busch“ und „knallige Neonfarbe“ zu vereinen versuchte.
Mike: Überschlagsrechnung: 3000 Blocks – das bedeutet auch über 3000 wedelnde Finger.
Ich schätze, ich wurde gerade in Timmerlah eingeschult, als er das erste Mal seine Basketball-Stiefel (Schuhgröße 61) schnürte: Eine gefühlte Ewigkeit!
Dikembe Mutombo! – das klang als einfältiger Bub noch nach tiefstem Afrika und Shaka Zulu mit Speerspitze! In seinen besten Zeiten blockte er Würfe wie ein Bill Russell... fuchtelte mit seinen Ellenbogen, verschüchterte penetrierende Point Guards, und manchmal tankte er sich auch mit großen Schritten durch die gegnerische Zone und stopfte den Ball mit einem Urschrei durch die Reuse.
Nach den Playoff-Duell mit den Jazz soll aber nach 16 Jahren endgültig Schluss sein. Dann wird der viermalige Defensive Player of the Year komplett in seine Wohltäter-Rolle schlüpfen, Krankenhäuser bauen und den Kindern auf seinem Kontinent zu einer besseren Zukunft verhelfen.
Mike wählt die L.A. Lakers
Die Black Mamba und seine Posse zeigten Bein! Ein Geistesblitz der Marketing-Abteilung, das Team mit den Retro-Shorts von 1987/88 gegen die Celtics auflaufen zu lassen. Man fühlte sich wie in die prä-hip-hop-historische Mode-Zeitrechnung zurückversetzt: Die 80er Jahre! Surreal – und drollig zugleich: Aber ja (!), so sahen die Sporthosen von Magic und Bird damals aus. TIGHT!
TV-Erlebnis des Jahres
Flor Hasenberg wählt die Yao-Yi-Dynastie.
Am 9. November 2007 schreiben zwei Chinesen amerikanische Sportgeschichte: Sage und schreibe ca. 200 Millionen Menschen verfolgen dass NBA- Duell zwischen Yao Mings Houston Rockets und Yi Jianlians Milwaukee Bucks – selbst der NFL-Superbowl, DAS Herzstück der amerikanischen Sportkultur – hat bisher weltweit nicht mehr Zuschauer vor den Fernsehschirm locken können.
Der Basketballfan freut sich bei diesen Zahlen über die verdiente Popularität der Sportart, der windige Geschäftsmann hört ob der globalen Vermarktungsmöglichkeiten die Kasse klingeln.
Business-Mann des Jahres
Mike wählt Devean George.
Was für eine draufgängerische Trade-Saison! KG in Boston, Pau kommt für ein Taschengeld aus Memphis nach LA, Phoenix verscherbelt die Matrix für den alten Diesel und Chicagos und Clevelands All-Star-Kaliber-Träume zerplatzen wie Seifenblasen im Trade-Taifun.
Apropos zerplatzt: Die NBA ist unter anderen ein Basar. Und immer wenn ein Spieler plötzlich veräußert oder getauscht wird, sagt dieser das Mantra auf: „So ist das Geschäft.“ Devan George von den Dallas Mavericks (und sein Agent) hat das Business verstanden: Sein Veto verhinderte Marc Cubans Mega-Wunschdeal mit den dümpelnden Nets kurz vor den Champagnerkorken. Mehrere schleierhafte Tage später und ein zweiter, elf US-Millionen tiefer Griff in die Schatulle des charmanten Milliardärs … und Handschlag! Derweil darf Dissident Devean („I’ll be the bad guy“) weiterhin für 15 Minuten pro Spiel für ein Playoff-Team auflaufen – Seite an Seite mit dem aus New Jersey „heimgedealten“ Dirigenten Jason Kidd.
Wandergeselle des Jahres
Flor Hasenberg wählt Journeyman Bobby Jones.
Was der Tourist vielleicht als Städtestopp auf der Route eines Roadtrips über die unendlichen Highways der USA in Erwägung zieht, sind für den 'Journeyman' Bobby Jones lediglich Stationen in der Berufskarriere in einer NBA-Saison: Denver (25 Spiele), Memphis (4), Houston (4), Miami (6), San Antonio (3) und wieder zurück nach Denver. 46 Spiele mit 60 (!) verschiedenen Teamkollegen. Der arme Bobby muss ja in jedem Spiel hochkonzentriert auftreten, damit er zum Pausentee nicht mit der falschen Mannschaft in die Kabine läuft, oder gar – noch tragischer – den Ball in der Crunchtime ...
Wunder des Jahres
Mike wählt die Hyperbarische Sauerstoff-Kammer.
Aaah... frische Höhenluft! Dirk Nowitzkis wundersame Genesung verdankte er nicht nur seinen zähen Gelenken und meinen Gebeten vor dem Schlafengehen, lieber Herr Hasenberg, sondern auch einer hyperbaren Sauerstofftherapie. Dafür kletterte der angeschlagene Marathon-Mann in eine schmale, rund 2,20 Meter lange Einpersonen-Druckkammer, welche den Heilungsprozess bei einer typischen Sportlerverletzung im Idealfall um „30 Prozent“ beschleunigen soll.
Während Team-Kollege Stackhouse („Hallo, ist da wer?“) Platzangst bekam, empfand der 2,12-Hühne aus Niederfranken die Erfahrung als „entspannend“. In der Kabine schaute er Klamaukfilme („Elf“, „Dodgeball“ und „Zoolander“) und Dr. Al Johnson aus Texas verriet den Reportern amüsiert: “He was in there laughing like crazy." Klüger macht die Kammer also nicht, meint auch Nowitzki.: "I think I got dumber lying in that chamber."
Übrigens ist Gilbert Arenas einer der Pioniere des Höhenluftkurorts... im Eigenheim. Seine fortschrittliche Klimaanlage passt sein ganzes Haus in Washington an das Niveau von Colorado an, „so bin ich immer über dem Meeresspiegel.“ Die dünne Luft soll dem Shooting Guard auch in der Crunch Time die nötige Zielsicherheit geben. Auf Road-Trips gibt Agent 0 sogar sein transportables O2-Zelt am Check-in ab. Gilbert: „ How I start the game is how I finish the game.“
Posted by Mike Liem - April 30, 2008 3:30 p.m.
Ehre, wem Ehre gebührt, Teil 2
Ehre, wem Ehre gebührt (2/3)
Liebe NBA-Fans,
aus Spaß wird Ernst. Bitte lehnen Sie sich zurück, denn Herr Hasenberg und ich begeben uns in unserem zweiten Teil von „Ehre, wem Ehre gebührt“ aufs Glatteis und geben unsere Playoff-Prophezeiungen preis!
Fangen wir am Besten dort an, wo die Sonne stets aufgeht.
Der Osten
Flor Hasenberg und Mike bitten die Detroit Pistons und Boston Celtics hervorzutreten.
Flor: Noch können sich die Detroit-Fans Eminem und Stevie Wonder in dem
'Palace of Auburn Hills' jubelnd in den Armen liegen: Maskenmann
Richard Hamilton, All-Star Billups, Ersatz-All-Star Wallace und Tayshaun Prince werden sich durch knochenharte Defense und ihre abgebrühte und leicht unspektakuläre Spielart in dem Playoff-Baum gen Eastern Conference Final vorarbeiten. Doch dann kommt der andere zermürbende Verteidigungsmechanismus in die Motorcity und die Celtics werden angestachelt von Kevin Garnetts
besessenen Blick das Getriebe der Pistons Spiel für Spiel in seine
Einzelteile zerlegen.
Mike: Irgendwie traue ich den Champs von 2004 keine ringwürdigen Heldentaten mehr zu. Vielleicht ein Denkfehler, nicht nur weil in meinem Herzen ein spezieller Platz für Detroits Finest, Coach Rasheed Wallace und Stevie Wonder, reserviert ist. Aber es ist im Grunde das gleiche 59-23-Pistons-Team, das in den vergangen Jahren in den Playoffs immer an sich selbst gescheitert ist – nur mit einer etwas besseren Bank.
„Keine Bank!“: Dies war der einsame, aber umso öfter angeführte Misston gegenüber Dannys geglückter Einkaufspolitik. Doch das Argument gehört in die Schublade: Mit den beiden playoff-erprobten Schlussverkaufsschnäppchen Sam „I Am“ Cassell und P.J. Brown hat Boston sich auch diesen Makels entledigt.
Der Westen
Flor Hasenberg und Mike bitten die Phoenix Suns und L.A. Lakers hervorzutreten.
Mike: Mein Beileid an die Spurs, Jazz und Mavs (Seufz), aber dieses eine Mal weiß ich, was der liebe Basketballgott für uns ersonnen hat: ein episches Drama. Die geläuterte Black Mamba versus Diesel. Triangle-Offense versus Sieben-Sekunden-Attacke. Die Killer-Black-Mamba versus Raja. Amare Stoudemire versus ?. Walross Shaq versus das filigrane Streichholz aus Sant Boi de Llobregat. Die fauchende Black Mamba versus den Bundesstaat Arizona. Der titelschmachtende und großartige Steve Nash versus die Zeit. Gut.
An dieser Stelle möchte ich noch auf Kobe`s vergangene Buzzer-Beater gegen die Suns hinweisen. Und an seinen legendären Auftritt erinnern, als sich der beste Shooting Guard der Liga demonstrativ dazu entschloss, den Ball nur noch zu passen. So ist er. I Love the NBA.
Flor: Auch wenn es mich innerlich windet und mir diese Prophezeiung größtes Kopfzerbrechen bereitet, stelle ich mich nun dieser schwierigen Frage: Die Lakers sind immun gegen das vergiftete Mormonenwasser in Utah (beste Heimmannschaft 37-4) und werden dank der bemerkenswerten Stärke der einzelnen Mannschaftsteile in das Western-Conference Finale einziehen.
Die Suns haben in ihrer Feuertaufe gegen die pünktlich zu den Playoffs aufgestachelten Titelverteidiger Spurs eine Rechnung offen und 'Biest' Stoudemire auf ihrer Seite, und werden sich durch ihr einfach (und) schönes Pick&Roll plus die Playoff-Erfahrung des volksnahen Shaqs bis zur Endstation Kobe durchkämpfen.
Der Champ
Flor Hasenberg wählt die Boston Celtics.
Ich habe eine kristallklare Vision: Während Jack Nicholson & Co am Morgen nach dem letzten Finalspiel bei ihrem Frühstück unter Palmen und den
H-O-L-L-Y-W-O-O-D-Buchstaben eine Extraportion Prozac einschmeißen, baden die Celtics hoch auf einem mit Kleeblättern gesäumten Wagen als Leprechauns verkleidet in der Menge Bostons!
In 11. Final-Showdown dieser beiden Teams werden vor allen Dingen jene
Spieler das Zünglein an der Waage spielen, die von der Reservistenbank in das Geschehen eingreifen, und Boston wirft hier die gewichtige Veteranenerfahrung von P.J. Brown und 'E.T.-Look-alike' Sam Cassell in die Waagschale.
Mike wählt die Los Angeles Lakers.
Trotz der sonderbaren Sinnestäuschungen, die Herrn Hasenberg in San Francisco befallen haben, kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass die seit 2002 ringlose Black Mamba und seine Supporting Cast – einmal angekommen im Traumfinale der NBA-Marketingabteilung – nicht siegreich aus diesem Fight hervorgehen wird. Tatsächlich erwarte es ich von ihm: Nichts weiter als Kobe`s Reputation als einer der besten Künstler seiner Zunft steht auf dem Spiel!
Sicher, es wird kein Frühlingspicknick im Park für die Lakers. Aber ich frage sie, lieber Herr Hasenberg, wie viele Bisse einer schwarzen Mamba verträgt eine (zugegeben bärenstarke) Bande trollartiger Fabelwesen?
Dark Horse
Flor Hasenberg und Mike bitten die Dallas Mavericks hervorzutreten .
Flor: Na endlich! In dieser Kategorie werden von mir nun zum ersten Mal die
Dallas Mavericks genannt! Erschien es für die Mavs im Anschluss an den Kidd-Trade zunächst unmöglich eine Partie gegen eine der Spitzenmannschaften zu gewinnen,
so haben die Jungs in den letzten Tagen der regulären Saison kollektiven Schwung aufgenommen und nehmen das perfekte Momentum mit in die Playoffs: Jason Kidd entdeckt zur Feier seines 100. Karriere Triple-Doubles seine Scorer-Qualitäten wieder, Dirk findet nach seiner Wunderheilung seinen Killerinstinkt, stolpert und trifft im Fallen oder clutcht per Dreier gegen Utah! Mich beschleicht irgendwie das gute Gefühl, dass Avery Johnson noch in so einigen Spielen seinen Untertanen als Derwisch an der Seitenlinie lautstarke und bis in das heimische Wohnzimmer hörbare
Kommentare zubellen wird, und wer weiß - vielleicht dürfen wir ja das ungleiche Trainerduell mit dem stoischen Bankdrücker Phil 'Power-Triangle' Jackson erleben?
Mike: Nennen Sie mich gefühlsduselig oder loyal, verzweifelt, pathetisch oder weltfern, aber ich setze auch auf das dunkle Pferd aus dem Lone Star State, die Dallas Mavericks. Ich gebe zu: Um die Angelegenheit mit einem Happyend abzuschließen, müssen unter anderen Dirk weiter auf Vortänzer machen (Tanz, Dirk, tanz!), J-Kidd seine bislang unentdeckten „Scorer-Qualitäten“ lokalisieren, Josh die nächste Stufe erklimmen, Jerry & Eddie der Zeitmaschine einen Besuch abstatten und Erik Dampier irgendwie gegen Tyson Chandler, Tim Duncan, Pau Gasol, Shaquille O`Neal, Carlos Boozer, Marcus Camby oder Luis Scola (!) sein weißes Stirnband hervorkramen. Lieber Herr Hasenberg, ich fürchte, da haben wir beide zu viel kalifornische bzw. hanseatische Meeresluft geatmet.
Und demnächst
Teil 3 von „Ehre, wem Ehre gebührt“. Mit der Kategorie „Größter Emotionaler Tiefschlag“, einen „Appell an den Basketballgott“ und weiteren persönlichen Feststellungen zur NBA-Saison 2007/08.
Posted by Mike Liem - April 21, 2008 3:30 p.m.
Ehre, wem Ehre gebührt, Teil 1
Im Duett mit meinem transatlantischen Außenkorrespondenten Flor Hasenberg aus San Fransisco geben wir dieses und nächstes Mal die Antworten auf die essentiellen Fragen nach einem Sinn des Lebens, der NBA-Saison 2007/2008. Hier Teil 1 der Retrospektive.
Most Valuable Player
Flor Hasenberg wählt Kobe Bryant.
It's Time! Trotz der Urgewalt LeBrons und den Kunststücken Chris Pauls geht meine MVP-Krone diese Saison in die City of Angels. Ach, der Kobe: Schon immer unbestritten ein extraterrestrischer Allroundkünstler, und dann entdeckt er in dieser Saison auch noch, dass es Spaß machen kann, hier und da mal mit diesen Typen
zusammenzuspielen, die das gleiche Logo auf der Brust tragen und ja eh die ganze Zeit den Court hoch- und runtereilen. Und schon haben die dann auch mehr Lust bei der Kobe-Show mitzumischen und ihren Leader dabei zu unterstützen, in eine für das Team noch wertvollere Rolle zu schlüpfen.
Mike Liem wählt Chris Paul.
KG ist Bostons Heilsbringer und hat Jesus Shuttlesworth und Paul Pierce an seiner Seite. BronBron ist ein MONSTER, meint aber, dass Black Mamba der Bessere sei. Dem titelhungrigen Killer aus L.A. trage ich wiederum nach, dass er sich vor der Saison wie eine dummdreiste und sprunghafte Primadonna benommen hat und dafür als Danke vom undurchschaubaren Basketballgott via Memphis eine potente Supporting Cast geschenkt bekam. Vielleicht bin ich ein Spießer oder ganz alte Schule, aber für mich zählen Anstand und öffentliches Betragen zu den MVP-Kriterien. Und alle vernünftigen Lobeshymnen über den Spieler Chris Paul mal beiseite geräumt: Der Junge hat nichts weniger als den NBA-Basketballstandort New Orleans vor dem Aussterben gerettet. Wie wertvoll ist das?
Most Improved Player
Mike und Flor bitten Hidayet Türkoglu hervorzutreten.
Flor: Nachdem Hedo in seinem Heimatland bereits ein Burger-King-Menü namens
Hido Menü gewidmet wurde und er sich in der laufenden Saison den ehrfürchtigen Titel Mr. Fourth Quarter erarbeitete, bekommt der sympathische Türke von mir nun obendrauf den Titel „Most Improved Player": Career Highs auf höchstem Niveau in den drei Königskategorien Punkte, Rebounds, Assists!
Mike: Absurde Randnotiz: Die mit Abstand besten Spieler der Magic, Manchild Dwight Howard und der Fenerbahce-Fan aus Istanbul, verdienen in dieser Saison nicht einmal halb so viel wie der arg teure Sommereinkauf Rashard Lewis (Jahresgehalt 2012/13: $23,79 Millionen).
Coach of the Year
Mike wählt Rick Adelmann.
Hmm …. Byron und Mo haben zwei Kunststücke vollbracht. In Houston haben Ricks motivierte Mannen mittels TEAMPLAY 22 Spiele in Serie (!) ein Märchen aufgeführt.
Flor Hasenberg wählt Byron Scott .
Jazz, the Big Easy und Mardi Grass - Gooood Times! - Dann Katrina -
eine Metropole versinkt im Sumpf! - Und jetzt Basketball: Byron Scott
dirigiert meisterhaft eine blutjunge Truppe um Tyson Chandler, Peja, David
West und Taktgeber Chris Paul und lässt New Orleans endlich wieder
einen Rhythmus der Leichtigkeit spüren.
Best Defensive Player
Flor Hasenberg und Mike bitten Kevin Garnett hervorzutreten.
Flor: KG verkörpert für mich die nächste Stufe der physischen Evolution
des menschlichen Geschlechts: 2,11 Meter, athletisch und durchtrainiert bis
in die letzten Muskelpartie! Noch vor nicht all zu langer Zeit hätten
die tapfersten Krieger auf dem Schlachtfeld bei seinem bloßen Anblick
in Panik das Weite gesucht.
Auf dem Basketballfeld beeindruckt Garnett mich unter anderen durch seine
unglaubliche Präsenz in der Defense: Ein Fels in der Brandung, der
sich jeder Angriffswelle tapfer entgegenstellt und seine Mitstreiter
zu Höchstleistungen animiert.
Mike: KG – der ideale Kamerad. In den Worten von Chuck Klosterman ...
“Some guys make the game look easy, but Garnett makes it look hard. He plays with the face of a man in pain. There is no ceiling to his emotion. He is also, by all accounts, an ideal teammate. He’s uninterested in media opportunities and goes out of his way to distract self-adulation. Though he is clearly the club’s highest-profile commodity, Pierce, the team captain, remains the last player announced over the P.A. when the Boston starters are introduced; this is the kind of gesture that has no practical application, but it symbolizes a lot within the insular society of the team.”
Chuck Klosterman, “What a Difference a Freakishly Long, Ungodly Talented, Defensive Wizard of a Man Makes” . New York Times Play Magazine, März 2008.
Rookie of the Year
Flor Hasenberg und Mike bitten Kevin Durant hervorzutreten.
Flor: Achtung! Es folgt eine Statistik mit zwei beeindruckenden Zahlen:
Kevin Durant ist 19 Jahre alt und erzielt durchschnittlich 20 Punkte
pro Spiel in der besten Basketballliga der Welt! Der arme Kerl wird
dennoch von einigen (selbsternannten) Basketballexperten stets sehr
scharf kritisiert, und bekommt daher von mir als Balsam für seine
junge Seele die Trophäe des „Rookie of the Year" verliehen.
Mike: Welcome to Oklahoma, KD! Heehaw.
General Manager of the Year
Flor Hasenberg wählt Danny Ainge.
Der Danny und die Ziffer Drei: Damals in der Suns-Uniform beeindruckte
mich Ainge trotz frappierender Ähnlichkeit mit einem Weißbrot durch
seinen Killerinstinkt hinter der Drei-Punkte-Linie. Heute, in Samt und
Seide, versammelt er als Executive der Celtics die Big 3 in Boston, und
sorgt damit schwuppdiwupp für den 'biggest turnaround' in der
NBA-Historie (2006/07: 24-58; 2007/08 65-16. ???).
Mike wählt Steve Kerr.
Hiermit verneige ich mich vor dem Rookie-GM und seinem Paar Wüsteneiern. Wir sind Zeugen eines großen Dramas, und Steve Kerr ist der Produzent. Wie auch immer diese kurzweilige Unternehmung ausgehen mag: Die dunklen, schweren Wolken der Post-Trade-Schockstarre sind verschwunden, und niemand stoppt Captain Canada und Amare „Microfracture“ Stoudemire.
Jetzt stelle man sich den Freudentaumel und das kollektive Schulterklopfen in Phoenix vor, wenn einer der besten NBA-Center aller Zeiten (mit 36 Jahren) auch im Mai ein paar alte Tricks gegen die schwarze Mamba, Timothy Theodore Duncan oder gar Erick Travez Dampier auspackt. Wer weiß? Vielleicht haben die Suns den Großen Aristotle ja bereits „assimiliert“ und sich bereits hinterrücks in einen robusten und höchst potenten, sprich play-off-tauglichen Fast-Break-Grind-It-Down-Hybrid mit Meisterschaftsmentalität verwandelt. War das nicht Steve Kerrs Plan?
Bester Sechster Mann
Flor Hasenberg und Mike bitten Manu Ginobli hervorzutreten.
Mike und Flor Hasenberg notieren:
Chansons, es müssen mehr Chansons über Emanuel David Ginóbili aus Bahia Blanca geschrieben werden.
Brühheißester NBA-Fan
Flor Hasenberg wählt Mark Cuban.
Diese Kategorie kann selbstverständlich nur aus dem kr*nken Hirn von Herrn Liem stammen, der keine noch so abwegige Gelegenheit auslässt, um seine einfach nur plumpen Fantasien auszuleben. Der Mann mit Stil im Zeitalter der Metrosexualität versteht es dahingegen die Körperspannung des Dallas-Maverick-Besitzers beim Mambo zu bewundern.
Mike wählt (… uhm) Natalie Portman.
Ich fühle mich nicht ertappt, Herr Hasenberg. Die klare Anweisung, die Kategorie „Brühheißester NBA-Fan“ einzuführen, kam direkt von David. Von ganz oben, mein Lieber, der du anscheinend neue Vorbilder in Patrick Swayze und David Beckham gefunden hast. Trotz dieser Schmährufe aus Übersee erweise ich hiermit erstmals und offiziell Königin Amidala vom Madison Square Garden diese Ehre.
Und demnächst:
Die Fortsetzung unseres NBA-Saison-Rückblicks „Ehre, wem Ehre gebührt, Teil 2“. Darunter die Kategorien „Größte Enttäuschung“ und „Emotionalster Moment“ sowie Fashion-Erinnerungen an Dikembe Mutombo und ein vager Titeltipp.
Posted by Mike Liem - April 17, 2008 2:30 p.m.
COMEBACKS
1) Komm bald wieder. Alles Gute.
Leugnen. Wut. Feilschen und Verhandeln. Depression. Akzeptanz.
Das Sportlerleben steckt manchmal voller böser Stolpersteine – und das hier ist ein weiterer in der Karriere von Dirk Nowitzki.
Derweil habe ich mich damit abgefunden, die Tage bis zu den Playoffs in der ersten Phase der Verdrängung zu bestreiten. Schockstarre, Geistesabwesenheit, Gottesleugnung und Appetitlosigkeit sind wahrlich kein Zuckerschlecken, aber ich spüre keinerlei Zorn, nur Leere. Um dieses Nichts bis zum Comeback des großen Blonden zu füllen, werde ich mir die schönsten Momente seiner bisherigen Laufbahn ins Gedächtnis rufen – als eine Art Rettungsleine (oder Betäubungsmittel). Fangen wir am besten mit dem Siebenstufenplan von Mentor Holger Geschwindner an, erklärt beim Sonntagskaffee auf der nowitzkischen Couch im Jahre 1994.
„Wenn Dirk der beste deutsche Basketballer werden soll, kann er einfach so weitermachen. Ihn wird niemand aufhalten können. Wenn er aber einer der weltbesten Spieler werden soll, müssen wir systematisch trainieren. Und zwar ab morgen.“ (aus: Die Zeit, „Angewandte Theorie“ von Christian Ewers. Januar 2004)
2) …, 20, 21, 22!
Kudos an die Seriensieger aus Houston, Texas mit Coach Rick Adelman und T-Mac als auch Rookie Luis Alberto Scola Balvoa aus Buenos Aires , Gentleman-Kampfsau Shane Battier , Skip to my Lou und dem Finger wedelnden Mount Mutombo (gefühlte 49, laut Ausweis aber 41) aus der Demokratische Republik Kongo . Eine Demonstration in Sachen Teamplay. Und das ohne Yao! Respekt. Die Raketen werden sich, wenn sie Ende April gemütlich auf der Couch sitzen, an diese 22 Spiele wie an einen surrealen feuchten Traum erinnern. Gegen den Playoff-Fluch von Tracy McGrady ist aber nichts zu machen. Sorry Houston, that's your problem.
3) Zurück im Schoß der Hornissen
Seht her, der verlorene Sohn fliegt wieder: Mehr als zwei Jahre war Chris „Birdman“ Anderson, 29, von den New Orleans Hornets für den Missbrauch einer verbotenen Substanz vom Spielbetrieb der NBA suspendiert. Oder wie es die Liga damals tief erschüttert ausdrückte: „dismissed and disqualified“.
Von Februar 2006 bis März 2008 trainierte der Power Forward im selbst verordneten Exil in den Rocky Mountains – jetzt darf der verlorene Sohn offiziell wieder als NBA-Profi in den Schoß seiner Hornissen. Andersons Fazit nach dem ersten Training: „I’m just really glad to be here.“ Er sei ganz der alte, nur reifer (und sieben Millionen US-Dollar ärmer): “I’m still crazy. I’m still going to do the wild things on the court and everything.” Beispiel? Der tätowierte Vogelmann beim Slam-Dunk-Contest 2005.
Chris Anderson (2,08 Meter) kehrt zu einem stark verbesserten Team zurück. Die Frage ist nicht mehr, ob die Hornissen in die Playoffs, sondern wie weit sie kommen. Ob es der Birdman als Rollenspieler in Byron Scotts Rotation schafft, bleibt allerdings abzuwarten. Bis dato stand der Publikumsliebling keine einzige Minute auf dem Feld. Was soll’s? Die größte Freude wird ohnehin anfangs sein, nach der langen Denkpause wieder einer der Jungs zu sein. Muss sich gut anfühlen.
Neue Kategorie
„LESERBEZIRK“
Vergleiche mit dem Teufel
„Ich mochte ihre Vergleiche mit Kobe Bryant und dem Teufel, und da stimme ich ihnen zu, aber MVP hat er nicht verdient, weil er eben erst seit Gasol's Beitritt wieder "Kobe-mäßig" spielt. (…) LeBron James spielt jeden Tag mit seiner ganzen Kraft.“ Alexander M.
Antwort: Meine erste Leserzuschrift. Ich habe mich sehr gefreut. So nett, höflich und treffend formuliert. Danke Alexander. Vielen Dank auch für die ABC-Hinweise.
Und Stevie?
„Ich habe im MVP-Beitrag über Chris Paul einen Namen in der Aufzählung der kleinen, aber großen Spielmacher vermisst: Steve Nash. Gibt’s dafür einen Grund?“ Robert. F.
Antwort: Oh Gott ja, mein beklopptes Gehirn. Wie konnte ich nur Kid Canada (1,91 Meter) vergessen? Ich plädiere auf schuldig, schäme mich freimütig, wälze mich des Nachts im Bett und habe deshalb bereits für den nächsten Post die ersten Wiedergutmachungszeilen aufgesetzt. Sorry, Steve.
Feedback, Fragen, Vorschläge und Kritik bitte an thegameofbasketball@web.de.
Posted by Mike Liem - March 25, 2008 12:30 p.m.
DER HIGHLANDER AUS OHIO
Wer wird Most Valuable Player?
Gestern Abend beim Einschlafen beschlich mich das Gefühl, ich müsse mal was Bodenständiges in diesem Blog schreiben. Gedacht, getan. Ohne lange Vorrede: Ich präsentiere in umgekehrter Reihenfolge meine persönlichen drei besten Spieler der aktuellen NBA-Saison.
3) Chris Paul’s limit is the sky
169 Zentimeter: Für einen Menschen meiner Körpergröße bereiten mir die kleinen Spieler naturgemäß das größte Vergnügen: Isiah dribbelte wie ein Wirbelwind durch die gegnerischen Reihen, Gary, der Handschuh, brachte selbst MJ zum Keifen, Baron ist eine Wucht, und für Allen Iversons halsbrecherischen Moves sind die Widersacher eh nur passende Staffage. Aber Chris Paul, meine Damen und Herren, haben Sie Chris Paul – 1, 83 Meter, 21 Punkte, 11 Assists, 3 Steals – schon einmal spielen sehen? Es ist eine Offenbarung: Der Junge macht auf dem Court, was er will. Und seine Mitspieler besser.
Seit langer Zeit sind wir wieder Augenzeuge eines Ausnahmekönners auf der kleinen Aufbauposition. Wir reden hier über den besten klassischen Spielmacher seit John Stockton. Kein Scherz: Paul ist jetzt schon das Herz, der Kopf, der Wille und die Seele der Hornissen aus New Orleans, einem Top-Team der Liga. Und das Phänomenale an der ganzen Chris-Paul-Geschichte: Wir befinden uns erst in Jahr 2!
2) Kobe Bryant gegen den Herrn der Finsternis
Angenommen: Ich habe mich aus Versehen mit dem Teufel angelegt. Großmütig lässt mir der Herr der Finsternis eine letzte Chance und fordert mich zum 1-gegen-1 auf. Als ich meine Schnürsenkel richte, sagt der Teufel: „Ha! Du Wurm!“ und gesteht mir zu, eine „menschliche Seele“ als Stellvertreter auszusuchen. Der Auserwählte müsse nur zustimmen. Wen also wähle ich?
Antwort: Kobe. Er ist der einzige, der das Talent, den Mut, den Ehrgeiz und vor allem die Motivation hat, um überhaupt gegen den Teufel anzutreten. Es wäre die ultimative Herausforderung und die optimale Gelegenheit. Kobe würde die Einladung begeistert annehmen, weil er sich nur so des übergroßen Schattens von Michael Jordan ein für alle mal entledigen kann. Er würde endlich sein Image transzendieren können. Er wäre der König der Welt. Win or Loose. Er wäre Black Mamba, der den Teufel im Rückwärtsfallen reihenweise Körbe einschenkt.
Aber ich schweife ab: In diesem Jahr wird Kobe bei meiner persönlichen MVP-Wahl mit Silber vorlieb nehmen müssen. Er wird es nicht mögen. Aber falls es wirklich so geschieht, nur gut für alle: Dann mutiert Kobe auf seiner Ring-Mission in eine brutale XXL-Version der Black Mamba. Nur um beweisen, dass er der wahre MVP ist.
Warum also Platz 2?
Ein knapper Sommer-Rückblick: Kobe schmollt, stänkert und lästert. Kobe drängt, droht … und bleibt. Kobe wundert sich über Bynums 13-10. Ein wahnwitziger Deal später und Kobe passt den Ball zu Pau. Kobe triumphiert.
Ich weiß auch nicht, aber bei Kobe Bryant, der sich gern mal mit Wolfgang Amadeus Mozart vergleicht, werde ich immer irrational. Etwas an ihm reizt und irritiert mich. Ich halte ihn für einen absoluten Meisterkönner des Spiels und zugleich für eine egomanische und infantile Primadonna. Und für einen kaltblütigen Killer, wenn er einmal Blut gerochen hat, auf dem Baskteballfeld. Mit Tantra-Philosoph Phil Jackson und der wirklich formidablen Supporting Cast, inklusive dem aus Memphis entronnen Vollbartträger Pau Gasol aus Katalonien und Übermutter Derek Fisher aus Little Rock, sind die Lakers im Nu wieder Tabellenführer und Titelfavorit. Vielleicht auf lange Zeit. Und so ist über Nacht aus Aggro Black Mamba wieder Happy Kobe geworden. Manche Kritiker preisen sein selbstloses Spiel. Es stimmt, manchmal passt er (28 Punkte, 6 Rebounds, 5 Assists) den Ball.
Warum also Platz zwei? Ich muss mich wohl bei dieser kniffligen Angelegenheit auf Connor MacLeod’s Doktrin berufen.
1) Es kann nur einen geben.
“I am LeBron James of the Clan Cleveland Cavaliers. I was born in 1984 in the village of Akron on the shores of the Cuyahoga River . And I am immortal.”
Okay, BronBron. Was aber gibt den Ausschlag für diesen 24-Jährigen, der demnächst auf dem Cover der Vogue erscheinen wird – als dritter Mann neben George Clooney und Richard „American Gigolo“ Gere überhaupt?
Mit 24 Jahren ist James das beständigste und spektakulärste Naturwunder, was die NBA derzeit im Angebot hat: Eine wundersame Mischung aus Karl Malones Power, Magic’s Team Play und Court Vision, Dr. J`s Improvisationskunst und Dominique Wilkins Sprungkraft. Jetzt hat er auch noch das Werfen gelernt. Resultat: Einerseits nicht enden wollende Heldentaten des Spielers, andererseits kaum Aussichten auf den Titel mit seinem Team.
Denn: Anders als Black Mamba hat King James beim jüngsten Trade-Wirbel nicht wirklich den Jackpot getroffen. Er wollte Jason Kidd … und bekam Wally Szczerbiak, einen Rollenspieler und die lebenden Überreste von Ben Wallace. So bizarr es auch klingen mag: Der König vermisst den Halbfinnen Drew Gooden und braucht dringend Hilfe! Mit einer wirklichen zweiten Geige wie, sagen wir mal, autsch, Carlos Boozer, wären die Cavs – schwuppdiwupp – ein ernst zunehmender Titelaspirant. Darum, Chapau BronBron: Es zeugt von gesunden Menschenverstand, wenn er sich öffentlich nicht allzu despektierlich über die allzu verfahrene Situation in Cleveland äußert.
Zum Glück hält sein Unmut ihn (30 Punkte, 8 Assists und 7 Rebounds) nicht davon ab, bei jedem Auftritt zu glänzen. Er scheint verinnerlicht zu haben, dass bei einem Spieler seiner Klasse (und seines Marktwerts) die Performance immer stimmen muss und man sich dabei nicht wie eine verzogene Göre zu benehmen hat – vor allem, wenn mal länger regnet. Wahrscheinlich ist Anstand LeBrons einziger gefühlter Mini-MVP-Vorsprung in dieser Saison gegenüber der schwarzen Mamba. Auch wenn die für mich gegen den Teufel antritt. Glückwünsche zum MVP 2008, LBJ. See you in Brooklyn 2010?!
UND DEMNÄCHST
Ein Ranglisten-Scharmützel mit Außenkorrespondent Flor Hasenberg über die Heros der aktuellen NBA-Saison. Achtung: Unter anderen werden wir den charmantesten NBA-Fan küren und unsere Titelfavoriten prophezeien. Außerdem in der Pipeline: Allen Iverson als
Hauptdarsteller im zweiten Teil über den NBA Dress Code, „Die Antwort mit Hut“.
Posted by Mike Liem - March 17, 2008 12:30 p.m.
Armani ist gut für die Jungs
Business Casual statt Keep It Real: Am 17. Oktober 2005 schrieb die NBA mal wieder Geschichte, als sie ihren Spielern diktierte, wie sie sich bitte zu kleiden haben. Von den Motiven über die Reaktionen bis zu den Ergebnissen – beim NBA-Dresscode handelt es sich um eine komplexe Story, die mir Wochen vor den Play-offs locker drei Posts wert ist.
Dreiteiler: 30 Monate Dresscode
Teil 1, „Larry und die 50 Cents“, schildert den wachsenden Unmut über das Erscheinungsbild vieler NBA-Spieler anhand einer wahren Begebenheit auf einem Belgrader Festbankett.
Teil 2, „Die Antwort mit Hut“, beschäftigt sich mit der Wirkung des Dresscode auf den Spieler, der die Verschmelzung von Hip Hop und NBA wohl am besten repräsentiert. Ladies, fellas: A. I.
Teil 3, „Eine schöne neue Welt“, erläutert die Hintergründe der Image-Kampagne und zieht Bilanz. Hauptsächlich: Die NBA ist ein Geschäft. Und, wie es das Esquire-Magazin ausdrückt, „Armani is good for all guys.“
Teil 1:
LARRY UND DIE 50 CENTS
Larry schämte sich. Da saß der Coach der (gefühlten) besten Basketball-Mannschaft der Welt auf einem Festbankett in Belgrad und beim Anblick seiner gefeierten Spieler beschlich ihn ein Gefühl der Peinlichkeit.
Er sah kurz zu den serbischen Gastgebern, die wie zu besten Tito-Zeiten im sportiven Einheits-Look aufliefen, und dann wanderten seine Augen entsetzt wieder zurück. Goldketten, glitzernde Diamantenohrringe, samtene Trainingsanzüge, XXL-Kapuzenpullis und Baggy Jeans, schief aufgesetzte Cappies, Timbalands; das ganze Hip-Hop-Style-Repertoire eben.
Bling Bling! Klischee bestätigt
Zuerst hatte er nur gestarrt und später seinen schwelenden Ärger hinter angestrengtem Small Talk und Konzentration auf den fleischigen Hauptgang versteckt. Aber als das Dessert serviert wurde, fühlte Larry nur noch Frust: Sein Team, die mit NBA-Stars besetze US-amerikanische Nationalmannschaft, kleidete sich zum Galadinner wie eine Clique von Gangster-Rappern, Ghetto-Pimps und Couch Potatoes.
Es war ein groteskes Bild: Die Hip Hopper und der adrett gekleidete Rest. Larry fühlte sich in diesem Moment mehr als verstörte Mutter denn autoritärer Coach. Er fragte sich, ob es vielleicht an der nicht vorhandenen Abendgarderobe im Reisekoffer, an mangelnder Kommunikation, am fehlenden Bewusstsein über elementare gesellschaftliche Umgangsformen oder schlichtweg an Ignoranz lag.
Style-Check und mütterliche Ohnmacht
Hatte er seine Schäfchen mehr kontrollieren müssen? Hätten warme, tröstende Worte genügt? Hätte Larry bei jedem Spieler im Hotelzimmer zum Style-Check vorbeischauen müssen? „Allen. Kein Do-Rag heute. Du, mach die Cornrows raus. Und leg bitte die sechs Goldketten ab. Ja, auch das Fußkettchen.“ Oder zu LeBron mit erhobenem Zeigefinger: „Wehe, ich sehe dich einmal an deinen Fingernägeln kauen.“
Würde sich ein Starbury aus den Projects von Coney Island von einem damals 65-jährigen Sportlehrer überhaupt auf eine Diskussion einlassen, wie er sich zu welchen Anlässen zu kleiden hat?
Es war ein ausgelassenes, serbisch-amerikanisches Galadinner; man scherzte. Larry, in seinem Business Casual Outfit, war aber nicht zum Lachen zumute. Wie jede normale Mutter, die mit ihren Kindern bei offiziellen Anlässen einen möglichst guten Eindruck hinterlassen möchte, fühlte er sich für diese Blamage verantwortlich. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, die am unerträglichsten gekleideten Spieler wieder zurück ins Hotel zu schicken. Zum Umkleiden. Aber das traute er sich nicht.
Resigniert schüttelte er den Kopf. Verloren gegangene Ehre sollte er mit seinen Jungs nach Hause bringen: Und jetzt saß er hier, kurz vor den Olympischen Spielen in Athen, wie eine von ihren Kindern gedemütigte
Mutter. Irgendwo in Belgrad. Bronzene Aussichten.
Lose Interpretation, nach Angaben eines Artikels in der Washington Post von Mike Wise (Oktober 2005).
Next:
Teil 2 – „Die Antwort mit Hut“
Posted by Mike Liem - March 5, 2008 10:30 a.m.
Dein Auftritt, Basketballgott
Pau. Shaq. Kidd. Bang! Bang! Bang! Was wurde alles geschrieben, und was bin ich aufgeregt. Der gemeine Fan darf verzückt sein, denn der Westen der NBA verspricht eine große, große Show in den Play-offs.
Derweil in meiner linken Brust: Dort blutet mein Maverick-Herz wegen Devin … und DeSagana. Mein Herz steht still, wenn ich nur an Dampiers flinken Finger, sein weißes Stirnband und Tim Duncan denke. Mein Herz schlägt und lacht, weil jetzt J-Kidd Regie führt. Weil der härteste aller Ausreißer geblieben ist. Weil Dirk da ist, und er „nur“ noch der beste Spieler, nicht mehr der Leader sein muss. Mögen die Basketballgötter mit uns sein.
Als das Feuer nicht mehr brannte, wurde er Familienvater und Frührentner. Und unsichtbar. Dann wollte/brauchte Cuban Kidd. Eine Unterschrift später ist Keith Van Horn (2,08 Meter) zwar ein offiziell ein New Jersey Net, aber (dem Anschein nach) immer noch glücklicher Vorruheständler… und obendrein um $ 4 Millionen reicher. Surreal. Die New York Times resümiert: “Retirement from the N.B.A. has never been so profitable.”
Props an die NBA
Props an die NBA: Die frühe Entscheidung von Commissioner David Stern das Allstar-Game 2008 in New Orleans auszutragen, war ein starker Move. Gutherzig, mutig und smart. Die NBA hat der 2005 vom Hurrikan Katrina verwüsteten Stadt wieder ein wenig Glanz verliehen - auf ihrem schwierigen Weg zurück zu „The Big Easy“.
Die Mavs und das Orakel von Delphi
Unser metaphysischer Außenkorrespondent Flor Hasenberg aus dem Warrior-Land, Kalifornien, hat für uns das Orakel von Delphi nach den Chancen der Mavs (Geburtstag: 14.1.2000) befragt. Toi, toi, toi. Hier sein Report:
"Alles oder Nichts! Der Steinbock hat nach all den tragischen
Niederlagen der Vergangenheit wohl etwas zu viel Inspiration in den verstaubten Wälzern der griechischen Mythologie gesucht: Wie einst Iason die größten Helden seiner Zeit um sich geschart und die Jagd nach dem goldenen Vlies angeführt hat, soll nun ein erfahrener und gestandener Feldherr alle Hoffnungen und Träume erfüllen. Doch heutzutage sind größere Heldentaten gefordert, um die schweren Aufgaben zwischen West und Ost zu bewältigen und selber in die Geschichtsbücher einzugehen.“
SHORTCUTS
Die NBA in Bildern
Die New York Knicks City Dancers können voll gut tanzen, benutzen tonnenweise Haarspray und schaffen es immer wieder die armen Zuschauer im Madison Square Garden von Thomas, Curry & Co. abzulenken. Am liebsten schmeißen sie sich aber in Schale und posieren possierlich für die Nachwelt. Respekt an alle Beteiligten.
Black Mamba will Eure Liebe nicht
Ach so sieht’s aus! Exzellentes und wunderliches Porträt über den vielleicht besten Spieler der NBA im Esquire-Magazin. Unwirklich.
Wahre Worte
Tata! Teil 1 der neuen Serie „Weise Worte“. In unserer ersten Ausgabe kommt Lakers-Legende und Silhouette des NBA-Logos, Jerry West, zu Wort. In seinem Buch: „Basketball My Way“ spricht er in etwas lehrerhaften, aber immer sympathisch-persönlichen Ton über eine Schönheit des Spiels.
“One of the beauties of basketball is that a player can practice a lot by himself. (…) He can develop different shots and shooting skills, rebounding and dribbling abilities, all by himself to a great degree. I know because I did.”
Aus: Jerry West, Basketball My Way. 1973.
Nachtrag
Nach der Theorie des Magazins Sterns spielen mit Dirk, dem „genialen Solisten auf Zehenspitzen“ und J-Kidd jetzt zwei Mitglieder des illustren Clubs der großen Unvollendeten in einem Team. Dein Auftritt, Basketballgott.
Posted by Mike Liem- February 22, 2008 12:30 p.m.
Von MJ bis Mutti: Mike’s NBA-Yodas
Hello!
Ich hätte gern über die Liebestreue zwischen den Lakers und Black Mamba geschrieben. Über Steve Kerr’s Wüsteneier. Oder über chinesische Schuhe an den Füßen von amerikanischen NBA-Spielern. Vielleicht auch über meine (sehr einseitigen) Begegnungen mit dem langen Blonden aus Würzburg, Niederfranken.
Aber meinen ersten Beitrag möchte ich ein paar Menschen widmen, ohne die ich nicht der NBA-Mensch wäre, der ich heute bin. Eine unvollständige Liste, keine Frage, aber für den Anfang soll diese VIP-Selektion genügen …
Ohne weitere Vorworte. Ladies and Gentleman. „And now … from North Carolina …!”
Der Ursprung: Michael Jordan
Er kam, sah und siegte. Und genau so war es. Viel ist über die größte aller Basketball-Ikonen geschrieben worden, und ich werde mich auch zehn Jahre nach seinem letzten Wurf nicht zurückhalten können. Tut mir leid, aber ich bin mit ihm aufgewachsen.
Dramatisch. Aufwühlend. Fassungslos leidenschaftlich. So war das damals mit Mike, vor dem Fernseher, morgens um fünf Uhr. Ich verdanke dem Mann einige zutiefst emotionale Momente… Ein amerikanischer Journalist sagte einmal treffend, Vergleiche mit dem Spieler Jordan seien „flattering, burdensome and utterly unattainable.“ Die Lektion; Sorry, Kobe.
Der Heilsbringer: Richard Francis „ Scooter“ Barry
Der erste amerikanische Spieler, den ich live in Deutschland verfolgen konnte. Ein extrem unterhaltsamer Playmaker und einer der vielen Basketball-Söhne von NBA-Legende Rick Barry: Seine Athletik und Improvisationskunst, die Dunkings und Dreier im Rückwärtsfallen kamen aus einer fernen, besseren Basketball-Welt. So einen STYLE war das arglose Braunschweiger Publikum nicht gewöhnt. Es war, als ob wir bislang nur Klassik kannten und plötzlich John Coltrane ins Spiel kam.
Seit ich denken konnte, gab’s Dunkings nur beim Aufwärmen und jetzt konnte man tatsächlich mit eigenen Augen dieses Faszinosum live erleben. Oder den Mythos Triple Double. Und dann kam auch noch der Vater zu Besuch. Das war ein Hauch von NBA-Showtime!
Barry dominierte damals so manches Spiel in der Bundesliga, und im Sommer versuchte er es immer, in die NBA zu schaffen. Aber dafür war er einfach ein bisschen zu schlecht. Die Lektion: The NBA Must Be Fantastic!
Wer? Mike Penberthy
Ein weiterer ehemaliger Bundesliga-Spieler, der aus welchen Gründen auch immer eine Zeit lang in der Wandsbeker Turnhalle in Hamburg Dreier warf, um im nächsten Sommer in Lala-Land mit Shaq Attack, Black Mamba und Phil Jackson’s Triangle Offense als Bankdrücker Meister zu werden. Und das war kein (Hollywood-) Skript! Die Lektion: You Gotta Love this Game!
The One and Only: Meine Mutter
Ich habe eine großartige Mutter (… und wohl auch großartige Nachbarn). Zuerst ließ sie mich einen Plastikspielzeugkorb an die surreal widerstandsfähige Regenrinne „befestigen“, und zu meinen 14. Geburtstag ließ sie mich gar einen richtigen Korb an das Carport installieren. So konnte ich stundenlang allein oder mit Freunden NBA spielen.
Was mich, vor allem rückblickend, so beeindruckt, ist die Kaltschnäuzigkeit meiner Mutter: Das Schlafzimmerfenster unseres Nachbarn war nämlich nur ungefähr 2,50 Meter vom Ring entfernt. Flog der Ball gegen das Fenster, galt das nicht als „Aus“. Wenn ich den Ball über den Korb warf, musste ich durchs Haus, die Treppen rauf, durchs Zimmer meiner Schwester und durchs Fenster aufs Carport, Ball zurückschmeißen und schnell wieder zurück. Für unseren Nachbarn musste dieses Treiben der blanke Horror sein. Dazu das vehemente halbwüchsige Gebrabbel. Natürlich protestierten sie, beschwerten sich, ließen ihr Rollo herunterfahren, sobald ich zum ersten Wurf am frühen Nachmittag ansetzte. Ach ja, die guten alten sorglosen Zeiten. Heute können alle Beteiligten zumindest (nach ein paar Bier) darüber schmunzeln. Die Lektion: Die Zeit heilt viele Wunden.
Der Mann in Amerika: Flor Hasenberg
Eine zwiespältige Geschichte: Im letzten Jahr verließ mich einer meiner besten Kumpel, mein Basketball-Buddy Rolf alias Flor Hasenberg. Wenn ich in den letzten sechs Jahren irgendwo in Hamburg Ball gespielt habe, war Rolf meistens nicht weit – und jetzt ist er in Kalifornien, wo immer die Sonne scheint und die Freiplätze bei Nacht im Schweinwerferlicht leuchten. Um genau zu sein: in San Francisco, wo die Warriors Fast Breaks laufen und die Spiele im Free-TV von Marv Albert („YES!“) kommentiert werden. Rolf, wenn du das liest: I miss you. And I hate you.
Was ich eigentlich ankündigen wollte: Dank seiner geografischen Nähe zur NBA-Szene und aufgrund seiner unbestrittenen NBA-Expertise und seinem ostfriesischen Wortwitz wird Flor Hasenberg ab sofort als transatlantischer Außenkorrespondent für diesen Blog fungieren. Ich wäre ja töricht, meine Quellen vor Ort nicht anzuzapfen.
Der, der Geschichte schreibt: Dirk Nowitzki
Hin und wieder zünde ich eine Duftkerze an, versetze mich in einen Zustand der völligen Gleichmut, knipse das Licht aus und bitte den launenhaften Basketball-Gott höflich, Dirk endlich diesen verdammten Ring zu schenken.
Ich meine, hat das deutsche Jahrhunderttalent mit dem „Herzen aus Gold“ (Zitat Mark Cuban) den Titel nicht schon längst verdient? Schon allein aus dem Grund, dass der Stern nicht noch mal eine derart erbärmliche Reportage („Der große Unvollendete“) veröffentlicht? Was muss noch alles geschehen, lieber Basketball-Gott? ... Hallo? ... ...
Und im nächsten Beitrag:
Posted by Mike Liem- February 13, 2008 10:30 a.m.


