Herzlich willkommen beim NBA Blog Squad Germany. Hier werden in regelmäßigen Abständen Insider ihre Gedanken zur NBA und WNBA niederschreiben. Stars und Journalisten – sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die NBA. In ihren „Blogs“ könnt Ihr nachlesen, was sie zur spannendsten Basketball-Liga der Welt zu sagen haben.

Die Meinungen, die vom Blog Squad geäußert werden, geben lediglich eine persönliche Einschätzung der Blogger wieder, nicht aber die Sichtweise von nba.com, der NBA oder irgendeinem NBA-Team. NBA.com prüft nicht den Wahrheitsgehalt resp. die Genauigkeit der Blogs.


Haruka Gruber - 2007-08 Blog Archive
Journalist
Haruka Gruber vereint viele Facetten der NBA in sich: Die schwache Freiwurfquote von Ben Wallace, den nicht vorhandenen Wurf von Darius Miles, die dünnen Arme von Martynas Andriuskevicius. Nichtsdestotrotz (oder genau aus dem Grund) ist er ein glühender Verehrer der NBA. Fantasy Games, NBA Live, die Nächte um die Ohren schlagen - das normale Programm eines Basketball-Fans halt. Und auch bei der Arbeit kommt sein Hobby nicht zu kurz: Für das neue Sportportal SPOX.com berichtet er von der großen weiten Welt der NBA. Zuvor war Haruka unter anderem bei Deutschlands größter Sportwebsite Sport1.de tätig.

Kobe bekommt, was Kobe verdient

Durchatmen, liebe Buddhisten, Hinduisten, Sharon Stone und alle anderen, die an Karma glauben.

Jeder bekommt, was er verdient. Gleiches erzeugt Gleiches. Nicht nur in Radiohead-Songs, nicht nur in der Serie "My name is Earl", sondern schlussendlich auch in der NBA.

Kobe Bryant schickte sich die Saison über an, das kosmische Gleichgewicht aus Ursache und Wirkung aus der Balance zu bringen. Er stänkerte über seinen General Manager, er lästerte über sein Team, der Hobby-Paris-Hilton lancierte im Internet sogar ein verruchtes Videoschnipsel, um einen Trade zu erzwingen.

Aber was machte Karma? Statt Kobe für sein wenig spirituelles Verhalten abzustrafen, bekam er Pau Gasol praktisch geschenkt, statt im Fegefeuer der Mittelmäßigkeit zu verharren, marschierte er mit den Lakers bis ins Endspiel.

Schlechtes Karma? Von wegen…

Doch just zum Zeitpunkt, als die Lakers als Favoriten in die Finalserie gegen die Celtics gingen und einige Medien Kobe schon in den Sphären des Michael Jordan wähnten, schlug das Karma mit etwas Verspätung dann doch zu.

Plötzlich wollten die Würfe nicht mehr fallen, plötzlich machte der angeblich beste Spieler des Planeten gegen den defensiv sonst so mittelmäßigen Paul Pierce keinen Stich, plötzlich ließen ihn seine Mitspieler im Stich. Zumal Kobe von Red-Sox-Pitcher Curt Schilling in dessen Blog auch noch als ewig grantelnde, seine Mannschaftskollegen ankeifende Zicke geoutet wurde.

Kobe als geläuterter Teamplayer mit MJ-Winner-Gen? Von wegen…

Jeder bekommt, was er verdient. Zumindest bei Kobe stimmt's.

Posted by Haruka Gruber - June 19, 2008 10:00 a.m.

Ein Blick in Avery Johnsons Hirn

Avery: Mist, ich bin arbeitslos.

Kermit: Schön abserviert worden. Was nun?

Avery: Italo-Mike hat schon wieder einen Job. Diese verdammten Alt-68er mit ihrem Hippie-Basketball. Die werden immer gemocht. Ich will auch!

Kermit: Na dann, ab nach Chicago. Die sind ja so was von verzweifelt…

Avery: Vor allem: Dieser Cheech-und-Chong-Verschnitt käme mir bei den Bulls nicht mehr unter die Augen.

Kermit: Grrrrr… Josh Howard…. Ich verfluche dich und deine Bocklosigkeit!

Avery: Und bei den Bulls hätte ich auch mal Spieler beisammen, die das Wort Athletik buchstabieren könnten.

Kermit: Grrrr… diese Basketball-Greise… Ich verfluche Jason Kidd, Jerry Stackhouse, Juwan Howard und alle Eddie Jones' der Welt!

Avery: Aber hast du nicht die meisten von denen höchstpersönlich nach Dallas geholt?

Kermit: Grrrr… Avery, Klappe! Klingst schon wie der Eddie Sefko. Soll ich dich auch so rund machen?

Avery: Sch-sch-sch-sch-sch-on g-g-g-gut…

Kermit: Don't stutter.

Avery: Hab mich wieder eingekriegt. Aber wäre Chicago wirklich ne gute Wahl? Da war doch was mit den Bulls...

Kermit: Stimmt… Wie heißt noch mal das Wort… Fängt mit D an und hört mit isziplinlosigkeit auf...

Avery: Ich sag nur: Tyrus Thomas oder Joakim Noah. Noch nix gerissen, benehmen sich aber wie… NBA-Jungstars eben.

Kermit: In Chicago geht's echt vogelwild zu. Und es gibt ja auch noch das Sprichwort: Wie die Franchise, so das Team-Maskottchen.

Avery: Hä?

Kermit: Bist ein bisschen langsam, kann das sein? Hatte nach den Serien gegen New Orleans und Golden State schon meine Bedenken, aber dass du Benny the Bull nicht kennst… tstststs…

Avery: Ach, dieses rote Zottelviech! Der hat es vor zwei Jahren als Maskottchen doch geschafft, verhaftet zu werden, weil er einen Polizisten tätlich angegriffen haben soll.

Kermit: Rischtisch. Allein was er diese Saison gebracht hat: Im Februar soll er beim Spiel gegen Boston nach einem Wortgefecht mit seiner T-Shirt-Kanone auf Kevin Garnett und James Posey geschossen haben. Und vor drei Wochen wurde er von einem Zuschauer verklagt, weil sich den Fan beim Hand abklatschen mit Benny eine Muskelverletzung zugezogen haben soll.

Avery: Sachen gibt's…

Kermit: Der Vorgänger war aber noch schlimmer. Chester Brewer alias "Da Bull" wurde 2004 verhaftet, weil er – was für eine Pointe – Marihuana verkauft hat. Bitte ein Karnevalstusch…

Avery: Tätä, tätä, tätä.

Kermit: Echt bitter. Ich suche Arbeit, und die einzig echte Option ist ein Klub, der nicht mal das Maskottchen im Griff hat…

Avery: Mist. Ich glaub, ich bleib lieber arbeitslos.

Posted by Haruka Gruber - May 14, 2008 8:00 p.m.

Dirty Dackel mit Dudelsack

Das größte Problem wird vermutlich sein, ein 2,16 Meter großes Bärchenkostüm zu finden. "Wir sind sehr froh darüber, dass sich eine solche Persönlichkeit wie Shaquille O'Neal für das Wohl unserer Gemeinde interessiert und sich bei uns ehrenamtlich engagiert", sagt Cindy Davies, Pressesprecherin der Polizei von Tempe, Arizona.

Shaq und das Auge des Gesetzes. Vor über zwei Jahren wurde er in Miami als Reserve Police Officer vereidigt und durfte daraufhin Verdächtige verhaften sowie neben einer Marke auch eine .40-Kaliber-Pistole tragen. Bereits während seiner Zeit bei den Lakers durchlief er die Police Academy von L.A. und wurde zum Reserve Officer ernannt. In Bedford County, Virginia ist er wiederum als Reserve Deputy eingetragen.

Mehr noch: Nach seiner Karriere, so betont der 36-Jährige immer wieder, sei es sein Ziel, Vollzeit als Sheriff oder Polizeichef zu arbeiten. Erstmal aber sind seine Dienste in Tempe, unweit seiner neuen sportlichen Heimat in Phoenix gelegen, gefragt. Letzte Woche besuchte der Diesel das Polizeirevier und trug sich als Volunteer ein.

Davies habe zwar keine Ahnung, warum Shaq ausgerechnet Tempe ausgesucht hat, die Sprecherin gab sich aber zuversichtlich, dass die Dienststelle für Shaq eine Aufgabe findet, die seinen Fähigkeiten entspricht und der Bevölkerung weiterhilft.

Welche Aufgaben könnten es also sein? Vielleicht borgt er sich von Möchtegern-Superman Dwight Howard das Cape und macht Jagd auf die bösen Buben der Stadt? Oder Shaq wirft sich seinen weißen Kittel über und macht einen auf CSI-Forensiker?

Ganz kalt. Wie die Website des Tempe Police Departments Aufschluss gibt, werden diese ehrenamtlichen Jobs angeboten:

1. "Crime Prevention": Klingt Dirty-Harry-mäßig, ist im Grunde aber doch recht lame. Die Aufgabe besteht offenbar darin, Flyer zu verteilen oder als knuffiges Maskottchen (neben der "Bärchen"-Variante gibt es auch das Modell "brauner Dackel") pädagogisch wertvolle Tipps zu geben.
2. Büroassistenz: Daten eingeben, Sekretariatstätigkeiten. 'Nuff said.
3. Spanisch-Übersetzer: Keine Ahnung, wie Shaqs Spanisch-Kenntnisse sind.
4. "Motorist Service": Würde Shaq das gerne machen, hätte er gleich zu ADAC gehen können. Starthilfe geben, platte Reifen wechseln, usw… 5. Tour Guide durch Tempe
6. Police Pipe Band: Richtig gelesen, musikalisches Talent vorausgesetzt, könnte Shaq bei der Dudelsack-Kompanie anfangen. Mit allem drum und dran: Glengarry-Mütze, schnieke Regiment-Jacke und natürlich dem Kilt. Ob eine Unterhose obligatorisch ist, wird nicht näher erwähnt.

Shaqs Bereitschaft zur Hilfe in Ehren, es ändert jedoch nichts daran, dass selbst der Alltag von Chief Wiggum aufregender klingt als das Jobportfolio eines Volunteers. Aber vielleicht ist es auch besser so.

Big Daddy rühmt sich zwar gerne mit der Anekdote vom Sommer 2005, als er in Miami dabei mithalf, einen 18-Jährigen zu verhaften, der ein homosexuelles Pärchen angegriffen hatte. Es gibt jedoch auch eine weitere, weniger glorreiche Episode.

Vor eineinhalb Jahren nahm Shaq an einer Razzia teil, bei der das Haus eines angeblichen Sexualtäters durchsucht wurde. Die auf Internet-Verbrechen spezialisierte Polizei-Einheit rammte die Tür auf und beschlagnahmte Computer und Kameras. Nur: Wegen einer falsch übermittelten IP-Adresse hatten die Gesetzeshüter die Adresse verwechselt und fielen in das Haus einer unbescholtenen Farmersfamilie ein.

Shaq lapidar: "Wir haben wohl an der falschen Tür geklopft..."

Posted by Haruka Gruber - March 28, 2008 3:00 p.m.

Aufraffen + Bekenntnis × 14.735

Wer hat die Krone des All-Star-Wochenendes verdient? Dwight Howard mit dem unfassbaren Superman-Dodgeball-Dunk? Oder Jason Kapono, der tödlichste aller Dreierschützen? Wie wäre es mit Daniel Gibson, der im Sophomore-Rookie-Game elfmal von Downtown Maß nahm – und elfmal einnetzte? Und wer auf Mainstream steht, votiert eben für MVP LeBron James.

Der wahre Gewinner nach drei Tagen Basketball-Wahnsinn ist jedoch ein anderer. Sein Name: New Orleans. Seine Funktion: Gastgeber des All-Star-Games. Seine Leistung: Ein Bekenntnis zum Basketball.

Vor zweieinhalb Jahren stand New Orleans vor dem Nichts. Hurrikan Katrina, die Verwüstung, der Ausnahmezustand, die Plünderungen, die Flüchtlinge im Superdome. Eine Stadt, die kurz davor war zu sterben.

Die Leichtigkeit des Big Easy schien dahin, genauso wie die Begeisterung für den Sport. Für den Basketball. Für die Hornets. Erstmals seit der verheerenden Naturkatastrophe spielt das Team von Coach Byron Scott ihre komplette Saison in New Orleans, nachdem es wegen der zerstörten Infrastruktur nach Oklahoma City ausweichen musste. Die Resonanz ist jedoch äußerst dürftig.

Mit 12.645 Zuschauern im Schnitt rangieren die Hornets auf Rang 29 von 30 Mannschaften. New Orleans ausgenommen weisen von Rang 19 abwärts alle Teams eine negative Bilanz auf. Im Exil in Oklahoma pilgerten noch 17.830 Fans zu den Heimspielen.

"Es wird endlich Zeit, dass sich die Leute aufraffen und zu unseren Spielen kommen", sagte Scott jüngst. "Die Football-Saison ist vorbei, und wir bieten attraktiven, erfolgreichen Basketball. Es gibt keine Entschuldigungen mehr, uns nicht zu unterstützen."

Scott weiß selbst nur zu gut, dass die Stadt noch mit sich selbst zu kämpfen hat. Vom normalen Alltag einer normalen Metropole ist New Orleans noch ein Stück entfernt. Dennoch sollen die deutlichen Worte eines illustrieren: Wenn die Basketball-Fans nicht aus dem Quark kommen, ist es bald Sense mit NBA-Basketball am Mississippi.

Hintergrund: Hornets-Besitzer George Shinn könnte mit seiner Franchise im Gepäck in eine andere Großstadt ziehen, sollte der Zuschauerschnitt vom 1. Dezember 2007 bis zum Ende der kommenden Saison unter 14.735 liegen.

Umso wichtiger war daher das All-Star-Wochenende. Genau zum rechten Zeitpunkt, als die USA nach New Orleans blickte, bekannte sich die Stadt zum Basketball und zu den Hornets, die für 36 Siege und Platz eins im Westen endlich mehr Zuspruch verdient hätten.

"Nachdem ich mir über das Wochenende selbst ein Bild gemacht habe, bin ich sehr viel optimistischer, dass die Zukunft der Hornets in New Orleans liegt", sagte etwa NBA-Commissioner David Stern. "Egal, ob Geschäftsleute, Fans oder die Vertreter der Stadt: Die Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, wollen an einem Strang ziehen und beweisen, dass New Orleans doch eine Basketball-Stadt ist."

Posted by Haruka Gruber - February 19, 2008 2:00 p.m.

Gänsehautreibend gut!

Das war er also, der Tag der Giganten. Fünf Spiele, fast zwölf Stunden Sendezeit, NBA nonstop. Wäre da nur nicht die verfluchte Zeitverschiebung. Ein Selbsterfahrungstrip zwischen Dschungelwahnsinn und Fressorgien.

19:17 Uhr: Los geht's mit Washington gegen Dallas. Mein Status: topfit

19:31 Uhr: Will zwar keine Osteuropa-Klischees bedienen, aber Washingtons Oleksiy Pecherov sieht mit seiner Frisur echt aus wie Ivica Olic vom HSV…

19:45 Uhr: Fein, was Wizards-Youngster Nick Young abliefert. Dreipunktwurf plus Foul, davor einen Fastbreak per Dunk abgeschlossen. Und lässig scheint er auch zu sein, wie seine Vlogs mit Rookie-Kumpel Dominic McGuire beweisen.

19:58 Uhr: Dallas nicht überragend, liefert das Minimum, um die Wizards nicht ziehen zu lassen. Halbzeitstand: 41:46.

20:32 Uhr: Erste Ermüdungsanzeichen bei mir. Die Mavs bis auf J-Ho bieder, bleiben immer so zwischen zwei und fünf Punkten an Washington dran.

20:33 Uhr: Deswegen kurz mal zappen. Auf SAT 1 läuft "Das Schwiegermonster" mit J.Lo. Schon mal gesehen, lohnt sich nicht, zurück zu den Mavs, 58:62.

20:49 Uhr: Was ist denn jetzt los? Washington dreht auf, selbst Olic-Pecherov trifft per Jumper ins Gesicht von Dirk. 77:62 für die Wizards.

21:09 Uhr: Das war's. DeShawn Stevenson netzt zwei Wahnsinns-Dreier ein. 95:81, nur noch zweieinhalb Minuten auf der Uhr.

21:15 Uhr: Schwache Mavs (84:102), durchwachsener Dirk (21 Punkte), starker Howard (32): Gigantisch war das wahrlich nicht, aber jetzt kommen ja MJ, Beam me up und der Sir.

21:46 Uhr: 1993, NBA-Finale, Spiel 6, Phoenix gegen Chicago. Gleich von Minute eins eine Intensität, Ex-DSDS-Strahlehamster Alexander Klaws erfand genau für solche Momente das Wort "gänsehautreibend".

22:06 Uhr: Wer sind schon Knut und Flocke? Chicagos Spielmacher B.J. Armstrong war damals 25, ausgesehen hat er wie 12. Einfach nur zum Knuddeln!

22:11 Uhr: Und noch ein lange Verschollener: Oliver "All you can eat" Miller. Selbst neben Barkley sah er schon damals recht vollschlank aus.

22:35 Uhr: Wirklich schlau werde ich nicht von Suns-Coach Paul Westphal. War er der Architekt des Finaleinzugs? Oder hatte er nur das Glück, zur rechten Zeit am rechten Fleck zu sein? Denn nach seiner Station in Phoenix wurde er als Headcoach nirgends mehr richtig froh, mittlerweile ist er Co-Trainer bei den Mavs.

22:44 Uhr: Zur Zerstreuung mal umschalten. Die "Lost"-Folge kenne ich schon, auf Kabel läuft eine Wiederholung von "Friends", in der Ross auf Joeys Gemächthöhe von einer Feuerleiter herunterbaumelt. Klassiker!

22:52 Uhr: Was ist das denn? Ein gewisser Achim Petry und seine Single "Dschungelwahnsinn" werden zur besten Sendezeit von RTL promotet. Ist wahrscheinlich der Song zur Show… Schnell zurück zu Premiere.

23:15 Uhr: Es geht ins Eingemachte. Phoenix mit wichtigen Punkten, Barkley per Trashtalk direkt in Pippens linke Hörmuschel.

23:24 Uhr: Aber was bringt die Schwafelei, wenn am Ende doch Chicago gewinnt? 99:98, Jordans Layup, Paxsons Dreier, Chicagos Three-peat, das alles ist bekannt. Aber an Horace Grants Block gegen Kevin Johnson mit dem Buzzer erinnert sich keiner mehr. Tja, History is a bitch…

23:35 Uhr: Und schon geht's weiter: Memphis empfängt Chicago. Etliche leere Zuschauerplätze, bei der miesen Saison beider Teams auch kein Wunder.

23:52 Uhr: Wie erwartet dümpelt die Partie vor sich hin. Die Grizzlies haben alles im Griff. Bevor ich wegratze, geht’s zu Stefan Raabs Bundesvision Song Contest. "Das Bo" tritt mit neuer Matte (Marke Milli Vanilli meets Josh Childress) und einem Cover von Münchener Freiheit an. Statt "Ohne dich" heißt der Track "Ohne Bo". Ohne Worte…

0:25 Uhr: Hab Hunger, mache mir eine Pizza warm, auch wenn's schon nach Mitternacht ist. Danke, Oliver Miller, dass ich wegen dir die ganze Zeit an Essen denken musste!

0:57 Uhr: Wie schlecht ist eigentlich Ben Wallace? Schwerfälliger als Otti Fischer beim Kugelstoßen dreht er sich um Milicic. Airball.

2:19 Uhr: Ich geb's zu. Von Big Bens Trägheit hypnotisiert, bin ich eingeschlafen. Miami vs. Cleveland läuft schon, Cavs führen 14:7.

2:22 Uhr: Kurz das Internet angeworfen, Chicago hat also 90:104 verloren. Wenigstens nichts verpasst.

2:24 Uhr: Mal rüberlunzen zur Wiederholung vom Dschungelcamp, wo ein gewisser DJ Tomekk herumfläucht. Hat er nicht mal eine Single mit Shaq aufgenommen?

2:35 Uhr: Apropos Shaqster. Ähnlich wie Tomekk ausrangiert und über dem Zenit. Die Zeiten von "Heizung bitte!" sind eben lange vergangen. Immerhin trifft er zwei von drei Freiwürfen.

4:22 Uhr: Einige Kurzschlafphasen später sind nur noch vier Minuten zu spielen, Cleveland führt dank LeBron mit 86:79. Da brennt nichts mehr an - und ich kapituliere. Ab ins Bett!

8:11 Uhr: Soso, die Heat haben mit dem 90:97 also die 14. Niederlage in Folge kassiert. Und die Lakers gewannen zum Abschluss von Tag der Giganten 116:99 gegen Denver. Alles verschlafen, aber nächstes Jahr halte ich bestimmt durch. BESTIMMT!

Posted by Haruka Gruber - January 22, 2008 4:30 p.m.

Die kleinen Dinge?

Das Urteil war eindeutig wie niederschmetternd. Wegen der "gewaltigen Großspurigkeit und anwidernden Spiritualität“ in seinen Texten wurde Sting von der US-Musikzeitschrift "Blender" zum "schlechtesten Songtexter aller Zeiten" gekürt.

Der Preis für die "schlechteste literarische Sexszene" wiederum ging dieses Jahr posthum an Norman Mailer wegen einer anrüchigen Episode aus dem Buch "Das Schloss im Wald". Die "Literary Review" will die zweifelhafte Auszeichnung als eine Art Abschreckung für die Autorengilde wissen, ein gewisses Niveau nicht zu unterschreiten.

Ein hehres Ziel, das sich auch andere verschrieben haben. Die Filmbrache verteilt die "Goldene Himbeere", die Serie A den "Goldenen Mistkübel“, selbst der "mieseste Standort der Welt" mit Simbabwe (u. a. 1280 Prozent Inflation, 80 Prozent Arbeitslosigkeit) und der "mieseste Tag im Jahr" (23. Januar) sind bekannt.

Höchste Zeit also, dass die NBA nachzieht. Immerhin tummeln sich in der Liga genug Basketball-Stümper und Korb-Analphabeten, die trotz ihrer Beschränktheit Millionen einstreichen und daher einen Denkzettel verdienen.

Wobei: So wirklich spannend wäre die Preisverleihung nicht, denn das Votum wäre eindeutig. Eric Snow könnte mit einer Nominierung rechnen, neben ihm am Galatisch würden Eddy Curry, Kevin Ollie und Rasho Nesterovic Platz nehmen. Aber der Sieger kann nur einen Namen haben: Jason Collins.

Welcher Center steht in der Ersten Fünf und erzielt kümmerliche 1,2 Punkte im Schnitt? Welcher 2,13-Meter-Hüne schafft in 20 Minuten ganze 2,5 Rebounds und 0,18 Blocks? Und wer ziert in John Hollingers Player Rating den ersten Platz von unten?

Genau: Jason Collins, 29 Jahre alt, Starting-Center der New Jersey Nets, 6,2 Millionen Dollar Jahresgehalt. "Seit ich bei den Nets bin, ist der Klub sehr erfolgreich. Ich mache die kleinen Dinge, um dem Team zu helfen, auch wenn es die Öffentlichkeit nicht immer wertschätzt", sagt er.

Collins wähnt sich demnach im Kreis der Bruce Bowens und Shane Battiers. Selbstlos verzichtet er auf eine vorzeigbare Statsline, liefert Intangibles, zieht Offensivfouls und hilft in der Defense aus - will er uns zumindest glauben machen.

Wäre da nur nicht das klitzekleine Problem: Collins ist nicht Bowen oder Battier. Zugegeben, er verteidigte früher Shaquille O'Neal ganz ordentlich und Henry Abbott will gehört haben, dass Collins extrem fies ist und die Gegner von ihm eingeschüchtert sind. Aber reicht es aus, um 6,2 Millionen zu rechtfertigen? Reicht es aus, um einen NBA-Starting-Spot zu blockieren?

Nein, nein, und nochmals nein. Collins ist nicht Bowen oder Battier. Collins ist Sting. Collins ist eine überflüssige Sexszene. Collins ist Simbabwe. Collins ist der 23. Januar. Collins ist der schlechteste Spieler der NBA.

Posted by Haruka Gruber - December 13, 2007 2:00 p.m.


Das BoBo-Duncan-Absurdum

Da verloren sogar die sonst so ruhigen Schweizer die Contenance. "Es ist inakzeptabel, dass so etwas überhaupt passieren kann", erzürnte sich Peter Baumann, Vizepräsident des Eurovision Club Switzerland. Der Zürcher Nationalrat Toni Bortoluzzi grantelte: "Ich würde grundsätzlich verzichten, bei so einem Unsinn überhaupt teilzunehmen. Es bringt überhaupt nichts!"

Der Grundgedanke hinter dem Eurovision Song Context ist ein idealistischer. Jedes Land schickt einen Vertreter, diese musizieren, die Zuschauer stimmen per Telefon ab – und wer schlussendlich die meisten Anrufe erhält, gewinnt. Basisdemokratie in der simpelsten Form.

Und im Mai diesen Jahres war des Volkes Wille eindeutig: Osteuropa rocks! Während die Schweiz mit DJ BoBo zur Verärgerung der Herrn Baumann und Bortoluzzi bereits im Halbfinale ausschied, Deutschland nur 19. und Finnland als beste westeuropäische Nation 17. wurde, schanzten sich die Russen, Ukrainer, Moldawier, Armenier oder die siegreichen Serben fröhlich die Stimmen zu. Demokratie at his best…

Seit wenigen Tagen kommt es auch in der NBA auf des Volkes Meinung an. Die Liga sucht ihre All-Stars, daher sind die Basketball-Fans aufgerufen, per Internet ihre Favoriten zu küren. Klingt verständlich, einfach, transparent.

Nur: Womöglich droht auch hier das tatsächliche Abstimmverhalten die gut gemeinte Grundidee ad absurdum zu führen. Stichwörter: 1,3 Milliarden Chinesen, Yao Ming, Yi Jianlian, 250 Millionen TV-Zuschauer bei Rocktes vs. Bucks.

Was das für das All-Star Game bedeutet? Sollte nur ein Bruchteil der chinesischen NBA-Fans für Yao abstimmen, wird er so wie die Jahre zuvor in der West-Starting-Five stehen – auch wenn dadurch Tim Duncan, unverständlicherweise ebenfalls als Center nominiert, auf die Bank verdrängt wird.

Richtig bizarr könnte es jedoch bei Yi werden. In weiser Voraussicht wurde der Rookie nicht auf die Liste der 120 vorausgewählten All-Star-Kandidaten aufgenommen, weil „er sonst garantiert für das Ost-Team starten würde“, wie die chinesische Sportzeitung „Titan Sports Weekly“ schreibt.

Der Haken an der Sache: Per Dropdown-Menü ist es dem Fan sehr wohl möglich, jeden nicht vorausgewählten Spieler (damit auch Yi) zu wählen. Und sollte der Buck genug Stimmen erhalten, müssten entweder LeBron James oder Kevin Garnett Platz für den talentierten, aber doch mehrere Klassen schlechteren Yi machen. Demokratie at his best…

Wie soll es weitergehen? Yao ist vom sportlichen Aspekt her ja okay, aber wenn „Yi als All-Star nur zwei Punkte macht, wird er die Bedeutung des All-Star-Games in Frage stellen“, meint selbst „Titan Sports Weekly“. Zumal ein Ende der Fahnenstange nicht in Sicht ist. Was passiert denn, wenn Sun Yue kommende Saison als 14. der Rotation zum Kader der Lakers stößt? Oder Wang Zhizhi und Mengke Bateer einen neuerlichen Versuch in der NBA wagen? Werden dann fünf der zehn All-Star-Starter Chinesen sein?

„So kann es nicht weitergehen“, sagt etwa Peter Urban – seines Zeichens seit vielen Jahren die deutsche Stimme vom Song Contest. „Es muss sich etwas ändern. Ich weiß nur nicht, wie.“

Update: Offenbar sind die verehrten Experten, die die All-Star-Kandidaten-Liste zusammenschustern, eifrige NBA.com-Blog-Leser.

Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass nur wenige Stunden nach dem letzten Post die NBA sich dazu entschlossen hat, Tim Duncan doch als Forward und nicht als Center aufzuführen? Eben.

"Das ist eine großartige Nachricht", sagte Duncan. "Es ist mir eine Ehre, dass ich wieder eine Chance bekommen habe, im All-Star Game vielleicht doch starten zu können".

Bitte Tim, gern geschehen.

Posted by Haruka Gruber - November 26, 2007 1:30 p.m.

Beschäftigungstherapie für Kinder

Ich mach’s kurz: Ich freu mich auf die NBA-Saison. Warum? Hier fünf Gründe:

1. Dallas wird Meister!

Von wegen, die Mavs könnten nicht den Titel holen, weil Dirk, der lange Blonde und die Nummer 41 keine Leader seien. Pappalapapp, in den letzten beiden Jahren war die Zeit einfach nicht reif dafür.

MJ und Pippen wurden erstmals Meister, nachdem sie vier Jahre zusammengespielt haben.
Shaq und Kobe wurden erstmals Meister, nachdem sie vier Jahre zusammengespielt haben.

Und wie lange spielen Nowitzki, Howard, Terry und Stackhouse zusammen? Genau, vier Jahre! Juchuu!

Aber Moment: Gehen Steve Nash, Shawn Marion und Amare Stoudemire nicht auch in ihre vierte gemeinsame Spielzeit???… Hmmmm…Themenwechsel….

2. Kein Unfug mehr!

Jason Kidd aka Grabbelfinger, James „DUI“ Posey oder Justin Williams’ folgenschweres menage a trois mit Ehefrau und vermeintlicher Gespielin: Die ständigen Sex-and-Crime-Stories im Sommer gingen gar nicht.

Die Saison muss alleine deshalb starten, damit die verehrten Herrschaften nicht mehr ganz so viel Zeit für solchen Unfug haben. Beschäftigungstherapie für Kinder halt.

3. Zurück in die Gruft!

Wenn wir schon beim Sommerloch sind: Endlich hören die Berichte über irgendwelche Comebacks von irgendwelchen Vorruheständlern auf. Allan Houston wäre in der Rotation vermutlich hinter Spike Lee gefallen, Tony Massenburg hat sonst kein Hobby und Charles Oakley braucht die Kohle. Aber was sollen die denn in der NBA?

Übrigens treibt als letzter Basketball-Schein-Toter Stacey Augmon sein Unwesen bei den Nuggets – aber auch nur, weil Denvers Kader noch immer auf 20 Mann aufgebläht ist. Daher: Mr. Karl, bitte lassen sie Plastic Man durch den Rost fallen, dann haben die ausgelutschten Methusalem-Artikel mit eingebautem Gähn-Faktor vielleicht ein Ende.

4. Lang lebe Frottee!

Nach einer Saison fast komplett ohne sein Frottee um den Haarsansatz darf Ben Wallace wieder sein Stirnband aufziehen. Klingt trivial? Ist es auch. Aber dank Bulls-Coach Scott Skiles bleibt uns dieses Jahr Big Bens Rumgeheule wegen seiner fehlenden Stirnbereifung erspart.

5. Ohhh, sind die Falken süß!

Die Hawks sind witzig – oder doch eher ein Witz? Na ja, einigen wir uns darauf: Atlanta amüsiert. Wer spielt sonst schon mit acht Small Forwards in der Ersten Fünf? Und wer träumt von den Playoffs, obwohl es in den letzten vier Jahren 231 Pleiten setzte? Genau, die Hawks.

Im Training etwa versammeln sich die Spieler regelmäßig zum Huddle und feuern sich mit dem Ausruf „One, two, three - playoffs!" an. Wie süß.

Posted by Haruka Gruber - October 23 2007 10:05 a.m.

Helena und die blonde Uschi

In jedem Satz schwingt diese Sehnsucht mit. Die Sehnsucht nach etwas Zuneigung. Nach einem Lächeln. Zumindest nach einem freundlichen Wort von dieser einen chinesischen Schönheit.

Aber keine Chance. Was immer Larry Harris auch versucht, bei dieser Schönheit namens Yi Jianlian beißt der General Manager der Milwaukee Bucks auf Granit.

Dabei fing es so hoffnungsvoll für Harris an. In irgendeiner muffigen Basketball-Halle in Dongguan, Peking oder Ningbo sah er Yi erstmals - und verliebte sich auf den ersten Sprungwurf. Immerhin geizt Yi nicht mit Reizen. 2,11-Meter groß, flink auf den Beinen und ein Jumper, süßer als gebackene Banane mit Honig.

Harris war also heiß. Heiß auf die exotische Pracht, für die es sich lohnen würde, den sechsten Pick im Draft zu nutzen. "Jeder junge Spieler will gleich von Beginn viel spielen, bei uns kriegt Yi die Gelegenheit dazu“, zeigte sich Harris sicher, dass die Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht.

Eine fatale Fehleinschätzung. Dabei gab sich Yi doch schon im Vorfeld alle Mühe, Harris zu signalisieren, dass kein Interesse besteht. Einladungen zu Draft-Tryouts ließ die Lieblichkeit sausen, zumal in Wisconsin zu wenige Landsleute leben würden und es zu kalt sei. Motto: Milwaukee? Yi-gitt!

Aber Harris sah nur die An-, nicht die Unmut Yis. Wie ein Seefahrer vom Sirenengesang der Sinne beraubt, draftete er das 19-jährige Juwel - und steht jetzt vor einem Problem. Yi will noch immer nicht zu den Bucks.

Auch nicht, obwohl Klubbesitzer Herb Kohl höchstpersönlich nach Milwaukee zu einer Sightseeing-Tour einlud, Trainer Larry Krystowiak bei der Lobhudelei kaum zum Atmen kommt (“Yis Schnelligkeit, Fußarbeit und die Handkoordination sind klasse“) und die chinesische Bevölkerung in Milwaukee extra eine Willkommens-Website (www.yifansclub.com) einrichtete. Die aktuellste Bittschrift eines Users: „Bitte komm zu uns. Wir brauchen dich. Wir lieben dich.“

Es bleibt dabei: Die Bucks sind - allen Körben zum Trotz - spitz auf Yi. Aber warum eigentlich?

Klar soll Yi hochtalentiert sein, aber die Stats aus der Summer League rechtfertigten nicht wirklich das Gebalze. Vier Pleiten, 12,4 Punkte im Schnitt bei einer Wurfquote von unterirdischen 25,5 Prozent: Die Zahlen nach fünf Spielen mit der chinesischen Nationalmannschaft sind alles andere als sexy.

Ganz im Gegenteil. Ist Yi vielleicht doch nur ein überbewerteter Big Man? Nur die blonde Uschi aus der Dorfdisko statt die schöne Helena aus der griechischen Mythologie? Die nächste Saison wird es zeigen. Egal ob in Milwaukee oder sonst wo.

Posted by Haruka Gruber - July 17 2007 9:30 a.m.

LeBron und die Milliardäre

Ob LeBron James "Führ mich zum Schotter!" gerufen hat, ist nicht bekannt. Aber zumindest sinngemäß lief es wohl so ab, als sich der Cavaliers-Star vor dem Saisonstart mit Warren Buffett zum Abendessen traf.

Denn James hat hochtrabende Ziele. Nicht nur, dass er die am Donnerstag beginnenden NBA-Finals gewinnen will. Nein, der 22-Jährige möchte in Zukunft auch zum "reichsten Menschen der Welt" aufsteigen, wie er selbst sagt.

Und dafür braucht er Tipps. Tipps von Buffett, der über das Geldscheffeln vermutlich mehr weiß als Radsportler über EPO. Mit einem geschätzten Vermögen von 52 Milliarden Dollar ist er hinter Bill Gates der reichste Mensch der Welt.

"Warren hat mir den Ratschlag gegeben, immer dem Bauchgefühl zu vertrauen. Das hätte bei ihm auch immer funktioniert", sagt James. Mittlerweile hat sich zwischen den beiden eine Freundschaft entwickelt, so besuchte beispielsweise Buffett Ende März ein Heimspiel der Cavs.

"Bron ist ein toller Bursche", sagt der 76-jährige Investment-Unternehmer. "Ich glaube, er wird irgendwann mal alles aufkaufen." Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg.

Der 60-Millionen-Dollar-Vertrag mit Cleveland und die 150 Millionen, die James von Nike, Sprite und MSN bekommt, sind in Buffetts Sphären nur gesalzene Erdnüsse.

Aber der royale Lehrling will aufholen - und verbringt seine knapp bemessene Freizeit während der Saison offenbar mit Verhandlungen.

So kaufte James in den letzten Monaten einen Radhersteller auf, übernahm Immobilien und schloss einen Sponsorendeal mit einer Rasenmäherfirma ab. Und weil jeder gute Manager weiß, dass Publicity alles ist, trat er in der Promi-Version von "American Idol" auf und moderiert im Juli zusammen mit Jimmy Kimmel die "ESPY Awards".

Dass er nebenbei noch Mandarin lernt, um im Boom-Markt China besser vermarktet zu werden, ist nur noch eine Randnotiz wert.

Man könnte also fast den Eindruck gewinnen, als ob James nur noch als Nebenjob auf dem Parkett steht. Aber nichts da: Trotz der mannigfaltigen kommerziellen Verpflichtungen kann sich der Jungunternehmer im richtigen Moment auf Basketball fokussieren. Das erfuhren zuletzt die Pistons - und vielleicht in Kürze auch die Spurs.

"Ich glaube an den Titel", sagt James, und ergänzt: "Ich möchte irgendwann in einem Atemzug mit Michael Jordan, Magic Johnson oder Oscar Robertson genannt werden." Die Namen Gates und Buffett fielen nicht - noch nicht.

Posted by Haruka Gruber - June 6 2007 11:50 a.m.

Nicht bereit für Competition

Eine Portion Hysterie, Hektik und als Höhepunkt die tröstende Schulter von Bruce Darnell: Was war das für ein Drama, als Denise in einer der ersten Folgen von "Germany's Next Topmodel" ihr Köfferchen verlor. "Ich kann ohne meine Tasche kein’ Competition machen", erklärte sie panisch den Zuschauern.

Nicht bereit für Competition? Es könnte auch die exakte Nacherzählung von Dirk Nowitzkis letzten zwei Wochen sein. In der ersten Playoff-Runde gegen die Golden State Warriors fühlte er sich wie Denise der Herausforderung nicht gewachsen - und präsentierte sich dementsprechend.

Als ob der Maverick vom Dan-Marino-Kevin-Garnett-Alex-Rodriguez-Virus befallen worden wäre, war er fünfdreiviertel Spiele völlig neben der Spur. Und das in den bislang wichtigsten Partien seiner Karriere.

Der Tiefpunkt: 8 Punkte, 0 von 6 von Downtown sowie 2 von 13 aus dem Feld in Spiel 6. Man konnte fast meinen, Peter Fehse hätte sein Nowitzki-Kostüm ausgepackt und sich auf das Parkett geschummelt.

"Ich habe keine Ahnung", so Dirks wenig erhellende Erklärung für seinen Einbruch. Was bleibt, ist ein langer Sommer voller Selbstzweifel und Grübeleien.

Einen Monat lang will Dirk in Ruhe gelassen werden, um den Kopf irgendwie freizukriegen. „Er nimmt sich solche Niederlagen sehr zu Herzen und wird damit zu kämpfen haben“, weiß Bundestrainer und Nowitzki-Intimus Dirk Bauermann.

Aber der lange Blonde sollte es mit der Selbstgeißelung nicht übertreiben. Natürlich muss der vermeintliche MVP als Topscorer sowie –rebounder seines Teams die Hauptlast tragen - aber gegen Golden State versagte nicht nur er, sondern die gesamte Mannschaft.

Coach Avery Johnson etwa, vor der Postseason noch als Motivationsguru gerühmt, lieferte gegen Golden State einen klassischen Jürgen Höller: Statt „Tschakka“ eine (sportliche) Bankrott-Erklärung.

Nicht viel besser erging es Jason Terry. Defensiv ein Witz, im Angriff als Spielmacher wie auch als Scorer überfordert. Und wie schlug sich die ach so tiefe Bank? Genauso wie Erick Dampier: Unter ferner liefen. Abgesehen von Jerry Stackhouse waren die Greg Buckners dieser Welt kein Faktor - nicht mal in der Verteidigung.

Wie geht es also weiter bei den Mavs? Ein Nowitzki in der Sinnkrise. Ein Headcoach, dessen Souveränität urplötzlich verloren ging. Ein Kader, der einer Blutauffrischung bedarf. Eines ist klar: Die sportliche Führung hat einige einschneidende Entscheidungen zu treffen - und mit dem Auffinden einer Tasche wird es anders als bei Denise leider nicht getan sein.

Posted by Haruka Gruber - May 8 2007 9:20 a.m.

Kirilenko entmannt

Leah Remini mit Angela Häßler oder Clarissa von Anstetten zu vergleichen, ist etwas zu viel des Guten. Aber nichtsdestotrotz drängt es sich manchmal auf. Etwa, wenn Remini in ihrer Rolle als Carrie Heffernan in "King of Queens" ihrem Gatten Doug die Hölle heiß macht.

Ihre Lieblingswaffe dabei: Den Ehemann rücksichtslos vor dessen Kumpels als Pantoffelhelden bloßzustellen. "Doug, schick deine Freunde nach Hause!" oder "Doug, du bist auf Diät, du darfst keine Pizza mehr essen!"

Ob Masha Kirilenko hier Anschauungsunterricht genommen hat? Denn die Ehefrau von Jazz-Small-Forward Andrei Kirilenko ist äußerst erfolgreich darin, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als ob sie in der Beziehung die Hosen anhat.

Ein Beispiel: Wer auf Andreis offizielle Website geht, vermisst aktuelle News über den Russen. Ist er verletzt? Welche Stats hat er? Wie spielt sein Team? Dafür sieht man auf der Homepage als allererstes, dass seine Gattin, ein Ex-Popstar in Russland, eine neue Boutique eröffnet hat und zudem eine CD von 2002 promotet.

Pantoffelheld Kirilenko? Es kommt noch viel schlimmer. In alter Mama-geht-in-die-Schule-um-den-gehänselten-Sohn-zu-verteidigen-Manier wandte sich Masha zuletzt an die Medien und bat die Journalistenschar per Mail darum, Verständnis für Andreis miese Saison aufzubringen.

Er fühle sich missverstanden, da er wegen seines schlechten Englischs keinen Draht zu seinem Trainer Jerry Sloan finden würde. "Es ist frustrierend. Offensichtlich haben der Coach und Andrei ein Verständigungsproblem", sagte Masha. Ihr Rat: "Andrei muss ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werden."

Vermutlich war das lieb gemeint, was Masha da von sich gab, aber Mann zuckt bei solchen Worten zusammen. Denn statt Andrei die Möglichkeit zu geben, für sich selbst einzustehen und zu beweisen, dass er kein Schlappschwanz ist, wurde er von seiner Frau öffentlich quasi entmannt und kastriert. Und das in der Machowelt NBA.

Andererseits: Im Vergleich zu Doug geht es Andrei richtig gut. So erzählte Masha letztes Jahr, dass sie ihrem Mann pro anno einen Seitensprung verzeihen würde. Ihre Erklärung: "Das ist wie mit Kindern und Pizzaessen. Wenn es verboten ist, will man es erst recht."

Fremdgehen plus Pizzaessen satt - und das mit Einwilligung der Ehefrau? Davon kann Doug wahrlich nur träumen.

Posted by Haruka Gruber - May 1 2007 13:20 p.m.

Die Grenzen der konfuzianischen Einsicht

Kurz vor dem Ende der Regular Season ist es Zeit, Abbitte zu leisten. Für meinen ersten Blog-Eintrag, in dem ich über die Knicks im Allgemeinen und Renaldo Balkman im Speziellen gelästert habe. Für das Unverständnis, das ich bei meinem Sport1-Kollegen und Knicks-Addict Alex hinterließ.

Konfuzius sprach einmal: „Wer einen Fehler begangen hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen weiteren Fehler.“ Auch wenn ich sonst mit fernöstlicher Philosophie soviel am Hut habe wie der 1. FC Köln mit dem Aufstieg, möchte ich mich an Konfuzius halten und meinen Fehler korrigieren: Ich revidiere meine Meinung zu Rolando Blackman, äh Renaldo Balkman.

Offensichtlich ist Alex’ Favorite nicht so schlecht, wie sein Wurf, seine College-Stats und seine Frisur vermuten ließen. Der 22-Jährige ist sogar ziemlich gut. 17 Punkte und 16 Rebounds gegen die 76ers oder 15/12 gegen die Raptors passen ganz und gar nicht zur Pre-Draft-Einschätzung vom Scouting-Experten Chad Ford, dass der Nummer-20-Pick nur ein „Darius Miles für Arme“ sei.

„Ich will einfach hart spielen“, so Balkmans simples Erfolgsrezept, „und das Team dazu bringen, bis zum Schluss zu kämpfen.“ Und die Knicks haben es in einigen Phasen der Saison tatsächlich verstanden, zu kämpfen. Neben Balkman das Zonen-Weißbrot David Lee etwa. Oder der scheinbar geläuterte Stephon Marbury.

„Ich sehe einen immensen Fortschritt und sage dem Team eine große Zukunft voraus“, sagte vor einem Monat Franchise-Besitzer James Dolan und verlängerte den Vertrag von Coach Isiah Thomas. Immerhin klingelten die Knicks damals in „Erste-Allgemeine-Verunsicherung“-Manier beharrlich an der Playoff-Pforte.

Vier Wochen später stellt sich aber die Frage: Warum sprach Dolan bereits vor dem Ende der Spielzeit Zeke das Vertrauen aus? Denn die vorzeitige Ausweitung des Trainer-Kontrakts hatte dramatische Konsequenzen. Ohne den Druck, für die Zukunft ihres Coaches spielen zu müssen, sind die Knicks nämlich nicht in der Lage, ordentlichen Basketball zu spielen und verloren zwölf der letzten 15 Spiele.

Logische Konsequenz: Die Postseason findet erneut ohne das teuerste und gleichzeitig wohl am miesesten gemanagte Team der Liga statt. Nicht weiter verwunderlich also, dass mich vorerst kein konfuzianisches Sprichwort dazu bringt - anders als bei Balkman - , meine Meinung zu den Knicks zu ändern. Und das versteht sogar Alex.

Posted by Haruka Gruber - Apr. 12 2007 16:00 p.m.

Der Reiz von frittierten Hühnchen und Makkaroni

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen. Ron Artest und eine funktionierende Ehe, Kai Ebel und guter Geschmack oder Bruce Darnell und die deutsche Sprache.

Und bis zuletzt dachte man auch, Shaquille O'Neal und eine Diät wären so gegensätzlich wie RTL 2 und gute Unterhaltung. Vor jedem Saisonstart hofften und bangten bislang O'Neals Trainer, dass "Big Daddy" über den Sommer nicht zu häufig am All-you-can-eat-Büffet Schlange stand und Rainer Calmund nacheiferte. Bezeichnend: 2004 fand es der damalige Heat-Coach Stan van Gundy geradezu "fantastisch", dass O'Neal mit "nur" zehn statt 20 Kilogramm über dem Idealgewicht das Trainingscamp aufnahm.

Um so überraschender kam Anfang des Monats die Nachricht, dass der Diesel die Speerspitze einer Marketing-Offensive ist, um die vor allem in den USA unter Kindern grassierende Fettleibigkeit zu bekämpfen. So ist er unter anderem der Star einer noch titellosen neuen TV-Reality-Sendung auf ABC, in der er zu einer Highschool fährt, um dort übergewichtigen Kindern Tipps zum Abnehmen zu geben.

Zudem will sich der 35-Jährige im "Super-Size-Me"-Stil bei Politikern für eine bessere Ernährung in Schulen einsetzen. "Ich habe einen Gameplan, um mitzuhelfen, die Fettleibigkeit unter Kindern zu besiegen", kündigte die basketballerische Version von Diätbuch-Bestseller-Autorin Susanne Fröhlich an.

Die Frage aber bleibt: Wie glaubwürdig ist O'Neal? Nur ein Beispiel: Laut der WHO ist der 147,4-Kilogramm-2,16-Meter-Koloss mit einem Body-Mass-Index von deutlich über 30 wegen Fettleibigkeit behandlungsbedürftig. Shaq als Ernährungs-Vorbild? Dann könnte ja gleich Snoop Dogg als Drogenbeauftragter oder Stefan Effenberg in einer Eheberatungsstelle arbeiten.

"Ich versuche, dem Fastfood fernzubleiben. Aber manchmal muss ich zugreifen", erklärte O'Neal einmal seine Oliver-Millerschen Anwandlungen. "Wenn frittierte Hühnchen oder Makkaroni im Haus sind, verputze ich sie."

Als neue Fitness-Ikone sollte Shaq in den nächsten Wochen aber auf KFC und kalorienreiche Pasta-Gerichte verzichten, will er nicht zum Gespött der Leute werden - so wie Fröhlich letztens bei "Wetten, dass..?".

Nach einer verloren Wette zierte sich die Jojo-Effekt-geplagte und deutlich vollschlanke "Abnehm-Expertin", auf eine Waage zu treten. "Was ich wiege, sage ich nicht. Aber man kann mich nicht an meinem Körpergewicht messen. Mein Hirn bringt dreimal so viel auf die Waage wie andere Hirne", so Fröhlich pseudo-witzig. Mal schauen, ob sich Shaq in den nächsten Monaten in ähnlich schwache Entschuldigungen flüchten muss.

Posted by Haruka Gruber - Mar. 21 2007 08:30 a.m.

Dirks drehende Doktoren

Ein unrealistisches Szenario? Mit Popcorn und Brausegetränken ausgestattet treffen sich Mark Cuban und Donnie Nelson im Media-Room der Mavericks und machen es sich bequem. Es ist DVD-Abend angesagt. Statt Scouting-Videos hat sich das Duo die Sitcom "Chaos City" besorgt - rein beruflich, wohlgemerkt.

Der Grund: Die beiden haben Nachhilfe nötig. Der auserkorene Lehrmeister: Michael J. Fox alias Mike Flaherty, seines Zeichens Spin Doctor von New Yorks Bürgermeister Randall Winston. Was ein "drehender Doktor" macht? Als PR-Fachmann versucht er, mit allen Tricks der Medienbranche die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu lenken.

Und genau da haben die Mavs Luft nach oben. Denn ihr liebstes Kind, Dirk Nowitzki, soll endlich seinen ersten MVP-Titel gewinnen. Nowitzki, der in den USA noch immer als etwas blass gilt. Nowitzki, der auch unter Experten noch nicht über alle Zweifel erhaben ist.

Daher startete Dallas Ende Februar die "Dirk-for-MVP"-Kampagne. Inklusive einer Website und einer Promotion-Aktion, bei der 20.000 Fans ein T-Shirt mit der Aufschrift "MVP 41" erhielten.

Ob die Bemühungen der Mavs aber ausreichen? Zum All-Star Game hin zeigten beispielsweise die Denver Nuggets, welche Geschütze man auffahren kann. Unter anderem verschickten sie an alle Trainer aus dem Westen aufwendig gestaltete Spielkarten in Las-Vegas-Optik. Auf diesen waren die Stats von Carmelo Anthony, Allen Iverson und Marcus Camby aufgedruckt, um die Nominierung der drei als All-Star-Reservisten schmackhaft zu machen.

Zusätzlich rief Coach George Karl jeden Trainer noch einmal persönlich an. Ähnlich gingen die Knicks für Eddy Curry und der Berater von Warriors' Baron Davis vor.

Man sieht: Wenn andere schon wegen einer All-Star-Nominierung einen auf Karl Rove machen, warum also nicht auch die Mavs für Dirk? Vermutlich liegt es daran, dass sich Nowitzki selbst dagegen sträubt, sich öffentlich zu sehr anzubiedern - obwohl er in dieser Saison den MVP-Titel so verdient hat wie Martin Scorsese seinen Oscar (trotz des enttäuschenden Endes von "Departed").

Vielleicht hat der 28-Jährige aber auch einfach nur erkannt, dass der "Drückerkolonnen"-Stil der anderen Teams vor dem All-Star Game nicht wirklich aufgegangen ist. So erhielt nur Iverson von den Coaches eine Nominierung. Anthony, Camby, Curry sowie Davis gingen hingegen leer aus - PR-Offensive hin oder her.

Posted by Haruka Gruber - Mar. 9 2007 09:30 a.m.

Fahrenheit D/Mutombo

Was waren das für schöne Bilder: Als Hotte Köhler bei der Handball-WM wahlweise zu Scooter oder de Höhner abhottete und im TV einen auf Bob Hanning machte oder als ein halbes Jahr zuvor Angie Merkel mit dem Kaiser im Motel "Olympiastadion" auf Schmusekurs ging.

Schön ist vielleicht doch nicht das richtige Adjektiv, um solche Bilder zu beschreiben - Begriffe wie eigenartig oder bizarr sind wohl passender.

So ist das halt: Wenn Politiker versuchen, mit Hilfe des Sports auf volksnah zu machen, kann das ganz schnell in die Kategorie "Geht gar nicht" abrutschen. Und wenn es um ähnliche öffentliche Fauxpas geht, ist George Bush nicht weit.

Zuletzt zu erleben bei der Rede zur Lage der Nation Ende Januar. Der US-Präsi lud Rockets-Reboundmaschine Dikembe "Ich sehe noch viel älter aus als 40" Mutombo nach Washington ein, um dessen humanitäre Verdienste zu würdigen. Sportlerehrungen kommen von jeher ja gut an.

"Dikembe Mutombo wuchs in Afrika auf, inmitten von großer Armut und Krankheiten. Durch ein Stipendium kam er in die USA und studierte Medizin an der Georgetown University - wo Coach John Thompson auf ihn aufmerksam wurde und den angehenden Doktor zu einem Basketballer formte", so Bush.

"Jetzt ist er ein NBA-Star und ein Bürger der Vereinigten Staaten. Aber er vergaß nie seine Herkunft und baute in seiner Heimatstadt Kinshasa ein Krankenhaus. Ein Freund von ihm sagte mal: 'Mutombo glaubt, dass er von Gott die Chance bekam, große Dinge zu tun.' Wir sind stolz, ihn einen Amerikaner nennen zu dürfen."

Etwas Herzschmerz und Pathos hier, etwas Patriotismus und Religiosität da. Fertig ist das Sportmelodram.

Die Krux an der Sache: Bushs Helfer haben offenbar nicht gründlich genug recherchiert. So berichtete Karen Travers von ABC, dass Deke in Kinshasa nicht in Armut, sondern in der Mittelschicht aufwuchs und in Georgetown statt Medizin Sprachen studierte. Zudem soll Thompson bereits vor Mutombos Ankunft von dessen basketballerischen Qualitäten gewusst haben, so dass die vom-Aschenputtel-zum-Star-Story eher zur Legendenbildung taugt.

Zumal die Lernmotivation des Centers anscheinend etwas zu Wünschen übrig ließ: Wegen einer nicht bestandenen SAT-Prüfung verzögerte sich sein NCAA-Debüt um ein Jahr - dies wurde jedoch nicht erwähnt.

Nur so am Rande: Weitere Themen auf der Tagesordnung waren unter anderem der Klimawandel und die Gesundheitspolitik. Und wenn bei Mutombo einige Fakten etwas verdreht wurden, will man sich nicht vorstellen, was ansonsten nicht eingehend geprüft wurde in der Rede zur Lage der Nation.

Posted by Haruka Gruber- Feb. 14 2007 9:36 pm

Codename: Holzkohlegrill

In der Serie "24" geht es hoch her. Zwischen Heroin-Sucht, der Sorge um die nervige Elisha Cuthbert und Nahtod-Erfahrungen rettet CTU-Agent Jack Bauer innerhalb von 24 Stunden die Welt vor islamistischen Extremisten oder Möchtegern-Richard-Nixons. Zeit zum Durchschnaufen? Fehlanzeige.

Aber Moment mal: Was ist schon ein Tag im Leben einer fiktiven TV-Figur im Vergleich zu einem Monat im Leben eines realen Agenten, in dem es mindestens genauso abgeht? Um wen es sich handelt? Sein Name ist Arenas, Gilbert Arenas. Auch bekannt als Agent Zero.

Sein Einsatzprotokoll ist beeindruckend. Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar legte der Point Guard der Wizards dreimal mindestens 50 Punkte, zweimal Buzzer-Beater von jenseits der Dreier-Linie sowie einen Beef mit Kobe Bryant auf das Parkett.

"Wenn man on fire ist, ist man on fire", so die philosophisch anmutende Analyse von Arenas, dem Mr. "Hibachi" der NBA. Übrigens: Hibachi ist ein tragbarer Holzkohlegrill. Arenas ist demnach nicht nur als Agent unterwegs, sondern auch als die japanische Version von "on fire" - cooler geht's kaum.

Oder doch? So feierte Arenas am 6. Januar seinen 25. Geburtstag - mit 7500 geladenen Gästen. Moderiert wurde das Ganze von Sean "Diddy" Combs, garniert mit Auftritten von Busta Rhymes und The Game. Und dass Arenas bei der Party offenbar so viel zu tun hatte, dass er nicht mal wusste, ob Halle Berry wirklich da war oder nicht, unterstreicht nur seine Austin-Powers-mäßige Lässigkeit.

Damit Arenas endgültig in die Riege der Top-Agenten aufgenommen wird, muss er sich jedoch noch ein bisschen steigern. Besonders auf fremdem Terrain scheint ihn sein Mojo regelmäßig zu verlassen, beispielsweise sind drei Punkte beim Auswärtsspiel in Memphis oder zehn Zähler in Chicago einfach nur Johnny-English-like.

Ein Top-Agent muss nun mal immer Leistung bringen, egal wo. Oder kann sich jemand vorstellen, dass 007 auf einem weit entfernten Karibik-Atoll oder einem abgelegenen russischen Atomlager von einem Bond-Girl einen Korb kassiert?

Posted by Haruka Gruber- Jan. 24 2007 12:22 pm

Wenn das glatzköpfige Rotkäppchen um Hilfe ruft

Wenn man Großes erreichen will, braucht man einen Mastermind. Einen, der das Ganze im Blick behält. Einen, der dank seiner Weitsicht und Weisheit für die anderen eine Stütze ist. So wie es Hannibal für das A-Team, Giles für Buffy oder KITT für Knight "The Hoff" Rider war.

Und so einen brauchte auch Billy King. Dringend. Seine Philadelphia 76ers sind das schlechteste Team in der wohl miesesten Division aller Zeiten, Philly ist sogar so schlecht, dass Kevin Ollie bereits 23-mal in der Starting Five stand.

King war ratlos, hilflos. Ein dunkelhäutiges und glatzköpfiges Rotkäppchen im erbarmungslosen NBA-Wald. Aber wie im Märchen bekam der General Manager Hilfe, wenn er es am nötigsten hatte: Seit Samstag steht ihm der Jäger zur Seite. Zwar ist er schon etwas älter, hat eine neue Hüfte und ist kurzsichtig, aber das benötigte Basketball-Brain bringt er zweifelsfrei mit: Larry Brown, der neue Vizepräsident der 76ers.

"Ich bin nur da, um zu helfen", so das Credo des 66-Jährigen. Er wolle gar nicht mehr auf die Bank, daher könne Mo Cheeks beruhigt weiterarbeiten. Klingt nicht schlecht: Einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten steht der sportlichen Führung mit Rat und Tat bei und bleibt sonst im Hintergrund.

Aber Moment: Wie schlug sich Mr. Right Way noch mal bei seiner letzten Station? War Brown mit dem teuersten Kader der Liga nicht für die schlechteste Saison der Knicks ever verantwortlich? Verpflichtete er nicht Millionengräber wie Steve Francis und Jalen Rose?

Und so einer soll dann King Ratschläge geben? King, der auch ohne Browns Zutun 60 Millionen für Sam Dalembert ausgibt und Chris „Den Knielosen“ Webber verpflichtete? Das ist, als ob Victoria Beckham jungen Mädels Tipps zur guten Ernährung geben würde.

Andererseits hat Brown seinen Geschäftssinn letztes Jahr doch bewiesen – zumindest, wenn es um ihn selbst ging. Mit dem Gehalt und der Abfindung von den Knicks plus einer Nachzahlung von Detroit kassierte er 35,5 Millionen Dollar. Sogar Josef Ackermann würde hier applaudieren.

Daher ein Vorschlag an die 76ers: Vielleicht sollte man dem Hall-of-Famer eine Gewinnbeteiligung zusichern. Denn wenn der Profit-Instinkt von Brown geweckt ist, kann es eigentlich nur aufwärts gehen.

Posted by Haruka Gruber- Jan. 11 2007 10:22 am

Ein Hofstaat voller Tingeltangel-Bobs

Es gab mal eine Zeit in Europa, da war der König der Alleinherrscher in seinem Staat. Ob nun als Regierungschef, als oberster Richter oder als geistliches Oberhaupt: Le Roi war ein Allrounder, quasi ein Oscar Robertson de luxe.

In Cleveland ist es heutzutage nicht viel anders. Der Auserwählte heißt LeBron James, statt Gesetze zu erlassen oder Verhandlungen zu führen muss er scoren, rebounden und passen. Eines hat er jedoch mit den früheren Königen gemein: LeBron soll seine Untergebenen führen, nur dass statt Kriegen NBA-Meisterschaftsringe gewonnen werden sollen.

Das Problem jedoch: Dem modernen Artus fehlen die Tafelritter. James kümmert sich, wie es einem König gebührt, um fast alles, nur ohne Unterstützung kommt auch der Doogie Howser des Basketballs nicht weit. Nur ein Beispiel: Bei allen Spielern aus der Starting Five außer James ist der diesjährige Punkteschnitt schlechter als der Karriereschnitt – indiskutabel.

Was also machen? Nur weil James einen Tag vor Silvester seinen 22. Geburtstag feierte, kriegt er keinen Co-Star auf dem Geschenk-Tablett präsentiert wie Kollege Anthony zu Weihnachten. Zumindest Anderson Varejao hilft ab und zu mal aus und verschafft James wichtige Ruhepausen. Nicht auf dem Parkett, aber wenigstens in der öffentlichen Wahrnehmung.

So zogen sich zahlreiche Cavs-Fans Mitte Dezember bei einem Heimspiel kollektiv eine Varejao-Perücke auf, um dem Kultspieler von Cleveland zu huldigen. Statt James-Mania war auf einmal der Style von Tingeltangel-Bob angesagt.

Aber irgendwie symptomatisch, dass ausgerechnet ein Versager wie Tingeltangel-Bob in Cleveland allgegenwärtig ist. Zur Erinnerung: Der laufende Wischmob plant unentwegt, Bart zu ermorden, am Ende sind alle Bemühungen aber erfolglos - genauso wie die Versuche von Larry Hughes und Co., James sportlich dauerhaft zu entlasten.

Während Artus den coolen Lancelot (außer er wird gespielt von Richard Gere) an seiner Seite wusste und in Denver seit neustem das antwortende Carmelo-Ungetüm regiert, muss sich LeBron mit litauischen Stallburschen (Big Z) oder offensiv impotenten Greisen (Eric Snow) zufrieden geben.

Aber LeBron sollte sich nicht allzu sehr grämen. Denn Erfolg ist durch einen One-Two-Punch nicht garantiert. Wer weiß schon, ob sich der riskante Iverson-Deal für die Nuggets langfristig auszahlt. Und hat Lancelot nicht Artus seine Königin ausgespannt?

Posted by Haruka Gruber- Jan. 2 2007 10:36 am

Die Radioactive Men aus dem Mormonenstaat

In der NBA wird viel analysiert. Assist-Turnover-Ratios, Relative Power Indexe oder irgendwelche obskuren Rating-Systeme von Stats-Guru John Hollinger: Wenn man in der Basketball-Welt mitsprechen will, kommt man ohne ein abgeschlossenes Mathe-Studium nicht weit.

Seit dieser Saison können sich jedoch auch alle nerdigen Comic-Fans mit Hang zur orangenen Pille zum Hoop-Experten aufschwingen. Dank der Utah Jazz. Freilich legt Carlos Boozer allabendlich Monster-Zahlen hin und Deron Williams weckt bei Stockton-Nostalgikern wehmütige Erinnerungen, aber den fast schon sensationellen Saisonstart der Mormonen kann das gesamte NBA-Faktenwirrwarr nicht wirklich erklären. Was ist das Geheimnis hinter dem Quantensprung der Jazz? Ist Dr. Fuentes an den Salt Lake gezogen? Haben sich Stockalone in eine Zeitkapsel gesetzt und rocken heute als Willzer?

Die Antwort ist viel offensichtlicher - und um darauf zu kommen, braucht man kein Einsteinsches Mathematikverständnis. Vielmehr helfen hier Grundkenntnisse im Bereich Comic-Superhelden und japanischer Trashkultur.

Jeder kennt Spiderman, Daredevil und Godzilla. Paul Parker verwandelte sich nach einem Biss von einer radioaktiv verstrahlten Spinne, Daredevil wurde erst zu Daredevil, nachdem er mit radioaktiv verseuchter Flüssigkeit in Kontakt kam und Godzilla diente ein Atomtest als überdimensionaler Handy-Wecker.

Was das mit Utah zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn seit dieser Saison heißt die Heimstätte der Jazz EnergySolutions-Arena. Der neue Namenssponsor zählt sich zu den führenden Nuklear-Dienstleistern (klingt irgendwie schräg), 75 Meilen außerhalb von Salt Lake City betreibt EnergySolutions eine Atommüll-Deponie. Monty Burns lässt grüßen.

Das Motto bei den Jazz ist also klar: Wie sagen ja zu Radioaktivität! Wen interessiert da schon der Polonium-Skandal im entfernten Europa, das Atom-Doping hat ja durchschlagenden Erfolg: Nach drei Playoff-losen Jahren weist das Sloan-Team die beste Bilanz der NBA auf.

Und sollte die radioaktive Frischzellenkur fortgesetzt werden, sind die Jazz vermutlich gar nicht mehr zu stoppen. Boozer schwingt sich mit seinem mutierten dritten Arm zum besten Vierer der Liga auf, Deron hat dank der Spinnfäden aus seinem Handballen als einziger Point Guard keine Probleme mit dem neuen Ball. Und vielleicht schafft es dann auch mal der Atom-gepimpte Andrei Kirilenko, eine Saison verletzungsfrei durchzustehen.

Posted by Haruka Gruber- Dec. 12 2006 11:03 am

Luke Skywalker und der kostümierte Yoda

Steht Yao Ming kurz davor, sich der dunklen Seite der Macht anzuschließen? So wie Anakin Skywalker sich von Palpatin verführen ließ? So wie sich Britney von Paris zum Ludertum bekehren ließ? Seit dem der 2,26-Meter-Riese vom 51 Zentimeter kleineren Hobbit Nate Robinson spektakulär geblockt wurde, gibt es zumindest handfeste Indizien dafür.

Noch vor einigen Wochen erklärte Ming, dass er auf dem Parkett immer so cool und in sich geruht rüberkommen würde, weil er "in den Star-Wars-Filmen gelernt habe, wie man Wut kontrolliert." Sprich: Ming als die fleischgewordene Yoda-Doktrin "Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid".

So weit, so gut. Aber der Block durch New Yorks Lord Helmchen hat den chinesischen Luke Skywalker offenbar aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht. Nach dem Spiel meinte Ming miesepetrig: "Das ist kein Rekord. Ich wurde schon mal von einem 1,60-Meter großen Typen geblockt." Klingt ganz nach dem Geist des Imperators statt nach der alten Obi-Wan-Schule.

Ob Ming nach dem demütigenden Block Robinson alles Schlimme gewünscht hat, ist nicht bekannt. Wie auch immer: Seit der Nacht auf Donnerstag hat er genügend Grund, sich über seinen neuen Nemesis kaputtzulachen. Was war passiert? Gegen die Cavs lief Robinson einen Break. Statt sicher abzuschließen, versuchte er jedoch einen Abschluss a la Dunking-Contest.

Das Ergebnis: Der bullige Guard verstopfte sich, zudem wurde die Aktion wegen Schrittfehler abgepfiffen. Peinlich, peinlich. Aus Nate the Great wurde ganz schnell Nate the Shame.

Oder steckt in Wahrheit Yoda hinter den ganzen Ereignissen? Im Robinson-Kostüm stellt er Ming vor den ultimativen Jedi-Ritter-Test: "Ich demütige dich erstmal vor der Öffentlichkeit, dann bringe ich dich dazu, dich gehässig über den verpatzten Dunk zu amüsieren. Was machst du nun, junger Padawan?"

Wobei: Was wäre eigentlich schlimm daran, wenn sich Ming der dunklen Seite anschließen würde? Immerhin bekam Anakin die süße Natalie Portman ab, Luke hingegen endete mit den Ewoks und C-3PO…

Posted by Haruka Gruber- Dec. 4 2006 10:49 am

Wo bleibt Dr. Evil?

Man stellt sich das mal vor: Alle Bad Boys der Basketball-Welt von Artest bis zu den beiden Wallaces versammeln sich zu einer jährlichen Buhmann-Hauptversammlung und wählen ihr Oberhaupt. Diese Saison würde es besonders spannend werden.

Soll man für Mark Cuban als Bösewicht-Chef stimmen? Ach nee, der hält sich derzeit so spießig zurück. Vielleicht den von allen gehassten neuen Synthetik-Ball? Ach nee, würde schließlich wie ein müder Abklatsch von Cast-Away-Wilson aussehen.

Und überhaupt: Wo bleiben in dieser Spielzeit die richtigen Dr. Evils? Massenschlägereien sind nicht in Sicht, die Knicks liefern auch keine richtigen Schlagzeilen und seit der neuen Regelauslegung kriegen sogar Good Guys Technische hinterhergeschmissen wie K-Fed Platten-Verrisse.

Pure Langeweile für Gossip-süchtige Hoop-Freunde? Könnte man meinen, aber Gott sei Dank gibt es noch Bobby Knight. Die College-Coach-Legende ließ in seiner Karriere von wüsten Schiedsrichter-Beleidigungen, einem Angriff auf einen Polizisten bis hin zu Übergriffen gegen seine eigenen Studenten fast nichts aus.

Und als ob er es nicht erwarten könnte, den Dennis-Rodman-Gedächtnispreis überreicht zu bekommen, fügte er letzte Woche ein weiteres Kapitel hinzu. So schlug Knight während eines Timeouts seiner Uni Texas Tech gegen Gardner-Webb mit der geöffneten Hand leicht auf die Backe seines Spielers Michael Prince, da dieser bei einer Ansprache des Coaches auf den Boden und nicht in die Augen von Knight schaute.

Während die Medien wegen des Ohrfeigen-Klapsers gleich den pädagogischen Zeigefinger erhoben, schlugen sich einige Trainer aus der NBA auf Knights Seite. "In der heutigen Zeit können wir nicht genug von harter Liebe und hartem Coaching (tough love and tough coaching) haben", dozierte beispielsweise Nuggets' Teilzeit-Soziologe George Karl.

"Tough Love" hin oder her: Knight gehen öffentliche Kontroversen um seine Person mehr oder weniger am Allerwertesten vorbei. So sagte er einmal: "Wenn ich tot bin, möchte ich, dass ich kopfüber begraben werde, damit meine Kritiker meinen Hintern küssen können." Natürlich kultiviert Knight seinen Ruf als ungehobelter Flegel mit latentem Hang zum Ausflippen. Aber im Vergleich zur manchmal geleckt wirkenden NBA-Trainergilde mit perfekt vorformulierten Post-Game-Quotes und toll sitzenden Designer-Anzügen ist der Leslie-Nielsen-Frisurklon ab und an eine nette Abwechslung. Posted by Haruka Gruber- Nov. 22 2006 10:48 am

Die Wandlung des Monsters

Geschmacklose blonde Matte, ungepflegte Drei-Tage-Bart-Variationen, Arme wie Baumstämme: Chris Kaman entspricht nicht unbedingt dem gemeinen Schönheitsideal. Im Vergleich zu Ashton Korver oder Wally Szczerbiak wirkt der 24-Jährige eher wie Charlize Theron in "Monster".

Für seinen Klub Los Angeles Clippers ist seine Optik jedoch zweitrangig. Wer braucht in der NBA schon ein Top-Model, Gheorghe Muresan hat sich in der NBA ja auch etabliert. Am Ende zählt halt die Leistung auf dem Parkett (Ich weiß: zwei Euro in das Wonti-Phrasenschwein).

Und die hat letzte Saison gestimmt: 11,9 Punkte bei einer 52-prozentigen Wurfquote, 9,6 Rebounds, 1,4 Blocks. Der Center legte die beste Saison seiner Karriere hin, und da solide Big Men in der NBA so rar sind wie weiße Bambis in Sachsen, belohnten ihn die Clippers mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2012 - dotiert mit 55 Millionen Dollar.

Der Hintergedanke der Clipps ist klar. Einer der talentiertesten Fünfer der Liga wird langfristig gehalten, 11 Millionen pro Jahr ab 2007 sind für einen potentiellen All-Star noch vertretbar.

Der Haken an der Sache: Seit der kräftigen Gehaltserhöhung läuft bei Kaman gar nichts mehr zusammen. Mit 7,4 Punkten bei einer 38-prozentigen Wurfquote, 6,0 Rebounds sowie 0,7 Blocks ist eine Berücksichtigung für das All-Star-Team illusorisch, derzeit reicht es nur für das All-Ugly-NBA-Team.

Dabei hätten die Clippers die Kamansche Wandlung vom Brett-Monster zum Zonen-Weichei vorausahnen können. So haben Erick Dampier oder Adonal Foyle bereits gezeigt, wie schnell Center nach einem Mega-Vertrag das Basketball-Spielen (oder einfach nur die Motivation) verlieren können. Mal schauen, ob zumindest Kaman die Kurve kriegt.

Posted by Haruka Gruber- Nov. 16 2006 11:42 pm

Der schmale Grat zwischen Zynismus und Masochismus

Ja ja, der Alex. Der Sport1-Kollege ist ein echter New-York-Fan. Egal ob die Stadt, die Yankees oder die Knicks: NY ist für ihn einfach das Nonplusultra.

Da macht es ihm auch scheinbar nicht viel aus, dass A-Rod und Co. in den Playoffs schon wieder früh ausschieden oder Isiah Thomas für einen biederen Small Forward wie Jared Jeffries für sechs Jahre 60 Millionen Dollar (Luxus-Steuer mit eingerechnet) aus der Dolan-Schatulle locker machte.

Zynisch, fast schon distanziert kommentiert Alex dann solche sportlichen und finanziellen Tiefschläge. Wirklich "geknickt" (was für ein Wortwitz) ist er aber nie. Motto: Nur die Harten kommen in den (Madison-Square)-Garten. Als Knicks-Fan weiß man eben, dass Emotionen fehl am Platz sind - sonst ist es einfach zu bitter.

Dann der Umschwung: Auf einmal, so vor drei Wochen, ging es los. Alex war kaum mehr zu bremsen. Knicks hier, Testspielerfolg da.

Und immer wieder fiel ein Name: Renaldo Balkman. In der Preseason hätte er überzeugt, statt Draft-Bust wäre er einen Sleeper. Sein Schnitt in der Vorbereitung: 6,3 Punkte.

Vielleicht wird man so schnell euphorisch, wenn man ein Anhänger der Knicks ist. Nach Scott Layden, Larry Brown und Eddy Curry klammert man sich an jeden Strohhalm.

Dann gewinnen die Knicks in Memphis auch noch das erste Saisoneröffnungsspiel in fünf Jahren. Okay, Balkman kam in acht Minuten auf null Punkte, aber was zählt, ist das W hinter dem Score.

Die Saat der Hoffnung ist gelegt bei Alex. Nach 248 Niederlagen in den letzten fünf Saisons. Vorsichtiger Optimismus statt zynische Schwarzmalerei.

Natürlich ist Alex jetzt verletzbarer - aber dafür macht die neue Saison auch doppelt so viel Spaß. In der NBA geht es eben nicht nur auf dem Parkett um Herzblut. Auch als Fan soll man voll mitgehen. Bittere Enttäuschungen inklusive.

Übrigens: In den nächsten beiden Spielen setzte es für Marbury und Co. Pleiten. Aber Alex studiert weiterhin tapfer jeden Boxscore. Ein Knicks-Fan ist nun mal auch Masochist.

Posted by Haruka Gruber- Nov. 8 2006 3:09 pm