Lebron James (NBAE/Getty)



Kobe Bryant und Shaquille O'Neal (NBAE/Getty)

Osten gewinnt, LeBron MVP
Posted by Johannes Berendt on Februar 19, 2006 10:55 p.m. CT

Basketball-Herz, was willst Du mehr: Gala-Vorstellungen von LeBron James und Tracy McGrady, eine grandiose Aufholjagd des Ostens und ein spannendes Finale. Das 55. All-Star Game hatte es wirklich in sich.

Dabei war die 21 in doppelter Hinsicht die Zahl des Abends. Mit 21 Jahren wurde LeBron James zum jüngsten All-Star MVP aller Zeiten gewählt, nachdem seine Farben im dritten Viertel einen 21-Punkte Rückstand noch wettmachen konnten.

Kobe Bryant hatte 32 Sekunden vor ultimo mit einem wilde Fade-Away zum 120-120 ausgeglichen, doch Dwyane Wade brachte den Osten nach einem Fehlwurf von Allen Iverson erneut in Führung. In den verbleibenden 16.6 Sekunden vergoldete James dann seine starke Leistung, indem er McGrady (immerhin auch mit 36 Punkten in seiner Heimatstadt) entscheidend beim Wurf behinderte.

„Ich habe erst seinen Arm und dann den Ball getroffen“, gab der Star der Cleveland Cavaliers zu. „Aber es war eine starke Aktion.“ Der Rebound landete bei Bryant, der auf dem Weg zum Korb den Ball jedoch gleich wieder vertändelte.

„Das Spiel hatte wirklich alles, was man sich wünschen kann“, nahm West-Coach Avery Johnson die Niederlage nicht allzu schwer. „Wir wollten Tracy den letzten Schuss geben, doch der Ball wollte einfach nicht in den Korb. Da kann man nichts machen.“

Schon die Vorstellung der beiden Mannschaften war ein Erlebnis. Die Starting-Fives wurden über eine Hebebühne ins Toyota Center geführt, das in Jubel ausbrach, als die Ost-Starter eine kleine Tanzeinlage vorführten.

Das Spiel startete ähnlich schwungvoll. Sowohl Yao Ming als auch Shaq erzielten ihre ersten Punkte jeweils durch Dunkings. Ein erstes Raunen ging durch das ausverkaufte Stadion, als Kobe Bryant Tracy McGrady beim Fast-Break mit einem Alley-Oop vom Backbord prächtig in Szene setze. Die Antwort vom Osten folgte prompt im Form eines Dreiers von LeBron James (16-15). Nach einem weiteren Dreier von James und einem erneuten Slam von T-Mac hatten bereits beide zehn Punkte auf dem Konto.

Freude kam auf, als Kobe den Ball nach einem Foul durch die Beine seines Erzrivalen Shaq dribbelte. Des Diesels Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er legte sich einen Freiwurf selbst zum Alley-Oop vor. Der zählte aber leider nicht (Lane Violation).

Gegen Ende des ersten Viertels (28-28) standen dann die vier Pistons mit Paul Pierce auf dem Parkett, bevor Dirk Nowitzki Anfang des zweiten Quarters zeigte, was er so auf dem Kasten hat. Ein Drei-Punkte Spiel, ein Fade-Away Jumper und ein Reverse Dunk ließen den Westen auf 39-32 davonziehen. Zwei schöne Aktionen von Chris Bosh – ein Alley-Oop auf Vince Carter und ein krachender Slam – besorgten aber den erneuten Ausgleich (41-41).

Dann startete der Westen einen Zwischenspurt zur 70-53 Halbzeitführung, an der Tony Parker maßgeblichen Anteil hatte. Vielleicht inspirierte ihn ja die Anwesenheit seiner Freundin Eva Longoria zu acht Punkten in der kurzen Zeit. Auch T-Mac hatte noch Einiges gutzumachen (Click and Roll texanisch) erinnert sich noch an seine unterirdische Shooting-Night von vor einer Woche), und so führte er zur Halbzeit alle Scorer mit 17 Punkten an.

T-Mac machte mit neun Punkten Anfang des dritten Viertels dort weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte. Der Vorsprung wuchs auf 74-53. „Dann haben die einfach sehr gut verteidigt und wir haben viele Turnovers fabriziert“, erklärt Nowitzki den plötzlichen Einbruch. Auch schlug nun die Stunde von LeBron James. Mit einem krachenden einhändigen Dunk sowie zwei Dreiern läutete er die Aufholjagd ein und brachte den Osten wieder auf sechs Punkte heran (87-81). Nachdem vier Punkte von Brand sowie ein Jumper von Ray Allen die Führung kurzzeitig zurück in den zweistelligen Bereich drückten, besann sich der Osten auf seine Defensivstärke. Das bekam unter anderem Pau Gasol zu spüren, der zwei Mal hintereinander von Wallace geblockt wurde. „Das war schon ein Statement und zeigt, wie stark wir, insbesondere mithilfe der vier Pistons, verteidigt haben“, urteilte East-Coach Flip Saunders nachher.

Die Drei-Punkte-Führung nach drei Vierteln (97-94) war aufgebraucht, als Billups ein Drei-Punkte-Spiel verwandelte. Unmittelbar danach brachte Wallace den Osten erstmals wieder in Führung.

Die Vorentscheidung schien gefallen, als Shaq mit sechs Punkten hintereinander dem Osten über einen 10-1 Run zu einer 111-102 Führung verhalf, bevor T-Mac mit einem wilden Dreier nach sensationellem Cross-Over Dribbling noch einmal verkürzte. Seine nächsten beiden Dreier verfehlten ihr Ziel, und James erhöhte mit einem spektakulären Put-Back nach Iverson Fehlwurf auf 117-107.

Hoffnung keimte nach einem weiteren Dreier von T-Mac, dem Nowitzki einen verwandelten Freiwurf und einen Layer folgen ließ (119-116). Dann kam der Auftritt eines stadtbekannten 81-Punkte Helden aus Los Angeles, der bis zu diesem Zeitpunkt lediglich vier Punkte auf seinem Konto vebucht hatte.

Iverson traf nur einen von zwei Freiwürfen, und Kobe slammte den Westen auf zwei Punkte heran. Höchstpersönlich erzielte er per langem Fade-Away den Ausgleich nach einem spektakulären Behind-The-Back Dribbling (120-120). Mit 16.6 Sekunden auf der Uhr brachte Wade den Osten aus kurzer Distanz wieder in Führung. Dann verließ den Westen das Glück. Für McGrady sollten es nicht mehr als 36 Punkte werden - er wurde beim Jumper von James behindert. Den Rebound verlor Kobe auf dem Weg zum Korb.

„Es ist einfach toll, das Spiel noch gedreht zu haben“, freute sich MVP James nachher. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt an den MVP-Titel gedacht. Basketball ist ein Team-Spiel. Das haben wir heute unter Beweis gestellt.“

Das Schlusswort gehört aber unserem Mann aus Dallas.

„Wir hätten schon gerne gewonnen, aber enttäuscht ist man nach einer Niederlage im All-Star Game nicht so sehr. Es war ein tolles Wochenende“, so der Dirkster.

Über die NBA wird nicht nur viel geredet, sondern auch immer mehr geschrieben. Grund genug für Click and Roll Germany, sich einmal genauer im Internet umzuschauen. Jede Woche wird Johannes Berendt die interessantesten deutschen Links und Artikel in heiterer Form präsentieren. Wer nicht genug über die NBA lesen kann, ist hier genau richtig.
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