Showtime mit Shaq und Kobe

Die Auswahl der Western Conference hat im 58. NBA All Star Game einen souveränen 146:119-Triumph gefeiert. Die Hauptdarsteller des alljährlichen Showspiels waren die ehemaligen Lakers-Kollegen Kobe Bryant und Shaquille O‘Neal, die gemeinsam als Co-MVPs ausgezeichnet wurden.

Shaq and Kobe
NBAE/Getty Images

Das 58. NBA All Star Game in Phoenix - „the biggest party in the desert“. Dieses Motto war in der fünftgrößten Metropole der USA am Wochenende nonstop Programm. Zwar soll, so munkelte man, in den Clubs der Stadt nicht so viel gezaubert worden sein, wie in den Jahren zuvor, dafür war jedoch das, was die Herren NBA-Baller an allen drei Tagen auf dem Court der US Airways Centers ablieferten, aller Ehren wert. Von Freitag bis Sonntag war das „Valley of Sun“ das „Valley of Fun“.

Das All Star Game am Sonntag hatte sein erstes Highlight schon vor dem Tip-Off bei der Vorstellung der West-Reserves. „Local Hero“ Shaquille O‘Neal betrat (inklusive weißer Maske) zusammen mit der Dance-Crew Jabbawockeez die Showbühne und legte direkt mal ein kleines Tänzchen aufs Parkett. Die Halle tobte, Shaq war seinem Image als genialer Entertainer einmal mehr gerecht geworden.

Was dann folgte, war zwar nicht unbedingt „Excitment“ pur, aber dennoch ein recht unterhaltsames Spielchen der besten 24 Baller unseres Planeten. Statt spektakulärer Dunks, Alley-Oops und anderer Showeinlagen, gab‘s eher Korbleger und Dreier am Fließband. So war es wieder an Big Daddy Shaq, ordentlich Stimmung in die Bude zu bringen. Er erzielte seine sämtlichen 17 Punkte per Slam (okay, einer kam noch von der Freiwurflinie), wobei er gleich mehrfach schön von seinem ehemaligen Lakers-Mitspieler und jetzigen Rivalen Kobe Bryant in Szene gesetzt wurde. Kobe selbst avancierte beim 146:119-Triumph des Westens mit 27 Zählern zum Topscorer, und so kam es wie es kommen musste - Kobe und Shaq wurden zu Co-MVPs des All Star Games in Phoenix gewählt. „Es war wie in alten Zeiten, ich vermisse diese Zeiten“, erklärte Shaq schmunzend nach dem Spiel. „Er hat mich wirklich gesucht und gefunden.“ Der ebenfalls sichtlich gut aufgelegte Kobe stimmte ihm da zu: „Es hat Spaß gemacht und wir hatten eine tolle Zeit, müssen deswegen aber auch nicht anfangen, in Nostalgie schwelgend zu heulen!“

Was brachte uns das diesjährige All Star Game sonst noch? Die Nationalhymne Kanadas gesungen von Grant Hills Frau Tamia, eine Geburtstagstorte für Hall-of-Famer Bill Russell, der am Sonntag 75. Jahre alt wurde (und nun Namensgeber des MVP-Finals-Awards ist), einen missglückten Fastbreak-Dunkversuch von Chris Paul (nach einem zuvor von ihm spekakulär abgeschlossenen Alley-Oop-Slam) und eine Schlussminute, in der die West-Crew gnädig aus dem Weg gegangen ist, damit Cavaliers-Forward LeBron James es noch einmal schön krachen lassen konnte.

Nate Robinson gewinnt Dunk Contest

Nate Robinson
NBAE/Getty Images

Das Prädikat „höchst unterhaltsam“ hatte einmal mehr der All Star Saturday verdient. Nachdem sich die Combo der Detroit Pistons bestehend aus Katie Smith, Bill Laimbeer (der als erster Teilnehmer in der jungen Geschichte des Events zum zweiten Mal den Titel holte) und Arron Afflalo in 58,4 Sekunden souverän die achte Ausgabe der Haier Shooting Stars gesichert hatte, holte sich Derrick Rose die Krone der diesjährigen PlayStation Skills Challenge. Der Guard der Chicago Bulls gewann als erste Rookie den Titel in diesem Wettbewerb. Rose absolvierte den Parcour 4,4 Sekunden schneller als Devin Harris von den New Jersey Nets und finishte ihn so wie es sich für einen Champion gehört - per Reverse-Pump-Dunk

Die erste große Überraschung gab‘s beim Foot Locker Three-Point Shootout, den Heat-Guard Daequan Cook im Stechen gegen Rashard Lewis deutlich mit 19:7 gewann. Im Finale hatten Cook und Lewis jeweils 15 Punkte erzielt und damit Jason Kapono gemeinsam vom Thron gestoßen. Der Raptors-Sharpshooter hatte den Contest in den vergangenen beiden Jahren für sich entschieden und wäre mit seinem „Three-Peat“ in den erlesenen Kreis der dreifachen Gewinner zu Larry Bird und Craig Hodges vorgestoßen.

Das mit Spannung erwartete Highlight des Samstags, der Sprite Slam Dunk Contest, hielt ebenfalls, was sich alle Fans gewünscht hatten. Das muntere „Wett-Stopfen“ war höchst unterhaltsam und spektakulär, da die Teilnehmer sich bei ihren Dunks wieder sehr kreativ zeigten. Superman Dwight Howard war back, stopfte auf einen zwölf Fuß (3,66 Meter) hohen Korb und wurde von Konkurrent Nate Robinson als menschliches Hindernis zum Überspringen genutzt.

Nach zwei kreativen Dunks hätte zwar Rudy Fernandez, der erste internationale und zudem von den Fans online gewählte Dunker, den Finaleinzug verdient gehabt, doch die Jury machte mit ihrer Bewertung das „most entertaining“ Matchup zwischen Dunk-Zwerg Robinson (1,75 Meter) und Superman Howard perfekt. Dort siegte der Knicks-Guard, der passend als Supermans Konkurrent in „Kryptonite Green“ gegen den Magic-Big-Man antrat, indem er über Howard hinweg stopfte. Dagegen war dann selbst der „Retro-von-der-Freiwurflinie“-Dunk vom Vorjahres-Champ zu wenig. Mit seinem zweiten Dunk-Titel nach 2006 ist Robinson nun einer von nur fünf zweimaligen Gewinnern (Michael Jordan, Wilkins, Harold Miner und Jason Richardson sind die anderen). 2010 in Dallas wird Nate jedoch wohl nicht mehr antreten, dafür hat aber kein Geringerer als LeBron James seine Teilnahme angekündigt. Watch out!

Kevin Durant mit neuem Scoring-Rekord

Kevin Durant
NBAE/Getty Images

Der All Star Friday gehörte traditionell den Top-Youngstern der Liga. Das Matchup „Rookies vs Sophomores“ (T-Mobile Rookie Challenge) eröffnete das 58. All-Star-Weekend und schrieb direkt Geschichte. Zum einen, weil Dwyane Wade (Rookies) und Dwight Howard (Sophomores) ihr NBA-Coaching-Debüt feierten. Zum anderen (und hauptsächlich) aber, weil Kevin Durant genau dort weitermachte, wo er bei den Thunder vor diesem Wochenende aufgehört hatte (scorte in neun der letzten 13 Partien mindestens 30 Punkte). Der vielseitige Forward hielt sein Sophomore-Team die gesamte Distanz über im Spiel und sorgte in der zweiten Halbzeit dann dafür, dass die „Sophs“ mit einem 122:116 den siebten Sieg in Serie feierten. „KDizzle“ toppte mit 46 Punkten den bisherigen Rookie-Challenge-Rekord, den Amare Stoudemire 2004 aufgestellt hatte, um satte zehn Zähler. 46 in 31 Minuten. Respekt, Kev!

Doch nicht nur Durants heißes Händchen (17 von 25 aus dem Feld) ließ das Nachwuchs-Game zu einem der besten aller Zeiten werden. Nachdem in der Vergangenheit teilweise Defense fast nicht existent war (2004: 142:118; 2007: 155:114), wurde nun wieder etwas verteidigt und schon war Spannung im Spiel. Auch weil Heat-Forward Michael Beasley (29 Punkte) in der zweiten Halbzeit gut aufdrehte und sich mit seinem Kumpel Durant ein spektakuläres Duell lieferte.

Mehr Infos und Videos zum All-Star Weekend findet ihr unter NBA.com