30 über 30, Teil 2

Willkommen zum zweiten Teil von „30 über 30“ unserem wöchentlichen Blick auf alle 30 Franchises der NBA und die Geschichten, die sie gerade bewegen … den ersten Teil findet ihr HIER

Miami Heat

Natürlich darf auch ein Titelverteidiger und Topfavorit gegen die Knicks, Grizzlies und Clippers auswärts verlieren. Heat-Coach Erik Spoelstra dürfte dennoch ein Faktum aufgefallen sein, dass ihn extrem wurmen muss … Sein Team verteidigt derzeit nicht auf einem hohen Level. Auf 100 Ballbesitze des Gegners gerechnet, lassen nur die Trail Blazers, Suns und Cavaliers mehr Punkte zu als die Champs vom South Beach. Interessanterweise liegt das Problem aber nicht am Brett, wo der Trainer bekanntlich Smallball spielen lässt. Direkt am eigenen Ring erlauben die Heat nur eine gegnerischen Wurfquote von 60,2 Prozent, 4. Rang in der Liga. In Sachen Defensiver-Reboundrate rangieren LeBron James und Co. auf dem 17. Platz. Es sind vielmehr die Lücken, die sich immer wieder auf dem Flügel auftun, wenn Rotationen verschlafen werden, die Spoelstra Sorgen bereiten. Und das ist gleichzeitig die gute Nachricht: Dieses Problem lässt sich im Training beheben, wenn die Neuzugänge (vor allem Ray Allen, der noch mit seiner Knöchelverletzung kämpft) besser verstehen, was Spoelstra von ihnen verlangt.

Milwaukee Bucks

In der NBA öffnet immer wieder die Verletzung eines Starters die Tür für einen Bankwärmer, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. So geschieht es gerade in Milwaukee, wo Tobias Harris’ Freud, Luc Richard Mbah a Moutes Leid ist. Harris profitiert von der Knieverletzung des Kameruners und startet für die Bucks effizient auf Small Forward. Dort erzielt er 8,3 Punkte, die Harris vornehmlich in Zonennähe erzielt. Was passiert, wenn Mbah a Moute in ein paar Wochen zurückkehrt? Sollte Harris weiterhin als veritable Scoringoption glänzen und sogar annehmbar verteidigen, könnte er den Startplatz sogar langfristig behalten. Der Grund: Den Bucks fehlen die Scorer am Brett.

Minnesota Timberwolves

Wow! Reißen die schlechten Nachrichten für die T-Wolves irgendwann auch mal ab? Erst verletzten sich Ricky Rubio (Kreuzbandriss) und Kevin Love (Handbruch), jetzt fehlen dem Team Chase Budinger (Meniskusriss), Brandon Roy (Knieprobleme), Nikola Pekovic (Bänderdehnung im Sprunggelenk) und J.J. Barea (Fußstauchung). „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, erklärte ein frustrierter Rick Adelman. „In jeder Partie verlieren wir einen unserer Spieler.“ Aufgrund der Misere haben die T-Wolves ihrer Fühler nach Josh Howard und Mickael Pietrus ausgestreckt. Beide könnten in Minnesota aber nur das Minimalgehalt verdienen.

New Orleans Hornets

Was geht eigentlich bei Austin Rivers? Um ehrlich zu sein … nicht viel. Seine Statistiken sind schwach – 6,4 Punkte, 3,2 Assists, 2,2 Rebounds, 25,0 FG% und 20,0 3P% in 30,4 Minuten –, seine Defense ist nicht viel besser. Natürlich ist die Messe über den Rookie noch lange nicht gelesen, „Sub Zero“ (so nennt er sich selbst) ist erst 20 Jahre alt. Außerdem versteht er Basketball … Rivers muss allerdings erst noch seine Nische in der NBA finden. Kann er ein Point Guard sein? Wenn nicht: Wie kann er konstant punkten? Schafft er die Transformation zu einem echten Distanzschützen? Letzterer war er mit 36,5 Prozent Dreierquote am College nämlich nicht. Aber gut, Rivers hat einen Vorteil. An all diesen Problemzonen kann er arbeiten … mit seinem Dad.

New York Knicks

Ist der 5-0-Start der Knicks nur ein Strohfeuer oder erwacht New York als Macht im Osten? Die kommenden zwei Spiele werden einen Hinweis auf die richtige Antwort geben. Heute Nacht um 2:30 Uhr geht es in San Antonio gegen die Spurs. Dort hat das Team von Coach Mike Woodson neun Partien in Folge verloren. 18 der vergangenen 19 Duelle in der regulären Saison entschieden die Texaner für sich. Am Freitag wird es in Memphis nicht einfacher. Gegen die rauen Grizzlies-Gesellen werden die alten Herren der Knickerbocker im zweiten Teil dieses Back-to-Backs eine ganz besondere Energieleistung bringen müssen.

Oklahoma City Thunder

Serge Ibaka ist das Damoklesschwert welches über jedem Drive in die Zone der Kontrahenten Oklahoma Citys schwebt. Mit 3,7 Blocks pro Partie führt er – wie schon 2011/12 – die NBA an. Der Wahlspanier bringt diese Saison aber eine andere, ebenfalls enorm wichtige Komponente ins Spiel der Thunder: den Sprungwurf. Aus der weiten Mitteldistanz nimmt Ibaka 4,7 Schüsse pro Partie bei einer Quote von 45,0 Prozent. Nur 14 andere NBA-Profis drücken öfter aus dieser Distanz ab, keiner von ihnen trifft von dort so sicher wie der Power Forward (Minimum fünf absolvierte Spiele). Dass Ibaka den Jumper netzt und 14,4 Punkte erzielt (Career-High) hilft seiner Mannschaft enorm. Bestraft er doch so das Aushelfen seines Verteidigers zum Beispiel beim Pick-and-Roll mit Kevin Durant oder Russell Westbrook.

Orlando Magic

Bitter! Die Orlando Magic (Bilanz: 2-5) könnten wirklich Verstärkung gebrauchen, doch ihr bestbezahlter Spieler fällt einen weiteren Monat aus. Hedo Türkoglu (12,0 Millionen Dollar Jahresgehalt) brach sich im dritten Viertel des Saisonauftakts gegen Denver die Hand. Jetzt stellte der behandelnde Arzt fest, dass sich eine der Schrauben in der Hand des Türken gelöst hat. Der „Most Improved Player“ 2008 dürfte jetzt erst im Januar ins Geschehen eingreifen …

Philadelphia 76ers

Andrew Bynum ist weiterhin verletzt, findet sich aber trotzdem in den Schlagzeilen wieder. Wie er das schafft? Mit seinen Haaren. Erst machte er einen auf „junger Don King“, dann hätte er ohne Probleme in der ABA auflaufen können. Und jetzt? Tja … Da es noch kein adäquates Bildmaterial in der NBA-Fotodatenbank gibt, googlet einfach mal „Andrew Bynum hair“ und staunt …

Phoenix Suns

Die Suns stehen derzeit bei je vier Siegen und Niederlagen. Das ist NBA-Mittelmaß, mit viel mehr durfte kein realistischer Beobachter im Jahr eins nach Nash rechnen. Allerdings sollten die Fans in Arizona nicht zu früh von einer ausgeglichenen Bilanz am Jahresende träumen. Phoenix hat bisher nur einen Sieg gegen ein Team eingefahren, das Playoff-Ambitionen hegt. Der 110:100-Erfolg gegen die Denver Nuggets war verdient (auch wenn die Konkurrenz aus Colorado zwei Tage zuvor in die Verlängerung gegen Golden State musste), sieben Suns punkteten zweistellig. So hatte sich das Management dies auch vorgestellt: Phoenix wollte viele Offensivwaffen auf das Parkett stellen, die den Fastbreakstil auch nach Abgang des zweimaligen MVPs zelebrieren. Dies gelingt aber bisher nur sehr bedingt. Im Angriff wollen etwa die Dreier nicht fallen. Einzig Shannon Brown trifft konstant von außen. Ein Problem, denn die Gefahr an der Dreierlinie sorgt für den Platz der beiden Spieler, die in das Pick-and-Roll involviert sind. Deshalb rangiert das sonst so effektive Offensivteam nur im Mittelfeld in Sachen Angriffseffizienz. Defensiv sieht es noch bitterer aus. Nur Cleveland verhindert gegnerische Körbe schlechter, bei der defensiven Reboundrate stehen 23 Franchises vor den Suns.

Portland Trail Blazers

Vor der Saison galten die Trail Blazers bei einigen als Geheimfavorit auf die Playoffs. LaMarcus Aldridge, Nicolas Batum, Damian Lillard, Wes Matthews und J.J. Hickson? Das ist doch eine anständige Erste Fünf! Richtig. Dieses Quintett bringt auch seine Leistung. Die Bank ist das Problem … Während die fünf Starter allesamt zweistellig scoren, kommt von den Polsterstühlen wenig bis gar nichts. Nur Meyers Leonard, Ronnie Price und Sasha Pavlovic kommen für mehr als 6,6 Minuten pro Partie von der Bank auf das Parkett. Keiner von ihnen genügt dabei höheren Ansprüchen. Deshalb müssen Batum (38,8), Aldridge (38,1), Lillard und Matthews (beide 37,6) auch Überstunden machen.

Sacramento Kings

Here we go again … Wollten die Kings nicht diese Saison mal etwas Zucht in den Laden bringen, endlich beginnen aus einer Ansammlung kaum passender Teile ein Team zu formen? Bisher gelingt das … ÜBERHAUPT GAR NICHT! Erst sah sich Rookie Thomas Robinson genötigt Jonas Jerebko mit einem Ellenbogen zu fällen, dann hatte DeMarcus Cousins Redebedarf. Mit wem? Mit dem TV-Kommentator und ehemaligen Spurs-Star Sean Elliott. Was passiert war? Cousins hatte im Spiel gegen die Spurs Tim Duncan dreimal erfolgreich zum Korb genommen. „Ich werde ihm heute in den ***** treten“, ließ der Big Man danach wissen. Dieser Plan ging nicht wirklich auf. Cool und aufgeräumt nahm Duncan danach Cousins auseinander. The Big Fundamental kam auf 23 Punkte und 12 Rebounds, Cousins erzielte 14 und 9. Als Duncan im Spiel seinen jüngeren Gegenüber blockte, ließ Elliott die Fernsehwelt wissen, was er vom Trashtalk Couins hielt … nicht viel. Und genau darüber wollte der King später mit dem TV-Mann sprechen. Dabei wurde die Wortwahl wohl etwas rauer. Wie Robinson für seinen Check wurde auch Cousins für zwei Partien gesperrt.

San Antonio Spurs

Wie können die Spurs eigentlich das beste Team im Westen sein, wenn Tim Duncan wieder mal ein Jahr älter geworden und Manu Ginobili aufgrund von Rückenproblemen einfach nicht er selbst ist (7,8 Punkte und 34,9 FG%)? Vielleicht kennen Danny Green und Gary Neal die Antwort. Die beiden Swingmen erzielen derzeit zusammen 21,7 Punkte, 5,6 Rebounds, 3,5 Assists, 52,1 Prozent Wurf- sowie 42,0 Dreierquote. Green sorgt sogar, wie gegen die Lakers, für ganz besondere Momente

Toronto Raptors

Im epischen 74:72-Klassiker gegen die Pacers gelang Jose Calderon etwas, das vor ihm nur sechs anderen Raptors je gelungen war: Er legte einen Triple-Double auf. Hier die Liste aller Dreifachzehner in der Historie der 1995 gegründeten Franchise:

SPIELERDATUMGEGNERMINREBASTSTLBLKTRNPKT
Vince Carter10.04.00CLE44111011231
Damon Stoudamire18.03.97PHI43101210730
Damon Stoudamire08.11.96LAL41101010721
Damon Stoudamire21.11.95SEA44121140620
Jose Calderon13.11.12IND39101000413
Ben Uzoh26.04.12NJN46111241212
Mark Jackson26.11.00CHI39111120111
Alvin Williams23.03.01ATL37101432311
Charles Oakley11.11.00CHI40111210010

Auffällig an dieser Liste – also außer der Tatsache, dass Ben Uzoh schon mal einen Triple-Double aufgelegt hat – ist das Fehlen von Chris Bosh. Der Ex-Raptor kam 2008 gegen die Nuggets mal auf 17 Zähler, 12 Bretter und neun Vorlagen.

Utah Jazz

Das Spiel der vergangenen Woche lieferten sich die Jazz und Raptors. 140:133 gewannen die Jazz in Kanada – es war der erste Auswärtssieg der Saison für Utah. Wer die Heldentaten verpasst hat. Hier die wichtigsten Würfe der Schlussphase(n):

Washington Wizards

Nach dem Sieg der Pistons vergangene Nacht gegen die Sixers sind die Wizards das einzig sieglose Team der Association. Vergangene Saison startete D.C. mit acht Niederlagen in Folge. Nur eine andere Franchise startete in aufeinanderfolgenden Spielzeiten mieser: die Memphis Grizzlies. Die verloren 2001/02 acht Partien zum Beginn und im Jahr darauf sogar 13. Dieser Rekord scheint auf jeden Fall in Reichweite, führt doch Rookie Bradley Beal die Wizards mit 11,6 Punkten an. Hm, wurden nicht im Sommer Trevor Ariza und Emeka Okafor geholt, damit diese Truppe den nächsten Schritt in Richtung Playoffs macht?

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