30 über 30, Teil 2

Willkommen zum zweiten Teil von „30 über 30“ unserem wöchentlichen Blick auf alle 30 Franchises der NBA und die Geschichten, die sie gerade bewegen … den ersten Teil findet ihr HIER

Miami Heat

Drei Siege in vier Spielen – die einzige Niederlage setzte es gegen ein emotional aufgeladenes Knicks-Team, das für die Opfer von Wirbelsturm Sandy spielte. Der Champion scheint bereits in Playoff-Form zu sein und hat sich – wie erwartet – komplett dem Smallball ohne einen traditionellen Center verschrieben. Opfer dieser Entscheidung: Joel Anthony. Der Big Man spielte vergangene Saison im Schnitt 21,1 Minuten. 2012/13? Sind es nur noch 5,3. Die großen Gewinner der neuen, alten Taktik? Ray Allen und Rashard Lewis. Die beiden Ex-Sonics und Distanzschützen können ihr Glück kaum fassen, so frei stehen sie oft an der Dreierlinie herum. Folgerichtig trifft Allen 59,1 Prozent von Downtown, Lewis steuert 47,1 Prozent bei.

Milwaukee Bucks

Wenn es bisher einen Hauptkritikpunkt an Brandon Jennings gab, dann die Tatsache, dass er sein Spielmachergen inmitten seiner mannigfaltigen Basketballchromosomen noch nicht isoliert hatte. Die 5,7 Assists, die der Point Guard als Rookie auflegte waren bis zu dieser, seiner vierten, Spielzeit Karrierebestwert. Vielleicht findet sich in dieser Tatsache auch der Grund, warum die Bucks darauf verzichteten, Jennings einen neuen Vertrag anzubieten. Jetzt wird der Playmaker 2013 ein Restricted Free Agent und dürfte eine Menge Interessenten haben, wenn er seine Werte von 17,7 Punkten und 10,3 Assists pro Partie hält. Gut, natürlich würde es helfen, wenn seine Wurfquote (40,0 FG%) sich endlich mal auf 45,0 Prozent steigert, aber vielleicht bekommt Jennings auch diese Schwäche in den Griff …

Minnesota Timberwolves

Ähnlich wie die Mavericks traf auch die T-Wolves das Verletzungspech noch vor Saisonbeginn: Kevin Love brach sich die Hand (bei Liegestützen, die er auf seinen Fäusten machte …), Ricky Rubio laboriert weiterhin an seinem Kreuzbandriss aus der vergangenen Saison. Wie Dallas kommt Minnesota damit indes ganz gut zurecht und startete mit drei Erfolgen in vier Partien. Das liegt zum einen an der „Qualität“ der Gegner (Kings, Nets, Magic), zum anderen an der Ausgeglichenheit im Kader. Sage und schreibe zehn Spieler Minnesotas kamen in den bisherigen vier Saisonpartien mindestens 16,0 Minuten im Schnitt zum Einsatz! Jeder dieser Akteure erzielt wenigstens 5,8 Punkte! Sechs T-Wolves: Nikola Pekovic, Andrei Kirilenko, Luke Ridnour, Chase Budinger, Derrick Williams und JJ Barea legen sogar alle mindestens 9,3 Zähler auf.

New Orleans Hornets

Anthony Davis wird seine Gehirnerschütterung bald überstanden haben und wieder ins Rennen um den „Rookie of the Year“-Award eingreifen. Bis dahin dürfen sich die Fans in N’Awlins vor allem über Greivis Vasquez freuen. Der Venezolaner kam als Platzhalter für Liganeuling Austin Rivers nach Louisiana, zeigt aber jetzt, dass er viel mehr sein kann, als nur ein Backup. Seine Wurfquoten sind zwar wenig erfreulich (34,6 FG% und 25,0 3P%), doch der Playmaker versteht es, das arg dezimierte Team (Eric Gordon fällt ebenfalls noch aus) zu führen. Mit 11,5 Punkten und 9,0 Assists flirtet Vasquez mit einem Double-Double. Hat er endlich Scorer an seiner Seite, die sich eigene Würfe erarbeiten können, dürfte auch seine Feldquote steigen.

New York Knicks

Sind die New York Knicks das zweitbeste Team im Osten? Im Moment ließe sich in dieser Hinsicht aus einer starken Position pro Knickerbocker argumentieren. Drei Siege zum Auftakt, ein 104:84 gegen die Heat sprechen hier eine mehr als klare Sprache. Doch was sind die Gründe für diesen Lauf? Coach Mike Woodson stellte nach der Verletzung Amar’e Stoudemires erwartungsgemäß Carmelo Anthony auf Power Forward, dort spielt Melo nun allabendlich seine Schnelligkeitsvorteile gewinnbringend aus. Um ihn herum gruppieren sich in der Ersten Fünf mit Ray Felton (37,5 3P%) und Jason Kidd (54,5) zwei Playmaker und Dreierschützen, Verteidigungsanker Tyson Chandler sowie … Ronnie Brewer. Letzterer mag auf den ersten Blick als das schwächste Glied dieser Kette erscheinen, der Swingman ist aber ein ganz wichtiger Faktor für den bisherigen Erfolg. Brewer traf in seiner Karriere 25,4 Prozent seiner Distanzwürfe. 2012/13 sind es krasse 55,6 Prozent! Seine Präsenz in der Startformation hilft, die Defense des Gegners auseinanderzuziehen und Anthony so einiges an Platz zu schaffen oder eben das Doppeln beim Star zu bestrafen. Überhaupt … die Dreier. New York trifft unfassbare 45,3 Prozent als Team. Das wird bei aller Potenz dieses Kaders nicht so bleiben …

Oklahoma City Thunder

Es scheint, als stünden die Thunder noch immer ein wenig unter Schock. Der Trade von James Harden traf das Team überraschend, die Chemie in der Mannschaft geriet durcheinander, das Gesamtkunstwerk OKC ist momentan nicht stimmig. Eric Maynor (35,0 FG% und 1,3 APG in 1,5 MPG) schüttelte den Rost, der sich auf seinem Spiel während der Kreuzbandriss-Reha gesammelt hat, noch nicht ab. Auch Kevin Durant und Russell Westbrook sind nicht die Alten (obwohl viele Westbrook-Kritiker das anders sehen mögen …). Wer von dem Trade nicht negativ beeinflusst wurde? Kevin Martin. Der Mann, der für James Harden nach OKC kam, spielt mit einem Wort: GRANDIOS. Der werdende Free Agent fand sich sofort in der Offense zurecht, trifft 51,2 Prozent aus dem Feld plus 61,9 von der Dreierlinie. Seine 19,3 Punkte pro Partie kommen also extrem effizient daher. Nur: Martin ist eben nicht Harden. Er erledigt kaum den Spielaufbau, ist zuallererst ein Scorer. Die Thunder werden allerdings einen Playmaker in der Zweiten Fünf brauchen, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen …

Orlando Magic

Warum spricht eigentlich jeder von Glen Davis, wenn es um die Orlando Magic geht und nicht von J.J. Redick? Ersterer mag 17,8 Punkte und 8,5 Rebounds liefern, schießt aber auch fiese 39,7 Prozent aus dem Feld … es wäre keine Überraschung, wenn Big Baby die NBA momentan bei den geblockten Würfen anführen würde. Nein, nicht selbst geblockte Schüsse sind gemeint, Davis’ Würfen wird derzeit rekordverdächtig oft der Eintritt ins Korborbit verweigert. Redick hingegen kommt von der Bank, trifft (52,1 FG% und 50,0 3P%), der Ex-Duke-Star mimt sogar den Spielmacher, verteilt 5,0 Assists. Der werdende Free Agent könnte so für einige Teams interessant werden. Nicht wundern, wenn die Magic ihn abgeben, wenn das Angebot stimmt.

Philadelphia 76ers

Die Saison der Sixers lässt sich bis jetzt mit folgender Überschrift zusammenfassen: „Warten auf Andrew …“ Ohne Bynum funktioniert der Kader von Coach Doug Collins nur leidlich. Eigentlich wollte der Coach zwei Stile spielen lassen: den langsamen, mit Bynum in der Mitte und einer Batterie an Schützen außen; einen schnellen mit Spencer Hawes als Pivot und Athlet Thaddeus Young als sprintenden Vierer. Ohne ihren neu akquirierten All Star in der Mitte sollte der Coach also eigentlich verstärkt auf die Fastbreak-Variante setzen, oder? Nicht wirklich. Nur die T-Wolves, Hornets und Knicks spielen bisher langsamer. Folge: Die neu geholten Schützen Jason Richardson, Dorrell Wright und Nick Young treffen zusammen 25,6 Prozent ihrer Dreier – bei 14,8 Versuchen pro Partie!

Phoenix Suns

Die vielleicht am häufigsten bang gestellte Frage der Preseason in Sachen Suns war: Ist Marcin Gortat nur ein Produkt von Steve Nash? Die ersten Spiele 2012/13 beweisen: Nein, der Center der Suns kommt auch ganz gut mit Goran Dragic zurecht! 15,0 Punkte, 11,8 Rebounds und 4,2 Blocks(!) sowie die 59,3 Prozent aus dem Feld sollten auch den letzten Zweifler überzeugen. Allerdings … eine Frage muss der Pole dann doch noch beantworten: Hat er sich diesen Sommer endlich einen verlässlichen Postmove antrainiert?

Portland Trail Blazers

Damian Lillard detonierte in der NBA. Egal ob in der Summer League, der Preseason oder der regulären Saison der Rookie-Aufbau pflügte ohne große Anpassungsprobleme durch die neu gefundene Konkurrenz. Zur Zeit liefert der Point Guard 19,3 Punkte und 8,0 Assists. Hält er diese Werte bis zum Saisonende halten, würde Lillard eine extrem kurze Liste erweitern. In der Geschichte der NBA legten nur zwei Akteure mindestens 19/8 als Rookies auf:

SPIELERSAISONALTERTEAMFG%3P%FT%PPGAPGPER
Oscar Robertson*1960/6122CIN47,3-82,230,59,725,9
Damian Lillard2012/1322POR40,629,294,719,38,020,0
Damon Stoudamire1995/9622TOR42,639,579,719,09,316,7

Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg und vor allem die wenig seriösen Wurfquoten von Damian Lillard brauchen noch eine Menge Arbeit.

Sacramento Kings

Bitter … Die Fans der Kings können einem mehr als leid tun. Natürlich gab es zuletzt zwei knappe Heimsiege gegen Golden State sowie Detroit und die Pacers brauchten die Verlängerung, um Sacto zu bezwingen … Dennoch, die Kings sind ein kaputtes Team. Einen Wert von 15,0 bringt der durchschnittliche NBA-Profi beim Player Efficiency Rating. Bei den Kings überspringen nur DeMarcus Cousins (19,7), Marcus Thornton (17,5) und … JIMMER FREDETTE (19,8) diese Latte. Bei den Assists sieht es kaum besser aus, eher schlechter. Der Starter auf der Eins, Isaiah Thomas legt gerade 1,4 Körbe pro Partie vor, sein Ersatz Aaron Brooks kommt auf 2,0 Assists. Wer die Könige als Vorbereiter anführt? Tyreke Evans mit wenig „stocktonschen“ 3,2 Assists. Kein Wunder, dass Sacramento in Sachen Offensiveffizienz bisher den 26. Rang belegt und wie das beste Rucker-Team der Welt agiert.

San Antonio Spurs

Noch nie zuvor in der Geschichte der Franchise hatten die Sporen ihre vier Partien zum Auftakt einer Saison allesamt gewonnen. Dann kam 2012/13 und San Antonio legte eine historische Siegesserie hin. Allerdings zum Großteil ohne Manu Ginobili. Den Argentinier plagen Rückenprobleme, in seinen drei Begegnungen bisher stand er nur 17,3 Minuten auf dem Feld und erzielte 6,7 Punkte. Kann er diese gesundheitlichen Probleme nicht im Laufe der Saison abstellen, fehlt den Spurs ihr zweiter Spielmacher auf dem Flügel.

Toronto Raptors

Die Raptors wurden von vielen als Geheimtipp im Osten in Sachen Playoffs gehandelt. Mit Recht! Denn wenn Kyle Lowry von seiner Knöchelverletzung auch nur halb so heiß zurückkehrt, ist mit diesem Team zu rechnen. Der Point Guard brillierte bisher mit 18,3 Punkten, 6,3 Assists, 5,8 Rebounds, 3,0 Steals sowie 54,5 Prozent Feld-, 44,4 Dreier- und 94,4 Freiwurfquote. Hm, ob sich in Houston bald einige Menschen Fragen werden, ob es eigentlich richtig war, den Playmaker nach Kanada abzuschieben?

Utah Jazz

Mal schauen, wann die ersten „Free Enes“-Plakate bei Heimspielen der Jazzer hoch gehalten werden. Nach einer sehr guten Preseason schmort Enes Kanter 33,8 Minuten pro Partie auf der Bank. Der Grund ist bekannt: Al Jefferson (13,4 Punkte und 10,0 Rebounds), Paul Millsap (12,4 und 9,6) und Derrick Favors (7,6 und 7,0) finden sich auf dem „Depth Chart“ der Jazz vor dem türkischen Talent. Allerdings könnte sich dies bald ändern. Ein Trade einer der beiden werdenden Free Agents Jefferson und Millsap scheint so gut wie abgemachte Sache zu sein. Wohl dem also, der als Fantasy Manager Kanter greift, wenn einer der beiden Veteranen verhökert wird.

Washington Wizards

John Wall sollte in dieser Saison endlich den Sprung unter die Gruppe der jungen kommenden Superstars machen. Sollte … Bis auf weiteres darf der Point Guard gar nicht springen. In seiner linken Kniescheibe gibt es seit Wochen einen kleinen Riss, der sich zu einem Ermüdungsbruch ausweiten könnte. Deshalb darf Wall derzeit nur im Stehen werfen und sich dehnen. Wann er in den Kader zurückkehrt, ist momentan offen.

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