30 über 30, Teil 1

Willkommen bei „30 über 30“, dem neuen Feature, in dem wir euch jede Woche jeweils eine kleine Story über jede NBA-Franchise geben. Teil 1 gibt es heute, Teil 2 mit den restlichen 15 Teams folgt später …

Atlanta Hawks

Was ist mit Josh Smith los? Eigentlich war allenthalben erwartet worden, dass der werdende Free Agent 2012/13 groß aufspielt, um sich einen Maximalvertrag zu sichern. Das Gegenteil ist der Fall. 14,8 Punkte, 39,8 Prozent Feld- plus 14,3 Prozent Dreierquote sind allesamt Karrieretiefstwerte. Die Freiwurfquote? 20,0 Prozent. Dabei geht der athletische Power Forward öfter in die Zone als je zuvor. 9,4 Abschlüsse nimmt er aus bis zu drei Metern Entfernung, seine Quote aus dieser Distanz liegt bei guten 55,9 Prozent. Die Misere könnte zwei Gründe haben: Zum einen spielte Smith zuletzt deutlich gesundheitlich angeschlagen. Zum anderen knickte er im ersten Saisonspiel mit seinem rechten Knöchel um. Wie lange den athletischen Power Forward die Bänderdehnung behindert, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Ohne eine J-Smoove in bester Verfassung, fehlt den Hawks der explosivste Scorer im Team.

Boston Celtics

Die beiden Auswärtsspiele der vergangenen Tage in Milwaukee und Chicago hätten den durchwachsenen Start Bostons zu einer ersten Saisonkrise werden lassen können. Immerhin hatte Doc Rivers Truppe bis dahin nur die beiden Partien gegen extrem schlechte Wizards gewinnen können, während die Spiele in Miami sowie daheim gegen die Bucks und Sixers verloren wurden. Doch die Auswärtsfahrt half dem neuformierten Team, sich offensiv zu finden. Der Ball lief besser im Halbfeld, Rajon Rondo zeigte sich gegen die Bulls von seiner besten Seite. Dennoch gibt es weiterhin zwei dicke Baustellen. Erstens: Backup für Kevin Garnett. Ohne den Aggressiv-Leader fehlt es der Defensive der Grünen an der nötigen Intensität und Schnelligkeit im Frontcourt. Zweitens: Backup für Rondo. Der Point God ist zur Zeit, nicht zu ersetzen. Deshalb spielt er im Schnitt die meisten Minuten in der NBA (40,7) – kein anderer Celtic-Guard kreiert Würfe für seine Mitspieler …

Brooklyn Nets

Vielleicht ist es den wenigsten aufgefallen, aber die Nets vermissen derzeit zwei ihrer vermeintlich wichtigsten Spieler: Gerald Wallace sowie MarShon Brooks. Small Forward Wallace absolviert bisher nur die Auftaktpartie gegen Toronto, in der er zehn Punkte, sechs Rebounds, vier Assists sowie zwei Steals einbrachte. Seither laboriert er an einer Knöchelverletzung, die nun auskuriert scheint. Montag trainierte der 30-Jährige bereits voll mit und dürfte gegen die Celtics wieder mit von der Partie sein. Dann könnte auch MarShon Brooks wieder am Start sein, der ebenfalls Probleme mit dem Sprunggelenk hatte. So dürften die Nets mit voller Besetzung auf ihren am Sonntag beginnenden Westküstentrip zu den Kings, Lakers und Warriors gehen.

Charlotte Bobcats

Die Bobcats sorgten für einige humorige Tweets als sie Matt Carroll für Hakim Warrick von den Hornets tradeten. Der Tenor auf Twitter und in der Blogosphäre: Reis. Sack. China. Platsch. Mit Recht. Allerdings: Warrick gibt den Cats einen athletischen Power Forward, der von Bank eventuell mehr liefern kann als Dauerenttäuschung Tyrus Thomas.

Viel interessanter als der Deal für Warrick war allerdings die Partie der Bobcats gegen Dallas. Der Sieg nach Verlängerung war Balsam für die geschundene Fanseele, vor allem aber hofften die Anhänger der Rotluchse an diesem Abend die Zukunft gesehen zu haben. Rookie Michael Kidd-Gilchrist lud mit 25 Punkten, zwölf Rebounds (beides Career-Highs) und zwei Blocks zur eigenen Coming-Out-Party. Sicher, MKD dominierte in Abwesenheit eines defensiv begabten Shawn Marion, in Charlotte dürfte trotzdem heimlich die eine oder andere Freudenträne geflossen sein.

Chicago Bulls

Der Zirkus ist in der Stadt! Nein, wirklich. Die Bulls packen ihre Sachen und sind ab sofort bis einschließlich 24. November „on the road“. Schuld ist der jährliche „Circus-Trip“. „Barnum & Bailey“ schlagen ihr „Zelt“ im United Center auf, die Bullen müssen durchs Land ziehen. Und zwar: Von Phoenix, nach L.A., nach Portland, nach Houston, nach Milwaukee … Auf diesem Trip wird sich zeigen, wie gut es um den Kader von Coach Tom Thibodeau wirklich in Abwesenheit von Derrick Rose bestellt ist.

Cleveland Cavaliers

35 Punkte, 18 Rebounds, elf am Korb des Gegners gegriffene Bretter, drei Assists und zwei Steals. Diesen Arbeitsnachweis reichte Anderson Varejao am 13. November gegen die Nets ein. Beindruckende Zahlen, doch wie beeindruckend sind die Werte des Cavs-Centers wirklich? Ihr ahnt es … diese Leistung führte zu einigen Spielereien am grandiosen „Play Index“-Feature von Basketball-Reference.com.

Also … 35 Zähler und 18 Rebounds wurden seit 1990/91 in einer Begegnung (reguläre Saison oder Playoffs) 106mal aufgelegt. Allein Shaquille O’Neal gelang dies in 27 Spielen. Weniger prominente Kollegen namens Vin Baker, Shareef Abdur-Rahim, Donyell Marshall und Sam Bowie finden sich ebenfalls auf dieser Liste.

Wie steht es aber mit 35 Punkten plus elf Offensivbrettern? Hier ist die Reihe merklich kürzer. Neben Varejaos Partie gab es seit 1990/91 nur 14 andere solche Spiele, die von acht Profis geleistet wurden. Ihre Namen: Carmelo Anthony, Charles Barkley, Tim Duncan, Dikembe Mutombo, David Robinson sowie die schon genannten Bowie, O’Neal und … ANDRAY BLATCHE (36 Punkte und 16 Offensivrebounds!).

Abschließend … 35 Punkte, elf Offensivbretter, , drei Assists und zwei Steals. Hier wird die Luft dünn. Shaq, der Admiral und eben Varejao – das ist die Liste.

Dallas Mavericks

Nicht wenige hatten gehofft, dass Dirk Nowitzki früher als geplant wieder spielen würde können … Dazu wird es wohl nicht kommen. Der Superstar darf noch immer keinen Basketball anfassen. „Reha, Reha, Reha“ ist das Gebot der Stunde. „Zu Beginn sagten alle drei bis sechs Wochen und ich denke: ‚In 14 Tagen bin ich zurück!’“, erklärte Nowitzki. „Aber leider ist das nicht so gekommen. Das war die erste Knie-OP meines Lebens und leider dauert das Ganze jetzt länger, als wir das gedacht haben. Also muss ich das Richtige tun, geduldig sein und weiter arbeiten.“

Denver Nuggets

Sind die Denver Nuggets ein Team, das in der wilden Western Conference von den Turbulenzen bei den Thunder (Harden-Trade) und Lakers (Brown-Entlassung) profitieren kann? Die nächsten Partien des Kaders von Coach George Karl könnten darüber Aufschluss geben. Denn zu Hause gegen die Miami Heat, in San Antonio, Memphis und Minnesota warten gleich vier Härtetests in Folge. Außerdem: Sind die Utah Jazz die besten „Big Man Scouts“ der Liga? Nuggets-Starter Kosta Koufos wurde 2008 von den Jazz an 23. Stelle gedrafted. Dann ging es über Minnesota sowie den „Carmelo Anthony Trade“ nach Denver, wo der Grieche jetzt stark verteidigt und effizienten Teambasketball spielt.

Detroit Pistons

0-8. Wer von einem „Fehlstart“ der durchaus ambitionierten Detroit Pistons spricht, nennt die Champions-League-Finalniederlage von Bayern München wohl „einen ärgerlichen Patzer“. Natürlich lässt sich als mildernder Umstand anführen, dass die Kolben sechsmal auswärts antreten mussten. In den beiden Heimspielen ging es außerdem zunächst gegen die Rockets und den gerade getradeten (lies: SUPER motivierten) James Harden, später kamen die Oklahoma City Thunder nach Motown – gegen Oklahoma City kann man mal verlieren … Die Probleme der Pistons sind jedoch schwerwiegender als eine Laune des Spielplangestalters. In fünf Partien gab die Truppe von Coach Lawrence Frank mindestens 105 Punkte ab. Bei der Defensiveffizienz rangiert die Mannschaft hauchdünn vor den Cavs auf dem 29. Platz. Überhaupt … Lawrence Frank und Losing Streaks? War da nicht mal was? Ja, in der Saison 2009/10. Damals verloren die New Jersey Nets 18 Partien zu Saisonbeginn – das ist seither NBA-Rekord. Der Coach damals? Lawrence Frank. Immerhin ersparten die Nets-Oberen damals ihrem Trainer die Schmach beim Aufstellen der „Bestmarke“ auf der Bank zu sitzen, sie entließen ihn schon nach 16 Niederlagen.

Golden State Warriors

Andris Biedrins. Niemand weiß, was dem Letten in der Vergangenheit widerfuhr. Sicher ist nur eines: Der Lette legte 2008/09 überzeugende 11,9 Punkte, 11,2 Rebounds plus 1,5 Blocks auf. Da war er 23 Jahre alt, die Warriors schienen ihren Big Man der Zukunft gefunden zu haben. Ein Jahr zuvor hatte er einen neuen Vertrag über sechs Jahre und 54 Millionen Dollar abgeschlossen. Spieler, Management, Fans … alle waren glücklich. Und dann? Dann fiel plötzlich die Freiwurfquote des 2,11 Meter großen Big Mans von annehmbaren 55,1 Prozent auf unglaubliche 16,0. 2011/12 waren es sogar nur 11,0 Prozent! Gleichzeitig mutierte das Talent zu einem Millionengrab. Eine bittere Entwicklung. Wie bitter? Unfassbarerairballbeimfreiwurfbitter …

Houston Rockets

Houston hat ein Problem. Nachdem der Hype um den Trade von James Harden nach Texas verflogen ist, zeigt sich, dass dieses Team noch lange kein fertiges Produkt ist. Von den drei Siegen bisher wurden zwei gegen die miesen Pistons, sowie einer gegen die Hawks eingefahren. Letzteren brachte Harden mit seinem 45-Punkte-Spiel nach Hause. Nur: Seither trifft der Bärtige 33,0 Prozent aus dem Feld, 17,2 von der Dreierlinie. Immerhin waren die Raketen gegen Playoff-Anwärter wie die Heat, Grizzlies und Denver lange im Spiel – gegen Portland verlor Houston erst in der Verlängerung. Der Wunsch-Backcourt muss trotzdem schnell in die Spur finden, sonst wird die hässliche Frage aufkommen, ob Lin und Harden überhaupt zusammenpassen?

Indiana Pacers

Fünf. So viele Punkte erlaubten die Pacers vergangene Nacht zu Hause gegen die Raptors im vierten Viertel … und verloren 72:74. Seit Einführung der Shotclock im Jahre 1954 hat noch nie ein Team weniger Punkte im Schlussdurchgang zugelassen, ohne als Sieger vom Platz zu gehen. Übrigens … die Raptors waren ohne ihre Starter Kyle Lowry und Landry Fields angetreten. Da wundert es kaum, dass Indiana bei der Offensiveffizienz den 29. Rang (nur die Wizards sind mieser) belegt. Die zur Zeit siebtbeste Defensive braucht Scorer.

Los Angeles Clippers

Werden die Clippers unterschätzt? Siege gegen die famosen Grizzlies, Spurs sowie die Lakers legen diese Vermutung nahe. Dabei erzielt Blake Griffin nur 15,7 Punkte, Lamar Odom trägt nichts Zählbares bei, Chauncey Billups und Grant Hill haben noch kein Spiel absolviert. Nein, der Erfolg hat derzeit drei überraschende Paten (der Vater ist natürlich Chris Paul). Jamal Crawford spielt so effizient wie nie (50,0 FG% und 41,5 3P%), während DeAndre Jordan plötzlich – neben seinen Verteidigungstalenten – zu einem echten Faktor in der Offensive geworden ist (11,7 Punkte plus 72,0 FG%). Der dritte Pate? Die Teamdefense. 2011/12 rangierten die Clippers bei der Defensiveffizienz auf dem 18. Rang. In dieser Saison stehen sie bisher auf Platz neun. Bleibt die Verteidigung auf diesem Niveau, könnten die Clipps nach der Krone im Westen greifen!

Los Angeles Lakers

Mike D’Antoni kommt! Das war die Meldung der Woche, nicht nur in L.A. sondern der kompletten Basketballwelt. Passt der 7-Seconds-or-Less-Papst zu den Lakers? Wäre die Triangle Offense nicht die bessere Variante, Phil Jackson die logischere Wahl gewesen? Diese Frage abschließend zu beantworten, würde hier zu weit führen. Nur soviel: Die Wahl von D’Antoni geht mit mindestens ebenso vielen Risiken einher, wie es die von Phil Jackson getan hätte. Natürlich hat die Triangle-Offense Titel gewonnen, während der Fastbreakstil die Suns oder Knicks nie auch nur in die Finals brachte. Jacksons System ist allerdings mitten in einer Saison kaum zu erlernen, Dwight Howard ist nicht die Lowpost-Präsenz, die Shaquille O’Neal war. Ihm liegt das Pick-and-Roll um einiges mehr. Allerdings muss D’Antoni vor allem die Defensive in den Griff bekommen. Dort lagen die Hauptprobleme der Lakers – auch wenn der Angriff eher holperte als floss. Dies wird die Hauptaufgabe des neuen Coaches sein, genau wie General Manager Mitch Kupchak nach Verstärkung für die Bank Ausschau halten muss (vor allem nach Distanzschützen).

Memphis Grizzlies

Wenn es einen Mitarbeiter der vergangenen Woche in der NBA gab, dann Wayne Ellington. Seit 2009 verdingt sich der Shooting Guard als Distanzschütze in der Association … aufgefallen ist er seither nicht sonderlich. Dabei wurde Ellington 2009 zum „Most Outstanding Player“ der NCAA Final Four gewählt, als er mit der University of North Carolina den Titel gewann. Damals ebenfalls im Team der Tar Heels: Tyler Hansbrough (Pacers), Ty Lawson (Nuggets), Danny Green (Spurs) sowie Tyler Zeller (Cavaliers). Wie gesagt, bei den Profis lief es danach durchwachsen für den 28. Pick der Draft. Bei den Timberwolves lieferte er ordentliche Quoten von Downtown, mit nur 1,93 Meter und ohne die Fähigkeit am Ring zu finishen, blieb der Durchbruch indes aus. Am vergangenen Sonntag jedoch, war Wayne Ellington der Star des Abends – auch wenn neben ihm LeBron James, Dwyane Wade, Chris Bosh, Ray Allen, Zach Randolph und Rudy Gay auf dem Feld standen. Ellington steuerte zum 104:86-Sieg der Grizzlies gegen die Heat 25 Punkte ein, traf sieben seiner elf Dreier – beides Karrierebestwerte.

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