30 über 30, Teil 1

Willkommen bei „30 über 30“, dem neuen Feature, in dem wir euch jede Woche jeweils eine kleine Story über jede NBA-Franchise geben. Teil 1 gibt es heute, Teil 2 mit den restlichen 15 Teams folgt später …

Atlanta Hawks

Was passiert mit Jeff Teague? Der Point Guard und die Hawks konnten sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen – jetzt wird der 24-Jährige im kommenden Sommer ein Restricted Free Agent. Fragt sich: Wie motiviert war General Manager Danny Ferry überhaupt, den Aufbau langfristig zu binden? Immerhin haben die Falken 2013 eine Menge Platz unter dem Salary Cap und sehnen sich heimlich danach einen alten Fehler zu korrigieren … 2005 draftete die Franchise an zweiter Stelle, den unlängst nach Utah geschickten, Marvin Williams und verschmähte Chris Paul. Letzterer wird 2013 vertragsfrei…

Boston Celtics

Die Bank der Celtics sollte eine der tiefsten der Liga sein, bisher können die Reservisten der Grünen, dies aber kaum zeigen. Jason Terry (8,7 PPG, 38,1 FG% und 28,6 3P%) braucht noch Zeit, Jeff Green (8,3 PPG, 2,0 RPG, 43,5 FG%) knüpft bisher nicht an die sehr guten Leistungen der Preseason an. Jared Sullinger und Courtney Lee bemühen sich, finden aber bisher keinen Rhythmus. Einzig Leandro Barbosa (7,0 PPG und 57,1 FG% in nur 10,3 MPG) scheint sich offensiv sofort eingelebt zu haben. Allerdings wird Coach Doc Rivers mit Problemen im Angriff zunächst leben können. Rajon Rondo wird irgendwann die Vorlieben seiner Mitspieler auswendig können und sich entsprechend in Szene setzen. Rivers’ Augenmerk liegt auf der Verteidigung. Hier müssen die Celtics die gleiche Sprache sprechen.

Brooklyn Nets

Mikhail Prokhorov hält trotz des durchwachsenen Starts seiner Nets an seinem Fünfjahresplan fest. In den kommenden drei Spielzeiten soll in Brooklyn ein Meisterschaftsbanner von der Decke baumeln. So versprach es der Oligarch vor zwei Jahren, sollte sein Team in dieser Zeit nicht die „Larry O’Brien“-Trophäe in die Höhe recken, würde er heiraten … für den freiheitsliebenden Tausendsassa keine allzu angenehme Vorstellung. „Ich habe nur noch drei Jahre“, erklärte Prokhorov also nach dem Sieg der Nets gegen die Raptors. „Ansonsten muss ich heiraten. Deshalb gibt es wohl niemanden, der sich für die Championship so reinhängt wie ich.“

Charlotte Bobcats

Halleluja! Die Bobcats haben eines ihrer beiden ersten Spiele gewonnen! Das müssen die Fans und Verantwortlichen in Charlotte doch gebührend feiern? Nun, also, besser nicht … 2011/12 begann die schlechteste Saison aller NBA-Zeiten mit einem 96:95-Sieg der Bobcats über die Bucks. Zwei Tage später verlangte das Team von Ex-Coach Paul Silas den Miami Heat alles ab, bevor es mit 95:96 verlor. Die Bobcats gewannen sogar noch gegen New York und standen bei einer Bilanz von 2-4. Doch daraus wurde flugs ein 4-26 und schließlich die unrühmliche 7-59-Spielzeit, die mit der schlechtesten Siegquote aller Zeiten endete, 11,9 Prozent.

Chicago Bulls

Wer hätte gedacht, dass während der Abwesenheit von Derrick Rose der Topscorer der Bulls Joakim Noah sein würde? Mit 16,0 Punkten führt er derzeit Chicago an, dicht gefolgt von Luol Deng, der 15,8 Zähler auflegt. Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass Noah 3,1 Würfe pro Partie mehr nimmt als noch 2011/12, während bei Deng, Carlos Boozer, Rip Hamilton und Taj Gibson die Anzahl der Versuche aus dem Feld gleich geblieben ist.

Cleveland Cavaliers

Was gab es nicht für lange Gesichter bei vielen Draft-Experten, nachdem die Cavs Dion Waiters im Juni gezogen hatten. Nach vier Spielen jedoch sorgt die Paarung Kyrie Irving/Dion Waiters für freudiges Entzücken in Ohio. Der Rookie liefert 16,3 Punkte, 48,0 Prozent Wurfquote sowie 55,0 Prozent von der Dreierlinie. Sollte der Neuling seine – bisher eher rudimentär ausgeprägten – Spielmacherfähigkeiten ein wenig aufpolieren, dürften diese Cavs für Furore sorgen.

Dallas Mavericks

Die Mavs stehen nach vier Spielen bei einer überraschend guten Bilanz von 3-1 und vor allem ein Maverick weckt Begehrlichkeiten nach mehr: O.J. Mayo. Nach einem durchwachsenen Auftakt bei den Lakers sowie Jazz (je zwölf Punkte), explodierte der Shooting Guard in den Partien (30) gegen die Bobcats und Portland (32). In den ersten vier Begegnungen der Saison kommt der Neuzugang auf grandiose 50,9 Prozent aus dem Feld, 66,7 Prozent von der Dreierlinie, 21,5 Punkte. Ist er also der Star, den Mark Cuban in seinen Träumen an der Seite von Dirk Nowitzki sieht? Diese Frage wird sich erst beantworten lassen, wenn die Mavs gegen defensiv bessere Gegner antreten. Die Knicks am kommenden Freitag und Pacers am 16. November dürften aussagekräftigere Prüfsteine sein.

Denver Nuggets

Die ersten drei Auswärtsspiele der Nuggets gingen allesamt verloren. Defensiv leistete Denver von Partie zu Partie immer weniger Widerstand. Gab die Truppe von George Karl zu Beginn noch 84 Zähler gegen die Sixers ohne Andrew Bynum ab, waren es in Orlando schon 102 und etwas weiter südlich am South Beach gar 119! Gegen Detroit gelang zwar der erste Erfolg, doch auch die schwachen Pistons kamen auf 97 Punkte. Am eigenen Korb besteht extremer Handlungsbedarf.

Detroit Pistons

Apropos Detroit … Die Kolben verloren ihre ersten vier Spiele und hielten nur die Phoenix Suns unter 105 Punkten. Irgendwo drehen sich die Bad Boy Pistons im Franchise-Mausoleum um. Gegen Denver sorgte die defensive Indifferenz Detroits sogar für ein komplettes Highlight-Video von JaVale McGee, aber seht selbst …

Golden State Warriors

Brandon Rushs Kreuzbandriss trifft die Warriors, dürfte aber nicht über das Wohl und Wehe der Saison entscheiden. Anders sieht es da schon mit dem Status von Andrew Bogut aus. Der Center ist nach seinem Knöchelbruch endlich im Kader, darf im gesamten November indes nicht länger als 20 Minuten pro Begegnung auf das Parkett – in Partien, die am Tag nach einem Spiel anstehen, darf er bis auf weiteres gar nicht eingesetzt werden. Fragt sich: Verliert Golden State in diesen Wochen ohne den Defensivanker zu viel Boden im Rennen um die Playoffs?

Houston Rockets

37 Punkte, 12 Assists, 6 Rebounds, 4 Steals … das war James Hardens grandioses Debüt in Houston. Doch wie grandios war der erste Auftritt des Bärtigen als Rakete wirklich? Hier eine Liste der Spieler, die in der Geschichte der NBA mindestens die Werte Hardens in einer Partie auflegten …

SPIELERTEAMGEGNERMINFG%3P%FT%REBASTSTLPKT
Larry BirdBOSPOR5454,325,090,01412449
Dwyane WadeMIACHI5071,483,372,2612448
Michael JordanCHIIND4656,70,092,91113447
Kenny AndersonNJNDET4846,225,087,0814445
Michael AdamsDENNJN4143,333,384,21112445
James HardenHOUDET4456,040,083,3612437

Interessant: Larry Bird und Dwyane Wade brauchen Double-Overtime-Spiele, Kenny Anderson zumindest eine Verlängerung, um auf diese Zahlen zu kommen. Michael Jordan verlor als einziger Akteur auf dieser illustren Liste die Partie, in der er so abging. Michael Adams spielte 1990/91 bei einem Nuggets Team, welches dem ultimativen Run-and-Gun-Basketball frönte und in der fraglichen Saison 130,8 Punkte pro Begegnung auflegte …

Indiana Pacers

Bitter … Danny Granger wird den Indiana Pacers wohl drei Monate fehlen. Grund sind seine Kniebeschwerden (Jumper’s Knee), die einfach nicht besser wurden. Granger bekam eine Injektion in das betroffenen Gelenk und braucht jetzt Ruhe. Der Ausfall des All Stars und Topscorers der Pacers ist besonders bitter, da Shooting Guard Paul George (40,7 FG% 33,3 3P%), Small Forward Gerald Green (39,5 FG% und 29,4 3P%) und Point Guard George Hill (36,0 FG% und 21,1 3P%) bisher ihren Wurf noch nicht gefunden haben.

Los Angeles Clippers

Lamar Odom verzweifelt gesucht. Wer gedacht hatte, dass die Rückkehr nach Los Angeles den ehemals so vielseitigen Power Forward sportlich gut tun würde, lag wohl falsch. Nach einer katastrophalen Spielzeit in Dallas setzt Odom seinen Absturz bei den Clippers fort. Sichtlich außer Form bringt der zweifache NBA-Champion bittere 2,8 Punkte, 2,3 Rebounds sowie eine Wurfquote von 29,4 Prozent. Ach ja, Odom bekommt dafür in dieser Saison 8,2 Millionen Dollar …

Los Angeles Lakers

Puh … Erst ging die medizinische Abteilung der Lakers davon aus, dass Steve Nash nach seinem Haarriss im Bein bis zu vier Wochen ausfallen würde. Jetzt heißt es, der zweifache MVP wird in sieben bis zehn Tagen wieder an Bord sein. Gut so. Denn Kobe Bryant (Fuß) und Dwight Howard (noch immer nicht bei 100 Prozent Kondition) sind ebenfalls angeschlagen.

Memphis Grizzlies

Ist es zu früh, um Panik zu machen? Sicherlich. Immerhin gewannen die Grizzlies zwei ihrer ersten drei Partien. Aber … In Memphis wird in dieser Saison ganz genau die Dynamik zwischen Rudy Gay und Zach Randolph beobachtet. Können die beiden Stars miteinander effektiv im gleichen Team agieren oder muss einer gehen? Bisher sieht es nicht gut aus. Randolphs Rolle im Angriff ist zwar größer als vergangene Saison (er nimmt 4,5 Würfe mehr als 2011/12), seine Wurfquote mit 40,9 Prozent die schlechteste seiner Karriere. Auch Gay schließt öfter ab als im Vorjahr (2,3 Würfe mehr), seine Werte bewegen sich aber aus dem Feld (37,5 FG%) und von Downtown (14,3 3P%) ebenfalls am absoluten Karrieretiefpunkt. Wie gesagt, noch ist es zu früh, Stunden vor der Trade Machine zu verbringen. Aber die Frage ob Gay und Randolph zusammenpassen, wird diese Saison beantwortet werden müssen.

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